Authentizität. Geschlechtsspezifische Unterschiede


Hausarbeit, 2015

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. „The Role of Authenticity in Healthy Psychological Functioning and Subjective Well-being”
2.1 Methode
2.2 Stichprobe
2.3 Ergebnisse
2.4 Diskussion

3. “Authenticity in College-Aged Males and Females, How Close Others are Perceived, and Mental Health Outcomes”
3.1 Methode
3.2 Stichprobe
3.3 Ergebnisse
3.4 Diskussion

4. Eigene Überlegungen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heutzutage leben wir in einer Welt, die mehr aus Schein als aus Sein besteht. Gleichzeitig streben immer mehr Menschen nach dem Ideal, sie selbst zu sein oder zu werden. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Begriff Echtheit und nennt dies Authentizität. Kernis und Goldman (2006) definieren Authentizität als „das ungehinderte Ausleben des eigenen Wesenskerns und wahren Selbst im alltäglichen Leben“. Warum suchen zunehmend mehr Menschen nach ihrem wahren Kern? Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen Authentizität und psychischer Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO, 1948) definiert: „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“. Die erste Studie (Kernis & Goldman, 2002) klärt den Einfluss von Authentizität auf mentale Gesundheit und Wohlbefinden auf. Zudem wird der Begriff Authentizität in einzelnen Komponenten näher bestimmt.

Interessant ist auch die Frage, wie weit nahestehende Bezugspersonen, wie Eltern, nicht-elterliche Erwachsene und Freunde, als Vorbild dienen, sich authentisch zu verhalten. Wie weit determinieren Geschlechtsideologien die Persönlichkeitsentfaltung? Sind diese förderlich oder eher hinderlich, das wahre Selbst zuzulassen? In der zweiten vorgestellten Studie (Wenzel & Lucas-Thompson, 2012) setzten sich die Autoren mit diesen Einflussfaktoren bei der Entwicklung von Authentizität auseinander und gingen der Frage nach, ob eventuell auch geschlechtsspezifische Unterschiede vorliegen. Des Weiteren wurden die Effekte der Authentizität auf seelisches Wohlbefinden untersucht.

2. „The Role of Authenticity in Healthy Psychological Functioning and Subjective Well-being”

Brian M. Goldman und Michael H. Kernis befassten sich im Jahr 2002 mit dem Konzept von Authentizität und deren Zusammenhang mit mentaler Gesundheit und Wohlbefinden.

2.1 Methode

Für die Studie wurde ein korrelatives Verfahren eingesetzt. Die Versuchspersonen mussten die folgenden fünf Skalen ausfüllen. Die Skalen 1-4 maßen das subjektive Wohlbefinden, während Skala 5 die dispositionale Authentizität erfasste.

Skala 1 (Self-Esteem Level, Rosenberg, 1965), bestand aus zehn Items zur Erfassung des globalen Selbstwerts. Skala 2 (Contingent Self-Esteem Scale, Paradise & Kernis, 1999), beinhaltete 15 Items und maß den Einfluss der Umwelt auf den eigenen Selbstwert (z.B. durch Erfüllung der Erwartung anderer). Skala 3 (Life Satisfaction, Diener et al., 1985) erfasste mit sieben Items die globale Lebenszufriedenheit während der letzten Tage. Bei Skala 4 (Positive and Negative Affect Scale, Brunstein, 1993) mussten die Versuchsteilnehmer angeben, wie häufig sie die in der Skala beschriebenen zehn positiven und zehn negativen Emotionen während der letzten Tage empfunden hatten.

Skala 5 (Authenticity Inventar, Goldman & Kernis, 2001) bestand aus vier Subkomponenten. Die erste Komponente Awareness stand für Bewusstheit über die eigenen Stärken und Schwächen. Die zweite Komponente Unbiased Processing drückte Unvoreingenommenheit gegenüber Rückmeldung auf die eigene Person aus. Die dritte Komponente Behavioral Action beschrieb die Übereinstimmung des Verhaltens mit den eigenen Werten. Abschließend gab die vierte Komponente Relational Orientation Offenheit und Wahrhaftigkeit in engen Beziehungen wieder.

2.2 Stichprobe

An der Studie beteiligten sich 79 Psychologie-Studenten einer amerikanischen Universität. Für ihre Teilnahme erhielten sie Versuchspersonenstunden.

2.3 Ergebnisse

Zunächst wurden zwischen den einzelnen Skalen zum Wohlbefinden (1-4) und der globalen Authentizität (gesamt) Korrelationen gebildet; ebenso zwischen den Skalen 1-4 und den vier Subkomponenten der Authentizität (Awareness, Unbiased Processing, Behavioral Action, Relational Orientation).

Die Ergebnisse zeigten, dass alle vier Skalen zum Thema Wohlbefinden mit Skala 5 zur Authentizität (gesamt) korrelieren. Tabelle 1 zeigt, dass Authentizität mit höherer Lebenszufriedenheit (r = .40) und höherem Selbstwert (r = .33) zusammenhängt. Des Weiteren ist höhere Authentizität mit weniger umweltabhängigem Selbstwert (r = -.27) und weniger negativem Affekt (r = -.31) verbunden.

