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Niccolo Machiavelli. Republikanischer Theoretiker oder Analyst der Krise?

Titel: Niccolo Machiavelli. Republikanischer Theoretiker oder Analyst der Krise?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2016 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Johannes Konrad (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Machiavelli hat als politischer Denker seine Leser stets polarisiert. Angefangen mit der Indizierung des Principe durch die Kurie im Jahr 1557 galt das Werk und sein Autor als Vertreter skrupelloser Machtpolitik und einer nihilistischen Weltanschaung. Dem entgegen steht eine Interpretationsgeschichte, die mit Rousseau beginnend in Machiavelli den glühenden Republikaner und italienischen Patrioten sieht. Die republikanische Interpretation erhielt v.a. durch die New Cambridge School einen neuen Anschub. So versuchten die Historiker John Pocock und Quentin Skinner Machiavelli nicht mehr von seinen „Tabubrüchen“ ausgehend als einen Kritiker despotischer Monarchien zu sehen. Stattdessen ordnen Sie ihn in eine ideengeschichtliche Betrachtung der Renaissance und einer ihrer geistigen Strömungen ein, für die Hans Baron den Begriff des „civic humanism“ geprägt hat. Dem entgegen steht eine Betrachtungsweise, die Versucht die inhaltlichen Spannungen, v.a. zwischen den Discorsi und dem Principe, zu überbrücken, indem sie beide als Analyse einer krisenhaft verstandenen Gegenwart interpretiert. Ausgangspunkt für diese Lesart sind die Betrachtungen Jacob Burckhartds über die Italienische Renaissance als Krisenepoche.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich erörtern, inwiefern diese starke Betonung der republikanischen Aspekte in Machiavellis Werken gerecht wird. Dabei beziehe ich mich auf die Krisentheorie Jacob Burckhards und René Königs, der Machiavelli in diesem Lichte interpretiert und in seinem Denken den Spiegel politischer und persönlicher Krisen ausmacht. Davon ausgehend, möchte ich zeigen, dass die Frage nach dem politischen System für Machiavelli zwar von hoher Bedeutung ist, diese jedoch stets auf einer Methaebene, unter dem Gesichtspunkt von Stabilität bzw. Sicherheit der Verhältnisse verhandelt wird, und somit nicht von einer republikanischen Theorie im eigentlichen Sinne die Rede sein kann. Vielmehr konzipierte er eine Technik, die ein erfolgreiches Handeln in der Krise und letztlich eine Überwindung dieser ermöglichen soll.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Machivellis Republikanismus bei Skinner

2.1. Machiavelli im Kontext des civic humanism

2.2. Governo Largo und Volkssouveränität

2.3. Kritik der Monarchie

3. Die Krise der Renaissance

4. Machiavelli als Autor der Krise

4.1. Virtù und Fortuna als Kontingenzerfahrung

4.2. Die Republik als Verteidigungsgemeinschaft

4.3. Innere Stabilisierung der Republik

4.4. Die Republik und der Fürst

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Interpretation von Niccolò Machiavellis Werk durch die Vertreter der "New Cambridge School", insbesondere Quentin Skinner. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die starke Einordnung Machiavellis als rein republikanischer Denker seiner Komplexität gerecht wird, indem die Arbeit seine Texte im Kontext der zeitgenössischen Krisentheorien von Jacob Burckhardt und René König neu bewertet.

  • Analyse des republikanischen Freiheitsdiskurses bei Quentin Skinner.
  • Untersuchung von Machiavellis Konzepten der virtù und fortuna.
  • Kontrastierung von Republik und Monarchie als Mittel zur Krisenbewältigung.
  • Vergleichende Analyse von "Principe" und "Discorsi" hinsichtlich politischer Stabilität.
  • Bewertung der Renaissance als spezifische Krisenepoche.

Auszug aus dem Buch

4.1. Virtù und Fortuna als Kontingenzerfahrung

Die Krise seiner Zeit erlebte Machiavelli unmittelbar durch seine diplomatische Tätigkeit im Dienste der Republik Florenz, wobei die ständig wechselnden Bündnisse und die Verheerungen im Zuge der italienischen Kriege das destruktive Potential einer kontingenten Welt aufzeigten. Dies erfuhr der Florentiner am eigenen Leib, als er im Zuge der erneuten Machtübernahme der Medici in Florenz inhaftiert, gefoltert und letztlich verbannt wurde.

Diese Erfahrung von Verlust und Unbeständigkeit findet sich denn auch in seinem Geschichtsbild wieder, das entlang der Achsen von virtù und fortuna entfaltet wird. Oliver Hidalgo vertritt gar die These, dass sich Machiavellis gesamtes Denken anhand dieses Koordinatensystems erklären lässt. Fortuna bezeichnet bei ihm sowohl das Schicksal als auch den Zufall, also den Inbegriff der Kontingenz. Diese wird als destruktiv verstanden, gibt jedoch den Menschen überhaupt erst die Voraussetzungen zum Handeln bzw. die nötigen Gelegenheiten die es zu ergreifen gilt und hat damit in der virtù ihren Wiederpart.

