Seit der Entlassung Osttimors in die Unabhängigkeit ist Indonesien in Sachen Menschenrechtspolitik aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden. Dabei ist leider nicht davon auszugehen, dass die indonesische Demokratie sich vollständig stabilisiert hat und dass die Menschenrechtsverletzungen ein Ende gefunden haben. Trotz allem hat die Inselgruppe in den letzten 15 Jahren enorme Fortschritte von einem totalitären Staat zu einer mehr oder minder stabilen Demokratie gemacht (vgl. ai 2004: 1). In der vorliegenden Arbeit werde ich diesen Prozess des Menschenrechtswandels in Indonesien näher beleuchten und dabei mit Hilfe eines konstruktivistischen Ansatzes vor allem die Frage behandeln, welche Rolle internationale nichtstaatliche Organisationen innerhalb dieses Prozesses gespielt haben. Die vorliegende Arbeit ist in drei Teile untergliedert. Im ersten Teil stelle ich die Theorie vor, mit der ich in der Folge arbeite: Den Konstruktivismus. In Folge des begrenzten Rahmens dieser Arbeit konzentriere ich mich hier auf die Hauptthesen, liefere also nur einen mehr oder weniger groben Überblick. Als Ausgangspunkt aller weiteren Überlegungen gehe ich dabei zuerst auf das konstruktivistische Verständnis vom Individuum und dessen Verhältnis zur Gesellschaft ein. Danach behandele ich kurz das konstruktivistische Bild vom Staat und der Beziehung der Staaten untereinander, um mich dann mit einem der wichtigsten Aspekte für das Verständnis d ieser Arbeit, der Rolle von nichtstaatlichen Akteuren im internationalen System, zu befassen. Im zweiten Teil konzentriere ich mich dann auf die empirische Analyse der Fragestellung. Hierbei lehne ich mich an das Spiralmodell des Menschenrechtswandels von Risse et al an und vergleiche es mit den tatsächlichen Vorgängen in Indonesien. Die Unterteilung in fünf Kapitel entspricht der Einteilung des Spiralmodells in verschiedene Phasen. Am Ende jedes Kapitels ziehe ich ein kurzes Resümee bezüglich der Anwendbarkeit des Modells in der untersuchten Phase. Im letzten Teil meiner Arbeit fasse ich die Hauptargumente der beiden vorangehenden Kapitel zusammen und beurteile kurz die Anwendbarkeit der konstruktivistischen Theorie auf die hier behandelte Fragestellung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlage: Der Konstruktivismus
2.1 Das Verhältnis vom Individuum zur Gesellschaft
2.2 Staat und Staatensystem
2.3 Nichtstaatliche Akteure
3. Empirische Analyse: Ein Spiralmodell des Menschenrechtswandels
3.1 Erste Phase: Repression
3.2 Zweite Phase: Leugnen
3.3 Dritte Phase: Taktische Konzessionen
3.4 Vierte Phase: Präskriptiver Status
3.5 Fünfte Phase: Normengeleitetes Verhalten
4. Zusammenfassung
5. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess des Menschenrechtswandels in Indonesien unter Anwendung einer konstruktivistischen Perspektive. Das primäre Ziel besteht darin, die Rolle von internationalen nichtstaatlichen Organisationen bei der Transformation des indonesischen Staates von einem totalitären System hin zu einer stabilen Demokratie zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Konstruktive Theoriebildung in den Internationalen Beziehungen
- Analyse des Spiralmodells des Menschenrechtswandels von Risse et al.
- Einfluss trans- und nationaler Netzwerke auf die indonesische Regierungspolitik
- Bedeutung von lokaler gesellschaftlicher Mobilisierung für den Demokratisierungsprozess
Auszug aus dem Buch
3.1 Erste Phase: Repression
In der Phase der Repression finden systematische Verletzungen der Menschenrechte durch die Regierung statt. Eine Opposition innerhalb der Gesellschaft ist aufgrund der starken Repressionen nur sehr schwach ausgebildet. Erst wenn diese Opposition es schafft, Informationen über Menschenrechtsverletzungen an die Weltöffentlichkeit weiterzugeben, ist ein Fortschritt möglich (vgl. Risse et al 2002: 48 f).
