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Christoph Schlingensiefs Theater als Konzept für politisches Theater heute

Title: Christoph Schlingensiefs Theater als Konzept für politisches Theater heute

Thesis (M.A.) , 2004 , 71 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Gordon Strahl (Author)

Theater Studies, Dance
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„Theater muss politischer werden.“ Diese Forderung stellte der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog während seiner Amtszeit. Der Kritiker, ehemalige Anwalt und Mitglied des Schlingensief-Ensembles Dietrich Kuhlbrodt formulierte diese Forderung für das Parteiprogramm der Schlingensief’schen Kunst-Partei Chance 2000 einfach um in: „Die Politik muss theatraler werden.“ Auch wenn Soziologen, sich auf Erving Goffman berufend, behaupten, dies sei schon längst geschehen, denn jeder Mensch fungiere als Schauspieler, und insbesondere Politiker setzten sich in Szene. Dies ist eine Behauptung, die heute tagtäglich in Nachrichten oder Zeitungen auftauchen kann, ohne einen Aufschrei der Bevölkerung auszulösen. Der Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief jedoch scheint diesem Phänomen auf den Grund gehen zu wollen. Er greift die Idee auf und nimmt sie wörtlich, gründet zur Bundestagswahl 1998 mit Chance 2000 eine real wählbare Partei, bestehend aus Schauspielern, Künstlern, Arbeitslosen, Behinderten und allen, die Lust haben, mitzuwirken.

Nach einer zusammenfassenden Darstellung der frühen Theaterarbeiten Christoph Schlingensiefs beschreibe ich drei seiner Projekte: Chance 2000, Ausländer raus – Bitte liebt Österreich, Hamlet. Ich lege den Focus auf genau diese Projekte, weil sie einen unmittelbaren Bezug zu politischen Thematiken haben. Dabei wird jeweils die Vermengung der Kunst- und Realitätsebene von besonderer Bedeutung sein. Wie und vor allem zu welchem Zweck inszeniert Schlingensief das Publikum, wie wird der Rezipient zum Darsteller? Auch die Frage, wie und weshalb Schlingensief die mediale Berichterstattung mit einbezieht, darf bei den drei Beispielen nicht unbeachtet bleiben. Denn die große Medienpräsenz, die Schlingensiefs Aktionen auch außerhalb des Feuilletons zuteil wird, trägt sicherlich dazu bei, dass der Journalist Georg Diez behaupten kann, Schlingensief schaffe es, dem Theater das zu geben, „was ihm fast vollständig abhanden gekommen ist: gesellschaftliche Relevanz“3. Abschließend möchte ich untersuchen, wie ihm genau dieses gelingt: Der Kunst eine gesellschaftlich wichtige Position zurückzugeben. Dazu werde ich Schlingensiefs Theaterkonzept den traditionellen Formen des Politischen Theaters gegenüberstellen und darlegen, warum Piscator und Boal für uns bestenfalls museale Qualitäten haben, während Schlingensiefs Aktionen ein tragfähiges Gerüst für Politisches Theater in unserer heutigen Zeit bilden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Politisches Theater

2.1 EPISCHES THEATER

2.2 UNSICHTBARES THEATER

2.3 KUNST UND LEBEN

2.3.1 Wagners Gesamtkunstwerk

2.3.2 Beuys‘ Soziale Plastik

2.4 POLITIK ALS INSZENIERUNG

3 Das Theater um Christoph Schlingensief

3.1 LEBEN TRIFFT AUF THEATER: 100 JAHRE CDU

3.2 DIE SCHLINGENSIEF-FAMILIE

3.3 ZUSCHAUER WIRD DARSTELLER. ROCKY DUTSCHKE ´68

3.4 DER MENSCH ALS MATERIAL: MEIN FILZ, MEIN FETT, MEIN HASE

3.5 VERLASSEN DES KUNST-RAUMS: PASSION IMPOSSIBLE

4 Chance 2000

4.1 DIE VERMENGUNG VON KUNST UND POLITIK

4.1.1 Inszenierung des Publikums

4.1.2 Uminszenierung des Alltags

4.1.3 Inszenierung der Medien

4.2 CHANCE 2000 ALS POLITISCHES THEATER

5 Ausländer raus - Bitte liebt Österreich

5.1 BIG BROTHER UND DIE INSZENIERUNG VON REALITY-TV

5.2 INSZENIERUNG VON REALITÄT IN SCHLINGENSIEFS „BITTE LIEBT ÖSTERREICH“

5.2.1 Das Leben als Theater

5.2.2 Zuschauer als Darsteller / Darsteller als Zuschauer

5.2.3 Inszenierung in den Medien

5.2.4 Politiker sind Schauspieler

5.3 BITTE LIEBT ÖSTERREICH: POLITISCHES THEATER?

6 Hamlet

6.1 INSZENIERUNGS-EBENEN

6.1.1 Fiktionale Ebene

6.1.2 Fiktions-Realitätsebene

6.1.3 Realitätsebene

6.2 HAMLET: POLITISCHES THEATER?

7 Schlingensiefs Theater als neue Form von politischem Theater

8 Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, inwieweit Christoph Schlingensief mit seinem künstlerischen Ansatz das traditionelle Verständnis des Politischen Theaters transformiert und durch die Aufhebung der Trennung von Kunst und Realität eine neue gesellschaftliche Relevanz erzeugt.

  • Theatralisierung politischer Prozesse und das Konzept der Selbstinszenierung.
  • Die Vermengung von Kunst- und Realitätsebenen in Schlingensiefs Projekten.
  • Die Rolle des Zuschauers als aktiver Darsteller und Teil der Inszenierung.
  • Die Analyse der Projekte „Chance 2000“, „Ausländer raus – Bitte liebt Österreich“ und „Hamlet“.
  • Abgrenzung und Weiterentwicklung von Traditionen wie dem Epischen Theater und Joseph Beuys‘ Sozialer Plastik.

