Shalom Salam - Ein Versuch der Rekonstruktion des Friedensbegriffs im Alten Orient und seine Veränderungen


Seminararbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Vorstellungen und Glaube im Alten Orient und seiner Zeit
2.1. Ägyptische und Mesopotamische Vorstellungen von Frieden
2.1.1. Die Friedensvorstellungen der Ägypter
2.1.2. Die Friedensvorstellungen in Mesopotamien
2.2. Der Friede in der Antike und im Römischen Reich
2.2.1. Die Friedensvorstellungen in der Griechen
2.2.2. Die Friedensvorstellungen der Römer
2.3. Der Friede in Assyrien und dem vorisraelischen Gebiet

3. Šalôm und die Friedensvorstellungen im Alten (und Neuen) Testament
3.1. Die Friedensvorstellungen im Alten Testament
3.1.1. Der Begriff Šalôm und Salam
3.1.2. Šalôm und seine Anwendung
3.2. Die Friedensvorstellungen im Neuen Testament

4. Šalôm in der Vorstaatlichen Zeit
4.1. Die israelischen Stämme

5. Šalôm im Wandel
5.1. Prophetie in der vorexilische Zeit
5.2. Der antike Staat Israel – die Königszeit
5.2.1. Das Deuteronomium entsteht
5.2.2. Interpretation des Šalôm-Gedanken in der Königszeit
5.3. Die Prophetie in der nachexilischen Zeit – Jesaja

6. Veränderungen des Begriffs Šalôm

7. Šalôm heute?!

8. Conclusio

9. Literatur

1. Einleitung

Die folgende Arbeit handelt über einen Friedensbegriff der in unserer heutigen Zeit als Šalôm bekannt ist. Ich möchte auf seine Ursprünge zurückgehen und Šalôm in seiner Zeit und seinem Kontext behandeln um dann wieder ins Heute zurückzugehen und seine Bedeutung herauszufiltern. Als eine in einem christlichen Umfeld aufgewachsenen und lebenden Sozialwissenschaftlerin des 21. Jahrhunderts fällt es mir nicht immer leicht auf die Gegebenheiten eines Landes bzw. einer Kultur in der eine fremde Religion entsteht einzugehen. Mit größtmöglicher Objektivität werde ich versuchen die bestehende Literatur zu überprüfen um daraus Schlüsse für die heutige Friedensforschung ziehen zu können. Wissenschaftler und Autoren, die sich mit Themen um Šalôm beschäftigen kommen vorwiegend aus den Religionswissenschaften.

Šalôm als Begriff soll bearbeitet werden und in seinem Kontext erklärt, anderen Friedensansätzen nebeneinander gestellt werden und erst in einem eigenen Punkt in die heutige christlich-westlich dominierte Friedensforschung kontextualisiert werden. Es stellt sich für mich die Frage ob Šalôm noch heute ein eigener Ansatz in der Friedensforschung ist oder sein kann, wenn ja wie es möglich war diesen aufrechtzuerhalten und zu verfestigen bzw. wenn nein wann er als eigene Richtung aufgehört hat zu bestehen und wie er und aus welchen Gründen er mit einer anderen Denkrichtung fusioniert hat. Ist Šalôm eine eigene Denkrichtung? Ich werde diese Frage nicht vollständig beantworten können da in dieser Arbeit 2000 Jahre fehlen würden, demnach sei mein Zugang ein anderer, der direkt von den Anfängen des Begriffs auf heute zu schließen versucht, seine Entwicklung inzwischen ausgrenzt und so versucht die ursprünglichen Gedanken des Šalôm Begriffs in der heutigen Friedensforschung wieder zu finden.

Das arabische Wort Salam stammt von derselben Wortwurzel (siehe S. 10 ) und teilt die Geschichte des Gebietes. Da es eine eigene Studie zum Islam gibt dient diese Arbeit als Vorzeige des Kontextes, beschäftigt sich aber vorwiegend mit Šalôm und dem jüdischen Glauben.

Der Kontext um den es sich handelt, ist das antike Israel rund um die Köngiszeit. Hier ein kurzer geschichtlicher Abriss um ein besseres Verständnis der folgenden Arbeit haben zu können.

Die Israelitischen Stämme vereinigen sich um 1000 v. Chr. Zum Staat Israel, bald erfolgt jedoch eine Aufteilung in zwei Staatsgebilde, nämlich Judah/Judäa im Süden und Israel als der nördliche Teil. Judah war einer der Stämme Israels und Israel bezeichnet ein Volk welches stammesgesellschaftlich organisiert war und die Regionen in der sie lebten, das zentrale Hochland Palästinas.