Unter virtù versteht Machiavelli nicht einfach Tugend oder Tüchtigkeit, im Sinne einer persönlichen Eigenschaft, sondern eine überzeitliche Größe, die ganzen Völkern innewohne. Der Soziologe René König spricht in diesem Zusammenhang von einem „Dynamismus“, der es den Völkern bzw. Staaten erlaubt Größe zu erlangen. Dabei spannt Machiavelli einen historischen Bogen, von dem aus er die Gegenwart deutet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die polarisierte Interpretationsgeschichte von Machiavelli und führt in die Fragestellung ein, inwieweit die republikanische Lesart der New Cambridge School den komplexen Machtanalysen in seinen Werken gerecht wird.

2. Machivellis Republikanismus bei Skinner: Dieses Kapitel analysiert Skinners Einordnung Machiavellis in den "civic humanism" und beleuchtet dessen Sicht auf Volkssouveränität sowie die explizite Kritik an der Monarchie innerhalb der "Discorsi".

3. Die Krise der Renaissance: Hier wird anhand des Historikers Jacob Burckhardt dargelegt, dass die Renaissance nicht nur ein geistiger Aufbruch war, sondern durch eine tiefgreifende politische und ideologische Krisenerfahrung der etablierten Instanzen geprägt wurde.

4. Machiavelli als Autor der Krise: Dieses zentrale Kapitel untersucht, wie Machiavelli mittels der Begriffe virtù und fortuna auf die krisenhafte Kontingenz reagiert und welche Rolle dabei die Stabilisierung des Staates sowie die Funktion des Fürsten einnehmen.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Skinner zwar die republikanischen Aspekte erhellt, jedoch die monarchischen und krisenanalytischen Ansätze Machiavellis vernachlässigt, weshalb ein ganzheitlicherer Ansatz im Lichte der Krisentheorie notwendig ist.

Schlüsselwörter

Niccolò Machiavelli, Republikanismus, Civic Humanism, Virtù, Fortuna, Krise der Renaissance, Quentin Skinner, Politikwissenschaft, Machtpolitik, Staatstheorie, Politische Stabilität, Jacob Burckhardt, Regierungshandeln, Discorsi, Principe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob Niccolò Machiavelli primär als republikanischer Theoretiker zu verstehen ist oder ob sein Denken vielmehr als eine pragmatische Analyse politischer Krisen und der Notwendigkeit staatlicher Stabilität interpretiert werden sollte.

Welche zentralen Themenfelder deckt das Dokument ab?

Die zentralen Felder umfassen den Renaissance-Humanismus, die Analyse der Begriffe "virtù" und "fortuna", die krisenhafte Beschaffenheit der italienischen Politik des 16. Jahrhunderts sowie die funktionale Unterscheidung zwischen Republik und Monarchie.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die einseitige Interpretation von Machiavelli als glühendem Demokraten durch die New Cambridge School zu hinterfragen und stattdessen seine Analyse auf einer Metaebene unter dem Aspekt der Krisenbewältigung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine ideengeschichtliche Analyse, indem sie primär Machiavellis Werke ("Principe" und "Discorsi") mit zeitgenössischen Forschungsperspektiven (Skinner, Burckhardt, König) konfrontiert und kritisch in Beziehung setzt.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden die Struktur der republikanischen Ordnung, die Rolle von Rechtssystemen zur inneren Stabilisierung sowie das Verhältnis zwischen dem Herrscher (Fürst) und der republikanischen Idee analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind "civic humanism", das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Notwendigkeit, der "Stato" als stabilisierendes Element sowie die Bedeutung der historischen Kontingenz.

Warum spielt das Konzept der "virtù" eine so zentrale Rolle bei Machiavelli?

Für Machiavelli ist die "virtù" das dynamische Gegenmittel zur zerstörerischen "fortuna"; sie befähigt Akteure, politische Krisen zu bewältigen und den Staat als dauerhafte Ordnung zu etablieren.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen dem "Principe" und den "Discorsi"?

Während Skinner die Werke strikt trennt (opportunistische Fürstenberatung vs. republikanisches Ideal), argumentiert die Arbeit, dass beide Werke einer gemeinsamen Logik der staatlichen Stabilisierung und Krisenüberwindung unterliegen.

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Details

Titel
Niccolo Machiavelli. Republikanischer Theoretiker oder Analyst der Krise?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Die Philosophie der Renaissance
Note
1,0
Autor
Johannes Konrad (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V357232
ISBN (eBook)
9783668425927
ISBN (Buch)
9783668425934
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli Renaissance Krise Republik Monarchie Staatstheorie Ideengeschichte politische Philosophie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johannes Konrad (Autor:in), 2016, Niccolo Machiavelli. Republikanischer Theoretiker oder Analyst der Krise?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357232
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Leseprobe aus  18  Seiten
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