Eine kritische Betrachtung der Umsatzrealisierung nach IFRS 15


Hausarbeit, 2017
36 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

2. Abbildungsverzeichnis

3. Einleitung

4. Problemstellung / Hintergrund

5. Umsatzrealisierung
5.1 Umsatzrealisierung nach HGB
5.2 Umsatzrealisierung nach IAS 18
5.2.1. Zielsetzung des IAS 18
5.2.2. Grundlegende Definitionen
5.2.3. Anwendungsbereich
5.3. Umsatzrealisierung nach IFRS 15
5.3.1 Entstehungsgeschichte des IFRS 15
5.3.2 Zielsetzung
5.3.3 Anwendungsbereich
5.3.4 Definitionen
5.3.5 Umsatzrealisierung anhand des fünf Schritte-Modells
5.3.6. Vertragsänderungen
5.3.7. Darstellung und Angaben
5.3.8. Angabepflichten
5.3.9. Vergleich HGB vs. IFRS 15

6. Kritik aus Sicht der deutschen Telekom

7. Fazit und eigene Ansicht zur Bilanzierung nach IFRS 15

Anhang

Literaturverzeichnis

Die Hausarbeit zur Umsatzrealisierung nach IFRS 15 wurde, wie folgt, aufgeteilt: Herr Andre Gneipel

3. Einleitung

4. Problemstellung

5.1. Umsatzrealisierung nach HGB

5.3.1. Entstehungsgeschichte von IFRS 15

5.3.2. Zielsetzung

5.3.3. Anwendungsbereich

5.3.4. Definitionen

6. Kritik aus Sicht der Deutschen Telekom

7. Fazit und eigene Ansicht zur Bilanzierung nach IFRS 15

Herr Daniel Reckordt

5.2. Umsatzrealisierung nach IAS 18

5.3.5. Umsatzrealisierung anhand des fünf Schritte-Modells

5.3.6. Vertragsänderungen

5.3.7. Darstellung und Angaben

5.3.8. Angabepflichten

5.3.9. Vergleich IFRS 15 vs. HGB

7. Fazit und eigene Ansicht zur Bilanzierung nach IFRS 15

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kriterien eines Vertrages

Abbildung 2: Fünf Schritte-Modell

Abbildung 3: Anwendung des Fünf Schritte-Modells

Abbildung 4: Bestandteile eines Vertrages

Abbildung 5: Kriterien zur Identifizierung einer Leistungsverpflichtung

Abbildung 6: Varianten einer Gegenleistung

Abbildung 7: Schätzung von Einzelveräußerungspreisen

Abbildung 8: Vorgehen bei Vertragsänderungen

Abbildung 9: Rechte und Pflichten bei der Darstellung

3. Einleitung

Im Mai 2014 haben sich das IASB und das FASB mit dem IFRS 15 einen neuen Standard zu Umsatzerlösen veröffentlicht. Das Ziel des IFRS 15 ist es, die Vorschriften zur Umsatzrealisierung in einem einzigen Standard umfassend zu regeln, um eine einheitliche Bilanzierung zu gewährleisten. Das IASB und das FASB haben in Zusammenarbeit die IFRS bzw. US­GAAP einen überwiegend einheitlichen Standard verabschiedet, um Abschlüsse im internationalen Bereich vergleichbarer zu machen. Beide Gremien haben nachfolgend Änderungsstandards verabschiedet, welche allerdings unterschiedliche Regelungen beinhalten. Die erreichte Übereinstimmung ist teilweise schon wieder aufgehoben. Diese Problematik soll der IFRS 15 in der Zukunft beenden. Ob dies in der Praxis zu erheblichen Unterschieden zwischen IFRS und US­GAAP führen wird, bleibt abzuwarten.