Auszug aus dem Buch

Die Schlingensief-Familie

So wie Boal verlässt auch Schlingensief oftmals den Theaterraum, um die Realität zur Spielstätte zu erklären. Die Gleichberechtigung zwischen Schauspieler und Publikum zieht Schlingensief jedoch konsequenter durch, als dies bei Boal der Fall ist. Denn schon das Schlingensief’sche Ensemble besteht nicht nur aus gelernten Schauspielern. Setzte es sich anfangs noch überwiegend aus Schauspielern der Volksbühne und Darstellern aus Schlingensief-Filmen zusammen, hat es sich nach und nach zu einer Mixtur aus Laien und professionellen Schauspielern manifestiert. Profis wie Sophie Rois, Martin Wuttke und Bernhard Schütz agieren mit Amateuren wie dem arbeitslosen Werner Brecht, oder den Behinderten Achim von Paczensky und Mario Garzaner, sowie mit dessen Eltern Ilse und Kurt, die bei verschieden Projekten zu der Truppe stießen und zu einem untrennbaren Teil des Schlingensief-Theaters wurden.

Gerne redet Schlingensief im Zusammenhang mit seinem Ensemble von einer „Familie“- ein Begriff, den er sich in diesem Zusammenhang wohl vom Film- und Theaterregisseur Rainer-Werner Fassbinder entliehen hat.

„Die Hoffnung dieser Familie besteht darin, daß man vieles durch die einzelnen Familienmitglieder bekommt, ohne daß ein einzelner die Absicht hat, durch das, was er von außen mit hineinbringt, diese Familie zu verwirren, zu zerstören oder auf einen neuen Weg zu setzen. Es ist ein System, daß sich pumpend bewegt.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik des Politischen Theaters und die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Wirksamkeit von Schlingensiefs Projekten.

2 Politisches Theater: Historische Einordnung der Begriffe und Methoden des traditionellen Politischen Theaters, inklusive Piscator, Brecht und Boal sowie der Einflüsse von Wagner und Beuys.

3 Das Theater um Christoph Schlingensief: Darstellung der Entwicklung von Schlingensiefs spezifischem Theaterkonzept und seinem Verständnis von Ensemblearbeit und Realität.

4 Chance 2000: Analyse des Wahlkampfprojekts und der bewussten Vermengung von künstlerischer Provokation und politischer Partizipation.

5 Ausländer raus - Bitte liebt Österreich: Untersuchung der Container-Aktion und ihrer Wirkung als politisches und mediales Ereignis zur Zeit des österreichischen Rechtsrucks.

6 Hamlet: Dekonstruktion eines klassischen Theaterstücks durch die Integration einer Neonazi-Truppe und die Reflexion über historische und aktuelle politische Mechanismen.

7 Schlingensiefs Theater als neue Form von politischem Theater: Synthese der Projektergebnisse und Begründung, warum Schlingensief eine moderne Antwort auf die Krise des klassischen Politischen Theaters bildet.

8 Zusammenfassung: Abschließender Überblick über die Kernthesen zur Transformation des Politischen Theaters durch Schlingensief.

Schlüsselwörter

Christoph Schlingensief, Politisches Theater, Episches Theater, Inszenierung, Performance, Realität, Chance 2000, Ausländer raus, Hamlet, Soziale Plastik, Joseph Beuys, Systemtheorie, Medialisierung, Zuschaueraktivierung, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Christoph Schlingensief das Genre des Politischen Theaters erneuert hat, indem er die Grenzen zwischen Kunst und Leben durch radikale Aktionen auflöst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Theatralisierung des Alltags, die Rolle der Medien in politischen Prozessen, die Einbeziehung gesellschaftlicher Randgruppen und die Dekonstruktion traditioneller politischer Ideologien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage untersucht, ob Theater, das sich der expliziten politischen Positionierung verweigert, dennoch eine hohe politische Wirksamkeit entfalten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, die Schlingensiefs Projekte in den Kontext bekannter Theatertheorien (Piscator, Brecht, Boal) und soziologischer Konzepte (Goffman) stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert drei Schlüsselprojekte: Die Partei „Chance 2000“, die Wien-Aktion „Ausländer raus“ und die Zürcher „Hamlet“-Inszenierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind neben Schlingensief selbst: Inszenierung, Realität, Politisches Theater, Soziale Plastik und Zuschaueraktivierung.

Wie geht Schlingensief mit Kritikern und Medien um?

Er nutzt die Medien bewusst als Multiplikatoren und Katalysatoren, indem er Provokationen gezielt inszeniert, um deren Mechanismen offenzulegen und die Berichterstattung selbst zum Teil der Performance zu machen.

Warum spielt die Einbindung von Rechtsradikalen in „Hamlet“ eine so große Rolle?

Durch die reale Beteiligung von Personen aus der Neonazi-Szene wird das Theater zum Schauplatz einer unmittelbaren Konfrontation, die das Publikum zur Selbstreflexion über die eigene Intoleranz zwingt.

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Details

Title
Christoph Schlingensiefs Theater als Konzept für politisches Theater heute
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
2,0
Author
Gordon Strahl (Author)
Publication Year
2004
Pages
71
Catalog Number
V35690
ISBN (eBook)
9783638355230
ISBN (Book)
9783638704779
Language
German
Tags
Christoph Schlingensiefs Theater Konzept Theater
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gordon Strahl (Author), 2004, Christoph Schlingensiefs Theater als Konzept für politisches Theater heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35690
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