Der nördliche Teil wird nachdem er 722 v.Chr. fällt nie wieder erwähnt. Diese Menschen verloren ihre israelische Identität bzw. wurden von den Israeliten aus ihrem Narrativ ausgeschlossen. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig, so erwähnt Gottwald Norman auch das geopolitische Gründe ausschlaggebend gewesen sein können (Gottwald 2001:16).

586 v. Chr. Okkupiert Babylon Judäa und schickt die israelitische Elite ins Exil von Palästina nach Babylon, was eine durchaus gängige Praxis in dieser Zeit bedeutete. Dort konnten sie ihre Identität bewahren, was für „Deportierte“ in dieser zeit möglich war, da sie meist in Gemeinschaften lebten oder leben durften. Diese Okkupation dauert allerdings nicht lange an; schon 539 werden die Babylonier von den Persern als Hegemonialmacht abgelöst. Die kurze Phase von 586 bis 539 v. Chr. Wird als das Exil in der jüdischen Geschichte bezeichnet, da die Perser durch ihre Politik die Rücksiedelung erlaubten[1].

Ich hoffe die folgenden Seiten können einen kleinen Einblick in die Vorstellungen im Alten Orient und die Friedensgedanken in der jüdischen Religion geben.

2. Vorstellungen und Glaube im Alten Orient und seiner Zeit

Um den Begriff Šalôm in seiner Entstehung betrachten zu können, müssen wir uns anfangs die Umgebung ansehen, in dem er entstanden ist. Die große Zeit des Šalôm ist eigentlich rund um das Entstehen des Deuteronomiums zur Königszeit anzusetzen. Einfach dort zu beginnen wäre allerdings täuschend da die Entstehung nicht verfolgt werden könnte und der Begriff aus seinem Kontext genommen werden würde. Aus diesen Gründen beginne ich den Friedensbegriff in den alten Ägyptischen und Mesopotamischen Vorstellungen aufzufinden, gehe dann in den europäischen Raum und untersuche kurz den Frieden in der Antike bis hin zum Römischen Reich. Dieser Sprung mag zeitlich sehr groß erscheinen, doch erscheint es mir nötig auch kurz nach Europa zu blicken. Auch wenn die „Hochkulturen“ beider Regionen zeitlich verschieden anzusetzen sind, sind ihre Glaubensvorstellungen doch repräsentativ. Darauf gehe ich wieder zurück in jenes geographische Gebiet, um das es im Folgenden gehen wird, Assyrien und das Gebiet des vorstaatlichen Israels.

2.1. Ägyptische und Mesopotamische Vorstellungen von Frieden

Im folgenden Abschnitt möchte ich die ägyptischen und mesopotamischen Denkweisen über Frieden bearbeiten, auch wenn der Begriff Šalôm hier noch keine Rolle spielt, werden wir später doch einige Parallelen daraus ziehen können.

2.1.1. Die Friedensvorstellungen der Ägypter

Die Pax Ägyptica, so umfassend sie beschrieben sein mag, deckt sich mit der Ordnung der jeweiligen sozialen Gruppen, des jeweiligen Staates. Die Weltordnung ist in Ägypten[2] die Ordnung der ägyptischen Welt. Darum gehört zur Ordnung gerade da, wo sie vom Frieden spricht - und zwar an nicht unwesentlichen Stellen - , die Unterwerfung des Feindes, die „Befriedung“ der anderen Länder. Feinde werden definiert als „Abscheu des Re“, sind also nicht nur Feinde des Landes Ägyptens, sondern des Sonnengottes und damit der Weltordnung. Außerhalb von Ägypten herrscht das Chaos und dem König kommt die stetige Aufgabe zu gegen das Chaos zu kämpfen und den Bereich der Gerechtigkeit zu erweitern (Otto 1999:31f). „Denn der Feind gehört auf die Seite des Chaos, auf die Seite der Kosmos bedrohenden Mächte“ (Schmid 1971:20). Dieses Zitat fasst viele Vorstellungen des Friedens im alten Ägypten zusammen. Die ursprüngliche Schöpfungsordnung ist das wo der Friede seinen Ort hat, dies bedeutet das die Urzeit die wahre Welt geherrscht hat, das sie in Friede geherrscht hat. Jetzt ist dem aber nicht mehr so und der Friede ist ein kein friedliches Nebeneinander mit seinen Nachbarvölkern, in unserem Sinne, sondern die Unterwerfung derer. Denn diese müssen Befriedet werden, also unterworfen werden um Frieden zu bekommen (Schmid 1971:16f). Der Feind steht auf der Seite des Chaos und damit außerhalb des Raumes des Friedens. Er muss daher bekämpft werden, da das Chaos bekämpft werden muss. Der Begriff Friede bezieht sich nur auf den eigenen soziokulturellen Bezugsrahmen, hier Ägypten. Alles außerhalb davon wird zum Chaos gezählt, zum Feind der bekämpft werden muss um den Frieden zu erhalten (Friedli 1981:52f).

