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Varianten einer christlichen Moderne bei Alexis de Tocqueville und Hans Joas

Betrachtung zweier Rechtfertigungsstrategien zur Vereinbarkeit traditioneller christlicher Werte mit Werten der Moderne

Titel: Varianten einer christlichen Moderne bei Alexis de Tocqueville und Hans Joas

Seminararbeit , 2017 , 22 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Thomas Schmaus (Autor:in)

Politik - Grundlagen und Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Demokratie und Menschenrechte – zwei Werte, die heute aus dem Kontext moderner Gesellschaften nicht mehr wegzudenken sind. Hat sich die Demokratie seit der Aufklärung in der westlichen Hemisphäre entwickelt, über Rückschläge und Kriege hinweg gegen alle anderen Staatsformen durchgesetzt, um schließlich zum Richtwert aller Staaten hinsichtlich Partizipation, Glaubwürdigkeit in den internationalen Beziehungen, sowie dem Schutz und der Gleichberechtigung des Einzelnen zu werden, so ist es für Demokratien undenkbar, nicht für die Gewährung und den Schutz von Menschenrechten einzutreten, indem diese als Grundrechte von der Verfassung eingeräumt werden.

Die enge Verbundenheit dieser beiden Begriffe ist wenig verwunderlich, wenn man ihre Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte betrachtet. So entstammen sie einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, in der sie immer wieder von konservativen Mächten angegriffen wurden und gegen die sie sich durchsetzen mussten. Gerade im christlich geprägten Abendland ist es daher wenig verwunderlich, dass Demokratie und Menschenrechte in Konflikt mit dessen Traditionen geraten sind. Doch wie substantiell sind diese Konflikte und haben sie heute noch Bedeutung? Wie lässt sich christliche Tradition mit Demokratie und Menschenrechten vereinen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unliebsame Moderne – Die Ambivalenz zur christlichen Tradition

2.1. Menschenrechte

2.2. Demokratie

3. Hans Joas‘ Rechtfertigung universaler Menschenrechte

3.1. Eine neue Genealogie

3.2. Die Sakralisierung der Person

3.3. Wertgeneralisierung und Universalität

4. Alexis de Tocqueville – Religion als Vermittler von Individuum und Gemeinschaft

4.1. Der Individualismus und die politische Verfremdung des Menschen

4.2. Religion als gesellschaftliches Integrationsmoment

4.3. Besondere Eignung des Katholizismus

5. Vergleich der Rechtfertigungsstrategien

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie zwei unterschiedliche Denker – Hans Joas und Alexis de Tocqueville – die Vereinbarkeit von christlichen Werten mit den Grundpfeilern der Moderne, Demokratie und Menschenrechten, rechtfertigen. Ziel ist es, diese Strategien gegenüberzustellen und aufzuzeigen, wie Religion in einer säkularisierten Welt zur Stabilität und ethischen Fundierung demokratischer Gesellschaften beitragen kann.

  • Historische Ambivalenzen zwischen christlicher Tradition und Moderne
  • Die affirmative Genealogie der Menschenrechte bei Hans Joas
  • Religion als integratives Element und Vermittler bei Alexis de Tocqueville
  • Die Rolle des Katholizismus in der modernen Demokratie
  • Vergleich der gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Staat, Gesellschaft und Religion

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Sakralisierung der Person

Bei der Herleitung der Entstehung der Menschenrechte wendet Hans Joas die beschriebene Methode zur Beschreibung eines Wertprozesses an. Den Ausgangspunkt der Entstehung der Menschenrechte sieht Joas in den Revolutionen des achtzehnten Jahrhunderts in Amerika und Frankreich und in den aus diesen hervorgegangenen liberalen Deklarationen. Diese Zäsur wählt er nicht etwa, um diesen ersten Deklarationen über Menschenrechte in der Geschichte inhaltlich eine übergeordnete Bedeutung gegenüber folgenden zukommen zu lassen. Vielmehr sieht er sie als Indikator der Notwendigkeit einer Untersuchung, aus welchen kulturellen Traditionen und Motiven heraus diese entstanden sind. Er stellt sich dabei gegen die verbreitete Auffassung, wonach der Ursprung der Menschenrechte in einem säkularen Humanismus der aufklärerischen Tradition liegen soll. Im Zuge der Betrachtung diskutiert er die Bedeutung des Glaubens, oder genauer gesagt „religiöser und antireligiöser Motive in den jeweiligen Konstellationen“ für den Menschenrechtsgedanken.

