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Sprache als Medium

Title: Sprache als Medium

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Jens Claaßen (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Wird man danach gefragt, was Medien sind, dann werden einem wohl zunächst die verschiedenen Massenkommunikationsmittel einfallen, die so eng mit unserem Leben verflochten sind, dass wir nur noch schwer ohne sie sein können. Man wird an audiovisuelle Medien, an akustische Medien, Printmedien oder die neuen Medien denken und dabei doch zugleich der ursprünglichen Verkörperung von Medialität wenig Beachtung schenken; nämlich der von Sprache in ihrem alltäglichen Vollzug des Sprechens, der oralen Sprache. Diese Ignoranz gegenüber der Medialität von Sprache, die sich insbesondere auch in der neueren Sprachwissenschaft abzeichnet, basiert nach Ludwig Jäger letztlich auf einem eingeschränkten Kommunikationsverständnis, auf einem Verständnis, dass Kommunikation auf den bloßen Transport bereits vorhandener Information reduziert.
Im Verlauf dieser Arbeit werde ich versuchen zu zeigen, warum ein solches Verständnis dem Medium Sprache nicht gerecht werden kann. Die Ausführungen Ludwig Wittgensteins, der in seiner Spätphilosophie als einflussreicher Gegner des Transportmodells auftritt, werden sich für mein Vorhaben als besonders hilfreich erweisen. Denn mit seiner Konzeption verschiedener sozialer Sprachspiele überwindet Wittgenstein die traditionelle Vorstellung einer verdinglichenden Sprachauffassung, in der die vielfältigen Funktionen der Sprache zugunsten der des Benennens ausgeblendet werden. Diese Sprachauffassung wird von Wittgenstein vor allem anhand seiner Argumentationen bezüglich Regelfolgen und Privatsprache systematisch begründet, ich werde mich also auf die hierfür relevanten Passagen seiner Philosophischen Untersuchungen konzentrieren.
Hat man schließlich die beschränkte Vorstellung einer kognitivistisch geprägten Sprachwissenschaft überwunden, dann muss man sich auch den Besonderheiten sprachlicher Medialität zuwenden. Wie hängen Sprache und Denken zusammen, wenn Sprache nicht auf den bloßen Transport bereits vorhandener Gedanken reduziert werden kann? Um auch diese Frage hinreichend zu beantworten, werde ich die vorliegende Arbeit mit einem Ausblick auf die Ergebnisse Ludwig Jägers beschließen, der in seinem Aufsatz zur Sprache als Medium des Geistes näher auf das Abhängigkeitsverhältnis von Sprache und Denken eingeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sprachvergessenheit der Medientheorie

3. Die Medialitätsvergessenheit der Sprachtheorie

4. Der Medienbegriff

5. Zum Sprachverständnis Ludwig Wittgensteins

5.1. Regeln und Regelfolgen

5.2. Die private Sprache

5.2.1 Empfindungen

5.2.2 Das E-Spiel

6. Das Medium des Geistes

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Verfasstheit von Sprache und hinterfragt kritisch die in der aktuellen Sprachwissenschaft und Medientheorie verbreitete Reduktion von Kommunikation auf den bloßen Transport bereits vorhandener Informationen. Ziel ist es, unter Einbeziehung der Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins aufzuzeigen, dass Sprache als Medium konstitutiv für das menschliche Denken ist.

  • Überwindung des Transportmodells der Kommunikation
  • Kritik an der Sprachvergessenheit der Medientheorie und Medialitätsvergessenheit der Sprachtheorie
  • Analyse von Wittgensteins Sprachspielkonzeption und Privatsprachenargumentation
  • Die Rolle der öffentlichen Regelgeleitetheit für den Sprachgebrauch
  • Die konstitutive Funktion von Sprache als Medium des Geistes

Auszug aus dem Buch

5.2. Die private Sprache

In Abschnitt 243 der Philosophischen Untersuchungen werden wir zum ersten Mal mit Wittgensteins Vorstellung von einer privaten Sprache bekannt gemacht, er beschreibt sie wie folgt:

Die Wörter dieser Sprache sollen sich auf das beziehen, wovon nur der Sprechende wissen kann; auf seine unmittelbaren, privaten Empfindungen.

Für Wittgenstein ist eine solche Sprache grundsätzlich unmöglich. Die Annahme ihrer Möglichkeit basiere dabei auf zwei grundlegenden Fehlern: Zum einen sei das der Glaube, Erlebnisse wären privat, zum anderen der Glaube, Wörter könnten ihre Bedeutung durch eine reine Hinweisdefinition erlangen, dass es also möglich sei, eine Sprache durch bloßen Hinweis, ohne Einübung des Gebrauchs der Wörter zu erlernen. Die Wurzeln für eine solch unrealistische Vorstellung der Möglichkeit oder gar Existenz einer Privatsprache macht der Philosoph indes in der traditionellen verdinglichenden Sprachauffassung, in der Repräsentationstheorie der Bedeutung aus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung nach der Medialität von Sprache und führt in die Kritik am Transportmodell der Kommunikation ein.

