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Die 'Wende' in der Literatur: Thomas Brussigs "Helden wie wir"

Title: Die 'Wende' in der Literatur: Thomas Brussigs "Helden wie wir"

Term Paper , 2003 , 39 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: MA Davide Bonmassar (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Obwohl Thomas Brussig die Literaturszene erst 1995 betrat, ist er inzwischen einer der bekanntesten jungen deutschen Schriftsteller. Dank seiner erfolgreichen Romane gilt er als „Ostexperte“(1), als ostdeutscher „Heimatsachverständiger“(2) und als „Spezialist dafür […], leicht und witzig über die DDR zu schreiben, ohne sie nostalgisch zu verniedlichen“(3). Er gehört zu einer Generation, die zwar in der DDR geboren ist und ihre Jugend dort verbrachte, mit den Utopien und dem Aufbaupathos der Gründergeneration jedoch nichts mehr anfangen konnte. Diese Generationszugehörigkeit bietet ihm eine bevorzugte Perspektive auf die „Wende“(4) und ermöglicht ihm, sich in seinen Romanen ironisch mit dem Thema auseinanderzusetzen(5).

Brussig wurde 1965 in Ost-Berlin geboren. Hier verbrachte er, mit Ausnahme der Wehrdienstzeit, seine ganze Jugend. Nach der Berufsausbildung als Baufacharbeiter (1981-1984) und dem Abitur (1984) übte er in der DDR verschiedene Aushilfstätigkeiten aus (u.a. als Möbelträger, Museumspförtner, Fabrikarbeiter und Hotelportier). Nach der „Wende“ studierte er, ohne Abschluss, Soziologie an der Freien Universität Berlin (1990-1993) und später Dramaturgie an der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Seitdem sein zweiter Roman Helden wie wir 1995 zu einem Bestseller wurde, ist er als freiberuflicher Schriftsteller und Drehbuchautor tätig.
[...]

______
(1) Vgl. Hollmer, Heide: „The next generation. Thomas Brussig erzählt Erich Honeckers DDR”. In: Arnold, Heinz Ludwig (Hg.)[...]
(2) Hollmer, Heide: „Thomas Brussig“. In: Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): KLG. Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. München: Edition Text + Kritik.
(3) Küpper, Mechthild: „Sieben leere Patronen am Ende der Nacht. Die DDR als Schützenfest: Thomas Brussigs Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.1999. Zitiert aus: Hollmer (2000), S. 108.
(4) Er kann die letzte Jahre der DDR und die „Wende“ aus einer Binnenperspektive beschreiben. Zugleich wird er nicht von der pessimistischen Stimmung beeinflusst, die bei vielen älteren Autoren der DDR zu erkennen ist; für diese Autoren (wie z.B. Christa Wolf), die sich von Anfang an am Projekt DDR beteiligt hatten, bedeuteten die „Wende“ und die Wiedervereinigung nicht nur eine Befreiung, sondern auch das Ende einer Utopie.
(5) Ich beziehe mich vor allem auf Helden wie wir (1995) und Am kürzeren Ende der Sonnenallee (1999).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. DER AUTOR UND SEIN WERK.

2. DIE STRUKTUR DES ROMANS

2.1. Kurzfassung des Inhalts.

2.2. Das fingierte Interview: Aufbau und Erzählperspektive.

2.3. Die Figurenkonstellation.

2.4. Symbolik.

3. DER TOPOS DER FAMILIE IN Helden wie wir

3.1. Der Generationenkonflikt innerhalb der Familie

3.2. Die Familie und die Sprache

4. Helden wie wir UND DIE „WENDE“

6.4.1. Die Rezeption: Helden wie wir als „Wenderoman“

6.4.2. Fiktion und Wirklichkeit

6.4.3. Die Ironie

5. Helden wie wir UND DIE „WENDE“: ERGEBNISSE

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Thomas Brussigs Roman "Helden wie wir" hinsichtlich seiner literarischen Verarbeitung der „Wende“ in der DDR. Ziel ist es, die narrative Konstruktion und die symbolische Aufladung des Werkes zu analysieren, um aufzuzeigen, wie Brussig durch Ironie, Groteske und den bewussten Bruch mit realistischen Chroniken eine neue Form der Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Vergangenheit etabliert.