Der neue Standard IFRS 15 wird je nach Branche unterschiedliche starke Auswirkungen haben. So werden beispielsweise Branchen, in denen oftmals Verträge abgeschlossen werden, die zur Lieferung und Leistung mehrerer Güter oder Dienstleistungen verpflichten, stark durch die Einführung des IFRS 15 tangiert. Eine Branche die stark vom IFRS 15 betroffen sein wird, ist die Telekommunikationsbranche, da sich Änderungen in der Bilanz ergeben werden. Des Weiteren können Branchen betroffen sein, in denen kundenspezifische Produkte eine Rolle spielen, deren Herstellung bisher nicht als kundenspezifische Auftragsfertigung gelten. Durch die Einführung des IFRS 15 werden die Umsätze in zwei Kategorien unterteilt. Zum einen können Unternehmen ihre Umsätze über einen Zeitraum oder an einem bestimmten Zeitpunkt realisieren. Durch diese Option wird regelmäßig eine unterschiedliche Umsatzperiodisierung hervorgerufen. Erst bei in Kraft treten des IFRS 15 wird man sehen, wie stark der neue Standard Auswirkungen auf das Unternehmen haben wird, um eine abschließende Beurteilung abgeben zu können.[1]

Die Einführung des IFRS 15 regelt die Gewinnrealisierung von Kundenverträgen. Der Standard umfasst alle Regelungen mit Verträgen die mit Kunden über den Verkauf von Gütern oder das Erbringen von Dienstleistungen vereinbart werden. Während grundsätzlich eine Anwendung auf einzelne Verträge unvermeidlich ist, kann auch das Zusammenführen von Verträgen zu Portfolios als Anwendungserleichterung erlaubt sein. Der IFRS 15 sieht ein Fünf – Schritte ­ Modell vor, mit dem die Höhe der Umsätze und der Zeitpunkt bzw. Zeitraum der Realisierung bestimmt werden sollen.[2]

In dieser Hausarbeit widmen wir uns dem IFRS 15, der vom IASB 2016 angepassten Version. Die Richtigstellung betreffen die individuellen und der unterscheidbaren Leistungsverpflichtungen eines Vertrags, die Beurteilung darüber, ob ein Unternehmen Prinzipal oder Agent einer Transaktion ist, die Bestimmung, ob Erlöse aus der Lizenzgewährung Zeitraum­ oder Zeitpunktbezogen zu vereinnahmen sind sowie Übergangsregelungen.

Der Standard ist – die noch ausstehende Übernahme in EU­Recht vorausgesetzt. Der IFRS 15 ist verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen.[3]

4. Problemstellung / Hintergrund

Die bisherige Erlöserfassung, die in den Standards IAS 18 und IAS 11 geregelt ist, beruhen auf unterschiedlichen Prinzipien und haben bei schwierigen Geschäftsvorfällen zu Problemen in der Anwendung geführt. Ein weiteres Problem gab es teilweise, weil es in wichtigen Bereichen keine detaillierten Anwendungsleitlinien gab, etwa für Mehrkomponentengeschäfte. Daraus folgte in der Praxis, dass die IFRS-Anwender teilweise auf entsprechende US-GAAP-Regelungen zurückgreifen mussten, um passende Rechnungslegungsmethoden für die Erlöserfassung zu entwickeln. Die vorhandenen US-GAAP-Vorschriften wiederum enthalten viele Möglichkeiten an Erlöserfassungskonzepten sowie zahlreiche Anforderungen für bestimmte Branchen oder Transaktionen, was zu Schwierigkeiten bei einer unterschiedlichen bilanziellen Behandlung wirtschaftlich gleichartiger Sachverhalte geführt hat. Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte werden die vorgeschriebenen Anhangangaben als unbefriedigend angesehen, da sie nicht die notwendigen Informationen für den Bilanzadressaten zur Verfügung stellen, um die aus Verträgen mit Kunden erzielten (Umsatz-)Erlöse nachvollziehen zu können.[4]

Aus diesen genannten Gründen haben IASB und FASB die Regelungen zur Erlöserfassung in einem gemeinsamen Projekt grundlegend überarbeitet. Das Ergebnis des Projekts ist der veröffentlichte IFRS 15. Dieser die genannten Abweichungen und Schwachstellen durch die Einführung eines neuen Erlöserfassungsmodells, das für alle Transaktionen und Branchen anwendbar ist, beheben.

