Burnout als Gefährdung in der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2015

29 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Was ist Burnout?
1.1. Definition
1.2. Ursachen
1.3. Symptome und Verlauf

2. Entstehung und Komplexität von Burnout bei Fachkräften der Sozialen Arbeit

3. Handlungsmöglichkeiten gegen Burnout
3.1. Burnout-Prävention
3.2. Burnout-Behandlung/Interventionsperspektive

Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Das Thema Burnout gewinnt heutzutage immer mehr an Bedeutung. In den letzten Jahren ist dieses Thema so aktuell geworden, dass das im Jahre 2011 sogar zur Gründung des Deutschen Bundesverbands für Burnout-Prophylaxe und Prävention geführt hat.

Der BDP-Bericht 2012 erhält ein Kapitel „Burnout – eine neue Volkskrankheit?“ Nachdem dieser Bericht erschienen ist, wächst durch Presseartikel und Fernsehsendungen öffentliche Diskussion über die sich anscheinend epidemieartig ausbreitende neue Volkskrankheit „Burnout“ an.

Krankenkassen, Rentenversicherungen und Fachverbände veröffentlichen immer neue alarmierende Zahlen über vermehrte Krankenschreibungen und frühzeitige Berentungen wegen psychischer Störungen. Es gibt aber keine klaren Aussagen über die Häufigkeit von Burnout-Erkrankungen, selbst wenn in den Medien immer wieder teils beeindruckende Zahlen verbreitet werden, weil in Gesundheitswesen Burnout immer noch nicht als Krankheit gilt. Das liegt unter anderen daran, dass es keine einheitliche Definition von Burnout gibt.

Burnout im Allgemeinen und besonders in der Sozialarbeit hat viele soziale und ökonomische Auswirkungen. Für die Institutionen, in denen Burnout-Erkrankten tätig sind, bedeutet dies, dass die Effektivität der Arbeit verringert wird und dass die Hilfeleistung beeinträchtigt wird. Die Zahl der Arbeitsausfälle, die durch Burnout verursacht sind, ist in letzter Zeit angewachsen. Viele Betroffene geben den Beruf schließlich auf und gehen vorzeitig in den Ruhestand. Leiter und Maslach haben rausgefunden, dass „der Schaden für die allgemeine Gesundheit durch Burnout so groß ist wie durch Rauchen und Übergewicht zusammen“ (Maroon 2008, S.6; zitiert nach Leiter/Maslach 2005, S.15).

Ursprünglich galt Burnout als eine spezifische Problematik von helfenden Berufen. Ausbrennen konnten demnach z.B. Krankenschwestern, Lehrer oder auch Sozialarbeiter, die sich im Bemühen um das Wohl ihrer Mitmenschen verausgaben. In den vergangenen Jahren wurde Burnout dann eher als eine Art „Manager-Krankheit“ wahrgenommen, die vor allem unter dauerstressstehende Leistungsträger betreffen soll. Zwischenzeitlich wurde jedoch deutlich, dass ein Burnout eben nicht nur gestresste Manager oder Helfer treffen kann, sondern praktisch alle Bevölkerungsgruppe – vom Burnout sind Sportler, Schauspieler, Journalisten, Architekten, Polizisten betroffen. Unter anderem können auch Rentner und Arbeitslose unter praktisch den gleichen Symptomen leiden. Alarmierend sind Hinweise darauf, dass erste Anzeichen eines Burnouts bereits bei Schülern, Lehrlingen und Studenten feststellbar sind.

Das Phänomen des Ausbrennens gibt es zwar in allen Berufen, doch der Sozialen Arbeit mit ihren helfenden Arbeitsfeldern eine immer größere Bedeutung zukommt. Unter Wissenschaftlern besteht eine Klarheit darüber, dass Tätige helfender Berufe, darunter auch Sozialarbeiter Burnout besonders gefährdet sind, denn ein Burnout tritt bei hochengagierten Menschen mit hohen Idealen besonders häufig auf und so sind die meisten Sozialarbeiter. Sie wählen den Beruf aus, weil sie anderen Menschen helfen möchten, wissen aber noch nicht, um was sich die Arbeit eigentlich handelt. Sie fangen ihre Berufsleben mit idealistischen Vorstellungen und unrealistischen Erwartungen an, stoßen bald aber an die institutionellen Gegebenheiten, die ihre Möglichkeiten begrenzen. Dadurch entsteht Enttäuschung, Frustration und Unsicherheit, all das über lange Zeit hinweg kann zu Burnout führen.

Die Erforschung des Burnouts ist eine wichtige Aufgabe für die Soziale Arbeit. Man hofft, Muster und Verbindungen zu finden, die Menschen in diesem Beruf beeinflussen und ins Burnout treiben.

In dieser Arbeit versuche ich zu der Frage „Warum sind Sozialarbeiter Burnout besonders gefährdet?“ ein Stück näher zu kommen und Entstehungsursachen sowie Komplexität aber auch Bewältigungsstrategien eines Burnouts insbesondere bei den Tätigen der Sozialen Arbeit zu beschreiben.

1. Was ist Burnout?

Das Wort Burnout stammt aus dem englischen und lässt sich leicht übersetzen: Burn out heißt so viel wie „ausbrennen“. Auf den Gesundheitsbereich übertragen wird es als „Burnout-Syndrom“ beschrieben.

Menschen mit Burnout-Syndrom fühlen sich extrem erschöpft und häufig innerlich leer, als ob sie ausgebrannt wären. Dieser Geisteszustand hat dem Phänomen Burnout den bekannten Namen gegeben.

Obwohl Burnout in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile den Status einer Volkskrankheit besitzt, zögern sowohl medizinische Experten, als auch Gesundheitspolitiker, Burnout als Krankheit zu bezeichnen. Auch in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten und gesundheitlichen Störungen wird Burnout bislang nicht als eigenständige Krankheit aufgeführt und ist dort lediglich unter den Faktoren zu finden, „die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten führen“ und als „Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ genannt (vgl. Payk 2013, S.18).

Für die Kritik an einer Einschätzung von Burnout als Krankheit sind verschiedene Gründe auszumachen: Die bei Burnout konstatierten Symptome lassen sich zunächst nicht klar von anderen psychischen Krankheiten wie dem Chronischen Müdigkeits-Syndrom oder Depression abgrenzen. Zudem ist es Wissenschaftlern wie bei anderen psychischen Erkrankungen bis heute nicht gelungen, Burnout durch überprüfbare Verfahren im Körper nachzuweisen. Von Kritikern des Burnouts wird auch die Art und Weise der Diagnoseerhebung bemängelt, für die die Aussagen der Patienten in der Regel aufgrund standardisierter Fragebögen zentral sind.

Die Kritik scheint jedoch keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Burnout zu besitzen, denn Schätzungen zufolge sind etwa 10 Prozent aller Arbeitnehmer, die in Risikoberufsgruppen arbeiten, vom Burnout-Syndrom betroffen (vgl. Findeisen/Hockling 2008, S. 13; Kury 2012, S. 271).

1.1. Definition

Eine einheitlich anerkannte wissenschaftliche Definition des Begriffs existiert bis heute nicht. Viele Studien, die in den letzten Jahren über Burnout durchgeführt wurden, spiegeln die unterschiedlichen Sichtweisen auf dieses Phänomen und seine vielfältigen Elemente wieder. Die Anzahl von Definitionen ist kaum überschaubar. Nach der Meinung Matthias Burisch sind alle bis heute vorgeschlagenen Definitionen „entweder zu umfassend oder zu spezifisch“ (Burisch 2010, S.14). Die zahlreichen für Burnout vorgelegten Charakterisierungen wurden von Marion Rook umfangreich zusammengestellt (vgl. Rook 1998, S. 109).

Burnout-Forscher der ersten Stunde gilt Herbert J. Freudenberger. Aus eigener Erfahrung während der Arbeit in alternativen Drogen-, Selbsthilfe- und Kriseneinrichtungen beschrieb er 1974 in einer Zeitschrift mit „Staff Burn-out“ als erster körperlich-psychischen Folgen durch chronische Arbeitsüberlastung. Er hatte beobachtet, wie aus ehemals pflichtbewussten und hoch engagierten Mitarbeitern nach mehreren Berufsjahren Personen geworden waren, die Symptome körperlicher Erschöpfung und Müdigkeit zeigten und Anzeichen von Depression entwickelt haben. Er definierte Burnout als einen emotionalen Zustand, der besonders bei Angehörigen der helfenden Berufe auftritt und der – durch übermäßigen Stress ausgelöst – zu verminderter Motivation und Antriebslosigkeit führt und mit Einstellungs- und Verhaltensänderungen einhergeht.

Auch die Sozialpsychologin Christina Maslach beschrieb Burnout zunächst als ein „Helfersyndrom“. Sie publizierte 1976, 1978 die Ergebnisse über die Belastungen von emotional fordernden sozialen Berufen (Ärzte, Krankenschwester, Pflegepersonal) und fasste 1982 in „Burnout: The Cost of Caring“ diese Berufe zusammen. Sie beschrieb auch 3 zentrale Hauptdimensionen von Burnout. Ihres Erachtens ist Burnout „ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und persönlicher Leistungseinbußen bzw. subjektiv reduzierter Leistungsfähigkeit, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonders, wenn diese in Not sind oder Probleme haben“ (Burisch 2010, S. 17; zitiert nach Maslach 1982 a).

