Ziel dieser Arbeit ist es, Parallelen zwischen der Weltentstehungsgeschichte in Ovids „Metamorphosen“ und der Schöpfungsgeschichte in der Genesis durch einen textuell-inhaltlichen Vergleich sowie durch eine sprachlich-linguistische Gegenüberstellung der Originaltexte aufzuzeigen.
Um den Vergleich jedoch nicht nur auf Textebene durchzuführen, sondern auch die Hintergründe für die Entstehung ähnlicher mythologischer Schöpfungserzählungen zu beleuchten, werden im Folgenden die philosophisch-theologischen Einflüsse geschildert, die auf Ovids Werke und den Autor der Genesis eingewirkt haben. Dazu werden zunächst die Einflüsse der antiken hellenistischen sowie der antiken jüdischen Kultur geschildert und in Bezug auf die Metamorphosen und die Genesis gesetzt. Anschließend erfolgt ein Vergleich der Ovid’schen Schöpfungsgeschichte mit der von Wickram rezipierten Fassung unter besonderer Berücksichtigung der Erzählung von den vier Weltaltern und eine dementsprechende Thematisierung der mittelalterlichen Vorstellung des Schöpfungsgeschehens.
Den Hauptteil dieser Arbeit bildet danach der Textvergleich der beiden Werke mit einer Gegenüberstellung ähnlicher oder sich deckender Bezeichnungen innerhalb der Originaltexte.
Abschließend erfolgt mit Hilfe der oben genannten Punkte ein zusammenfassendes Fazit in Form der Beantwortung der Fragestellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die philosophisch-theologische Darstellung des antiken hellenistischen
3. Die philosophisch-theologischen Grundlagen des biblischen Schöpfungsaktes im Kontext des antiken jüdischen Denkens und ihr Einfluss auf die Genesis
4. Die Ovid‘sche Schöpfungsgeschichte bei Wickram unter Bezugnahme auf die „Vier zeiten deß Jars“ und der Thematisierung des „Sündenfalls“
5. Textueller Vergleich der Entstehungsgeschichte in Ovids Metamorphosen mit dem Schöpfungsbericht der biblischen Genesis
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, durch einen textuell-inhaltlichen Vergleich und eine sprachlich-linguistische Gegenüberstellung der Originaltexte Parallelen zwischen der Weltentstehungsgeschichte in Ovids Metamorphosen und der biblischen Schöpfungsgeschichte der Genesis aufzuzeigen und die zugrunde liegenden philosophisch-theologischen Hintergründe zu beleuchten.
- Analyse der philosophisch-theologischen Einflüsse auf Ovid und die Genesis
- Vergleich mit der Rezeption Ovids durch Georg Wickram unter Berücksichtigung der vier Weltalter
- Untersuchung der Chaosthematik als Ausgangspunkt der Schöpfung
- Gegenüberstellung der demiurgischen Gott-Vorstellung und der biblischen Schöpfungslehre
- Vergleichende Darstellung der Erschaffung des Menschen
Auszug aus dem Buch
5. Textueller Vergleich der Entstehungsgeschichte in Ovids Metamorphosen mit dem Schöpfungsbericht der biblischen Genesis
Das erste Merkmal, das in beiden Texten ins Auge springt ist, dass von einem Gott die Rede ist, der mit demiurgischer Macht in das Chaosgeschehen eingreifen kann. Bei Ovid ist es Hanc deus et melior litem natura (V. 21), ein Gott oder eine „bessere Natur“, der „[…] Himmel und Erde und Erde und Wasser, […]“ schied. Demzufolge das große Ganze, die Welt und das Universum aus dem Urchaos erschuf.
Auch in der Genesis ist ein Schöpfergott aktiv, der gleich zu Beginn die synonyme Gesamtheit, „Himmel und Erde“, erschafft. Ein Unterscheidungsmerkmal ist hierbei der Vorgang, durch den der Gott in der jeweiligen Erzählung alles Seiende erzeugt. Während in der biblischen Überlieferung nach dem ersten Schöpfungsakt alles durch den göttlichen Sprechakt hervorgebracht wird, sich demzufolge letztlich alles Seiende nur auf einen Gott zurückführen lässt, ist der bei Ovid aus dem Nichts auftauchende Gott reiner Demiurg, ein Kreator der Welt, der nur die bereits vorhandenen Materialien trennen, entwirren oder ordnen muss. Kennzeichnend ist hierbei sind die Bezeichnungen, die Ovid für „seinen“ Gott gebraucht. Demnach lassen sich das schlichte deo (V. 21, V. 32, V. 73, V. 83), das an seine gestaltend eingreifende Tätigkeit erinnernde mundi fabricator (V. 57) und das weitaus ehrfurchtsvollere opifex rerum, mundi melioris origo (V. 79) voneinander unterscheiden.
