Der Siegelstreit zwischen Lübeck und Visby


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation um 1300
2.1 Die Stadt Lübeck und die Organisation des Ostseehandels
2.2 Die Gemeinde in Wisby

3. Der Siegelstreit
3.1 Chronologischer Überblick
3.2 Folgen des Konfliktes

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

Quelleneditionen

Monographien

Beiträge in Sammelbänden

1. Einleitung

In der Geschichte des Ostseehandels spielte der Siegelstreit zwischen Lübeck und Wisby Ende des 13. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Beide Städte dominierten lange Zeit den Güterverkehr auf der Ostsee als gleichberechtigte Partner, bis Lübeck schließlich gegenüber Wisby die Oberhand gewann. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Streit um das Siegel und die rechtliche Nachfolge der Gotländischen Genossenschaft und soll anhand der Quellen systematisch zeigen, wie sich der Machtkampf zwischen den beiden Städten abspielte.

Die Kernfrage, die in dieser Arbeit untersucht werden soll, lautet, welche Faktoren den Siegelstreit zwischen Lübeck und Wisby möglich machten und ob oder inwiefern dieser durch Urkunden zu dokumentieren ist.

Durch eine gut überlieferte Quellenlage ist es möglich, den Hergang des Streits genau zu rekonstruieren. Hansehistorikern bietet sich hier ein einzigartiger Einblick in die politischen Konflikte während der frühen Hochphase der Hanse. Um die Leitfrage ausführlich und ansprechend beantworten zu können, wird der erste Teil der Arbeit auf die Situation der Kontrahenten um 1300 und die Organisation des Ostseehandels eingehen. In einem nächsten Schritt wird der Siegelstreit thematisiert. Hier soll mit Hilfe des Urkundenbuchs der Stadt Lübeck, dem Hansischen Urkundenbuch und weiteren Quelleneditionen der genaue Hergang des Konfliktes anhand der Urkundenlektüre herausgearbeitet werden. Zum Schluss wird die Arbeit noch auf die Folgen des Siegelstreits für den Ostseehandel eingehen und einen kurzen Ausblick auf die zukünftige politische Organisation der Hanse geben. Die Kapitel über die Situation um 1300 und des Ostseehandels in diesem Zeitraum beziehen sich maßgeblich auf Sekundärliteratur. Jedoch wird auch hier auf Urkundentexte verwiesen. Im zweiten Kapitel über den Siegelstreit wird sich die Arbeit hauptsächlich mit den Primärquellen beschäftigen.

2. Die Situation um 1300

2.1 Die Stadt Lübeck und die Organisation des Ostseehandels

Schaut man sich den deutschen Ostseehandel im 13. Jahrhundert an, kommt man an der Hansestadt Lübeck nicht vorbei.1 Bereits im 11. Jahrhundert sind Spuren einer Siedlung unweit der heutigen Stadt Lübeck zu finden, die Hinweise auf einen Handelsplatz liefern. Doch erst 1143 gründete der holsteinische Graf Adolf II. auf der Buku-Halbinsel zwischen Trave und Wakenitz, nur wenige Kilometer von der ersten Siedlung entfernt, eine neue Siedlung. Fortan wurde diese neue Siedlung Lübeck genannt, da man davon ausgehen kann, dass der Kern der Siedler aus der ersten Siedlung in die Neue übersiedelte. Doch bereits wenige Jahre später musste Adolf II. seine Neugründung an seinen Lehnsherren, den Herzog Heinrich III. von Sachsen abtreten, da dieser Lübeck als Konkurrenz zur herzoglichen Stadt Bardowick sah und Druck auf Adolf II. ausübte, um sich der finanzstarken Handelsstadt an der Trave zu bemächtigen.2 Das während dieser Periode durch ein Feuer zerstörte Lübeck wurde, nachdem Adolf II. auf seine Besitzansprüche verzichtet hatte, auf den Ruinen der gräflichen Siedlung neu errichtet. Von einer Neugründung der Stadt, im Rahmen des Streits zwischen Adolf II. und Heinrich III., kann jedoch keine Rede sein.

„Im Hin und Her zwischen Lübeck und Löwenstadt fand jeweils nur die räumliche Verlagerung eines Personenverbandes derselben Bürger statt, wobei sich personell und rechtlich nichts oder nur Weniges änderte.“3