„Das Prinzip dieses Modells besteht darin, dass ein Unternehmen Erlöse erfassen soll, wenn die übernommenen Leistungsverpflichtungen erbracht, also die Verfügungsmacht über die Waren und Dienstleistungen übertragen wurde. Dabei ist der Erlös in der Höhe zu erfassen, der als Gegenleistung erwartet wird. Bis zur Erlösrealisierung sind dazu die bereits aus den Standardentwürfen bekannten, nachfolgend dargestellten fünf Schritte zu durchlaufen:“[5]

5. Umsatzrealisierung

5.1 Umsatzrealisierung nach HGB

In der deutschen Rechnungslegung nach HGB werden die Umsatzerlöse für Unternehmen und Kapitalgesellschaften, welche unter den Vorgaben der Bilanzierung von Kapitalgesellschaften liegen, in § 277 Abs. 1 HGB i.V.m. dem Mindestgliederungsschema nach § 275 HGB definiert.[6]

„In der Praxis gelten diese Vorschriften allerdings faktisch für viele Unternehmen, da sie auch von zahlreichen Nicht-kapitalgesellschaften angewendet werden.“[7]

„Die Höhe der Umsatzerlöse ermittelt sich prinzipiell aus der Summe aller im Zeitpunkt der Umsatzrealisierung vereinbarten monetären und nicht-monetären Gegenleistungen aus der Transaktion. Besonderheiten in der Erfassung der Höhe der Umsatzerlöse ergeben sich, wenn 1. Die Leistung und die Gegenleistung zeitlich auseinander fallen oder wenn 2. Die Gegenleistung nicht in der Zahlung von Geld besteht.“[8]

Das Handelsgesetzbuch definiert die Umsatzerlöse im § 277 Abs. 1: „Als Umsatzerlöse sind die Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen der Kapitalgesellschaft nach Abzug von Erlösschmälerungen und der Umsatzsteuer sowie sonstiger direkt mit dem Umsatz verbundener Steuer auszuweisen.“ Elementar für die Zuordnung von Umsatzerlösen ist, dass die Erlöse aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens und die damit verbundenen typischen Leistungsangebote ausgeführt werden.[9] Im Gegensatz zum Umsatzsteuerrecht werden nach HGB nicht sämtliche entgeltliche Lieferungen oder Leistungen, indifferent auf welcher Weise und unter welchem Bezug sie erbracht werden, zu den Umsätzen hinzugerechnet. Des Weiteren müssen die Umsatzerlöse eine kontinuierliche Wiederkehr unter gleichbleibender bzw. gering veränderter Waren- und Dienstleistungsangebote des Unternehmens aufweisen. Bei den Umsatzerlösen muss es sich somit um planmäßig, wiederkehrende Leistungen handeln, womit Gelegenheitsgeschäfte ausgeschlossen werden. Umsatzerlöse liegen nicht vor, wenn im Zuge einer Unternehmensveräußerung übergegebene Vorräte mit veräußert werden. Zu den Umsatzerlösen können Kompensationsgeschäfte hinzugerechnet werden. Kompensationsgeschäfte sind Handelsabschlüsse, bei denen eine Ware nicht ausschließlich nur mit einem Zahlungsstrom beglichen wird, sondern auch die Möglichkeit eines Warengegengeschäftes (Warenaustausch) besteht. Die in einem Warengegenstrom befindlichen Wirtschaftsgüter werden hierbei mit ihrem beizulegenden Zeitwert als Umsatzerlöse realisiert.