Die beiden Definitionen wurden kritisiert, weil sie Burnout auf die Menschen beschränken, die mit Klienten arbeiten, also Helfer, zu denen auch Sozialarbeiter zählen. Das Burnout-Syndrom tritt jedoch bei allen Berufsgruppen auf.

So wie bei den obengenannten Definitionen wird das Burnout-Syndrom meistens als einen Seelenzustand erklärt, also einen subjektiven psychischen Zustand. Demzufolge weißt man nicht, wo die Grenzen dabei sind, wo die Sache ernst genommen und wann sie behandeln werden muss.

Es gibt auch andere Sichtweisen, wo Burnout als Entwicklungsprozess definiert wurde, in dessen Verlauf sich die Einstellung und das Verhalten des Betroffen aufgrund vom arbeitsbedingten Druck verschlechtern. So z.B. die Psychologen Cherniss, Eldwich und Brodsky betrachten das Phänomen auf institutionelle Ebene und sehen Burnout als Resultat der Arbeitsbedingungen (vgl. Maroon 2008, S.14).

1.2. Ursachen

Ursachen von Burnout lassen sich in den persönlichkeitszentrierten und umweltorientierten Erklärungsansätzen aufteilen.

Aus der Sicht des ersten Erklärungsmodells werden persönliche Faktoren des Individuums, wie Idealismus und Perfektionismus oder hoher Ehrgeiz und zu hohe Erwartungen als individuelle Burnout-auslösende Ursachen benannt (vgl. Gusy 1995, S.32; Röhrig/Reiners-Kröncke 2003, S. 30; Findeisen/Hockling 2008, S.38).

Gibt es Menschen, die von ihrer Persönlichkeitsausstattung her besonders anfällig für Burnout sind? Laut Findeisen und Hockling gibt es 4 typische Persönlichkeiten: Perfektionisten, Helfer, „Nicht-Nein-Sagen“-Könner und Idealisten, die dem Burnout-Syndrom besonders gefährdet zu sein scheinen (vgl. Findeisen/Hockling 2008, S. 39).

Jede Aufgabe, die Perfektionisten bewältigen müssen, stellt sie permanent vor neue Herausforderungen: Sie wollen bei der Erledigung immer die Ersten sein. Deshalb ist jede Aufgabe eine Aufforderung an sie, ihr absolut Bestes zu geben – und das bedeutet nichts anderes als primären Stress.

Helfer fühlen sich wertvoll und sehen den Sinn in ihrem Leben, nur wenn sie andere unterstützen können, wenn andere ihre Hilfe brauchen und auf sie angewiesen sind. Dabei vergessen sie oft ihre eigenen Bedürfnisse.

„Nicht-Nein-Sagen“-Könner sind oft sehr unsicher und leiden unter mangelndem Selbstbewusstsein.

Idealisten lassen sich gerne von Ideologien und Träumen leiten und setzten sich sehr ferne Ziele.

Aber diese Persönlichkeitsmerkmale alleine an sich lösen noch kein Burnout aus. Burnout beginnt erst dort, wo Menschen viel leisten, oft aus idealistischen Gründen, erleben aber im Verhältnis dazu wenig Erfolg und Bestätigung, der sie neu motivieren könnte.

Als hauptsächliche Ursache gilt in diesem Fall eine zunehmende Diskrepanz zwischen den idealistischen Erwartungen an die beruflichen Aufgaben und den tatsächlich gemachten Erfahrungen, dass die ursprüngliche Hoffnung nicht mit der Realität in Einklang zu bringen ist.

Ein Burnout erwächst sowohl aus persönlicher Disposition als auch aus Umweltbedingungen. Von daher der Ausgangspunkt des anderen Erklärungsmodells ist soziale, Arbeits- und Organisationsbedingungen (vgl. Gusy 1995, S. 31; Röhrig/Reiners-Kröncke 2003, S. 37; Findeisen/Hockling 2008, S. 41). Demzufolge wird Burnout weitgehend auch auf eine berufliche Überlastung durch gestiegene Anforderungen und mangelnde Ressourcen in unserer modernen Arbeitswelt zurückgeführt, d.h. durch den psychosozialen Stress.

