Die Bedeutung des Narzissmus am Beispiel des Werkes "Narcissus und Echo"


Hausarbeit, 2017

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einstieg
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Autor und Werk

2. Figurenkonstellation
2.1 Analyse der Figur „Narcissus“
2.2 Analyse der Figur „Echo“
2.3 Eigenschaften eines Narzissten

3. Analyse des Werkes
3.1 Definition des Narzissmus in der Psychologie
3.2 Bedeutung des Spiegelbildes
3.3 TodundNarcisuss

4. Zusammenfassung
4.1 PersönlichesFazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Einführung in das Thema

In dieser Arbeit möchte ich mit dem Narzissmus anhand des berühmten literarischen Werkes „Narcissus und Echo“ aus Ovids Metamorphosen auseinandersetzen. Zuallererst werde ich das Thema kurz eintühren und den Autor beschreiben. Der „Narzissmus“ war schon immer ein wichtiges Thema in der Psychologie und für jedes einzelne Individuum bezüglich seiner Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsentwicklung. Wie viel Liebe braucht man um sich selbst zu schätzen und zu stärken? Sind wir einfach nur selbstbewusst oder schon gar arrogant und selbstverliebt? Diese Fragen werden sich alle Personen im Laufe ihres Lebens stellen, da Liebe, Respekt und Wertschätzung des eigenen Ichs stets von hoher Bedeutung sind für die Entwicklung eines jeden Menschen. Es ist ein Thema, das nie aus der Mode geht und viel gefährlicher als es zunächst klingt. Wie wir in Ovids Metamorphosen sehen werden, kann Narzissmus zu Selbstzerstörung und sogar zum Tod führen. Der Jüngling Narziss[1] hat viele Liebeswerber um ihn herum, sowohl Frauen als auch Männer. Alle Verliebten offenbaren ihm ihre Gefühle und wollen ebenfalls von ihm geliebt werden. Interessanterweise lehnt er alle Bewerber ab, denn keiner und keine könnte ihm je das Wasser reichen. Auch die Nymphe Echo verfällt ihm, wird jedoch bitter enttäuscht und abgelehnt, denn Narziss liebt nur sich selbst, nachdem er sein eigenes Spiegelbild im See entdeckt. Dazu möchte ich mich mit der Bedeutung des Spiegelbildes auseinandersetzen, da es das Hauptkriterium seiner Selbstverliebtheit darstellt. Es scheint wohl niemand gut genug für ihn zu sein. Damit sind wir auf eine Situation gestoßen, dass sicherlich viele unter uns kennen: „Einen Korb kriegen“. Anders gesagt eine Ablehnung der Person zu bekommen, in die wir uns verliebt haben und hofften, dass er oder sie genauso fühlt. Solch eine Ablehnung kann zu Zorn, Hass und Rache führen. Narziss, der alle anderen ablehnte, traf es viel schlimmer da er sich den Tod wünschte. Hierbei werde ich mich mit dem Tod bezüglich Narziss beschäftigen. Führte ihn der Tod tatsächlich zu einer Erlösung? Außerdem ist die Analyse der beiden Figuren Narziss und Echo relevant, da diese die Hauptprotagonisten des Werkes sind. Vor allem der psychologische Aspekt darf nicht fehlen, da der Narzissmus eine Krankheit der Seele ist. Freuds Theorien zur Definition des Begriffes werden aufschlussreiche Erklärungen liefern, die das Verhalten des unerreichbar schönen Protagonisten „Narcissus“ detailliert beschreiben. Wie man bereits sehen kann, befasst sich diese Arbeit nicht ausschließlich mit der Literaturwissenschaft, sondern auch mit der Psychologie Freuds. Bis heute ist die Legende des Narziß ein wichtiges Thema in allen Bereichen mit psychologischen Aspekten geblieben und wird mit Sicherheit auch in Zukunft immer wieder gebraucht und wieder verändert.