§ 252 Abs. 1 Nr. 4: Es ist vorsichtig zu bewerten, namentlich sind alle vorhersehbaren Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, zu berücksichtigen, selbst wenn diese erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekanntgeworden sind; Gewinne sind nur zu berücksichtigen, wenn sie am Abschlussstichtag realisiert sind;

5.2 Umsatzrealisierung nach IAS 18

5.2.1. Zielsetzung des IAS 18

Zielsetzung des IAS 18 ist es die bilanzielle Erfassung von Umsatzerlösen aus bestimmten Arten von Geschäftsvorfällen und Ereignissen zu determinieren und diesbezüglich Regelungen aufzustellen.

5.2.2. Grundlegende Definitionen

„Umsatzerlöse sind Erträge, die im Rahmen der gewöhnlichen Tätigkeit eines Unternehmens anfallen und eine Vielzahl unterschiedlicher Bezeichnungen haben, wie Verkaufserlöse, Dienstleistungsentgelte, Zinsen, Dividenden und Lizenzerträge.“[10]

5.2.3. Anwendungsbereich

„Dieser Standard ist auf die Bilanzierung von Umsatzerlösen anzuwenden, die sich aus folgenden Geschäftsvorfällen und Ereignissen ergeben:

1. dem Verkauf von Gütern; Güter umfassen nach IAS 18 sowohl die zum Verkauf hergestellten Erzeugnisse als auch Waren, welche zur Weiterveräußerung (z.B. Handelswaren bei einem Einzelhändler) gekauft worden sind

2. dem Erbringen von Dienstleistungen; und Dienstleistungen beinhalten die Ausführung von vertraglich vereinbarter Aufgaben über einen zuvor terminierten Zeitraum (einzelne Periode oder auch über mehrere Perioden) durch die Unternehmung. Hierbei müssen langfristige Fertigungsaufträge, welche auch durch IAS 18 tangiert sein können, deutlich abgegrenzt werden und unter den Regelungen des IAS 11 Fertigungsaufträge bilanziert werden.

3. der Nutzung von Vermögenswerten des Unternehmens durch Dritte gegen Zinsen, Nutzungsentgelte und Dividenden in Form von:

(1) Zinsen – Entgelte für die Überlassung von Zahlungsmitteln oder Zahlungsmitteläquivalenten oder für die Stundung von Zahlungsansprüchen;
(2) Nutzungsentgelten – Entgelte für die Überlassung langlebiger immaterieller Vermögenswerte des Unternehmens, beispielsweise Patente, Warenzeichen, Urheberrechte und Computersoftware; und
(3) Dividenden – Gewinnausschüttungen an die Inhaber von Kapitalbeteiligungen im Verhältnis zu den von ihnen gehaltenen Anteilen einer bestimmten Kapitalgattung.“[11]

Der IAS 18 determiniert keine Bestimmungen für die Bilanzierung von Umsatzerlösen aus folgenden Verträgen:

1) Leasingverträge (IAS 17 Leasingverhältnisse)
2) Nach der Equity-Methode bilanzierte Anteilsdividenden (IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen)
3) Versicherungsverträge (IFRS 4 Versicherungsverträge)
4) Beizulegende Zeitwertänderungen von monetären Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten bzw. der Verkauf (IAS 39 Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung)
5) Wertveränderungen bei diversen anderen kurzfristigen Vermögenswerten;
6) Dem Erstansatz und aus Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes von biologischen Vermögensgegenständen aus der landwirtschaftlichen Arbeit (IAS 41 Landwirtschaft)
7) Erstmalige Bilanzierungsansatz von landwirtschaftlicher Erzeugnisse (IAS 41 Landwirtschaft)
8) Abbau von Bodenschätzen[12]

Der IAS 18 definiert Umsatzerlöse als einen Bruttozufluss von wirtschaftlichen Nutzen, welcher aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einer Unternehmung entsteht, und das Eigenkapital der Unternehmung erhöht (exklusive eines Eigenkapitalzuflusses durch die Eigentümer). Nach Definition der Umsatzerlöse nach IAS 18 wird nur ein Bruttozufluss wirtschaftlichen Nutzens als Umsatzerlös deklariert, womit Beträge mit einem wirtschaftlichen Interesse Dritter und keiner verbundener Eigenkapitalerhöhung, wie z.B. Umsatzsteuer und Verkehrssteuern ausgeschlossen sind.

Da die Höhe der Umsatzerlöse zumeist vertraglich zwischen dem Erwerber und dem Veräußerer fixiert ist, wird zur Bemessung der Umsatzerlöse der beizulegende Zeitwert der erhaltenen oder des geforderten Entgelts abzüglich von eventuell vereinbarter Preisnachlässe und Mengenrabatte herangezogen (IAS 18.10).

Für die Umsatzrealisierung nach IAS 18 ist der Zeitpunkt der Erfassung der Umsatzerlöse elementar wichtig, um diese richtig zu bilanzieren. Die Erfassung der Umsatzerlöse muss dann erfolgen, wenn es hinreichend wahrscheinlich ist, dass der Unternehmung ein wirtschaftlicher Nutzen zufließt und dieser hinreichend sicher bestimmt werden kann.

Bei dem Verkauf von Gütern dürfen Umsatzerlöse nur erfasst werden, sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind (IAS 18.14). Zum einen muss ein Übertrag von den maßgeblichen Risiken und den Potenzialen, die mit dem Eigentum der veräußerten Waren einhergehen, auf den Erwerber übertragen werden (IAS 18.14 a). Des Weiteren darf dem Veräußerer kein weiteres bestehendes Verfügungsrecht, noch eine Verfügungsgewalt über die veräußerte Ware bestehen (IAS 18.14 b). Zudem muss die Umsatzerlöshöhe verlässlich bestimmbar sein (IAS 18.14 c) und ein Zufluss von wirtschaftlichen Nutzen aus dem vereinbarten Vertrag entstehen (IAS 18.14 d). Die mit dem Verkauf einhergehenden Kosten müssen ebenfalls verlässlich bestimmbar sein (IAS 18.14 e). Umsatzerlöse und die mit der Veräußerung der Waren einhergehende Kosten (inkl. Aufwendungen für Gewährleistungen und nach der Lieferung entstehender Kosten) aus demselben Verkaufsvertrag werden zum gleichen Zeitpunkt erfasst (IAS 18.19).

Bei der Erbringung von Dienstleistungen müssen nach IAS 18.20 ebenfalls bestimmte Kriterien erfüllt sein:

„Wenn das Ergebnis eines Dienstleistungsgeschäfts verlässlich geschätzt werden kann, sind Umsatzerlöse aus Dienstleistungsgeschäften nach Maßgabe des Fertigstellungsgrads des Geschäfts am Abschlussstichtag zu erfassen. Das Ergebnis derartiger Geschäfte kann dann verlässlich geschätzt werden, wenn die folgenden Bedingungen insgesamt erfüllt sind:

(a) die Höhe der Umsatzerlöse kann verlässlich bestimmt werden;
(b) es ist wahrscheinlich, dass der wirtschaftliche Nutzen aus dem Geschäft dem Unternehmen zufließt;
(c) der Fertigstellungsgrad des Geschäftes am Abschlussstichtag kann verlässlich bestimmt werden; und
(d) die für das Geschäft angefallenen Kosten und die bis zu seiner vollständigen Abwicklung zu erwartenden Kosten können verlässlich bestimmt werden.“[13]

Bei der Realisierung von Umsatzerlösen aus der Erbringung von Dienstleistungen wird häufig auf eine Gewinnrealisierung nach dem Fertigstellungsgrad zurückgegriffen. Bei Dienstleistungen über mehrere Perioden werden die jeweiligen Dienstleistungen in dem Erbringungsmonat erfasst und die damit verbundenen Gewinne realisiert.

Auch die Erfassung von Zinsen, Nutzungsentgelten und Dividenden muss eine Wahrscheinlichkeit eines Zuflusses von wirtschaftlichen Nutzen aus dem Geschäftsvorfall erbringen und die damit verbundene Höhe des Umsatzerlöses muss verlässlich bestimmt werden können. Hierbei müssen die Zinsen mithilfe der Effektivzinsmethode, Nutzungsentgelte periodengerecht nach den jeweiligen Vertragskonditionen und Dividenden mit dem Entstehen eines Rechtsanspruches der Zahlung bestimmt werden.

5.3. Umsatzrealisierung nach IFRS 15

Der IFRS 15 soll vorschreiben, wann und in welcher Höhe der Berichtersteller die Erlöse zu erfassen hat. Des Weiteren wird von den Abschlusserstellern gefordert, den Abschlussadressaten informativere und relevantere Informationen als bisher zur Verfügung zu stellen. Der Standard bietet dafür ein fünfstufiges Modell, welches auf alle Verträge mit Kunden anzuwenden ist.

5.3.1 Entstehungsgeschichte des IFRS 15

„Der IFRS 15 wird sich aus den folgenden Standards und Interpretationen zusammensetzen:

- IAS 11 Fertigungsaufträge
- IAS 18 Erlöse
- IFRIC 13 Kundenbindungsprogramme
- IFRIC 15 Vereinbarungen über die Errichtung von Immobilien
- IFRIC 18 Übertragungen von Vermögenswerten von Kunden
- SIC 31 Erträge – Tausch von Werbeleistungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.3.2 Zielsetzung

Das Ziel des IFRS 15 ist es, einen Rahmen für Unternehmen bei der Berichterstattung von entscheidungsnützlichen Informationen zu schaffen. Die Informationen für die Abschlussadressaten über die Art, die Höhe, den zeitlichen Anfall sowie die Unsicherheit von Umsatzerlösen und resultierenden Zahlungsströmen aus einem Vertrag mit einem Kunden anzuwenden hat. IFRS 15.1 die Anwendung des Standards ist verpflichtend für jährliche Berichtsperioden, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen. Eine frühere Anwendung ist zulässig.[15]

5.3.3 Anwendungsbereich

„Der IFRS 15 ist auf alle Verträge mit Kunden anzuwenden, mit Ausnahme der folgenden:

- Leasingverhältnisse, die unter IAS 17 Leasingverhältnisse fallen
- Finanzinstrumente und andere vertragliche Rechte oder Pflichten, die unter IFRS 9 Finanzinstrumente, IFRS 10 Konzernabschlüsse, IFRS 11 Gemeinsame Vereinbarungen, IAS 27 Separate Abschlüsse oder IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen und Joint Ventures fallen
- Versicherungsverträge im Anwendungsbereich von IFRS 4 Versicherungsverträge; und nicht finanzielle Tauschgeschäfte zwischen Unternehmen in derselben Branche, die darauf abzielen, Veräußerungen an Kunden oder potenzielle Kunden zu erleichtern.“[16]

„Ein Vertrag mit einem Kunden kann zum Teil in den Anwendungsbereich von IFRS 15 und zum Teil in den Anwendungsbereich eines anderen Standards fallen. Wenn dieser Fall eintritt, dann gilt Folgendes: IFRS 15.7, wenn in anderen Standards festgelegt ist, wie ein oder mehrere Bestandteile des Vertrages zu separieren und/oder erstmalig zu bewerten sind, sind diese Vorschriften in Bezug auf Separierung und Bewertung zuerst anzuwenden; der Transaktionspreis wird dann um die Beträge reduziert, deren Erstbewertung nach anderen Standards erfolgt. Wenn es keinen anderen Standard gibt, in dem festgelegt ist, wie ein oder mehrere Bestandteile des Vertrags zu separieren und/oder erstmalig zu bewerten sind, ist IFRS 15 anzuwenden.“[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kriterien eines Vertrages

5.3.4 Definitionen

Vertrag: eine Vereinbarung zwischen zwei oder mehr Parteien, die zu rechtlich durchsetzbaren Rechten und Pflichten führt.