Der Friede stellt einen Aspekt der ungestörten Weltordnung da und der König ist sein Garant. Dies findet man in den Thronbesteigungstexten, dieses Ereignis gilt als Beginn einer aller Himmel und Erde umspannenden Friedens- und Heilszeit. Hans Heinrich Schmidt schreibt hier auch dass diese so genannte Friedensordnung die mit der Inthronisation des göttlichen Königs beginnt keine andere ist als die göttliche Weltordnung überhaupt (Schmidt 1971 15f). Dadurch wird die ursprünglich kosmische Ordnung in der der Friede herrschte mit der königlichen Ordnung verknüpft. Ganz klar herrscht im alten Ägypten die Definition von Frieden als Gegensatz zum Krieg, sprich als Ruhe vor den Feinden. Friede beinhaltet das das Recht, sprich Ägypten und sein König (Pharao) herrscht und das Unrecht ferne ist, bzw. befriedet (unterworfen) ist. Friede ist also ein militärisch-politischer Begriff und ein sozialer, da er die eigene Sozialordnung gegenüber dem feindlichen Chaos stark abgrenzt, es ist aber auch die Einbeziehung der Natur. Friede ist wenn es möglich ist sein Leben in Ruhe zu leben, ohne Chaos ob menschlich oder göttlich und hier eben auch natürlich. (aber da Naturkatastrophen als göttlich, vom Chaos ausgehend gesehen werden, fällt die Natur mit Gott zusammen).

2.1.2. Die Friedensvorstellungen in Mesopotamien

Die Vorstellungen von Frieden in Mesopotamien gehen mit den Ägyptischen analog. Ausgehend von der idealen Urzeit (Dilmun Mythos) und dem göttlichen Frieden an dem die Welt teilhaben soll. In der jüngeren, akkadischen Zeit[3], sind allerdings einige Veränderungen zu beobachten. Der König verliert seine göttlichen Qualitäten und die Ideologie wird jetzt auf konkrete historische Ereignisse angewandt, ist nicht mehr so überschwänglich und ideal. Zum Beispiel wird die mythisch-magische Sprache, die immer für das Königsritual verwendet wurde umgewandelt in ein Gebet, dass den Anspruch hat die Welt zu bestimmen. Hier muss sich nun die Frage gestellt werden inwieweit der göttliche Frieden vom Menschen in Frage gestellt werden kann bzw. manipuliert werden kann und inwieweit er letztlich nur erbeten werden kann (Schmidt 1971:43f).

Richard Friedli fasst die Vorstellungen von Frieden im Alten Orient zu drei Dimensionen zusammen. Erstens ist wie schon bemerkt der Friedensbegriff ethnozentrisch und auf eine einzelne Sozialordnung eingeschränkt. Zweitens gibt sie eine Kontrasterfahrung wieder, da die Friedenswirklichkeit beschworen wird, aber die Erfahrungen nur mit dem Unfrieden gemacht wurden und Drittens umfasst der Frieden auch das Tierreich, Naturereignisse und die Fruchtbarkeit. Friede ist nicht nur der Gegensatz zu Krieg sondern eine gesamtmenschliche Erfahrung von Ganzheit und Erfüllung. Er hat zutun mit Lebenshoffnung und Lebensqualität (Friedli 1981:53f).

2.2. Der Friede in der Antike und im Römischen Reich

Obwohl die alten europäischen Vorstellungen zeitlich nicht zugleich gedacht wurden, scheinen sie mir als Vergleich doch wichtig anzuführen.

2.2.1. Die Friedensvorstellungen in der Griechen

Die Antike hat die Polis hervorbracht, diese besteht aus Eunomia (der Wohlverfasstheit), Dike (der Gerechtigkeit) und Eirene (dem Frieden). Zuerst bedeutet Eirene ein von den Göttern verfügtes, befristetes Aussetzen von Unrecht und Gewalt. Dies wird um ca. 700 personifiziert und wird zur Göttin Eirene, der Göttin des Friedens. Sie ist der Friede aber sie bringt ihn nicht, dazu benötigt es Nike, die Kriegsgöttin. Friede ist weniger ein Zustand zwischen den Kriegen, sondern das Ergebnis militärischer Aktion.