Die Korrelationen zwischen den vier Skalen zum Wohlbefinden und den einzelnen Subkompone ebenso in Tab. 1 abgetragen.

Tabelle 1

Korrelationen der vier Skalen zum Wohlbefinden mit Authentizität (gesamt), sowie mit den einzelnen Subkomponenten von Authentizität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Diskussion

Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Hypothese, dass Authentizität aus mehreren verschiedenen Subkomponenten besteht. Außerdem ist Authentizität mit einem höheren Wohlbefinden verbunden: Authentischere Personen empfinden weniger negative Emotionen und sind mit ihrem Leben generell zufriedener. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Studie vielversprechende Ergebnisse liefert, dass Authentizität mit psychischer Gesundheit und subjektivem Wohlbefinden verbunden ist.

3. “Authenticity in College-Aged Males and Females, How Close Others are Perceived, and Mental Health Outcomes”

Amanda J. Wenzel und Rachel G. Lucas-Thompson (2012) untersuchten die dispositionale Authentizität bei männlichen und weiblichen Studenten, deren wahrgenommene Authentizität ihrer Bezugspersonen sowie den Zusammenhang von Authentizität und mentaler Gesundheit.

3.1 Methode

Die Studie wurde mittels online-Fragebögen durchgeführt, die Items zur Selbstauskunft über allgemeine Informationen, Authentizität, eigene Geschlechtsideologie, Selbstbewusstsein und depressive Symptomatik enthielten.

Neben Angaben zur eigenen Identität kamen Fragen zur Identifikation eines wichtigen nicht-elterlichen Erwachsenen (VIP) und der eines guten Freundes (Einfluss und Kontakthäufigkeit) hinzu. Um die eigene Authentizität zu erfassen, wurde eine Variante des Authenticity Inventory 3 (AI-3; Kernis and Goldmann, 2006) verwendet. Zwölf Items maßen das Bewusstsein für die eigenen Gefühle und Motive, weitere Items befragten die wahrgenommene Authentizität von Bezugspersonen (Mutter, Vater, VIP, Freund). Die Geschlechterideologie wurde in elf Fragen zur persönlichen Haltung erfragt. Anschließend untersuchte man die wahrgenommenen geschlechtsstereotypen Ansichten der Bezugspersonen. Die depressiven Symptome erfassten 20 Fragen aus der Center for Epidemiological Studies Depression (CES-D) Scale (Radloff, 1977). Zehn Fragen zum Selbstwertgefühl aus der Rosenberg Self-Esteem (RSE) Scale rundeten die Studie ab. Die Reihenfolge der Fragebögen war randomisiert.

3.2 Stichprobe

Die Stichprobe setzte sich aus 470 Studenten (18 bis 22 Jahre alt) von U.S. Colleges und U.S. Universitäten zusammen. Der weibliche Anteil betrug 68%. Die Studenten besuchten das Macalester College (41%), die University of California, Irvine (UCI) (31%) und 54 andere U.S. Colleges (28%). Die Teilnehmer wurden über E-Mails und soziale Netzwerke (vorwiegend Facebook) rekrutiert. Außer für die Studenten der UCI, die Extra-Credits für die Teilnahme erhielten, gab es für die Studie keine Vergütung.

3.3 Ergebnisse

Die Hypothese H1, Männer seien authentischer als Frauen, konnte nicht bestätigt werden. H2, die Wahrnehmung von anderen als authentisch führe zu eigener Authentizität, wurde bei den Studentinnen bezüglich der wahrgenommenen Authentizität der Mutter sowie der einer VIP bestätigt. Bei den Studenten zeigt sich eine Tendenz zur Signifikanz nur bei wahrgenommener Authentizität der Mutter. Die Hypothese H3, nach der die wahrgenommene egalitäre Haltung der Bezugspersonen hinsichtlich der Geschlechtsideologie zu mehr Authentizität führe, konnte ebenfalls nicht bestätigt werden. Für die Hypothese H4, dass die Wahrnehmung des gleich-geschlechtlichen Elternteils als authentisch im Vergleich zum anders-geschlechtlichen zu mehr Authentizität führe, konnten keine unterstützenden Ergebnisse gefunden werden. Die fünfte Hypothese, dass Authentizität zu weniger depressiven Symptomatik führe, konnte bestätigt werden. Ebenso die Hypothese H6, Authentizität führe zu einem hohen Selbstwert. H7, der Effekt von H5 und H6 treffe stärker auf Frauen zu, ergab keine Signifikanz. H8, die egalitäre Sichtweise von anderen führe zu eigener egalitären Sichtweise, konnte wiederum bestätigt werden. Jedoch mit einem geschlechtsspezifischen Unterschied: Für Frauen waren Mutter, Freund und VIP, für Männer nur der Freund ausschlaggebend. H9, eine egalitäre Sichtweise in der Geschlechtsideologie führe zu mehr Authentizität, wurde nicht signifikant.

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Authentizität. Geschlechtsspezifische Unterschiede
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V356839
ISBN (eBook)
9783668421639
ISBN (Buch)
9783668421646
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Authentizität, Geschlecht, Ausprägung, Psychische Gesundheit, authentisch
Arbeit zitieren
Vladislav Tsekov (Autor), 2015, Authentizität. Geschlechtsspezifische Unterschiede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356839

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