Für Indonesien lässt sich die erste Phase bis ca. 1976 feststellen. Nach einem fehlgeschlagenen Putschversuch gegen Präsident Sukarno 1965 wechselt die Präsidentschaft zu Suharto, der ein autoritär- korporatistisches Regime aufbaut und als Vergeltungsmaßnahmen an den angeblichen Verantwortlichen hunderttausende Kommunisten verschleppen und ermorden lässt. 1971 wird mit der Lembaga Bantuan Hukum (LBH), einem Rechtshilfeinstitut, die erste bedeutsame Menschenrechtorganisation gegründet. Sie verknüpft sich schnell mit internationalen Menschenrechtsorganisationen, es findet jedoch kaum Lobbyarbeit in den westlichen Staaten statt. Außerdem fehlt LBH weitestgehend der Kontakt zu den am meisten von den Repressionen betroffenen Bevölkerungsgruppen (vgl. o. A. 1993 b: 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert den konstruktivistischen Ansatz sowie die methodische Unterteilung der Arbeit in Theorie und empirische Analyse.
2. Theoretische Grundlage: Der Konstruktivismus: Dieses Kapitel erörtert die Grundannahmen des Konstruktivismus, insbesondere das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die Bedeutung nichtstaatlicher Akteure.
3. Empirische Analyse: Ein Spiralmodell des Menschenrechtswandels: Hier wird das Spiralmodell von Risse et al. detailliert auf die verschiedenen Phasen der Menschenrechtssituation in Indonesien angewandt und kritisch evaluiert.
4. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Bedeutung transnationaler Netzwerke und lokaler Mobilisierung für den politischen Wandel in Indonesien zusammen.
5. Literaturangaben: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten Quellen auf, auf denen die Analyse und Argumentation der Arbeit basieren.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Menschenrechte, Indonesien, Spiralmodell, Nichtstaatliche Akteure, NGOs, INGOs, Demokratisierung, Politische Repression, Normen, Sozialisation, Internationale Beziehungen, Menschenrechtswandel, Suharto, Osttimor.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Menschenrechtswandel in Indonesien und beleuchtet dabei, wie internationale nichtstaatliche Organisationen diesen Prozess beeinflusst haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die konstruktivistische Theorie, das Spiralmodell von Risse et al. sowie die politische Entwicklung Indonesiens von einem autoritären Regime hin zu einer Demokratie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, welche Rolle internationale nichtstaatliche Akteure bei der Transformation der indonesischen Menschenrechtspolitik unter konstruktivistischen Gesichtspunkten gespielt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen konstruktivistischen Forschungsansatz und wendet ein theoretisches Spiralmodell auf historische Daten und empirische Befunde Indonesiens an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Konstruktivismus und eine fünfstufige empirische Analyse, die die Phasen des Menschenrechtswandels im indonesischen Kontext untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Konstruktivismus, Menschenrechte, Indonesien, Spiralmodell, NGOs, politische Transformation und Demokratisierung.
Inwiefern spielt die Rolle des Militärs eine besondere Rolle im indonesischen Kontext?
Das Militär wird als zentrale Instanz für Menschenrechtsverletzungen und als Hindernis für den Demokratisierungsprozess identifiziert, dessen Vormachtstellung erst durch gesellschaftlichen Druck delegitimiert werden musste.
Wie bewertet die Autorin die zukünftige Entwicklung in Indonesien?
Die Autorin ist skeptisch und sieht aufgrund von internen Unabhängigkeitsbestrebungen und der internationalen Sicherheitslage kurzfristig kaum weiteren Fortschritt, betont aber die Notwendigkeit, Rückschritte zu vermeiden.
- Quote paper
- Marion Klotz (Author), 2004, Der Einfluss von transnationalen nichtstaatlichen Akteuren auf die Menschenrechtspolitik der indonesischen Regierung (aus konstruktivistischer Sicht), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35847