2. Die Sprachvergessenheit der Medientheorie: Dieses Kapitel arbeitet heraus, warum aktuelle Medientheorien dazu neigen, Medialität ausschließlich mit Technologie gleichzusetzen und die Medialität oraler Sprache zu ignorieren.

3. Die Medialitätsvergessenheit der Sprachtheorie: Es wird dargelegt, wie die Sprachwissenschaft Sprache oft als von ihrer materiellen Erscheinungsform gelöst betrachtet und damit das Mediale marginalisiert.

4. Der Medienbegriff: Dieses Kapitel entwickelt einen alternativen Medienbegriff, der die spezifische Verfasstheit von Sprache als Medium, in dem wir uns bewegen, berücksichtigt.

5. Zum Sprachverständnis Ludwig Wittgensteins: Die Bedeutung Wittgensteins für die Überwindung des mentalistischen Sprachbildes durch die Konzeption sozialer Sprachspiele steht hier im Zentrum.

5.1. Regeln und Regelfolgen: Es wird analysiert, warum Regelfolgen eine soziale und keine individuelle Kompetenz darstellt und wie der Gebrauch die Bedeutung konstituiert.

5.2. Die private Sprache: Dieses Kapitel expliziert Wittgensteins Argumente gegen die Möglichkeit einer Sprache, die sich ausschließlich auf private Empfindungen bezieht.

5.2.1 Empfindungen: Es wird erläutert, wie Wittgenstein die Verbindung zwischen Empfindung und Ausdruck als öffentlich anstatt als privat charakterisiert.

5.2.2 Das E-Spiel: Das Kapitel demonstriert anhand des E-Spiels die logische Unmöglichkeit privater Hinweisdefinitionen für die Bedeutungskonstitution.

6. Das Medium des Geistes: Hier wird die konstitutive Funktion von Sprache für mentale Entitäten und das menschliche Denken hervorgehoben.

7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Sprache nicht als bloßes Mittel zum Transport von Gedanken verstanden werden darf, sondern als fundamentales Medium des Geistes gilt.

Schlüsselwörter

Sprache, Medialität, Wittgenstein, Transportmodell, Sprachspiele, Regelfolgen, Privatsprache, Empfindungssprache, Hinweisdefinition, Medientheorie, Sprachtheorie, Mentalismus, Kognition, Kommunikation, Sprachphilosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die mediale Dimension der Sprache und kritisiert die weit verbreitete Vorstellung, Sprache sei lediglich ein neutrales Transportmittel für bereits vorhandene Gedanken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Medientheorie, Sprachtheorie, die Philosophie Ludwig Wittgensteins (insbesondere die Sprachspiele und das Privatsprachenargument) sowie das Verhältnis von Sprache, Denken und Medialität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine angemessene Theorie der Sprache die material-mediale Erscheinungsform des Sprechens einbeziehen muss und wie die Annahme einer privaten, von öffentlicher Sprache unabhängigen Bedeutung zu widerlegen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die philosophische Analyse, insbesondere die textnahe Interpretation der Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins, und kombiniert diese mit medientheoretischen Diskursen (u.a. von Ludwig Jäger und Sybille Krämer).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Kritik an der Sprach- und Medialitätsvergessenheit, entwickelt einen neuen Medienbegriff und analysiert Wittgensteins Ausführungen zu Regeln, Regelfolgen, Empfindungen sowie die berühmte Privatsprachenproblematik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sprache, Medialität, Sprachspiele, Transportmodell, Privatsprache, Regelfolgen und die konstitutive Funktion von Sprache für das Denken.

Wie widerlegt Wittgenstein die Existenz einer privaten Sprache?

Wittgenstein zeigt, dass für das Folgen einer Regel (wie der Benennung einer Empfindung) öffentliche Kriterien der Richtigkeit erforderlich sind; ohne einen sozialen Kontext bleibt ein solches Zeichen bedeutungslos.

Warum ist Sprache für das Denken konstitutiv?

Die Arbeit argumentiert mit Ludwig Jäger, dass mentale Zustände auf semiotischen Modellen basieren und die Fähigkeit zum Denken eng mit dem Erwerb offener Rede und der intersubjektiven Verwendung von Zeichen verknüpft ist.

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Details

Title
Sprache als Medium
College
RWTH Aachen University  (Germanistisches Institut)
Course
Oralität und Literalität
Grade
1,3
Author
M.A. Jens Claaßen (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V35721
ISBN (eBook)
9783638355483
Language
German
Tags
Sprache Medium Oralität Literalität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Jens Claaßen (Author), 2004, Sprache als Medium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35721
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