Die Generative Semantik und ihre Rolle als Gegenstück zur Interpretativen Semantik


Hausarbeit, 2012

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Semantik
1.1 Generative Semantik
1.2 Interpretative Semantik

2. Generative Semantik vs. Interpretative Semantik

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit hat eine Auseinandersetzung mit der Generativen Semantik zum Thema. Die Generative Semantik ist ein generatives Grammatikmodell, welches in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts von einigen bekannten Linguisten und Sprachwissenschaftlern, unter anderem George Lakoff, Paul M. Postal und James D. McCawley, entwickelt wurde.

Die Generative Semantik fungiert als Gegenstück zu Noam Chomskys Transformationsgrammatik, die die Semantik stark vernachlässigt. Chomsky erweiterte sein Modell zwar einige Jahre später um die Interpretative Semantik, der Streit unter den Wissenschaftlern aber dauerte fort und führte in der sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den sogenannten Linguistic Wars, lang anhaltenden Debatten über Modelle der Semantik im Rahmen Generativer Grammatik.

Die Arbeit wird sich zunächst mit dem allgemeinen Begriff der Semantik auseinandersetzen und im Anschluss die Begriffe Generative Semantik und Interpretative Semantik definieren. Da in dieser Arbeit die Generative Semantik im Vordergrund stehen soll, wird die Definition eben dieser wesentlich länger ausfallen als die der Interpretativen Semantik. Im Anschluss wird ein Vergleich angestellt und ein Fazit gezogen.

1. Semantik

Die Semantik ist ein Teilgebiet der Linguistik, das sich mit der Bedeutung von sprachlichen Gebilden, also zum Beispiel Phrasen, Wörtern und grammatischen Formen und Sätzen beschäftigt.[1] Nicht zu Forschungsgegenstand der Semantik zählen die Bedeutungen von Handlungen und Phänomenen im Allgemeinen, mit Ausnahme von Handlungen, die in der Äußerung von sprachlichem Material unterschiedlichen

Umfangs bestehen – Phrasen und Sätze, oder aber auch Dialoge und zusammenhängende Texte.[2] Sprachliche Äußerungen werden in der Semantik untersucht, weil die Bedeutung von Wörtern und Sätzen nicht unabhängig von ihrem Gebrauch in der gesprochenen Sprache untersucht werden können, erst eben jener tatsächliche Gebrauch liefert der Semantik ihre Daten.[3]

1.1 Generative Semantik

Die Generative Semantik, die gegen Ender der sechziger Jahre aus der Generativen Grammatik heraus entstand, zugleich aber „als Alternative zu deren Standardtheorie“[4] fungierte, hatte als Ausgangspunkt den von Chomsky geprägten Begriff der syntaktischen Tiefenstruktur. Jener Begriff der syntaktischen Tiefenstruktur wird als kohärente Strukturebene abgelehnt – er reicht für semantische Interpretation nicht aus.[5] Der daraus resultierende und von zahlreichen Kontroversen begleitete Umbau des Systems hatte zur Folge, dass Semantik nicht mehr interpretativ, sondern generativ war und somit keine strikte Trennlinie mehr zwischen Semantik und Syntax bestand.[6]

Die semantischen Strukturen wurden nun durch eine der Prädikatenlogik verwandte Art hergestellt und in die Oberflächenstruktur integriert.[7] Satzbedeutungen sind in der Generativen Semantik „syntaktisch strukturierte Komplexe einfachster Begriffe (atomarer Prädikate) und ihrer Argumente.“[8] Die Generative Semantik möchte zeigen, in welcher Weise Sätze die verschiedenen Gegenstände in der Welt wiedergeben und wie Sätze bestimmte Voraussetzungen, bzw. Präsuppositionen, zeitgleich ausdrücken.[9] Zur Verdeutlichung dient folgendes Beispiel: Klaus weiß, dass zwei mal zwei vier ist präsupponiert, zwei mal zwei ist vier.[10]

Wie die semantische Struktur dargestellt wird, liegt an der Annahme, dass nur drei Kategorien von Nöten sind, dass die Proposition, also der Satz, aus einem (semantischen) Prädikat, welches zumeist das Verb ist, und einem oder mehreren Argumenten, gewöhnlich Nominalphrasen, besteht.[11] So kommt es, dass auch lexikalische Einheiten als hierarchische und strukturierte Komplexe von solchen Prädikaten dargestellten werden können, wie in folgender Abbildung ersichtlich:[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Buchstaben a, b, und c stellen hierbei die Variablen dar, [CAUS], [INCHO] und [HAB] Termini für jene Elementarprädikate, man könnte sie auch abstrakte Verben nennen.[13] Die Bedeutung des Wortes geben könnte entsprechend verbalisiert werden: a veranlasst eine Veränderung, welche dann zum Beginn eines neuen Zustands führt, in dem ein b ein c hat.

Für Chomsky sieht der generative Apparat folgendermaßen aus: „Die syntaktische Komponente spezifiziert für jeden Satz eine Tiefenstruktur, die mit der semantischen Komponente gemeinsam seine semantische Interpretation determiniert, und eine Oberflächenstruktur, die mit der phonologischen Komponente seine phonetische Interpretation bestimmt.“[14]

Die von diesem Prinzip distanzierte Generative Semantik vertritt eine andere Auffassung: Zunächst muss eine semantische Repräsentation generiert werden, welche ausschließlich aus semantischem Material beschaffen sein darf.[15] Jene semantische Repräsentation wird durch „optionale prälexikalische Transformationen“[16] verändert und einige, nicht unmittelbar als Konstituenten auftretende Bestandteile der semantischen Repräsentation werden durch prälexikalische Transformationen in Konstituenten umgewandelt.[17] Zum besseren Verständnis dient dieses Beispiel: (G1) ➔ (G2) ➔ (G3) ➔ (G4)[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach dieser Umwandlung werden einem Lexikon Lexeme entnommen, die dazu dienen, die semantischen Materialien zu ersetzen, wobei es zu beachten gilt, dass das ersetzte Element eine Konstituente ist wie in den folgenden Beispielen (G5) und (G6):[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es werden noch weitere Transformationen durchgeführt, bis schließlich eine phonologische Repräsentation entsteht.

[...]


[1] Löbner, S.3.

[2] Löbner, S.3.

[3] Löbner, S.3.

[4] Helbig, S.183.

[5] Helbig, S.183.

[6] Helbig, S.183.

[7] Helbig, S.184.

[8] Cruse, S.242.

[9] Cruse, S.242.

[10] Cruse, S.242.

[11] Helbig, S.184.

[12] Helbig, S.184.

[13] Helbig, S.184.

[14] Chomsky, S.16.

[15] Leung, S.10.

[16] Leung, S.10.

[17] Leung, S.10.

[18] Leung, S.10.

[19] Leung, S.11.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Generative Semantik und ihre Rolle als Gegenstück zur Interpretativen Semantik
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V357321
ISBN (eBook)
9783668429178
ISBN (Buch)
9783668429185
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatik und Kognition, Generative Semantik, Interpretative Semantik
Arbeit zitieren
Larissa Sarand (Autor), 2012, Die Generative Semantik und ihre Rolle als Gegenstück zur Interpretativen Semantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357321

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Generative Semantik und ihre Rolle als Gegenstück zur Interpretativen Semantik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden