Diese Hausarbeit behandelt die Frage, ob sich politische Ansichten des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges' in Umberto Ecos Roman "Der Namen der Rose" widerspiegeln. Dass Jorge Luis Borges Vorlage von Ecos Figur Jorge von Burgos war, ist kein Geheimnis und ein in mehreren Werken behandeltes Thema. Wenn also Jorge Luis Borges und seine Werke schon Einfluss auf Ecos Werk hatten, inwieweit haben dann auch seine politischen Ansichten Einfluss auf Ecos Werk genommen? Dieser Frage will diese Hausarbeit nachgehen.
Zunächst wird dafür Jorge Luis Borges und sein politisches Wirken vorgestellt. Anschließend geht die Arbeit auf Werke von Borges ein, die höchstwahrscheinlich einen Einfluss auf Eco hatten. Abschließend sollen einige Aussagen von Ecos Romanfigur Jorge von Burgos aus "Der Name der Rose" auf einen Zusammenhang mit Jorge Luis Borges untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Was Kirk und Shakespeare, sowie Eco und Borges verbindet
2 Literatur und Forschungsstand
3 Methodik
4 Jorge Luis Borges im „Namen der Rose“
4.1 Jorge Luis Borges, Leben, Werk und politisches Wirken
4.2 Borges im „Namen der Rose“ - Der Autor im Buch
4.2.1 „Die Bibliothek von Babel“
4.2.2 „Averroes auf der Suche“
4.2.3 „Der Tod und der Kompass“/“Tlön, Uqbar, Orbis Tertius“/“Die Rose des Paracelsus“
4.2.4 Zusammenfassung der Borgesschen Werke
4.3 Borges im „Namen der Rose“ - der mittelalterliche „von Burgos“ oder der argentinische „Borges“?
4.3.1 Zweiter Tag, Tertia
4.3.2 Siebenter Tag, Nacht
4.3.3 Fazit der beiden Reden Jorge von Burgos
5 Abschließendes Fazit
6 Quellen und Literatur
6.1 Quellen
6.2 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Leben und Werk des argentinischen Autors Jorge Luis Borges auf Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit Borges' eigene politische Aktivität oder deren Fehlen in seinen Werken als Vorlage für Ecos Romanfiguren und deren politische Dimension dienten.
- Intertextuelle Bezüge zwischen Werken von Borges und „Der Name der Rose“.
- Die Rolle der Bibliothek als zentrales Motiv bei beiden Autoren.
- Analyse der Figur „Jorge von Burgos“ als Anspielung auf Jorge Luis Borges.
- Untersuchung der politischen Motivationen hinter den literarischen Konstruktionen.
- Bewertung der historischen Authentizität von Ecos Roman angesichts der modernen Vorbilder.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 „Die Bibliothek von Babel“
Die Kurzgeschichte „Die Bibliothek von Babel“, die bereits 1944 in den „Ficciones“ von Jorge Luis Borges erschienen ist,42 ist wahrscheinlich die offensichtlichste intertextuelle Entlehnung von Eco im Namen der Rose, die direkt auf ein Werk des argentinischen Schriftstellers zurückzuführen ist.43 Wie die meisten von Borges Geschichten ist auch sie in einer fiktionalen Welt angelegt, oder ist vielmehr eine fiktionale Welt für sich. Borges selbst schreibt über die Bibliothek:
„Wie bestimmte Städte, wie bestimmte Personen, waren ein sehr willkommener Teil meines Schicksals die Bücher. Darf ich wiederholen, dass die Bibliothek meines Vaters der wichtigste Umstand meines Lebens gewesen ist? In Wahrheit habe ich sie nie verlassen, wie auch Alonso Quijano44 nie die seine verlassen hat.“45
Die Bibliothek von Babel stellt sich Borges als „unendliche Zahl von sechseckigen Galerien vor“46, in welcher jeweils eine definite Anzahl von Büchern stehen, die eine bestimmte Anzahl von Seiten, sowie Buchstaben haben. Diese Bücher sind mit den 25 Buchstaben des Alphabets gefüllt, welche nach dem Zufallssystem innerhalb der Bücher angeordnet sind. Da die Größe der Bibliothek unendlich ist, entstehen somit per Zufall alle Bücher, die geschrieben wurden.47 Vielmehr umfasst die Bibliothek jedoch auch alle Bücher, die noch geschrieben werden (in jeder Sprache), die Geschichte eines jeden Menschen,48 alle Wahrheiten, sowie alle Rechtfertigungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Was Kirk und Shakespeare, sowie Eco und Borges verbindet: Das Kapitel führt in die intertextuelle Natur von Ecos Roman ein und zeigt erste Parallelen zwischen Borges und Ecos Bibliothekar Jorge von Burgos auf.
2 Literatur und Forschungsstand: Hier werden die Forschungsfragen definiert: Wie stark beeinflusste Borges' politische Haltung Ecos Werk und wie verträgt sich dies mit der historischen Authentizität des Mittelalterromans?
3 Methodik: Es wird das Vorgehen dargelegt, die Werke Borges' und Ecos Romanfiguren im Hinblick auf politische und literarische Anspielungen zu analysieren.
4 Jorge Luis Borges im „Namen der Rose“: Das Hauptkapitel untersucht die Einflüsse von Borges' Leben und ausgewählten Werken auf den „Namen der Rose“ sowie die spezifische Rolle der Romanfigur Jorge von Burgos.
5 Abschließendes Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Borges eine der bedeutendsten Quellen für Eco darstellt, ein direkter Zusammenhang zu Borges' persönlichen politischen Ansichten jedoch schwer nachweisbar bleibt.
6 Quellen und Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Hausarbeit herangezogene Fachliteratur sowie die primären Quellen der zitierten Borges-Werke und Ecos Roman auf.
Schlüsselwörter
Umberto Eco, Jorge Luis Borges, Der Name der Rose, Jorge von Burgos, Intertextualität, Bibliothek von Babel, politische Literatur, Argentinien, Mittelalterroman, Literaturanalyse, literarische Vorbilder, Lachen, Aristoteles, Postmoderne, Fiktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarischen und potenziell politischen Einflüsse des argentinischen Autors Jorge Luis Borges auf Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die intertextuellen Bezüge, die Bedeutung der Bibliothek als Handlungsort und die Charakterisierung der Figur Jorge von Burgos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Ecos Roman neben literarischen Motiven auch die politische Haltung von Borges reflektiert und ob dies die historische Glaubwürdigkeit beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Literaturanalyse, bei der primäre Texte von Borges und Ecos Roman sowie die Sekundärliteratur gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Borges' Leben, ausgewählte Werke wie „Die Bibliothek von Babel“ und „Averroes auf der Suche“ sowie die Reden des Jorge von Burgos im Roman.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intertextualität, Borges, Eco, Bibliothek, politische Allegorie und literarische Anspielung.
Gilt Jorge von Burgos als direktes Abbild von Jorge Luis Borges?
Die Arbeit stellt fest, dass Jorge von Burgos eine literarische Anspielung ist, betont jedoch die Schwierigkeit, eine direkte politische Gleichsetzung vorzunehmen.
Welche Rolle spielt das „Lachen“ in der Argumentation?
Das Lachen dient als zentrales Disput-Thema im Roman, an dem sowohl die mittelalterliche Theologie als auch politische Ansichten über Freiheit und Ordnung diskutiert werden.
- Arbeit zitieren
- Julius Schüler (Autor:in), 2011, Jorge Luis Borges in Umberto Ecos "Der Name der Rose", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358363