Ursächlich für die zunehmende Diskussion um Corporate Governance sind die zahlreichen Unternehmensskandale und -zusammenbrüche der letzten zwei Jahrzehnte sowohl in den USA als auch in Europa. In der Folge wurde das Vertrauen der Anleger in die Unternehmensführung und -kontrolle nachhaltig erschüttert. Der deutsche Gesetzgeber sah sich in der Folge gezwungen, die börsennotierten Unternehmen stärker als bisher üblich zu überwachen und einheitliche Regelungen für deren Corporate Governance zu erlassen. So verabschiedete die Politik 2002 den Deutschen Corporate Governance Kodex mit dem Ziel das Vertrauen der Anleger und anderer Stakeholder in die Überwachung und Leitung der Unternehmen zu stärken. Gleichzeitig dient der Kodex auch als Instrument um weitere spektakuläre Fälle von Missmanagement und Unternehmensschieflagen vorzubeugen. Ob der Kodex dies ermöglicht und welche Folgen diese Eingriffe in die Wirtschaft haben, ist bis dato jedoch wenig untersucht.
Auch wird immer wieder unterstellt, dass gute Corporate Governance Einfluss auf den Unternehmenswert sowie den Unternehmenserfolg hat. Eine wissenschaftlich widerspruchsfreie Bestätigung kann dafür trotz all der zahlreichen Untersuchungen jedoch noch nicht ausgesprochen werden.
Hinzu kommt, dass viele der bisher bestehenden Studien zur Anwendung und Wirkung des Deutschen Corporate Governance Kodex überwiegend Unternehmen des DAX, MDAX und TecDAX untersuchen. Der Fokus der bisherigen Studien liegt demzufolge auf den Large- und Mid-Caps. An ausgiebigen Analysen zur Umsetzung des Kodex sowie dessen Erfolgswirkung bei SDAX-Gesellschaften mangelt es in der Literatur dagegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemanalyse
1.2 Zielsetzung der Untersuchung
1.3 Überblick über Aufbau und Argumentationsfolge
2 Corporate Governance
2.1 Was ist Corporate Governance?
2.2 Theoretische Ansätze
2.2.1 Ansätze der Neuen Institutionenökonomik
2.2.2 Stewardship-Ansatz
2.2.3 Stakeholder-Ansatz
2.2.4 Ressourcenbasierter Ansatz
2.3 Spannungsfeld zwischen monistischer mit dualistischer Unternehmensverfassung
2.4 Zwischenfazit
3 Der Deutsche Corporate Governance Kodex
3.1 Vorbilder und historische Entwicklung
3.2 Funktionen
3.3 Inhalt
3.4 Comply or Explain: Entsprechenserklärung nach § 161 AktG
3.5 Zunehmende Kritik am Kodex
4 Der Deutsche Corporate Governance Kodex bei deutschen Small-Caps
4.1 Studien zum Zusammenhang zwischen Corporate Governance und Unternehmenserfolg
4.2 Studiendesign
4.3 Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex bei deutschen Small-Caps
4.3.1 Allgemeine Akzeptanz der dreizehnten Fassung des DCGK
4.3.2 Kapitel- und ziffernspezifische Akzeptanz
4.3.3 Einfluss von Unternehmenseigenschaften auf die Entsprechensquote
4.4 Auswirkungen des Deutschen Corporate Governance Kodex auf den Unternehmenserfolg
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung und Wirksamkeit des Deutschen Corporate Governance Kodex bei Unternehmen des SDAX durch eine Vollerhebung der Entsprechenserklärungen. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der Entsprechensquote und verschiedenen Unternehmensmerkmalen sowie der finanziellen Performance zu identifizieren und die Rolle des Kodex in der deutschen Unternehmenslandschaft kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Entsprechensquoten bei SDAX-Unternehmen
- Einfluss von Unternehmensmerkmalen (Größe, Branche, Struktur) auf die Befolgungsquote
- Zusammenhang zwischen guter Corporate Governance und Unternehmenserfolg
- Kritische Bestandsaufnahme des "Comply or Explain"-Prinzips
- Vergleich der Akzeptanz zwischen verschiedenen Börsenindizes (DAX, MDAX, SDAX)
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Ansätze der Neuen Institutionenökonomik
Den wohl wichtigsten Ansatz zur Interpretation von Corporate-Governance-Problematiken bildet die Neue Institutionenökonomik (NIÖ). In der NIÖ ist das ökonomische Handeln der Individuen durch individuelle Nutzenmaximierung, begrenzter Rationalität sowie durch opportunistisches Verhalten geprägt. Diese Annahmen bilden die Grundlage für die drei wesentlichen Ansätze der NIÖ: die Principal-Agent-Theorie, die Property-Rights-Theorie sowie die Transaktionskostentheorie. Diese werden nun eingehend vorgestellt.
Wie bereits erwähnt, ist die Principal-Agent-Theorie der Ansatz, der mit Abstand am häufigsten genutzt wird, um die Probleme der Corporate Governance zu untersuchen. Ausgangspunkt der Principal-Agent-Theorie ist eine Auftragsbeziehung zwischen einem delegierenden Auftraggeber (Principal) und einem ausführenden Auftragnehmer (Agent). Die folgende Abbildung 1 veranschaulicht dieses Grundmodell.
Im Rahmen der Principal-Agent-Theorie verfolgt der Principal das Ziel die Spezialisierungsvorteile des Agent zu nutzen, da der Principal selbst nicht oder nur in schwächerer Form über die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt. Der Agent erhält im Gegenzug eine Vergütung für seine Leistung, damit er im Sinne des Principals handelt. Beide Seiten können so ihren Nutzen steigern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Corporate Governance, die Problematik der Unternehmensskandale und die daraus resultierende Notwendigkeit einheitlicher Regelungen durch den DCGK.
2 Corporate Governance: Dieses Kapitel definiert den Begriff Corporate Governance und stellt die theoretischen Ansätze (NIÖ, Stewardship, Stakeholder, ressourcenbasierter Ansatz) sowie die Unterschiede zwischen monistischer und dualistischer Unternehmensverfassung vor.
3 Der Deutsche Corporate Governance Kodex: Es wird die historische Entwicklung, die Funktionen, der Inhalt und das "Comply or Explain"-Prinzip des Kodex sowie die zunehmende Kritik an diesem Regelwerk detailliert dargestellt.
4 Der Deutsche Corporate Governance Kodex bei deutschen Small-Caps: Der Schwerpunkt der Arbeit untersucht die Akzeptanz und Wirkung des Kodex bei SDAX-Unternehmen anhand empirischer Analysen und statistischer Verfahren im Vergleich zu DAX- und MDAX-Unternehmen.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert methodische Einschränkungen sowie den Bedarf an weiterführenden Studien mit längeren Untersuchungszeiträumen.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Deutscher Corporate Governance Kodex, DCGK, SDAX, Entsprechenserklärung, Compliance, Principal-Agent-Theorie, Unternehmensperformance, Unternehmenserfolg, Aufsichtsrat, Vorstand, Comply or Explain, Small-Caps, Stakeholder, Eigentümerstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Thesis beschäftigt sich mit der Anwendung und Wirksamkeit des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) spezifisch bei deutschen Small-Cap-Unternehmen, die im SDAX gelistet sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Entsprechensquoten zum Kodex, den Einfluss von Unternehmenseigenschaften auf diese Quoten sowie die Korrelation zwischen der Kodex-Befolgung und der finanziellen Performance der Unternehmen.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Die Arbeit untersucht, wie SDAX-Unternehmen den DCGK anwenden und ob eine höhere Compliance mit dem Kodex tatsächlich zu einem besseren finanziellen Unternehmenserfolg führt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Vollerhebung und quantitative Analyse der Entsprechenserklärungen von 45 SDAX-Unternehmen. Zur Überprüfung von Zusammenhängen werden deskriptive Statistik, Chi-Quadrat-Tests und lineare Regressionen angewendet.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert zunächst existierende Studien zum Thema, erläutert das Studiendesign und präsentiert detaillierte Untersuchungsergebnisse zur Kodexakzeptanz, ziffernspezifischen Befolgung und deren Auswirkung auf Kennzahlen wie die EBIT-Marge oder Aktienrendite.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Corporate Governance, DCGK, SDAX, Entsprechenserklärung, Compliance, Unternehmensperformance und Principal-Agent-Theorie.
Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Entsprechensquote bei SDAX-Unternehmen?
Die empirische Analyse zeigt, dass bei SDAX-Unternehmen kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Marktkapitalisierung und der Entsprechensquote besteht.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der finanziellen Performance?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Entsprechensquote nicht zwangsläufig mit einer besseren finanziellen Performance korreliert; teilweise zeigen Unternehmen mit geringeren Entsprechensquoten sogar bessere Renditekennzahlen.
Warum schneiden manche Unternehmen bei der Kodex-Erfüllung besonders schlecht ab?
Oftmals ist dies durch spezifische Rechtsformen wie eine "AG & Co. KGaA" bedingt, die nicht alle Strukturen (z.B. Vorstand/Aufsichtsrat im klassischen Sinne) besitzen, auf die der Kodex zugeschnitten ist.
Was ist das Fazit zur Kritik am Kodex?
Die Arbeit stellt fest, dass die stetige Überarbeitung des Kodex die Unternehmen belastet und die zunehmende Instrumentalisierung der Entsprechenserklärung für Anfechtungen von Hauptversammlungsbeschlüssen kritisch zu betrachten ist.
- Arbeit zitieren
- Henry Starck (Autor:in), 2016, Die Anwendung und Wirksamkeit des Deutschen Corporate Governance Kodex bei deutschen Small-Caps, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357342