Werden Hochbegabte in Deutschland ausreichend gefördert?


Hausarbeit, 2003

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Definitionen
1.2. Das Renzulli-Modell

2. Zeichen für Begabung

3. Drei typische Hochbegabten Lebensläufe nach Feger

4. Probleme
4.1. Probleme der Eltern
4.2. Wenn Eltern das Problem sind
4.3. Problem der Unterforderung
4.4 Problem soziale Isolierung

5. Auch Hochbegabte brauchen Förderung
5.1. Drei unterschiedliche Ansätze
5.1.1. Förderung im Kindergarten
5.1.2. Förderung in der Schule
5.2. Argumente gegen und für Förderung von Hochbegabten
5.3. Begabtenförderung in Schleswig-Holstein und anderen Ländern
5.3.1. Schulzeitverkürzung (Akzeleration)
5.3.2. Enrichment-Maßnahmen
5.3.3. Spezielle Schulen
5.4. Lehrerausbildung
5.5. Förderung in Deutschland

6. Werden Hochbegabte in Deutschland ausreichend gefördert?

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Bundesrepublik Deutschland ist im Bezug auf Hochbegabtenforschung ein Entwicklungsland.“[1]

Diese Hypothese soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein. Zunächst ist es notwendig zu klären, woran man ein hochbegabtes Kind erkennt und welche Probleme auftreten können. Aus diesem Grund werden in dieser Ausarbeitung Konzepte zur Hochbegabtenförderung allgemein und in den einzelnen Bundesländern aufgezeigt, des weiteren wie sie im einzelnen umgesetzt werden.

2 % bis 3 % aller Kinder gelten als überdurchschnittlich befähigt, eine Normalverteilung der Intelligenz vorausgesetzt, entspricht dies einem Intelligenzquotienten von 130 und mehr. Um den Intelligenztest bei Kindern festzustellen, wird in der Regel der bekannte Hamburg-Wechsler-Intelligenztest durchgeführt.[2]

Als Vorraussetzung zur Diskussion über die Problematik der Hochbegabung bei Kindern, hier einige Definitionsansätze zu diesem Thema.

1.1. Definitionen

Es gibt keine allgemeingültige klare Definition zu Begabung, Intelligenz und Kreativität, denn diese Begriffe entsprechen keiner festen Größe.

Bedeutet Hochbegabung nicht eindeutig, dass jemand besonders schlau ist, sondern viel mehr, dass er bestimmte, außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Eine Definition wie diese ist praktisch unbrauchbar, da sie zu allgemein formuliert ist und auf praktisch jedermann zutrifft.

Begabung bedeutet „lediglich die Befähigung eines Individuums, eine Leistung bestimmten Grades zu erbringen.“[3]

Wogegen man mit dieser Definition deutlich mehr anfangen kann:

„Begabung ist erstens das Potential eines Individuums zu ungewöhnlicher oder auffälliger Leistung. Sie ist darüber hinaus zweitens ein Interaktionsprodukt, in dem das individuelle Potential mit der sozialen Umgebung in Wechselwirkung steht.“[4]

Festzustellen ist, in zahlreichen Definitionen stimmt der Begriff Hochbegabung in zwei Aspekten überein: Hochbegabte besitzen die Fähigkeiten, sich in neue, bislang unbekannte Aufgaben und Problemsituationen, welche unter einem ökonomischen Einsatz von Mitteln geschehen soll, hereinzudenken. Es gibt noch viele weitere Definitionsvorschläge, so auch das Modell von Renzulli, die Wieczerkoski & Wagner in Deutschland bekannt gemacht haben, wobei der Begriff Hochbegabung durch Talent ersetzt wurde.

Das Renzulli-Modell[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Modell zeigt sehr anschaulich, in welchem Umfang die verschiedenen Fähigkeiten bei Hochbegabung eine Rolle spielen und bietet deshalb eine gute Einführung in die Thematik.

2. Zeichen für Begabung

Dass Eltern häufig besser als Lehrer beurteilen können, ob ihr Kind begabt ist, ist bekannt. Denn ein Lehrer legt sein Hauptaugenmerk auf die Schulleistung und Benotung eines Kindes, wo hingegen Eltern die Schulleistung ihres Kindes an zweiter Stelle sehen und sich vielmehr für ihr Kind an sich interessieren.

Werden Eltern von ihren Kindern mit Fragen gelöchert und geben sie sich mit einer simplen Antwort nicht zufrieden, ist das eines von vielen Anzeichen für ein intelligentes Kind. Hat ein Kind mit dem Spracherwerb eine neue Art, sich auszudrücken dazu gewonnen, so wird das Denken differenzierter. Häufig wird genannt, dass ein begabtes Kind für sein Alter wenig Schlaf benötigt, was widersprüchlich ist, wie Dr. Harald Wagner von der Karg-Stiftung sich zu typischen Merkmalen für Hochbegabung äußert:

„Hochbegabte Kinder unterscheiden sich von anderen deutlich in der Ausprägung der Intelligenz, nicht aber z. B. darin, wie viele Stunden sie schlafen, wie häufig sie ihren Willen durchsetzen wollen oder wie häufig sie ironische Kommentare abgeben (...).“

was natürlich nicht bedeutet, dass alle Kinder, die wenig schlafen auch hochbegabt sind. Fängt ein Kind von etwa drei, vier Jahren gerade an, ein Auto von einem Vogel zu unterscheiden, differenziert das begabte Kind ein Auto von einem Taxi oder Bus, einen Vogel von einer Meise oder Amsel. Weitere Anzeichen für Hochbegabung sind etwa frühe Langeweile, der frühe Kontakt mit der Umwelt, Interesse an Geräuschen und Bewegungen. Das Kind verhält sich, ohne dass es sprechen kann, als ob es den Sinn der Worte versteht.[6] Hochbegabte Kinder entwickeln in der Regel schon sehr früh überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen. Sie sind gleichaltrigen beträchtlich weit voraus, sei es im logisch-mathematischen, sprachlichen, musikalischen, künstlerischen, sportlichen oder sozialen Bereich. Häufig kann es vorkommen, dass mehrere dieser Bereiche abgedeckt werden.[7] Viele hochbegabte Kinder lernen selbständig lesen, etwa von einer Cornflakes-Packung. Andere wiederum lieben es vernünftig zu diskutieren und langweilen sich bei Spielen, die nicht vom Kombinationsvermögen, sondern vom Zufall abhängen. Sogar Störungen wie Bettnässen, Magenschwüre, Appetitlosigkeit, Neurosen und Psychosen. können ein Indiz für Hochbegabung sein.[8]

Des weiteren wurden folgende Verhaltensmerkmale beobachtet:

- schnelles Lesen-Schreiben lernen / großer Wortschatz
- Detail-Wissen in einigen Bereichen
- das Kind macht bei leichten Aufgaben viele, bei schwierigen wenige Fehler[9]
- gute Beobachtungsgabe
- Aufgaben werden auf unkonventionelle Art gelöst
- starkes Gerechtigkeitsempfinden
- selbstkritisch
- streben nach Perfektion
- unabhängiges Arbeiten
- Interesse an Erwachsenenthemen wie z.B. Philosophie
- Langeweile bei Routineaufgaben
- ausgeprägter Individualismus
- sie suchen Freunde oft unter Älteren
- können sich in Andere einfühlen
- sind hochgradig sensibel
- akzeptieren keine Autorität, ohne kritische Prüfung[10]
- häufig Außenseiter, Klassenclown
- Perfektionismus
- Bevorzugung geistig verbaler Auseinandersetzung anstelle von körperlicher Gewalt
- originelle Ideengabe[11]

[...]


[1] vgl.Wagner, Zeitmagazin, 1984 Nr. 48

[2] vgl. Paul Suer „Talentsignale erkennen – Begabung fördern“, 1999

[3] vgl. Paul Suer „Talentsignale erkennen – Begabung fördern“, 1999

[4] Margit Stamm, Zentralschweizerischer Trendbericht Begabungsförderung, 1999

[5] nach Wiecerkowski & Wagner, 1985, S. 113

[6] vgl. Paul Suer „Talentsignale erkennen – Begabung fördern“, 1999

[7] vgl. www.dghk.de - Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind

[8] vgl. C. Solzbacher, A. Heinbokel „Hochbegabte in der Schule – Identifikation und Förderung“, 2002

[9] vgl. http://web.archive.org

[10] vgl. www.kaskade.org

[11] vgl. www.dghk.de

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Werden Hochbegabte in Deutschland ausreichend gefördert?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Pädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V35700
ISBN (eBook)
9783638355308
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werden, Hochbegabte, Deutschland, Einführung, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Coinna Böhm (Autor), 2003, Werden Hochbegabte in Deutschland ausreichend gefördert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35700

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