Der Kern der neuen Siedler bestand, wie auch schon bei der Neugründung Lübecks auf der Buku-Halbinsel, aus denselben Händlerfamilien und Bauern. Mit dem, im Jahre 11634 von Herzog Heinrich ausgestellten, Artlenburger Privileg schlichtete der Fürst Streitigkeiten zwischen den in der Ostsee Handel treibenden lübischen und gotländischen Kaufleuten.5 Doch im Grunde handelte es sich hierbei bloß um eine Erneuerung des bereits von Heinrichs Großvater Lothar III. gewährten Friedensschutzes, den dieser den gotländischen Händlern gewährt hatte. Unter der Bereitschaft der Gotländer, den lübischen Kaufleuten ebenfalls Schutz zuzusichern und für ihren Handel den Lübecker Hafen aufzusuchen, sicherte Heinrich den Gotländern denselben Rechtsschutz zu, den die deutschen Kaufleute auf Gotland auch erhielten. Darüber hinaus wurde den gotländischen Händlern Zollfreiheit in Heinrichs Ländereien, sowie umfangreiche Garantien für den Schutz von Leben und Besitz gewährt. Die Datierung dieses Privilegs6 beweist, dass bereits im 12. Jahrhundert umfangreiche Handelsaktivitäten deutscher Händler im Ostseeraum stattgefunden haben müssen. Um den Rechtsschutz zu gewährleisten setzte der Herzog Aldermänner ein, die für ihn auf Gotland und im Ostseeraum den Rechtsschutz der deutschen Kaufleute sicherstellten.7 Dass Heinrich III. die deutschen Gotlandlandfahrer durch diese Aldermänner, die dem Herzog direkt unterstellt waren, in einem Abhängigkeitsverhältnis hielt, ist angesichts des schwindenden Einflusses des Welfen in seinen norddeutschen Besitzungen kaum verwunderlich. Als im Jahr 1181 Heinrich III. durch seinen Vetter Kaiser Friedrich I. und weitere Reichsfürsten gestürzt wurde, gelangte Lübeck in den Besitz des Staufers. Der Stadt war es zwar möglich ihre durch Heinrich erhaltenen Privilegien und Schutzversprechungen zu bewahren, doch wirklichen Schutz vor äußeren Aggressoren konnte Kaiser Friedrich I. Lübeck und den dort ansässigen Händlern nicht bieten. Das lag vor allem daran, dass sich die Machtbasis der Stauferkönige vor allem auf Süddeutschland erstreckte und sich gegen Ende des 12. Jahrhunderts immer weiter nach Norditalien und Südostfrankreich verlagerte. Mit dem Tod Kaiser Friedrichs I. im Jahr 1190 entstand ein Machtvakuum8, das für die norddeutschen Städte Konsequenzen haben sollte. Für Lübeck bedeutete der Machtstreit der deutschen Fürstenhäuser, dass es im Jahr 1201 unter dänische Kontrolle fiel.9 Erst in den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts konnte Lübeck den Konflikt zwischen den norddeutschen Fürsten und der Dänen nutzen, und sich 1227, nach der Schlacht von Bornhöved, die Reichsfreiheit sichern.10

Der deutsche Ostseehandel im 13. Jahrhundert profitierte stark davon, dass nach dem Tod Friedrichs I. und dem Ende des dritten Kreuzzuges, die Kreuzzugsbewegung in Europa wieder erstarkte und sich von nun an den heidnischen Ländern im Ostseeraum zuwandte.11 Mit der Gründung Rigas durch den deutschen Orden unter der Schirmherrschaft des damaligen Bremer Domherren Albert, im Sommer 1201, etablierte sich, auch durch Finanzhilfe aus Lübeck, ein zweiter deutscher Fernhandelshafen im Ostseeraum.12 Lübecks Interesse an einem starken Riga lagen auf der Hand: Riga diente den Lübecker Händlern als direkter Handelspartner, aber auch als Handelsstützpunkt, der die Entfernung nach Nowgorod halbierte und den Landweg in die Republik Nowgorod erst erschwinglich machte. Doch auch in Dänemark hat es zu dieser Zeit bereits Hinweise auf Niederlassungen deutscher Fernhändler gegeben. Der dänische Hering, der auf dem Schonenmarkt verkauft und für das christliche Europa immer wichtiger wurde13, kann hier als Anreiz für die deutschen Kaufleute gesehen werden, sich auf dänischem Gebiet anzusiedeln. Doch nicht nur deutsche Händler nutzten den Schonenmarkt für ihre Geschäfte, auch englische und niederländische Kaufleute waren auf dem jährlich stattfindenden Markt anzutreffen. Unter der Herrschaft des Dänenkönigs Waldemar II. konnte Lübeck seine handelspolitische Vormachtstellung im südwestlichen Ostseeraum weiter festigen.

[...]


1 Der folgende Abschnitt bezieht sich auf: Hoffmann, Erich: Lübeck und die Erschließung des Ostseeraums, S. 34-45.

2 Vgl. Die Urkunden Heinrich des Löwen I, Nr. 40.

3 Hoffmann, Erich: Lübeck und die Erschließung des Ostseeraums, S. 38.

4 In der Literatur wird häufig 1161 als Ausstellungsdatum genannt. Doch in den Urkunden ist explizit 1163 als Datum angegeben.

5 Vgl. Hansisches Urkundenbuch, Band 1 (975-1300), Nr. 15, Nr. 16. In der Folge nur noch als HUB I gekennzeichnet.

6 Laut HUB I, Nr. 15 stammt die Urkunde vom Oktober 1163.

7 Vgl HUB I, Nr. 16.

8 Gemeint ist hier der zwanzigjährige Thronstreit zwischen Staufern und Welfen von

1198-1218. Vgl. Hoffmann, Erich: Lübeck und die Erschließung des Ostseeraums, S. 43.

9 Der Graf von Holstein nutzte die instabile politische Lage im Herzogtum Sachsen aus und wurde 1192 schließlich erneut Herr der Stadt Lübeck. Vgl. Dollinger, Phillip: Die Hanse, S. 39.

10 Vgl. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. Die Urkunden Friedrichs I., Nr. 981.

11 Dieser Abschnitt bezieht sich auf: Hoffmann, Erich: Lübeck und die Erschließung des Ostseeraums, S. 43-50.

12 Vgl. Dollinger, Phillip: Die Hanse, S. 46f.

13 In der christlichen Fastenzeit war nur der Verzehr von Fisch erlaubt. 5

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Siegelstreit zwischen Lübeck und Visby
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Lehrstuhl Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
PS "Die Hanse"
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V357291
ISBN (eBook)
9783668429376
ISBN (Buch)
9783668429383
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
siegelstreit, lübeck, visby
Arbeit zitieren
Niklas Plöger (Autor), 2015, Der Siegelstreit zwischen Lübeck und Visby, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357291

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Siegelstreit zwischen Lübeck und Visby



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden