Neue Dimension der Globalisierung:
Globalisierung ist nicht mehr nur ein Anliegen für Wirtschaft, Unternehmen, Staat und Politik:
spätestens seit dem das Thema EU-Osterweiterung einen anhaltenden Durchzug durch die
Presse genießt, gewinnt Globalisierung in zunehmendem Masse für die private Bevölkerung
an Bedeutung und das nicht nur bei den Beitrittskandidaten und den bereits in der EU verankerten
Ländern, sondern auch in den angrenzende Staaten wie z. B. die Ukraine. Dessen Arbeitssuchende
und –willige leiden unter den neu eingeführten Visa-Bestimmungen und werden
an der Einreise und der Arbeit in Ostpolen gehindert. Dies hat nicht nur für die Ukrainer
negative Auswirkungen, sondern auch die Wirtschaft im ohnehin schon äußerst schwachen
Osten Polens wird zu einer erneuten Herausforderung gezwungen.
Jedoch halten Ökonomen die Nachteile und Ängste vor der EU-Erweiterung und einer Globalisierung
per se für übertrieben und sehen ein Übergewicht an Nutzen und Vorteilen.
Herbert Brücker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einem
stetigen Wachstum des Handels und dadurch der gesamten Wirtschaft, was zu besser bezahlten
Jobs und folglich zu mehr Wohlstand führt.
Globalisierung spielt – zumindest für Großunternehmen – in der Industrie seit vielen Jahren
eine wichtige Rolle, wobei die EU-Osterweiterung nun das Maß an Möglichkeiten neu definiert.
Diese Globalisierung hat natürlich mehr und mehr auch auf kleine und mittlere Unternehmen
Auswirkungen und auch die innerbetriebliche Funktion Beschaffung wird eine Ausdehnung
ihres Aktionsradius sowie eine gesamte Neuausrichtung der Einkaufsstrategie nicht
mehr vernachlässigen können. Zu erarbeiten ist ein Konzept einer internationalen, nachhaltigen
und Erfolg versprechenden Einkaufsstrategie: Global Sourcing
Warum es als äußerst bedeutsam zu betrachten gilt, dass Global Sourcing nicht nur eine Ausprägung,
ein Tool oder ein Instrument der Einkaufsabteilung ist, sondern dass es sich um ein
Unternehmensumfassendes Vorhaben handelt, wird im Folgenden erarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 NEUE DIMENSION DER GLOBALISIERUNG
2 BESCHAFFUNG – FUNKTION MIT ERGEBNISVERANTWORTUNG
3 ENTWICKLUNG DES EINKAUFS
3.1 TRADITIONELLE AUFGABEN
3.2 MODULAR SOURCING
3.3 IN-PLANTS
3.4 MATERIALLOSES UNTERNEHMEN
3.5 MAKE-OR-BUY STRATEGIE
4 WANDEL IN DEN VOLKSWIRTSCHAFTEN
4.1 ALLGEMEIN
4.2 DIE ERWEITERUNG DER EUROPÄISCHEN UNION
4.3 AUSWIRKUNGEN AUF DEN EINKAUF
5 GLOBAL SOURCING PORTFOLIO
5.1 TRADITIONELLER EINKAUF
5.2 INTERNATIONALER EINKAUF
5.3 SUPPLY CHAIN MANAGEMENT
5.4 GLOBAL SOURCING
6 ANALYSE DES EINKAUFSSPEKTRUMS
6.1 STRATEGISCH
6.2 ENGPASSTEILE
6.3 SPOTMARKET
6.4 STANDARD
7 RISIKEN DES GLOBAL SOURCING
7.1 KOMMUNIKATIONSPROBLEME
7.2 RECHTSNORMEN
7.3 SICHERHEIT
7.4 QUALITÄTSRISIKEN
7.5 FLEXIBILITÄT
8 CHANCEN
8.1 PREISVORTEILE
8.2 ANTIZYKLISCHER EINKAUF
8.3 VERTRIEBSUNTERSTÜTZUNG
9 FAZIT
9.1 GLOBAL SOURCING ALS GANZHEITLICHE, WELTOFFENE STRATEGIE
9.2 GLOBALE SZENARIEN NACH HAMMOND
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht Global Sourcing als ganzheitliche Unternehmensstrategie und bewertet dessen Rolle bei der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch effizientes Beschaffungsmanagement in einem zunehmend globalisierten Marktumfeld.
- Entwicklung des Einkaufs von operativen Aufgaben hin zu strategischen Wertschöpfungspartnerschaften.
- Analyse des Global Sourcing Portfolios und Differenzierung des Einkaufsspektrums.
- Bewertung von Risiken wie Kommunikationshürden, Rechtsunsicherheiten und Qualitätsrisiken.
- Identifikation von Chancen durch Kostenvorteile, antizyklische Beschaffung und Vertriebsunterstützung.
- Zukunftsszenarien der globalen Entwicklung und deren Einfluss auf Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
6.1 Strategisch
Teile dieser Kategorie sind charakterisiert durch teilweise monopolistische Lieferantenstrukturen und wenigen Anbietern auf dem Markt, hauptsächlich aber durch die außerordentlich hochrangige Stellung im und für das Unternehmen. Aufgrund des hohen Versorgungsrisikos und Einkaufsvolumen ist eine partnerschaftliche Vorgehensweise mit wenigen Lieferanten empfehlenswert, die ein hohes Know-how besitzen und hohen technologischen und qualitativen Ansprüchen entsprechen. Ein aktives und Abteilungsübergreifendes Lieferantenmanagement muss hier stattfinden. Diese Teile bieten sich nur nach sorgfältiger Abwägung und Einschätzung des Risikos zum Global Sourcing an, sind jedoch nicht grundsätzlich davon auszuschließen.
Als Beispiel für solch ein strategisches Zukaufteil bietet sich der Geschirrspüler Korb der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (nachfolgend BSH genannt) an.
Einerseits ist dieser äußerst bedeutsam für den Geschirrspülprozess an sich und den anschließenden Trocknungsvorgang des Spülgutes. Durch extreme Anforderungen an Konstruktion (in welchem Winkel werden die Stacheln des Korbes angebracht, um eine maximale Spülleistung zu erbringen, die gleichzeitig aber auch die Trocknung nicht behindern und den Korb zur maximalen Auslastung befähigen?) und Material (welcher Stoff beeinflusst den Ablauf von Wasser ist aber zugleich schonend für das Geschirr?) ist eine intensive Lieferantenbeziehung notwendig, um kurzfristig Eingriffe in Entwicklung oder Produktion möglich zu machen. Diesen Eigenschaften – Spülergebnis und Trocknung – werden die höchste Priorität zugeordnet, da sie Hauptfaktoren für die Ergebnisse der Stiftung Warentest darstellen und dies im Bereich von Haushaltsgeräten eine unumgängliche Bewertung ist, wonach der Endkunde in hohem Masse seine Entscheidung für oder gegen einen Kauf trifft.
Durch diese hohen qualitativen Anforderungen an Entwicklung, Forschung, Produktion und Änderungsmanagement kristallisiert sich (weltweit) ein nur sehr kleiner Markt heraus, der überhaupt fähig ist, den Ansprüchen der BSH gerecht zu werden. Diese monopolistischen Rahmenbedingungen entstehen hierbei nicht durch das Marktgefüge, sondern durch technische Anforderungen, technologische Ansprüche und qualitative Maßstäbe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 NEUE DIMENSION DER GLOBALISIERUNG: Diese Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Globalisierung und der EU-Osterweiterung für die Einkaufsstrategien moderner Unternehmen.
2 BESCHAFFUNG – FUNKTION MIT ERGEBNISVERANTWORTUNG: Hier wird verdeutlicht, wie eine effiziente Beschaffung direkt zur Steigerung des Unternehmenserfolgs und des Gewinns beiträgt.
3 ENTWICKLUNG DES EINKAUFS: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Wandel von rein operativen Tätigkeiten hin zu modernen Konzepten wie Modular Sourcing und In-Plants.
4 WANDEL IN DEN VOLKSWIRTSCHAFTEN: Die Auswirkungen der veränderten globalen Wirtschaftsräume und der EU-Erweiterung auf die internationalen Einkaufsstrategien stehen hier im Fokus.
5 GLOBAL SOURCING PORTFOLIO: Dieses Kapitel präsentiert eine Matrix zur strategischen Positionierung der Beschaffung entlang geografischer und qualitativer Dimensionen.
6 ANALYSE DES EINKAUFSSPEKTRUMS: Eine detaillierte Kategorisierung von Beschaffungsgütern in strategische Teile, Engpassteile, Spotmarket-Güter und Standardwaren.
7 RISIKEN DES GLOBAL SOURCING: Hier werden kritische Faktoren wie Kommunikationsbarrieren, Rechtsunsicherheiten, Sicherheitsbedenken und Qualitätsrisiken analysiert.
8 CHANCEN: Dieses Kapitel identifiziert Potenziale durch Preisvorteile, antizyklisches Handeln und die Unterstützung vertrieblicher Ziele.
9 FAZIT: Das Fazit betont die Notwendigkeit von Global Sourcing als integralen Bestandteil einer weltoffenen Unternehmensstrategie und diskutiert globale Zukunftsszenarien.
Schlüsselwörter
Global Sourcing, Beschaffung, Einkaufsstrategie, Supply Chain Management, Kosteneinsparung, Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfungskette, Modular Sourcing, Internationale Märkte, Globalisierung, Einkaufsvolumen, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Studienarbeit befasst sich mit Global Sourcing als einer strategischen Komponente der Beschaffung, um im Kontext der Globalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Entwicklung des Einkaufs, die Klassifizierung des Einkaufsspektrums, Risikoanalysen im internationalen Umfeld sowie Chancen durch globale Marktpräsenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Global Sourcing weit mehr als nur ein Instrument der Einkaufsabteilung ist, sondern als unternehmensumfassende Strategie verstanden werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse, kombiniert mit praktischen Beispielen und Portfoliomatrizen, um strategische Beschaffungsentscheidungen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die verschiedenen Stufen des Sourcing-Portfolios, differenziert Gütergruppen und bewertet Chancen und Risiken der internationalen Beschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Global Sourcing, Beschaffungsmanagement, Wertschöpfung, Einkaufsspektrum und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Warum ist das Beispiel der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte so wichtig?
Es dient als konkrete Fallstudie, um zu verdeutlichen, warum bei strategisch bedeutsamen Teilen mit hoher Qualitätsanforderung trotz Globalisierungstrends lokale oder regionale Lieferantenbeziehungen sinnvoll sein können.
Welche Bedeutung haben die Szenarien nach Hammond?
Sie veranschaulichen die langfristige Tragweite unternehmerischer und gesellschaftlicher Entscheidungen im Rahmen der Globalisierung und fordern dazu auf, Wahlmöglichkeiten aktiv zu gestalten.
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- Adrian Habrik (Author), 2004, Global Sourcing. Strategie der Beschaffung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35750