Zu den sozialen Belastungen der modernen Arbeitswelt gehören z.B.:

- Überforderung,
- Arbeitsverdichtung,
- Zeitmangel,
- Termindruck,
- Monotonie und wenig fordernde Arbeitsabläufe,
- Schichtarbeit,
- Personalabbau,
- Konfliktsituationen mit Arbeitskollegen oder Vorgesetzten,
- Mobbing

(vgl. Payk 2013, S. 58; VBW 2014, S. 126; Wenninger 2014, S. 20; Müller-Timmermann 2008, S. 39; Findeisen/Hockling 2008, S. 43).

Mangelnde Anerkennung und Belohnung spielen auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Burnout. Wir erwarten – bei allem, was wir tun – für unsere investierte Zeit und unsere investierte emotionale Kraft eine materielle oder immaterielle Bezahlung. Die muss nicht sofort erfolgen, sondern kann auch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Wenn das Verhältnis zwischen Anforderung und Anerkennung dauerhaft aus dem Gleichgewicht gerät, entsteht Unzufriedenheit und Enttäuschung.

Die Alltagswidrigkeiten tragen entscheidend dazu bei, dass eines Tages der „kritische Punkt“ überschritten sein kann. Im Privatleben sind es vor allem gesundheitliche Probleme und finanzielle Engpässe, aber auch das Auseinanderleben in der Partnerschaft, die Doppelbelastung durch Kinder und Pflege der Eltern oder schwelender Streit mit der Nachbarschaft.

Insgesamt betrachtet, scheint Burnout dort zu entstehen, wo personen- und umweltbezogene Risikofaktoren zusammentreffen, in Wechselwirkung treten und sich gegenseitig verstärken. Burnout entsteht vor allem dort, wo es ein Missverständnis zwischen der Person und ihrer Umwelt gibt, zwischen Idealen und Möglichkeiten, zwischen Anstrengungen und tatsächlich gemachten Erfolgen.

1.3. Symptome und Verlauf

Von Freudenberg stammte das erste Stufen- und Phasenmodell, wonach sich Burnout als Entwicklungsprozess in 12 Phasen mit jeweils vielfältigen Folgeerscheinungen bzw. Symptomen unterscheiden lassen soll. In der Folgezeit wurden fast von jedem Burnout-Forscher neue Abfolgen des Burnout-Prozesses beschrieben. Die wenigen Versuche, diese Stufenmodelle von empirischen Untersuchungen zu prüfen, führten zu keiner Bestätigung. Dazu gibt es 3 Gründe: Erstens, keines der Symptome ist burnoutspezifischer Natur und meist auch unter „Depression“ einzuordnen. Zweitens, das Burnout-Syndrom entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg, demzufolge sind für Betroffene einige Symptome oft nur im Nachhinein zu erkennen. Drittens, Burnout verläuft bei jedem einzelnen Fall unterschiedlich.

In der Beschreibung vom Burnout-Prozess habe ich mich an dem Sieben-Phasen-Modell von Matthias Burisch orientiert, das er als gemeinsamen Nenner aus vielen Studien herausgefiltert hat (vgl. Burisch 2010, S. 27).

Den gesamten Burnout-Prozess kann man in folgenden sieben Phasen unterteilen.

1. Überengagement

Ein häufiges Merkmal in der Anfangsphase ist das vermehrte Engagement für bestimmte Ziele. „Wer ausbrennt, muss einmal gebrannt haben“ lautet die gängige Einschätzung.

Der Beruf wird zum hauptsächlichen Lebensinhalt. Betroffene gehen vom Prinzip aus: „Viel hilft viel“. Sie erhöhen seine Anstrengungen und das bedeutet, dass sie unbezahlte Überstunden machen und ihre sozialen Kontakte zu Freunden und auch der eigenen Familie immer mehr aufgeben, um seine Aufgaben bewältigen zu können.

Bereits in dieser Anfangsphase tauchen die ersten Erschöpfungssymptome als Reaktion auf den übererhöhten Energieeinsatz auf: Schlafstörungen trotz chronischer Müdigkeit, das Gefühl zu wenig Energie zu haben, die Unfähigkeit, abschalten zu können.

2. Distanzierung und reduziertes Engagement

Der Phase des Überengagements schließt sich in vielen Fällen ein allmählicher Rückzug im Berufs- und Privatleben an.

Es stellt sich das Gefühl ein, ungerecht behandelt und ausgenutzt zu werden und demzufolge entwickelt sich eine Abneigung gegenüber der Arbeit, den Kunden und den Kollegen. Wenn Betroffene vorher freiwillig sehr viel getan haben, haben sie jetzt das Gefühl, selber etwas bekommen zu müssen.