In ganz anderer Art und Weise findet man die Bezeichnung Gottes in der Genesis vor. Hierbei wird mit der Umschreibung Elohim und dem damit verbundenen Plural, die Verehrung dieses einen Gottes verabsolutiert, wohingegen im Ovid’schen Text der Demiurg eine anonyme Erscheinung bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Parallelen zwischen Ovid und der Genesis durch einen textuell-linguistischen Vergleich aufzuzeigen und die philosophisch-theologischen Kontexte zu erörtern.
2. Die philosophisch-theologische Darstellung des antiken hellenistischen: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss hellenistischer Dichter, insbesondere Hesiods, auf Ovids Schöpfungsmythos und das Leitmotiv des Chaos.
3. Die philosophisch-theologischen Grundlagen des biblischen Schöpfungsaktes im Kontext des antiken jüdischen Denkens und ihr Einfluss auf die Genesis: Hier werden die mythologischen Einflüsse auf das antike Judentum und die Priesterschrift sowie der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus diskutiert.
4. Die Ovid‘sche Schöpfungsgeschichte bei Wickram unter Bezugnahme auf die „Vier zeiten deß Jars“ und der Thematisierung des „Sündenfalls“: Dieses Kapitel analysiert die Rezeption von Ovids Metamorphosen bei Georg Wickram und verknüpft die Erzählung der vier Weltalter mit christlichen Vorstellungen.
5. Textueller Vergleich der Entstehungsgeschichte in Ovids Metamorphosen mit dem Schöpfungsbericht der biblischen Genesis: Ein direkter Vergleich der Schöpfungsvorgänge und der Gott-Bezeichnungen in den beiden Primärtexten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die strukturellen Ähnlichkeiten und die grundlegenden Unterschiede in der theologischen und literarischen Auffassung zusammen.
Schlüsselwörter
Ovid, Metamorphosen, Genesis, Schöpfungsgeschichte, Chaos, Demiurg, Hesiod, biblische Exegese, Georg Wickram, Weltalter, Sintflut, Mythologie, Monotheismus, antikes Denken, Literaturvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem literarischen Vergleich zwischen der Weltschöpfungsgeschichte in Ovids Metamorphosen und der biblischen Schöpfungserzählung aus dem Buch Genesis.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung deckt die Bereiche antike hellenistische Mythologie, biblische Theologie, die Rezeption antiker Stoffe in der Frühen Neuzeit sowie sprachlich-linguistische Analysen ab.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, inhaltliche Parallelen und sprachliche Übereinstimmungen bei der Schöpfungserzählung in den beiden Werken aufzuzeigen und die Hintergründe für die Entstehung solch ähnlicher Mythen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Textanalyse, linguistische Gegenüberstellungen der Originaltexte sowie eine Kontextualisierung innerhalb der jeweiligen philosophisch-theologischen Überlieferungsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung hellenistischer und jüdischer Einflüsse, die Rezeption bei Georg Wickram sowie den direkten Textvergleich der Schöpfungsszenarien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Chaos, Schöpfergott, Demiurg, Metamorphosen, Genesis und Weltalter geprägt.
Wie unterscheidet sich die Gott-Vorstellung bei Ovid von der biblischen Erzählung?
Bei Ovid bleibt der Schöpfer eine eher anonyme, demiurgische Kraft, die vorhandene Materie ordnet, während die Genesis einen monotheistischen Schöpfergott präsentiert, der durch den Akt des Sprechens aus dem Nichts erschafft.
Welche Rolle spielt Georg Wickram in der Untersuchung?
Wickram dient als Beispiel für die mittelalterliche Rezeption des Ovid’schen Stoffes, wobei besonders die Verbindung zur Thematik der vier Weltalter und zum Sündenfall als Brückenschlag zum biblischen Verständnis dient.
Wie wird das Motiv der Sintflut in der Arbeit bewertet?
Die Sintflut wird als Schlusspunkt der Schöpfungsthematik interpretiert, in der sich der Kreis aus anfänglicher Urflut und Vernichtung schließt, wobei sie in beiden Werken als moralische Zäsur fungiert.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin im Fazit?
Sie stellt fest, dass zwar im literarischen Sinne parallele Vorstellungen und sprachliche Ähnlichkeiten existieren, die Bedeutungskontexte jedoch zu komplex sind, um sie auf eine einfache Reduktion zu begrenzen.
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- Bianca Weihrauch (Author), 2016, Ovids "Metamorphosen" und die Genesis. Parallelen zwischen der Weltentstehungsgeschichte und der Schöpfungsgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358025