„Das Wort ‚Qualität’ hat seinen Ursprung im Lateinischen (‚qualis’ = wie beschaffen) und umschreibt nach allgemeinsprachlicher Auffassung ‚Beschaffenheit’, ‚Güte’ oder ‚Wert’ eines Objektes.“1
Wenngleich sich dieser lateinische Begriff in die Gemeinsprache eingebürgert hat, bedeutet ‚Qualität’ aber weder die Beschaffenheit eines Gutes selbst, noch eine besonders gute Beschaffenheit. Der an sich neutrale Begriff ‚Qualität’ als Maßstab gewinnt erst durch die Bewertung der festgestellten Beschaffenheit und durch den Vergleich mit Bezugsbeschaffenheiten (von vergleichbaren Gütern oder Leistungen) seine Bedeutung.2
Damit ist aber auch klar, dass ‚Qualität’ kein absoluter Maßstab sein kann, sondern vielmehr als ein komplexes, phänomenales Ereignis erscheint. „Ein phänomenologisches Verständnis des Qualitätsereignisses fragt dementsprechend nicht nur danach was Qualität ist, sondern vielmehr wie sie lebensweltlich in Erscheinung tritt.“3 Somit entsteht Qualität in einer Wechselwirkung zwischen Anbietern und Nachfragern und knüpft an die Attribute, die den Dingen oder Prozessen zu eigen sind – oder ihnen relational zugeschrieben werden – , an. Diese Beziehungsdynamik mündet in einem Differenzereignis (das heißt: besser oder schlechter als ...), das schließlich einer relationalen Bewertung unterzogen wird.4
Qualität ist also eine relative Größe, welche die bewertete Beschaffenheit (i.e. die Gesamtheit der Merkmale) eines Gutes, einer Leistung oder eines Prozesses darstellt.5 Aus dieser diffusen Definition des Begriffes ‚Qualität’ werden in der Literatur verschiedene Ansätze abgeleitet:6
Inhaltsverzeichnis
1. Der Qualitätsbegriff
2. Die Qualität von Dienstleistungen
2.1. Dimensionen der Dienstleistungsqualität
2.2. Qualitätsanforderungen
2.3. Der Wandel des Qualitätsbegriffes bei Dienstleistungen
3. Die Evaluation von Dienstleistungsqualität
3.1. Das Gap-Modell
3.2. Kritik am Gap-Modell
3.3. Dynamische Qualitätsmodelle
4. Die Kosten der Qualität bzw. Nichtqualität
5. Methoden der Qualitätsmessung
5.1. Messung nach objektiven Kriterien
5.2. Messung nach subjektiven Kriterien
6. Konzeptionierung und Implementierung eines Qualitätssystems
6.1. Voraussetzungen
6.2. Instrumente
6.3. Implementierung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung von Servicequalität in der Hotellerie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dienstleistungsqualität definiert, mittels verschiedener Modelle evaluiert und durch ein systematisches Qualitätsmanagement langfristig implementiert werden kann.
- Grundlagen des Qualitätsbegriffs und dessen Bedeutung für Dienstleistungen
- Analyse der Dimensionen und Anforderungen von Dienstleistungsqualität
- Evaluation von Qualität mittels des Gap-Modells und dynamischer Ansätze
- Ökonomische Bedeutung der Qualitäts- und Nichtqualitätskosten
- Methodische Ansätze zur Messung subjektiver und objektiver Kriterien
- Strategische Phasenkonzepte für die Implementierung von Qualitätssystemen
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Gap-Modell
Eine gebräuchliche Methode, die Servicequalität zu evaluieren, ist das Servicemodell von Zeithaml/parasuram/Berry. In diesem so genannten Gap-Modell werden mögliche Lücken, Diskrepanzen oder Abweichungen (GAPs) zwischen den Kundenerwartungen und dem tatsächlich erlebten Service in fünf Bereichen des Qualitätsprozesses aufgezeigt.
Der erwartete Service auf Kundenseite hängt demnach von mündlichen Empfehlungen, persönlichen Bedürfnissen, bisherigen Erfahrungen und dem durch den Anbieter versprochenen Service ab.
