Seit 1970 herrscht Krieg und Leid in ganz Afghanistan, sodass das Leben vieler afghanischer Bürger durch den Einmarsch der Sowjetunion und durch den Widerstand verschiedener Gruppen wie den Mudjahiddin und den Taliban geprägt wurde. Die hierdurch folgenden Eingriffe in das alltägliche Leben bewegen viele Menschen Afghanistan zu verlassen, um ein sicheres Leben in Europa zu führen.
Bei der Hürde zur Anerkennung als Flüchtling bleibt es jedoch nicht. Auch nach erfolgreicher Integration der Flüchtlinge kann eine Verständigung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen unter Umständen sowohl im alltäglichen als auch im beruflichen Leben mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Durch das fehlende kulturelle Wissen und kulturelle Verständnis des Arbeitnehmers und des Vorgesetzten kann es auf der Arbeitsebene immer wieder zu kommunikativen Missverständnissen oder sogar zu Konflikten kommen, welche die Qualität der Zusammenarbeit stark beeinträchtigen.
Anlässlich der oben genannten Situation beschäftigt sich dieses Buch mit der interkulturellen Kommunikation mit besonderer Gewichtung auf Missverständnisse in der verbalen Ebene der Kommunikation. Dabei wird das Ziel verfolgt, die relevanten Begriffe und Teilaspekte der interkulturellen Kommunikation zu beleuchten sowie die Ursachen von Missverständnissen und Problemen in der verbalen Kommunikation darzulegen. Es soll aufgezeigt werden, dass nicht nur kulturelle Unterschiede in der Sprache vorhanden sind, sondern auch in bestimmten Denkmustern und Verhaltensweisen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig für interkulturelle Missverständnisse sensibilisiert zu werden und sich interkulturelle Grundkompetenzen anzueignen.
Aus dem Inhalt:
- Kultur;
- interkulturelle Kommunikation;
- Kommunikationsprozess;
- Edward T. Hall;
- Geert Hofstede
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen: Kultur, Kommunikation, interkulturelle Kommunikation
2.1 Kultur
2.2 Kommunikation
2.3 Interkulturelle Kommunikation
3 Zentrale Charakteristika von Kultur für den Kommunikationsprozess
3.1 Jedes Individuum teilt seine Kultur mit seinen Mitmenschen
3.2 Individuen erlernen Kultur
3.3 Kulturwandel und Kommunikation
4 Unterscheidung von Kultur anhand wesentlicher Aspekte nach Edward T. Hall
4.1 Sprache, materieller Besitz, Verhalten
4.2 Dichte des Informationsnetzes
4.3 Kommunikationstempo und Aktionsketten
5 Kulturvergleichende Studie von Geert Hofstede
5.1 Machtdistanz
5.2 Individualismus versus Kollektivismus
5.3 Maskulinität versus Feminität
5.4 Unsicherheitsvermeidung
6 Ebenen interkultureller Kommunikation und Missverständnisse in der verbalen Kommunikation
6.1 Wahrnehmung
6.2 Denken
6.3 Verbale Kommunikation
6.3.1 Sprache in der schriftlichen Kommunikation
6.4 Missverständnisse in der verbalen Kommunikation
6.4.1 Probleme auf verschiedenen Ebenen der interkulturellen Kommunikation nach Astrid Erll
6.4.1.1 Ebene der sprachlichen Kompetenz
6.4.1.2 Inhaltsebene
6.4.1.3 Beziehungsebene
6.4.2 Weitere Ursachen für Missverständnisse in der verbalen Kommunikation
7 Verbesserung der interkulturellen Kompetenz
7.1 Interkulturelle Trainings
8 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die interkulturelle Kommunikation mit einem speziellen Fokus auf Ursachen und Entstehungsweisen von Missverständnissen innerhalb der verbalen Kommunikationsebene. Ziel ist es, durch die Analyse theoretischer Grundlagen und relevanter kulturwissenschaftlicher Studien ein tieferes Verständnis für die Bedeutung kultureller Prägungen bei zwischenmenschlichen Interaktionen zu entwickeln.
- Grundlagen der Kultur- und Kommunikationsbegriffe
- Kulturdimensionen und deren Einfluss auf den Kommunikationsprozess
- Ebenen der interkulturellen Kommunikation (Wahrnehmung, Denken, verbale Ebene)
- Ursachenforschung bei interkulturellen Missverständnissen
- Methoden der interkulturellen Kompetenzentwicklung, wie interkulturelle Trainings
Auszug aus dem Buch
6.4 Missverständnisse in der verbalen Kommunikation
Der Kultur- und Sozialanthropologen Christian Giordano setzte sich ebenso mit Missverständnissen in interkulturellen Kommunikationen auseinander. Laut Giordano entstehen interkulturelle Missverständnisse dann, „wenn die Angehörigen zweier verschiedener Kulturen die Kontakt- bzw. Interaktionssituation, in die sie einbezogen sind, unterschiedlich, ja sogar widersprüchlich oder gegensätzlich interpretieren und dementsprechend handeln.“ Somit könnte man daraus folgern, dass Missverständnisse „interkulturelle Dissonanzen [sind], die durch divergierende, kulturelle Grammatiken’ verursacht werden.“ (Giordano 1996: 34 f. in: Lauterbach 2009: 42 f.). Oft ist den beteiligten Gesprächspartner gar nicht bewusst, dass ein Missverständnis vorliegt. Dies könnte dann zu einem größeren Problem werden, wenn beide Personen der Überzeugung sind, die Nachricht des anderen richtig interpretiert zu haben, obwohl die Interpretation tatsächlich falsch ist. Wie oben angeführt können Missverständnisse auf vielen Ebenen der Kommunikation entstehen, wie z.B. auf der verbalen, vokalen, nonverbalen, paraverbalen und ausdrucksmäßigen Kommunikation (vgl. 2.3). Da der Schwerpunkt auf der verbalen Kommunikation liegt, wird diese Ebene näher untersucht.
