Betrachtet man den Zustand der Soziologie als Disziplin, so zeigt sich das Problem einer heterogenen und unübersichtlichen Wissenschaft. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlichster Theorien und unterschiedlichster Methoden. Es zeichnet sich das Bild eines „[…] multiparadigmatischen Zustands der Soziologie […]“ ab. So ist es der Soziologie als Disziplin in der Vergangenheit „[…] wenig gelungen, über ihre verschiedenen Paradigmen hinweg konzeptuell weithin geteilte Beschreibungs- bzw. Erklärungsprobleme zu etablieren.“
Das Problem der diversen, heterogenen und teils divergierenden Theorie- und Methodenansätze der unterschiedlichen Schulen lässt sich in dieser Hausarbeit sicherlich nicht lösen. Dennoch möchte sich die Hausarbeit der Thematik des Theorienpluralismus annehmen und zwei Theorien der Qualitativen Forschung mittels eines Vergleichs gegenüberzustellen. Durch den Vergleich sollen Relationen zwischen verschiedenen Theorien bzw. Grundannahmen herausgestellt werden.
Als zu untersuchende Theorien sollen (1) der Symbolische Interaktionismus nach Herbert Blumer und (2) die Soziologische Phänomenologie nach Alfred Schütz miteinander verglichen werden.
Zu Beginn soll daher kurz auf das methodische Vorgehen eingegangen werden, mit dem versucht werden soll, die beiden Theorien gegenüberzustellen. In einem zweiten Schritt werden die Theorien in einem Abriss dargestellt, um in einem dritten Schritt schließlich das Verhältnis der beiden Theorienansätze zueinander herauszuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Methodik / Vorgehen
- Symbolischer Interaktionismus: Herbert Blumer
- Die drei grundlegenden Prämissen des Symbolischen Interaktionismus
- Die sechs Kernvorstellungen
- Soziologische Phänomenologie und Strukturen der Lebenswelt: Alfred Schütz
- Husserl und die Schütz' Lebenswelt
- Wissensvorrat
- Weil und Zu- Motive
- Verhältnis der Theorien zueinander
- Gegenstand und Aufgabe: Was folgt „normativ“ aus den Ansätzen?
- Zentrale Begrifflichkeiten
- „Sinn“ und „Bedeutung“
- „Erfahrung“ und „Bedeutung“
- Aufbau und wichtige Elemente beider Theorien: Wie ist das Verhältnis der Ansätze in Generellen?
- Planende Elemente: „Handlungslinie“ und „Handlung“ in „Um- zu“ und „Weil“- Motiven
- Interpretative Elemente
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit untersucht den Theorienpluralismus in der qualitativen Sozialforschung und stellt zwei Theorien einander gegenüber: den Symbolischen Interaktionismus nach Herbert Blumer und die Soziologische Phänomenologie nach Alfred Schütz. Ziel des Vergleichs ist es, die Beziehungen zwischen den beiden Theorien und ihren grundlegenden Annahmen herauszuarbeiten.
- Das Problem des Theorienpluralismus in der Soziologie und der qualitativen Sozialforschung
- Die zentralen Prämissen und Kernvorstellungen des Symbolischen Interaktionismus
- Die Grundannahmen der Soziologischen Phänomenologie und deren Bezug zur Lebenswelt
- Der Vergleich der beiden Theorien hinsichtlich ihrer zentralen Begriffe und ihrer Anwendung in der Forschung
- Die Herausarbeitung des Grundverhältnisses zwischen den beiden Theorien
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Problem des Theorienpluralismus in der Soziologie und der qualitativen Sozialforschung dar. Die Methodik erläutert das Vorgehen des Theorienvergleichs und definiert das Ziel, das Grundverhältnis zwischen den beiden Theorien zu ermitteln. Die Kapitel 3 und 4 präsentieren die beiden Theorien, den Symbolischen Interaktionismus und die Soziologische Phänomenologie, in ihren zentralen Annahmen und Grundgedanken. Kapitel 5 widmet sich dem Vergleich der beiden Theorien, analysiert zentrale Begriffe und untersucht das Verhältnis der beiden Ansätze in ihrer Anwendung in der Forschung. Der Schluss fasst die wichtigsten Erkenntnisse des Vergleichs zusammen.
Schlüsselwörter
Symbolischer Interaktionismus, Soziologische Phänomenologie, Herbert Blumer, Alfred Schütz, Qualitative Sozialforschung, Theorienpluralismus, Lebenswelt, Sinn, Bedeutung, Erfahrung, Handlung, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel des Theorienvergleichs in dieser Arbeit?
Die Arbeit stellt den Symbolischen Interaktionismus nach Herbert Blumer und die Phänomenologische Soziologie nach Alfred Schütz gegenüber, um Relationen und Grundannahmen dieser beiden qualitativen Forschungsansätze herauszuarbeiten.
Was versteht man unter dem multiparadigmatischen Zustand der Soziologie?
Dies beschreibt das Problem einer heterogenen Wissenschaft mit einer Vielzahl unterschiedlicher Theorien und Methoden, denen es schwerfällt, konzeptuell geteilte Erklärungsprobleme zu etablieren.
Welche Rolle spielt die Lebenswelt bei Alfred Schütz?
Schütz untersucht die Strukturen der Lebenswelt, wobei er Konzepte wie den Wissensvorrat sowie "Weil"- und "Um-zu"-Motive nutzt, um menschliches Handeln zu erklären.
Was sind die zentralen Begriffe des Vergleichs?
Zentrale Vergleichspunkte sind die Begriffe Sinn, Bedeutung, Erfahrung sowie die interpretativen und planenden Elemente von Handlungen.
Welche Prämissen charakterisieren den Symbolischen Interaktionismus?
Herbert Blumer stützt seine Theorie auf drei grundlegende Prämissen und sechs Kernvorstellungen, die die Bedeutung von Objekten für das soziale Handeln betonen.
- Arbeit zitieren
- Marc Liesenberg (Autor:in), 2017, Symbolischer Interaktionismus nach Blumer und Phänomenologische Soziologie nach Schütz. Ein Theorienvergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358036