Mit dieser Hausarbeit soll folgende kriminologisch und gesundheitspolitisch relevante Frage geklärt werden: Welche protektive und risikosteigernde Faktoren beeinflussen die Gewaltausübung in der Adoleszenz? Die Fragestellung fokussiert auf Minderjährige von 11 bis 17 Jahren in Deutschland. Grundlage und Begründung für die Wahl dieser Altersgruppe sind die KiGGS-Basiserhebung (2003 bis 2006) sowie eine eigens damit durchgeführte binär logistische Regression.
Ziel ist es, mittels multivariater Analyse das Wissen über Einflussfaktoren auf die Gewalttätigkeit von Kindern und Jugendlichen zu erweitern. Die Arbeit will sowohl einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten als auch die Diskussion über gewaltbegünstigende Faktoren zwischen Beratungsstellen, Bildungsstätten, sozialen Diensten, Eltern und Experten anregen. Primär soll demzufolge das Kindeswohl verbessert werden.
Jugendliches Gewaltverhalten ist weltweit ein zentrales, seit 20 Jahren wiederkehrendes „Skandalon“. Frühe Prävention ist hierbei in der Lage, Delinquenz und Entwicklungsprobleme zu vermeiden. Die bisherige Gewaltprävention weist jedoch Lücken auf. Wenige der Präventionsprogramme sind evidenzbasiert und an Risiko- und Schutzfaktoren orientiert.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ............................................................................................................................ 2
1 Einleitung .......................................................................................................... 5
2 Theoretischer Hintergrund ............................................................................... 7
2.1 Begriffsklärungen Gewalt, Aggression, Delinquenz ............................................. 7
2.2 Ontogenese von Gewalt und Aggression ...........................................................10
2.3 Potenziell relevante Einflussfaktoren: Jugendgewalt ..........................................12
3 Fragestellungen und Hypothesen ..................................................................14
4 Methodik ...........................................................................................................16
4.1 Datengrundlage: KiGGS-Basiserhebung 2003-2006 ..........................................16
4.2 Stichprobenbeschreibung ..................................................................................16
4.3 Variablen: wählen, operationalisieren, umkodieren ............................................17
4.3.1 Abhängige Variable: Gewalttäter .......................................................................17
4.3.2 Unabhängige (erklärende) Variablen .................................................................18
4.4 Statistische Analyse: bivariate Teststatistik ........................................................20
4.5 Multivariate Statistik: binär logistische Regression .............................................21
5 Ergebnisse .......................................................................................................22
5.1 Bivariate Statistik: Beantwortung der Hypothesen..............................................22
5.2 Multivariate Statistik: Logit-Modell via Einschluss ..............................................23
6 Diskussion .......................................................................................................25
6.1 Methodendiskussion ..........................................................................................25
6.2 Ergebnissdiskussion ..........................................................................................26
7 Fazit ..................................................................................................................28
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kriminologische und gesundheitspolitische Einflussfaktoren auf die Gewaltausübung von Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren in Deutschland. Mithilfe einer Sekundärdatenanalyse der KiGGS-Basiserhebung und einer binär logistischen Regression soll ermittelt werden, welche protektiven und risikosteigernden Parameter die Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges Verhalten erhöhen, um daraus gezielte Empfehlungen für die Gewaltprävention abzuleiten.
- Analyse von Risikofaktoren für Jugendgewalt (z. B. Hyperaktivität, Gewalterfahrungen).
- Methodische Modellbildung mittels binär logistischer Regression.
- Untersuchung der Auswirkungen von Medienkonsum (TV, PC) auf Gewaltneigung.
- Bewertung des Einflusses von sozioökonomischem Status und familiären Rahmenbedingungen.
- Entwicklung von Präventionsansätzen auf Basis empirischer Evidenz.
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsklärungen Gewalt, Aggression, Delinquenz
Zuerst werden Gewalt und dann aufgrund der thematischen Nähe Aggression sowie Delinquenz definiert. Unter Anhang 1, S. 42 sind die Schnittstellen der Begriffe verdeutlicht. Aus Perspektive der öffentlichen Gesundheitspflege (Public Health) soll sich angenähert werden. Die Terminologie kann wegen kultureller Werte, Sanktionierung und Legitimierung variieren und sich verändern (WHO 2002, S. 5). Gewalt, Aggression und Delinquenz können übergeordnet aber als abweichendes oder deviantes Verhalten bezeichnet werden (Luedtke 2008, S. 185). Die Verhaltensweise in den Begriffen weicht vom üblichen Maß ab.
Vorhergehende Tabelle fasst die Bestandteile von Gewaltdefinitionen zusammen. Es wird deutlich, dass Gewalt immer in einem sozialen Kontext stattfindet. Gewalt wird gesellschaftlich (mit)produziert und unter Umständen durch andere Menschen provoziert (Luedtke 2008, S. 190). Die WHO stimmt dabei sogar zu, dass sich Gewalt vorwiegend auf Lebewesen (v. a. Menschen) und nicht auf Sachen bezieht (WHO 2002, S. 6). Dadurch wird Gewalt von Sachbeschädigung und Vandalismus abgegrenzt. Weiterhin ist Gewalt eine absichtlich geplante, zielgerichtete, freiwillig durchgeführte Aktion, welche die destruktive Absicht verfolgt anderen Personen Schaden zuzuführen (Schlack und Holling 2007, S. 819). Gewalt kann, mit und ohne Waffen, zu ernsthaften Verletzungen, psychischen Schäden aber auch Tod führen (Ercan et al. 2007, S. 375). Die Schäden sind vielfältig, wirken auf die Lebensqualität und gefährden bei jungen Menschen eine gesunde Entwicklung (Schlack und Holling 2007, S. 819; Baier et al. 2009, S. 38). Gewalt fällt im ICD-10 unter „Symptome, [welche] die Stimmung betreffen“ (DIMDI 2013, S. 622). Gewalt führt bei jungen Opfern neben Verletzungen zu höherem Risiko schlechter Schulleistungen, psychosomatischen Problemen, Schlafstörungen, Suizid, Psychosen, Depressionen, Essstörungen und kann Auslöser für Substanzmissbrauch sein (Zych et al. 2015, S. 15). Lebenslange Probleme entstehen durch Gewalt (Chan et al. 2014, vii). Gewalt aber als Skandalisierungskonzept zu verstehen wäre falsch (Autrata 2010, S. 23). Die Sensibilisierung ist vorangeschritten (Eisner et al. 2009, S. 66). Wichtig ist, dass alle Typologien primär gegen sich selbst gerichtete (intrapersonal) und gegen andere gerichtete (interpersonale) Gewalt unterscheiden (WHO 2002, S. 7). Die vorliegende Hausarbeit fokussiert dabei auf die interpersonale Gewalt von Jugendlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz des Themas Jugendgewalt dar und definiert die Zielsetzung der Arbeit, nämlich mittels KiGGS-Daten und Regressionsanalyse Einflussfaktoren auf das Gewaltverhalten zu identifizieren.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Begriffe wie Gewalt, Aggression und Delinquenz definiert und der aktuelle Forschungsstand zu Risikofaktoren sowie das Mehrebenenmodell der Gewaltentstehung erläutert.
3 Fragestellungen und Hypothesen: Dieses Kapitel formuliert die zentrale Forschungsfrage und leitet aus der Literaturhypothesen zum Einfluss von Medienkonsum, Missbrauchserfahrungen und sozioökonomischem Status ab.
4 Methodik: Der Abschnitt beschreibt die Datengrundlage der KiGGS-Basiserhebung, die Stichprobenauswahl, die Operationalisierung der Variablen sowie die statistischen Verfahren (bivariate Teststatistik und binär logistische Regression).
5 Ergebnisse: Die Resultate der statistischen Analysen werden präsentiert, wobei insbesondere der signifikante Einfluss von Hyperaktivität, Gewaltopfer-Status und Mediennutzung auf die Gewaltausübung hervorgehoben wird.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, methodische Stärken sowie Limitationen (wie der Querschnittscharakter der Daten) diskutiert und in den aktuellen Forschungsstand eingeordnet.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und leitet präventionsrelevante Empfehlungen für Politik, Praxis und Forschung ab.
Schlüsselwörter
Jugendgewalt, Aggressiv-dissoziale Störung, Risikofaktoren, Prävention, Täter, Opfer, KiGGS-Studie, binär logistische Regression, Jugendkriminalität, Gewaltprävention, Medienkompetenz, Adoleszenz, psychosoziale Belastung, Gewalterfahrungen, Delinquenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die bei 11- bis 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland die Wahrscheinlichkeit erhöhen, gewalttätig zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen personale Einflussfaktoren, familiäre Bedingungen sowie Umfeld- und soziale Faktoren, insbesondere in Bezug auf Gewaltverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch eine multivariate Analyse das Wissen über Gewaltursachen zu erweitern und dadurch Impulse für eine evidenzbasierte Gewaltprävention zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Sekundärdatenanalyse der KiGGS-Basiserhebung unter Verwendung einer binär logistischen Regression.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffs- und Forschungsstand-Analyse, die methodische Aufbereitung der Variablen und die statistische Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Jugendgewalt, Risikofaktoren, Prävention, KiGGS-Studie und binär logistische Regression.
Welche Bedeutung hat das Ergebnis der "Hyperaktivität" im Modell?
Das Modell zeigt, dass hyperaktive Auffälligkeiten den stärksten Prädiktor darstellen und die Chance, Täter zu werden, um das 7,581-fache erhöhen.
Welche Rolle spielen Gewaltopfer-Erfahrungen für das Gewaltpotenzial?
Die Analyse ergibt, dass bereits erlebte Gewalt (Opfer-Status) einen signifikanten Risikofaktor darstellt, der die Wahrscheinlichkeit, selbst zum Täter zu werden, um den Faktor 6,290 erhöht.
Warum wird der Medienkonsum differenziert betrachtet?
Da der Medienkonsum entgegen den Erwartungen keinen linearen Zusammenhang aufweist, differenziert die Arbeit nach verschiedenen Nutzungsdauern (z.B. 3-4h/Tag beim Fernsehen), um spezifische Risiko- und Schutzbereiche aufzuzeigen.
- Quote paper
- Domenic Sommer (Author), 2017, Prädiktoren für Gewaltbereitschaft bei Minderjährigen im Alter von 11 bis 17 Jahren. Eine Modellbildung anhand der KiGGS-Basiserhebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357340