Im Laufe des Proseminars wurden viele interessante Vorträge über aktuelle Akteure und Fragen der internationalen Politik abgehalten. Das Thema über die „ North Atlantic Treaty Organization 1 “ und dessen Selbstverständnis nach Beendigung des Ost-West-Konflikts hat mich besonders angesprochen. Aus diesem Grund habe ich mich auch entschlossen, die Proseminararbeit nicht über mein eigentliches Thema - der zweite Irakkrieg aus völkerrechtlicher Perspektive - zu verfassen, sondern über die Rolle der NATO nach dem Ende des Kalten Krieges. Ich werde versuchen, die in der Arbeit untersuchten Aspekte anhand der neorealistischen Theorie zu erklären. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Zentrale Fragestellung
1.2 Die Entwicklungen seit Ende des Kalten Kriegs
2. DER WEG ZUR NATO-OSTERWEITERUNG
2.1 Aufnahmekriterien und Beitrittszeitpunkte
2.2 Spezifika der Osterweiterungen
3. OSTERWEITERUNG: PRO UND CONTRA
3.1 Die strategische Wichtigkeit der Osterweiterung
3.2 Was sprach gegen die Ausweitung des Bündnisses?
3.3 Wer profitiert durch die Erweiterungsschritte?
4. EINE AMBIVALENTE BEZIEHUNG: DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN DEN USA UND DEN EUROPÄISCHEN PARTNERN
5. THEORETISCHER RAHMEN
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle und das Selbstverständnis der NATO nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, mit einem besonderen Fokus auf die NATO-Osterweiterung. Dabei wird analysiert, ob diese Erweiterung eine sicherheitspolitische Notwendigkeit darstellte oder vorrangig dem Ziel der USA diente, ihren Einfluss in Europa zu sichern, wobei die neorealistische Theorie als Erklärungsrahmen herangezogen wird.
- Analyse der Beweggründe und Strategien der NATO-Osterweiterung.
- Untersuchung der pro- und contra-Argumente hinsichtlich der Bündniserweiterung.
- Betrachtung der Machtverschiebungen im transatlantischen Verhältnis zwischen den USA und europäischen Partnern.
- Anwendung des neorealistischen Ansatzes auf die Bündnispolitik und den Machtzuwachs der USA.
Auszug aus dem Buch
3.2 Was sprach gegen die Ausweitung des Bündnisses?
Die Aufnahme der baltischen Staaten ist aus dem Blickwinkel der internationalen Beziehungen jener Punkt, der am meisten gegen eine Erweiterung gesprochen hat. Für Russland war der Beitritt des Baltikums ein hartes Los: „Diese Länder haben nicht nur eine hervorragende Bedeutung für den russischen Außenhandel, […] sondern es ist auch […] der alte russische Drang zur Beherrschung der Ostseeküsten nur über diese Länder möglich“ (Reiter 1999, 15).
Natürlich spielte auch die ökonomische Seite in der Ausweitung nach Osten eine wichtige Komponente. Wer sollte die Kosten der Erweiterung überhaupt tragen? Die Kostenfrage war für die NATO-Skeptiker in den Ex-WVO-Staaten, welche eine Mitgliedschaft anstrebten, das Hauptargument gegen einen Beitritt in das Bündnis. Die Kostendebatte wurde erst richtig durch eine im März 1996 in den USA publizierte umfassende Analyse möglicher Kosten einer NATO-Erweiterung angeheizt (vgl. Kamp 1998, 142). Anfänglich errechnete das Congressional Budget Office einen Maximalbetrag von 124,7 Milliarden US Dollar. Eine zweite Kostenstudie der RAND Corporation vom August 1996 wiederum prognostizierte einen Höchstkostenbetrag von 110 Milliarden Dollar für einen Zeitraum von 15 Jahren. An diesen Summen wurde allerdings kritisiert, dass sie die Ausgaben für eine grundlegende Modernisierung der osteuropäischen Armeen enthalten würden; Modernisierungskosten, die ohnehin von den Beitrittsländern auch ohne NATO-Aufnahme bereitzustellen gewesen wären. Eine NATO-Kostenanalyse, welche auf der Herbsttagung 1997 erschienen ist, ermittelte einen Gesamtaufwand von etwa 1,5 Milliarden US Dollar. Für die militärischen Investitionen auf dem Gebiet der Neumitglieder seien demnach lediglich 1,3 Milliarden Dollar nötig, da die militärische Infrastruktur der Beitrittskandidaten besser sei als ursprünglich angenommen (ebd. 143 ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die Thematik der NATO nach dem Kalten Krieg ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Osterweiterung unter Anwendung der neorealistischen Theorie.
2. DER WEG ZUR NATO-OSTERWEITERUNG: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Prozess der Erweiterung, die entscheidende Wende im Jahr 1994 und die Rolle des Programms „Partnerschaft für den Frieden“.
3. OSTERWEITERUNG: PRO UND CONTRA: Hier werden die strategische Bedeutung der Erweiterung, die Bedenken hinsichtlich der Kosten und der Einfluss der Rüstungsindustrie sowie die verschiedenen Gewinner und Verlierer diskutiert.
4. EINE AMBIVALENTE BEZIEHUNG: DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN DEN USA UND DEN EUROPÄISCHEN PARTNERN: Das Kapitel analysiert die Verschiebung in der transatlantischen Wahrnehmung und das Streben Europas nach einer eigenständigen Sicherheits- und Verteidigungsidentität.
5. THEORETISCHER RAHMEN: Hier wird die neorealistische Theorie eingeführt, um Allianzen und das Verhalten von Staaten im internationalen System zu erklären.
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Fazit fasst zusammen, dass die USA zwar einen Machtzuwachs verzeichneten, die Osterweiterung aber primär zu einem sichereren und stabileren Europa geführt hat.
Schlüsselwörter
NATO, Osterweiterung, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, USA, Russland, Neorealismus, Transatlantische Beziehungen, Partnerschaft für den Frieden, MOE-Staaten, Machtpolitik, Sicherheitsarchitektur, Geopolitik, Bündnispolitik, Rüstungsindustrie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem Selbstverständnis der NATO nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, wobei der Schwerpunkt auf der NATO-Osterweiterung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die strategische Bedeutung der Osterweiterung, die Kostenfrage, das transatlantische Machtgefüge und die Einordnung der Ereignisse durch den Neorealismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob die NATO-Osterweiterung eine sicherheitspolitische Notwendigkeit war oder der Versuch der USA, ihren Einfluss in Europa beizubehalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse erfolgt auf Basis der neorealistischen Theorie, um die Handlungen und Machtinteressen der beteiligten Akteure im internationalen System zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Prozess der Osterweiterung, die strategischen Vorteile und Bedenken, die Rolle der USA im Verhältnis zu europäischen Partnern sowie die theoretische Einbettung in den Neorealismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen NATO, Osterweiterung, Sicherheitspolitik, USA, Neorealismus, Geopolitik und transatlantische Beziehungen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle Russlands bei der Osterweiterung?
Russland wird als der große Verlierer der Osterweiterung dargestellt, da sein Einfluss im mittel- und osteuropäischen Raum abgenommen hat und der Beitritt des Baltikums als besonders problematisch für russische Interessen wahrgenommen wurde.
Welche Rolle spielt die Rüstungsindustrie laut dieser Analyse?
Die Rüstungsindustrie wird als Hauptgewinner der Erweiterung identifiziert, da die Armeen der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten veraltete Ausrüstungen besitzen und eine grundlegende Modernisierung benötigen.
- Quote paper
- Maximilian Ghetta (Author), 2004, Die Rolle der NATO nach dem Ost-West-Konflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35701