Die Professorin für Anglophone Literaturen und Kulturen, Astrid Erll, erforschte intensiv interkulturelle Kommunikationsprobleme, die nun im Folgenden näher betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz interkultureller Kommunikation vor dem Hintergrund von Flucht und Migration sowie die daraus resultierenden Herausforderungen für die Verständigung im Alltag und Beruf.
2 Begriffsbestimmungen: Kultur, Kommunikation, interkulturelle Kommunikation: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und nähert sich diesen aus wissenschaftlicher Perspektive, wobei insbesondere das Zwiebelmodell nach Hofstede und die Interaktionsmodelle von Shannon/Weaver sowie Gudykunst/Kim zur Sprache kommen.
3 Zentrale Charakteristika von Kultur für den Kommunikationsprozess: Hier werden die Merkmale von Kultur erörtert, die den Kommunikationsprozess maßgeblich prägen, insbesondere die identitätsstiftende Funktion, der Sozialisationsprozess und die Veränderlichkeit von Kulturen.
4 Unterscheidung von Kultur anhand wesentlicher Aspekte nach Edward T. Hall: Das Kapitel erläutert die Bedeutung von Kultur durch die Faktoren Sprache, materieller Besitz, Verhalten sowie die Dichte des Informationsnetzes und das Kommunikationstempo nach Edward T. Hall.
5 Kulturvergleichende Studie von Geert Hofstede: Basierend auf Hofstedes Kulturdimensionen (Machtdistanz, Individualismus/Kollektivismus, Maskulinität/Feminität, Unsicherheitsvermeidung) werden kulturelle Unterschiede aufgezeigt und kritisch reflektiert.
6 Ebenen interkultureller Kommunikation und Missverständnisse in der verbalen Kommunikation: Das Hauptkapitel untersucht, wie Wahrnehmung, Denken und verbale Kommunikation interkulturell variieren und welche spezifischen Probleme (z.B. Sprachkompetenz, Inhaltsebene, Beziehungsebene) in der interkulturellen Verständigung entstehen können.
7 Verbesserung der interkulturellen Kompetenz: Dieses Kapitel stellt Ansätze zur Verbesserung der interkulturellen Kompetenz vor und diskutiert insbesondere die Methode interkultureller Trainings sowie das Konzept des Culture-Assimilators.
8 Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Komplexität kultureller Prägungen zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit von Wissen und Offenheit zur Vermeidung von Konflikten.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Kultur, Kommunikation, Missverständnisse, verbale Ebene, Kulturdimensionen, Geert Hofstede, Edward T. Hall, interkulturelle Kompetenz, Wahrnehmung, Denken, Sprachkompetenz, Culture Assimilator, interkulturelle Trainings, soziale Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der interkulturellen Kommunikation und den spezifischen Ursachen für Missverständnisse, die insbesondere auf der verbalen Kommunikationsebene zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe auftreten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themenfelder sind die Begriffsdefinitionen von Kultur und Kommunikation, kulturvergleichende Studien (Hall, Hofstede), die verschiedenen Ebenen der Kommunikation (Wahrnehmung, Denken, Sprache) und Methoden zur Verbesserung der interkulturellen Kompetenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die relevanten Begriffe der interkulturellen Kommunikation zu definieren und die Ursachen von Missverständnissen und Problemen in der verbalen Interaktion aufzuzeigen, um für diese Herausforderungen zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Auswertung etablierter Modelle und Studien (wie jene von Edward T. Hall, Geert Hofstede und Astrid Erll) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Kultur unsere Wahrnehmung und Denkprozesse beeinflusst, untersucht detailliert die verbale Kommunikation einschließlich schriftlicher Aspekte und beleuchtet Probleme auf verschiedenen Ebenen, wie etwa in Bezug auf sprachliche Kompetenz, Inhalt oder Beziehungsebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Kommunikation, Missverständnisse, Kulturdimensionen, verbale Kommunikation, interkulturelle Kompetenz und Trainingsformen wie der Culture Assimilator.
Warum entstehen zwischen Deutschen und Japanern in geschäftlichen Kontexten häufig Probleme?
Probleme entstehen oft durch entgegengesetzte Ansätze in der Artikulation privater Probleme und unterschiedliche Stile der Gesprächsführung: Während Deutsche oft direkt und sachlich kommunizieren, bevorzugen Japaner eine indirekte Kommunikation zur Wahrung der sozialen Harmonie.
Was ist der Zweck der Methode des "Culture Assimilators"?
Der Culture Assimilator dient dazu, Teilnehmer durch die Analyse von Fallbeispielen ("critical incidents") für spezifische kulturelle Unterschiede zu sensibilisieren und ihnen alternative Interpretationsmöglichkeiten für fremdes Verhalten aufzuzeigen.
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- Zohal Darweshi (Author), 2016, Interkulturelle Kommunikation. Missverständnisse in der verbalen Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358583