Er geht dabei zunächst auf die Französische Revolution ein, deren vermeintlichen antireligiösen Charakter und philosophische Inspiration er widerlegt. So sei es in der Frühphase der Revolution, aus der auch die französische Menschenrechtserklärung von 1789 stammt, zwar durchaus zu einer Trennung zwischen weltlicher Macht und Klerus, sowie einer weitgehenden Aufhebung kirchlicher Privilegien, wie etwa Grundbesitz und Abgabepflichten an diese gekommen, was sicherlich einen Säkularisierungsprozess darstellt, der zu einer Schwächung der Kirche als Institution geführt hat. Von einer Schwächung des christlichen Glaubens könne jedoch nicht gesprochen werden, zumal die Ausübung und Verinnerlichung des Glaubens in der Bevölkerung während des achtzehnten Jahrhunderts tatsächlich zugenommen habe.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, inwiefern christliche Traditionen mit den modernen Werten Demokratie und Menschenrechten vereinbar sind, und stellt die Ansätze von Hans Joas und Alexis de Tocqueville vor.

2. Unliebsame Moderne – Die Ambivalenz zur christlichen Tradition: Dieses Kapitel skizziert die historischen Spannungsfelder und Konflikte zwischen kirchlichen Institutionen und der Entstehung von Menschenrechten sowie demokratischen Systemen.

3. Hans Joas‘ Rechtfertigung universaler Menschenrechte: Der Autor erläutert Joas’ Ansatz der affirmativen Genealogie, die Menschenrechte als Ergebnis einer historischen Sakralisierung der Person begreift, die untrennbar mit christlichen Werten verbunden ist.

4. Alexis de Tocqueville – Religion als Vermittler von Individuum und Gemeinschaft: Hier wird Tocquevilles Analyse der modernen Demokratie dargestellt, in der Religion als notwendiges Integrationsmittel dient, um den gefährlichen Folgen des Individualismus entgegenzuwirken.

5. Vergleich der Rechtfertigungsstrategien: In diesem Kapitel werden die Argumentationsmuster beider Denker gegenübergestellt, wobei die unterschiedliche Richtung der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Christentum und Moderne hervorgehoben wird.

6. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel resümiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die bleibende Aktualität der Debatte in Zeiten politischer Instabilität und Populismus.

Schlüsselwörter

Christentum, Moderne, Demokratie, Menschenrechte, Hans Joas, Alexis de Tocqueville, Religion, Sakralisierung der Person, Individualismus, Wertgeneralisierung, politische Verfremdung, Katholizismus, Säkularisierung, Gesellschaftstheorie, politische Partizipation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die theoretische Vereinbarkeit zwischen christlichen Traditionen und den modernen Werten von Demokratie und Menschenrechten anhand der Positionen von Hans Joas und Alexis de Tocqueville.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit fokussiert sich auf das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Moderne, die Genese von Menschenrechten sowie die Rolle religiöser Institutionen bei der gesellschaftlichen Integration in Demokratien.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass christliche Traditionen und moderne demokratische Werte nicht zwingend im Widerspruch stehen, sondern sich in einer Weise wechselseitig beeinflussen können, die für beide Seiten zukunftsweisend ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine komparative und sozialwissenschaftliche Analyse, insbesondere durch die Anwendung der von Joas entwickelten „affirmativen Genealogie“ und die politikwissenschaftliche Betrachtung von Tocquevilles Werken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Theorie von Hans Joas zur Sakralität der Person und eine Untersuchung von Tocquevilles Ausführungen zur Gefahr des Individualismus und der notwendigen Rolle der Religion.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?

Wichtige Begriffe sind unter anderem christliche Moderne, Sakralisierung, universale Menschenrechte, wohlverstandener Eigennutz und die Wechselwirkung von Staat, Religion und Individuum.

Wie unterscheidet Hans Joas die Genese von der Geltung der Menschenrechte?

Joas versucht die historische Herleitung (Genese) der Menschenrechte mit ihrem normativen Anspruch (Geltung) zu verbinden, wobei er die christlichen Wurzeln der Werthaltung betont, statt sie als rein säkulares Produkt aufzufassen.

Warum bevorzugt Tocqueville den Katholizismus gegenüber anderen Konfessionen?

Tocqueville sieht im Katholizismus eine hierarchische Struktur und einen universalen Anspruch, der als funktionales Gegengewicht zum modernen Individualismus dienen kann, während er Puritanismus und Protestantismus als zu eng mit dem Streben nach materiellem Wohlstand verknüpft einstuft.

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Details

Titel
Varianten einer christlichen Moderne bei Alexis de Tocqueville und Hans Joas
Untertitel
Betrachtung zweier Rechtfertigungsstrategien zur Vereinbarkeit traditioneller christlicher Werte mit Werten der Moderne
Note
1,7
Autor
Thomas Schmaus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V358600
ISBN (eBook)
9783668434479
ISBN (Buch)
9783668434486
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hans Joas Alexis de Tocqueville Demokratie Menschenrechte Moderne Christentum Wertentstehung Sakralität der Person Säkularisierung Individiualismus Verwaltungsdespotismus Religion Freiheit und Gleichheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Schmaus (Autor:in), 2017, Varianten einer christlichen Moderne bei Alexis de Tocqueville und Hans Joas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358600
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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