Es gibt 2 Thesen über den Frieden in der Antike. Erstens sei es die kulturelle Differenz, die die Ursache des Krieges ist oder Zweitens sei es die Natürlichkeit des Krieges, die sich bei Vorhandensein jener Differenz behauptet. Platon meinte, dass nur durch das Ziel des Friedens Krieg gerechtfertigt sein könne. Dieser Friede ist zuerst nur auf die Polis bezogen, international gesehen soll der gemeinsame Krieg den Frieden zwischen den Städten fördern und zugleich ihre ökonomische Not beheben (Huber/Reuter 1990:28ff).

In dieser Arbeit ist nur wenig Platz um die Friedensvorstellungen der Antike ausführlich zu behandeln, soll sie doch den Vorstellungen im Orient und dem Begriff Šalôm folgen. Dies also nur eine kurze Zusammenfassung die manche Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede aufzeigen soll. Der Friede wurde auch hier zuerst nur auf den eigenen soziokulturellen Raum, die Polis bezogen. Vielleicht sollten wir hier sozio-ökonomisch sagen, da die Wirtschaftlichkeit des Krieges benannt wird. Hier wird auch die Frage gestellt ob der Natürlichkeit des Krieges und der Legitimation eines Krieges der Friede erreichen will. Was wir uns über die Friedensvorstellungen der Antike einprägen sollen ist Eirene, die der Friede ist, die aber Nike braucht um diesen Zustand auch herbeizuschaffen. Es gibt in der Antike also keinen Frieden ohne Krieg bzw. militärische Gewalt.

2.2.2. Die Friedensvorstellungen der Römer

Die Pax Romana ist weitgehend bekannt, sie repräsentiert einen auf militärische Macht basierenden Frieden, der von Rom ausgeht und den Segen für alle Völker darstellt. Außerdem ist zu beachten dass dieser Friede nur mit brutaler Gewalt aufrechterhalten werden konnte (Schnübbe 1992:14). Die Pax Romana ist eine ideologisch-politische Herrschaftsordnung, die durch die Dominanz eines Machtzentrums die Abwesenheit von Krieg garantieren kann. Dieser Friede soll dauerhaft sein, da das Römische Reich dauerhaft sein soll. Ohne Zweifel ist der römische Frieden aber ein im Schlachtfeld errungener (Huber/Reuter 1990:31). Es heißt auch dazu „wenn du den Frieden willst, breite den Krieg vor“. Damit ist der Krieg eindeutig das Mittel zum Frieden. Allerdings haben wir auch in der römischen Vorstellung wieder die geografische Beschränkung des Friedens, denn der so genannte „Weltfrieden“ endet mit den Grenzen des Reiches. Auch hier wird pax zu einer Gottheit erhoben, pax deum, der durch Erfüllung der religiösen Pflichten den pax (Friede) garantiert. Hier herrscht eine vertragliche Beziehung, Gebete werden gesprochen zur Erringung des Sieges, nicht zur Erhaltung des Friedens (Huber/Reuter 1990:33ff).

2.3. Der Friede in Assyrien und dem vorisraelischen Gebiet

Im 2. Jahrtausend v. Chr. (1350-1200 v. Chr.) in der syrischen Küstenebene war die Stadt Ugarit in ihrer Blüte. Der Königsgott Ba´alu und seine Schwester und Geliebte Anatu herrschten über das Volk des alten Syriens. Sie sind im Pantheon nach El, der mit Asherah verheiratet ist, gereiht. Ba´alu ist der Gott des Himmels, allerdings im Sinne einer Naturgewalt wie z.B. Sturm, seine Brüder sind Mot, der die Erde repräsentiert und damit auch das Totenreich und Yamm, der Gott des Meeres oder auch Chaos. Ba´alu gewinnt den Kampf zwischen den Brüdern. (Noll 2001:244).

Gewalt, Krieg und Kampf soll nicht das letzte Wort in der politischen Welt haben, sondern die Wohlfahrt und der Frieden. Der urzeitlich-mythische Kampf wird paradoxerweise zum Mittel prinzipieller Entmachtung des Kampfes und der Gewalt des Krieges. Krieg ist das einzig bekannte Mittel gegen den Krieg. Es wird aber auch gesagt dass die Menschen den Frieden und den Krieg nicht verstehen, denn es geht um übermenschliches, personifiziert in den guten und bösen Göttern (vgl. Otto 1999:13ff).