  • Die Funktion des fingierten Interviews als narrative Struktur.
  • Die symbolische Bedeutung von Körperlichkeit und Sexualität in Bezug auf politische Emanzipation.
  • Der Topos der Familie als Spiegel für gesellschaftliche Autoritäten und Generationenkonflikte.
  • Das Verhältnis von Fiktion und historischer Wirklichkeit im Kontext des „Wenderomans“.

Auszug aus dem Buch

2.1. Kurzfassung des Inhalts.

Der Held des Romans, Klaus Uhltzscht, schildert kurz nach der „Wende“ in einem Interview für den New York Times Reporter Mr. Kitzelstein sein Leben in der DDR und erzählt die Geschichte des Mauerfalls auf ganz neue Weise. Das Interview erweist sich allerdings sehr schnell als ein einseitiger Monolog von Klaus, der sich, überzeugt von seiner Rolle als zukünftiger Nobelpreisträger oder als „Beendiger der Geschichte“, schon von Kindheit an auf einen öffentlichen Auftritt vorbereitet hatte.

Die Erzählung umspannt einen Zeitrahmen von seiner Geburt, die symbolträchtig mit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Tschechoslowakei am 20. August 1968 zusammenfällt, bis zur Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989. Durch die Beschreibung von Klaus´ Leben wirft Brussig einen kritischen, ironischen Blick auf die Geschichte der DDR der Honecker-Ära.

Klaus, der immer zwischen Helden- und Witzfigur, zwischen Opfer und Täter schwankt, wächst in einer Familie auf, in der sich die Strenge und die Spießigkeit der DDR-Gesellschaft und ihrer Regierung widerspiegeln. Sein Vater ist ein Stasifunktionär, der seinen Sohn für einen Versager hält und niemals ein Wort mit ihm wechselt. Seine Mutter ist Ärztin und Hygieneinspektorin, ist von der Sauberkeit besessen und kontrolliert ständig ihren Sohn. Diese Kontrolle ist in erster Linie eine Kontrolle jeder kleinsten intimen Regung ihres Sohnes und wird auch im Erwachsenenalter fortgeführt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. DER AUTOR UND SEIN WERK.: Ein Überblick über die biographischen Hintergründe von Thomas Brussig und die literarische Einordnung seiner frühen Romane im Kontext der DDR-Aufarbeitung.

2. DIE STRUKTUR DES ROMANS: Analyse der Erzählweise und Struktur; das fingierte Interview als Mittel zur Ironisierung und Distanzierung vom dokumentarischen Anspruch.

2.1. Kurzfassung des Inhalts.: Eine inhaltliche Einführung, die Klaus Uhltzscht als Protagonisten und seine Lebensspanne bis zum Mauerfall skizziert.

2.2. Das fingierte Interview: Aufbau und Erzählperspektive.: Untersuchung, wie die Interview-Form den monologischen Charakter des Textes verstärkt und als Sprechprobe für die Figur dient.

2.3. Die Figurenkonstellation.: Darstellung des Protagonisten Klaus Uhltzscht als Schelm und Karnevalsfigur sowie der typisierten Nebenfiguren.

2.4. Symbolik.: Analyse der zentralen Symbole im Roman, insbesondere der Sexualsymbolik, und deren Verbindung zum politischen Protest.

3. DER TOPOS DER FAMILIE IN Helden wie wir: Untersuchung der Familie als mikrokosmische Entsprechung für das politische System der DDR.