In dieser Zeit kann es auch zu deutlichen Verschlechterungen in der Arbeitsqualität kommen: Im Gespräch mit den Kunden wird nicht mehr richtig zugehört, Flüchtigkeitsfehler schleichen sich ein, immer öfter ersetzen Tagträumereien das konzentrierte Arbeiten.

3. Emotionalisierung

Das Leben entwickelt sich immer weiter n eine falsche Richtung, die Unzufriedenheit wird größer – irgendwer muss doch dafür verantwortlich sein?

Die meisten Betroffenen beschuldigen sich selbst daran. Sie plagen sich neben den Schuldgefühlen noch mit dem Gefühl der Hilfslosigkeit. Die Situation scheint aussichtslos zu sein, die Zukunft wird in den schwärzesten Farben gemalt. Bereits in dieser Phase kann es zu Suizidgedanken kommen.

Wenn ein Mensch die Schuld an der Miesere anderen zuschreibt, führt in das in eine aggressive Haltung, so wird das Verhältnis zu Kollegen, Freunden und Familie genauso zu Kunden, Klienten und Patienten zunehmend gespannter. Personen mit Burnout sind starken Stimmungsschwankungen unterworfen, sie sind leicht reizbar, neigen zu Wutausbrüchen und verlieren schnell die Geduld.

4. Abbau

Die Leitungsfähigkeit reduziert sich deutlich. Burnout-Betroffene sind immer weniger in der Lage, äußere Anforderungen zu erfüllen. Das beginnt mit vergessenen Terminabsprachen und führt zu einem völligen Abbau der Kreativität. Die Arbeit wird jetzt nur zum „Dienst nach Vorschrift“, d.h. mit dem minimal nötigen Aufwand erledigt. Betroffene ziehen sich immer weiter zurück und versuchen möglichst nicht aufzufallen.

5. Gleichgültigkeit und Rückzug

Die zentralen Risiken bestehen darin, dass Betroffene keine Kraft für Entscheidungen oder Richtungsänderungen haben, also nicht mehr konstruktiv handeln können und ihr Heil deshalb in Flucht und Sucht suchen.

Es kommt nicht nur zu einer beruflichen Resignation, sondern zu einer generellen Verflachung des emotionalen, sozialen und geistigen Lebens. Betroffene geraten immer tiefer in die Isolation und Einsamkeit, was die Situation zunehmend aussichtsloser macht. Es ist ihnen ziemlich egal, was um sie herum geschieht.

6. Psychosomatische Reaktionen

Als Begleiterscheinungen eines Burnouts lassen sich viele verschiedene Symptome ausmachen, wobei Heftigkeit und Häufigkeit der Leiden mit zunehmender Dauer der Erkrankung steigt.

Psychosomatische Anzeichen eines Burnouts sind:

- größere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten,
- Pfeifen im Ohr,
- Schlafprobleme,
- Verdauungsprobleme,
- Magengeschwüre,
- Übelkeit,
- Kopfschmerzen,
- Rückenschmerzen,
- Herzklopfen,
- höherer Puls,
- Herzrhythmusstörungen,
- Atemprobleme,
- Verspannungen,
- nervöse Zuckungen,
- Sehstörungen,
- Schwindelattacken,
- Schnelle Gewichtzunahme,
- sexuelle Probleme,
- Veränderungen im Essverhalten,
- erhöhter Alkohol-/ Drogenkonsum
(vgl. Kury 2012, S. 271; Payk 2013, S. 31; VBW 2014, S. 31; Grabe 2005, S. 33; Findeisen/Hockling 2008, S. 32).

7. Zusammenbruch

Der Höhepunkt des Burnout-Syndroms ist der Nervenzusammenbruch. Burnout-Betroffene haben sich aufgegeben. Das Leben ist für sie sinnlos geworden. Sie sind in einem Zustand absoluter Verzweiflung geraten, aus dem sie keinen Ausweg mehr sehen.

Wer sich bereits in den Phasen zuvor in den Alkohol- und Drogenrausch geflüchtet hat, kann nun endgültig in die Sucht geraten.

Die dargestellten Phasen sind nicht als strenge chronologische Abfolge zu verstehen. Es sind eher die verschiedenen Kennzeichen des Burnouts. Es gibt keinen genauen Ablaufplan, nach dem sich das Burnout-Syndrom richtet. Es lässt sich weder eindeutig sagen, wann welches Symptom als typisch für die Burnout-Entwicklung gelten kann, noch wie viele Symptome es braucht, um von einem Burnout-Zustand sprechen zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Burnout als Gefährdung in der Sozialen Arbeit
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
29
Katalognummer
V356859
ISBN (eBook)
9783668426641
ISBN (Buch)
9783668426658
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burnout, gefährdung, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Burnout als Gefährdung in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356859

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