Für unser Beispiel Hotellerie heißt das konkret: Der Gast hat spezielle persönliche Bedürfnisse: das kann ein Erholungs- oder ein Wellnessbedürfnis sein, er will Abwechslung haben, einfach Natur genießen oder Sport betreiben. Erwartungen bilden sich aufgrund von Erfahrungen auf gleichen oder anderen Reisen. Die Empfehlungen und Erfahrungen anderer Reisender fließen in die jeweilige Erwartungshaltung des Gastes ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Qualitätsbegriff: Dieser Abschnitt erläutert die etymologischen Wurzeln von Qualität und definiert den Begriff als eine relative Größe, die durch eine relationale Bewertung in der Wechselwirkung zwischen Anbietern und Nachfragern entsteht.
2. Die Qualität von Dienstleistungen: Hier wird die Definition auf Dienstleistungen übertragen und in Potenzial-, Prozess- und Ergebnisdimensionen unterteilt, während zudem die verschiedenen Anforderungsseiten (Kunde, Wettbewerb, Unternehmen) beleuchtet werden.
3. Die Evaluation von Dienstleistungsqualität: Das Kapitel stellt das Gap-Modell zur Identifikation von Servicelücken vor, kritisiert dessen statische Natur und verweist auf alternative, prozessorientierte dynamische Qualitätsmodelle.
4. Die Kosten der Qualität bzw. Nichtqualität: Dieser Teil verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Qualitätsanstrengungen und Betriebskosten, wobei betont wird, dass höhere Qualität durch Motivation und Fehlervermeidung langfristig kosteneffizienter ist.
5. Methoden der Qualitätsmessung: Hier werden unternehmens-, kunden- und mitarbeiterorientierte Verfahren unterschieden und in objektive sowie subjektive Messkriterien kategorisiert.
6. Konzeptionierung und Implementierung eines Qualitätssystems: Das Abschlusskapitel definiert die Voraussetzungen, notwendigen Instrumente wie Qualitätsplanung und -lenkung sowie ein phasenbasiertes Konzept für die nachhaltige Umsetzung im Unternehmen.
Schlüsselwörter
Servicequalität, Dienstleistungsmanagement, Gap-Modell, Hotellerie, Qualitätsmanagement, Kundenanforderungen, Prozessdimension, Qualitätsmessung, Servicestandards, Kundenzufriedenheit, Qualitätssystem, Implementierung, Qualitätskosten, Dienstleistungsmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung und der praktischen Anwendung von Servicequalität in der Hotellerie, insbesondere unter Betrachtung der Messbarkeit und Implementierung von Qualitätsstandards.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Qualität, das Gap-Modell zur Bewertung, die ökonomischen Aspekte von Qualitätskosten sowie die methodische Umsetzung in einem systematischen Qualitätsmanagementsystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für den Managementprozess der Servicequalität zu schaffen und die Notwendigkeit sowie die Phasen einer erfolgreichen Implementierung darzulegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Qualitätsmessung vorgestellt?
Die Arbeit differenziert zwischen unternehmens-, kunden- und mitarbeiterorientierten Verfahren sowie zwischen objektiven Indikatoren (z.B. Silent-Shopper) und subjektiven Ansätzen (z.B. SERVQUAL).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Qualitätsbegriff), die Modellierung der Servicequalität (Gap-Modell), die betriebswirtschaftliche Bewertung (Kosten) und die konzeptionelle Implementierung (Phasenkonzept).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Zentrale Begriffe sind Servicequalität, Gap-Modell, Hotellerie, Qualitätsmanagement, Kundenzufriedenheit und Prozessorientierung.
Wie unterscheidet sich das Gap-Modell von dynamischen Modellen?
Das Gap-Modell betrachtet den Leistungsprozess statisch und ex-post, während dynamische Qualitätsmodelle den Prozesscharakter der Leistungserstellung stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen.
Welche Rolle spielt die "Stunde der Wahrheit" in diesem Kontext?
Die "Stunde der Wahrheit" bezeichnet die Ergebnisdimension, in der der Gast am Ende des Dienstleistungsprozesses die erbrachte Leistung unmittelbar mit seinen Erwartungen vergleicht.
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- Mag. Thomas Driendl (Author), 2001, Bedeutung, Messung und Implementierung von Servicequalität in der Hotellerie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35712