Schon in dieser Zeit wird ein neuer Ansatz geboren, denn das Böse kann nicht allein durch Gegengewalt überwunden werden. Am Beispiel der Legende von Ba´alu. Dieser hat Yammu, den Gott des Chaos überwältigt, doch er steigt freiwillig und kampflos ins Totenreich[4]. Stellvertretend für die vom Todesgott verfolgte Menschheit geht der Königsgott in den Tod. Damit wird eindeutig klar, dass nicht nur durch den Kampf allein, der allerdings noch immer Voraussetzung ist, sondern auch durch das leidende Ertragen des Todesschicksals der Tod überwunden werden kann. Nicht nur der gewalttätige Sieg lässt Frieden kommen sondern es ist das stellvertretende Erleiden der Gewalt von Ba´alu, der die Gewalt in die Schranken zu weisen vermag (Otto 1999:17ff). Die Legende geht jedoch weiter, die kämpferische Macht der Anatu wird gebraucht um Ba´alu vom Tode zu befreien[5]. Sie bittet dabei El um Hilfe, auch als Ba´alu in der Unterwelt weilte, war der Himmel also nicht leer, El der Vater aller Götter, der Schöpfergott wird immer vorhanden sein (Otto 1999:26).

Die Stadt Ugarit war in einer Position, in der sie die eigene Sicherheit nicht mehr mit militärischer Gewalt gewährleisten konnte, ein Vertragswerk wurde angewandt um durch eine andere Art als den gewaltvollen Krieg Frieden zu erreichen. Diese historische Tatsache hat wohl zu dieser abgeänderten Vorstellung von Frieden geführt, denn Religionen aus denen ein Anspruch auf die Weltherrschaft abgeleitet werden kann sahen anders aus. Im Gegensatz zu den Vorstellungen im alten Ägypten in der das Chaos vorherrschend war, ist es hier die Gerechtigkeit, die als Prinzip auftritt.

Zurück in das vorisraelische Gebiet weit vor Christi Geburt und den Beginn unserer Zeitrechnung. Hier ist auch die Frage verborgen, ob wir das jüdische Volk als Ethnie sehen können bzw. sollen. Die Theorie der Ethnogenese geht zurück in das Land Kanaan wo der große, neutrale Gott El über alles herrscht. Er steht auch über den anderen Mitgliedern des Pantheons, dem Kreis der Götter. Jedem Mitglied des Pantheons, den anderen Göttern, die El unterstellt sind wird ein Volk zugewiesen. Auf diese Weise wird Jahwe, der ursprünglich ein Gott des Hadad-Typus, ein „Wettergott“ war (dazu passt auch sein kriegerischer Charakter) von El zum Nationalgott Israels ernannt (Weippert 1997:5, 43). Wie es Jahwe nun schaffte sich an die Spitze des Pantheons zu stellen, El und alle anderen Götter zu verdrängen und zum alleinigen Gott zu avancieren werde ich später, im Kapitel 4 genauer behandeln.

[...]


[1] Die Persische Okkupation endet im Jahr 33, als die Griechen das land besetzten. Ihnen folgten die Römer 63 n. Chr.

[2] Das alte Ägypten und ihre Vorstellungen, über die wir hier sprechen können wir ins 2. Jahrtausend vor Christi einordnen.

[3] Das Großreich der Akkade beginnt unter Sargon 2414 und endet unter Naramsuen 2297 v. Chr. (Mann/Heuß 1960/1:551)

[4] Die Unterwelt oder das Totenreich ist nicht gleich der christlichen Hölle im Gegensatz zum Himmel. Alle würden in die Unterwelt kommen ob gut oder böse. Einen „Himmel“ gab es nicht Denn dort wohnten nur die Götter.

[5] Umkehrung der traditionellen Frauenrolle.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Shalom Salam - Ein Versuch der Rekonstruktion des Friedensbegriffs im Alten Orient und seine Veränderungen
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaften)
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V35764
ISBN (eBook)
9783638355858
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shalom, Salam, Versuch, Rekonstruktion, Friedensbegriffs, Alten, Orient, Veränderungen
Arbeit zitieren
Sabine Putzgruber (Autor), 2005, Shalom Salam - Ein Versuch der Rekonstruktion des Friedensbegriffs im Alten Orient und seine Veränderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35764

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