3.1. Der Generationenkonflikt innerhalb der Familie: Analyse der gestörten Eltern-Kind-Beziehung und deren symbolische Verknüpfung mit DDR-Autoritäten.

3.2. Die Familie und die Sprache: Untersuchung des inkompatiblen Sprachgebrauchs zwischen den Generationen und Klaus' Suche nach einer eigenen Identität.

4. Helden wie wir UND DIE „WENDE“: Kritische Auseinandersetzung mit dem Status des Romans als "Wenderoman" und der Abgrenzung zu anderen Werken der Wendeliteratur.

6.4.1. Die Rezeption: Helden wie wir als „Wenderoman“: Analyse der zeitgenössischen Kritik und des großen Publikumserfolgs des Werkes nach 1995.

6.4.2. Fiktion und Wirklichkeit: Diskussion des Verhältnisses von historischem Anspruch und parodistischer, grotesker Fiktion im Roman.

6.4.3. Die Ironie: Untersuchung der ironischen Haltung als konstitutives Element für Brussigs Art der Vergangenheitsbewältigung.

5. Helden wie wir UND DIE „WENDE“: ERGEBNISSE: Abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse: Der Roman als groteskes Spiel und bewusste "Geschichtslüge" zur Anregung eines kritischen Diskurses.

Schlüsselwörter

Thomas Brussig, Helden wie wir, DDR-Literatur, Wenderoman, Ironie, Groteske, Schelmenroman, Generationenkonflikt, Klaus Uhltzscht, Wendeliteratur, Gesellschaftskritik, Staatssicherheit, Erzählperspektive, Identitätssuche, Zeitgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Thomas Brussigs Roman "Helden wie wir" als ein Beispiel für eine unkonventionelle, ironische und satirische literarische Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit und der deutschen Wiedervereinigung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Struktur des Romans (insb. das fingierte Interview), die Symbolik (Körperlichkeit), der Topos der Familie als Abbild gesellschaftlicher Strukturen sowie das Verhältnis von Fiktion und historischer Realität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Brussig durch groteske Übersteigerung und ironische Distanz den "Wenderoman" neu definiert und warum er historische Fakten bewusst durch einen eigenen, fiktiven Mythos ersetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, insbesondere Methoden der Erzähltheorie, Analysen zur Symbolik und Anlehnungen an Bachtins Karnevalstheorie zur Deutung des Protagonisten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Romanstruktur, zur Figurenkonstellation, zum Familienbild, zum Sprachgebrauch der Generationen sowie zur literarischen Rezeption des Werkes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Wendeliteratur", "Ironie", "Groteske", "Generationenkonflikt" und "DDR-Aufarbeitung" charakterisieren.

Warum ist das "fingierte Interview" für die Romanstruktur so entscheidend?

Es dient Klaus Uhltzscht als "Sprechprobe", die ihm ermöglicht, ohne Hemmungen seine subjektive Sicht der Dinge darzulegen und sich somit von einem objektiven, wahrheitsgetreuen Bericht der DDR-Vergangenheit zu lösen.

Welche Funktion hat die Sexualsymbolik in der Erzählung?

Die Sexualsymbolik (insb. die Größe des männlichen Geschlechtsorgans) korreliert direkt mit Klaus' politischem Selbstbewusstsein und dient als Metapher für die Passivität oder Aktivität des DDR-Volkes während der Wendezeit.

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Details

Title
Die 'Wende' in der Literatur: Thomas Brussigs "Helden wie wir"
College
Dresden Technical University
Grade
1,0
Author
MA Davide Bonmassar (Author)
Publication Year
2003
Pages
39
Catalog Number
V35770
ISBN (eBook)
9783638355919
ISBN (Book)
9783640888849
Language
German
Tags
Wende Literatur Thomas Brussigs Helden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Davide Bonmassar (Author), 2003, Die 'Wende' in der Literatur: Thomas Brussigs "Helden wie wir", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35770
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