Kunde: eine Partei, die mit einem Unternehmen einen Vertrag über die Lieferung von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen eingegangen ist, die Ergebnisse der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens im Austausch für eine Gegenleistung sind.

Ertrag: ein Zuwachs wirtschaftlichen Nutzens während der Berichtsperiode in Form von Zuflüssen oder Werterhöhungen von Vermögenswerten oder der Abnahme von Schulden, die zu einer Erhöhung des Eigenkapitals führt, mit Ausnahme von Eigenkapitalerhöhungen, die sich aus Beiträgen von Eigenkapitaleignern ergeben.

Leistungsverpflichtung: eine Zusage in einem Vertrag mit einem Kunden, Folgendes zu übertragen oder zu erbringen, eine Ware oder eine Dienstleistung oder ein Bündel von Waren oder Dienstleistungen, die jeweils eigenständig abgrenzbar sind oder eine Reihe von eigenständig abgrenzbaren Gütern oder Dienstleistungen, die im Wesentlichen gleich sind und das gleiche Übertragungsmuster an den Kunden aufweisen.

Erlöse: Erträge, die im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens anfallen.

Transaktionspreis: der Betrag der Gegenleistung, die ein Unternehmen erwartungsgemäß vom Kunden für die Übertragung von Waren oder die Erbringung von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen erhalten wird.[18]

[...]


[1] http://www.ifrs-portal.com/Publikationen/IFRS_Texte_5.0_2015_04.pdf,Zugriff 03.01.2017

[2] Vgl. Grünberger, IFRS 2016, 2016, S. 136

[3] Vgl. Lüdenbach & Hoffmann, IFRS, 2015, Seite 9-11

[4] Vgl. https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/audit/WP-IFRS_fokussiert_6_2014_safe.pdf , Zugriff: 06.01.2017

[5] http://www.iasplus.com/de/standards/ifrs/ifrs15, Zugriff 03.01.2017

[6] Vgl. Breidenbach & Währisch, Umsatzerlöse, 2016, Seite 152

[7] Breidenbach & Währisch, Umsatzerlöse, 2016, Seite 152

[8] Breidenbach & Währisch, Umsatzerlöse, 2016, S. 166

[9] Vgl. Beck´scher Bilanzkommentar, Handels- und Steuerrecht 4. Auflage S. 1034

[10] http://www.ifrs-portal.com/Publikationen/IFRS_Texte_5.0_2015_04.pdf, Zugriff 04.01.2017

[11] Vgl. http://www.ifrs-portal.com/Publikationen/IFRS_Texte_5.0_2015_04.pdf, Zugriff 04.01.2017

[12] http://www.ifrs-portal.com/Publikationen/IFRS_Texte_5.0_2015_04.pdf, Zugriff 04.01.2017

[13] http://www.ifrs-portal.com/Publikationen/IFRS_Texte_5.0_2015_04.pdf, Zugriff 04.01.2017

[14] Vgl. http://www.iasplus.com/de/standards/ifrs/ifrs15, Zugriff 03.01.2017

[15] Vgl. http://www.iasplus.com/de/standards/ifrs/ifrs15, Zugriff 03.01.2017

[16] http://www.iasplus.com/de/standards/ifrs/ifrs15, Zugriff 03.01.2017

[17] http://www.iasplus.com/de/standards/ifrs/ifrs15, Zugriff 03.01.2017

[18] Vgl. Keitz, Grote & Hansmann, IFRS auf einen Blick, 2015, Seite 363

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Eine kritische Betrachtung der Umsatzrealisierung nach IFRS 15
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
2,3
Autoren
Jahr
2017
Seiten
36
Katalognummer
V356878
ISBN (eBook)
9783668520684
ISBN (Buch)
9783668520691
Dateigröße
1740 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, betrachtung, umsatzrealisierung, ifrs
Arbeit zitieren
Daniel Reckordt (Autor)Andre Gneipel (Autor), 2017, Eine kritische Betrachtung der Umsatzrealisierung nach IFRS 15, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356878

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