1.2 Autor und Werk

Publius Ovídius Naso (geb. 43v. Chr. - gest. 17n. Chr.) gehörte zu den größten römischen Dichtem der klassischen Epoche. In der mittleren Phase seiner Schaffensphasen erschien „Metamorphosen“, ein Werk mit über 250 Sagen, über 15 Büchern und Geschichten einschließlich der Narzisslegende. Der Titel bedeutet übersetzt „Bücher der Verwandlung“, da die Protagonisten einer Verwandlung unterzogen werden. „Der römische Dichter erzählt in seinen fünfzehn gegliederten „Metamorphosen“ viele unterhaltsame und anziehende Weltgeschichten, die den Zugang zum menschlichen Kern öffnen [...] Die Metamorphosen Geschichten verknüpfen die reversiblen Verwandlungen der griechischen/römischen Götter und Göttinnen und die irreversiblen, wunderlichen Verwandlungen der Menschen (Vasileva 2002). Das Sammelband umfasst nicht nur Erzählungen von Göttern und Helden sondern auch Frevel, Vergewaltigungen, Blutschande, Liebe und Selbstliebe. Im dritten Buch steht die Erzählung von Narziss (Narcissus und Echo Verse 339­510). In der Frühphase verfasste er überwiegend erotische Dichtungen und in der Spätphase schrieb er Trauerelegien wie „Briefe vom Schwarzen Meer“. Der Mythos von Narziss gehört zu den bedeutendsten Werken, die Wissenschaftler, Literaten und Künstler mit den unterschiedlichsten Ideen und Gedanken verbinden und außer der Psychologie auch in vielen anderen Wissenschaften und Teildisziplinen thematisiert wird. Es herrschen mehrere Versionen dieser Erzählung, jedoch ist die von Ovid am Berühmtesten und vollständig. In einer spätantiken Version wird die Narzißgeschichte als das Spiegelbild von Mann und Frau als Abbild der Seele umgearbeitet. Seit dem Mittelalter gilt der Spiegel als Zeichen der Eitelkeit und auch im spanischen Theater des Barocks wird der Spiegel zu einem oberflächlichen Motiv gebraucht und wieder mit Eitelkeit verbunden. Auch der große Philosoph und Schriftsteller Frankreichs Jean-Jacques Rousseau kreierte die Komödie „Narcisse ou l'amant de lui lui-même“ (Uraufführung 1752), die sich mit Selbstliebe und Täuschung befasste. „Ovid hat in seinem Narcissus eine Gestalt erschaffen, die in der europäischen Tradition späteren Dichtern und bildenden Künstlern über viele Jahrhunderte Gegenstand der Inspiration und Abarbeitung war“ (Renger 2002 : 41). Auch wenn es andere antike Versionen des Mythos gibt, wie z. B. in der neuplatonischen Deutung des Plotinos, ist das Werk Ovids in seiner komplexen literarischen Darstellung das zeitlose Meisterwerk, das vor allen anderen ähnlichen Narzisserzählungen Vorrang haben wird, denn unter allen anderen ist sie die außergewöhnlichste und herausragendste dadurch, dass Narcissus stirbt, als er sich letztlich nicht wandeln kann.

2. Figurenkonstellation

2.1 Analyse der Figur „Narcissus“

Narzcissus, Sohn der Wassernymphe Liriope und Flussgott Cephisos, ist ein selbstverliebter Jüngling. Er hat also einen Flussgott als Vater und ist demnach ein Halbgott. Ein Halbgott ist mit einem neunmal so langem Leben wie das eines Sterblichen ausgestattet (Vasileva 2002). Trotzdem, fragte seine Mutter, kurz nachdem er geboren war, den Hellseher Tiresias, ob ihr Sohn ein langes Leben haben würde. Tiresias antwortete mit einer Bedingung: „Wenn er sich nicht selbst erkennt“ und damit weist er auf das Spiegelbild hin, in das er sich verlieben wird. Die Botschaft lautet also, wenn er sich selbst in diesem Spiegelbild visuell nicht erkennen sollte, so hätte er ein langes Leben. Nun stellt sich die Frage, ob tatsächlich seine göttliche Seite überwiegt oder seine menschliche. Denn wenn seine göttliche Seite stärker ist, so würde er noch sehr lange leben und dem Tod sehr spät begegnen. Eine Botschaft, die das Wort „Selbsterkennen“ enthielt, galt nur für Menschen. Diese Vorhersage bestimmt den weiteren Verlauf der Erzählung und lässt den Leser in Spannung geraten, ob sich diese Prophezeiung erfüllt und wie mächtig Tiresias Gabe ist. Unser Protagonist ist also ein junger Mann oder eher noch ein Jugendlicher im Alter von sechzehn Jahren, äußerst attraktiv und außergewöhnlich schön. Wir können also von einem positiven Bild sprechen, wenn wir rein sein Aussehen betrachten. Aber seine persönlichen Eigenschaften sind alles andere als positiv. Er ist hochmütig, arrogant und wünscht sich eher den Tod als Echo zu lieben. Seine zarte und schöne Gestalt umrahmt seine innere Hochmut und Arroganz. Sein unübertrefflicher Hochmut ist die Ursache für seine Ablehnungen gegenüber den vielen Jünglingen und Nymphen, die ihn so hingebungsvoll begehrten. Obwohl ihn niemand beeindrucken kann und er selbst an niemanden Interesse entwickelt, fühlt er sich nicht einsam und führt auch kein isoliertes oder egoistisches Leben. Mit seinen Begleitern geht er in den Wäldern jagen und führt so ein einfaches Leben. Seit seinem sechzehnten Lebensjahr, ergattert er die Aufmerksamkeit von allen, die ihm begegneten, da er so schön ist. Echo, die sich voller Leidenschaft in ihn verliebt, erleidet am bitteren Nachgeschmack seiner Ablehnung und auch ein Jüngling, der Vergeltung möchte, da ihn Narziss noch bitterer ablehnte und ihm sogar ein Schwert zukommen ließ und dieser sich daraufhin damit umbrachte. Fazit: Einen Narzissten zu lieben kann gefährlich sein und mit dem Tod enden. Dieser Legende nach bleibt ein Narzisst unerreichbar für seine Liebesbewerber und liebt nur sich selbst.

2.2 Analyse der Figur „Echo“

Die Nymphe Echo verliebt sich in den schönen Narziss und offenbart ihm ihre Gefühle. Sie ist das Beispiel einer enttäuschten Liebesbewerberin. Die Nymphe ist besonders für ihre akustischen Eigenschaften bekannt, schon wie es ihr Name sagt. Ursprünglich soll sie bestraft worden sein und daher nur beschränkt sprechen können. Sie kann nur die Worte der Sprecher wiederholen bzw. Wörter und Sätze spiegeln, die bereits von Jemandem gesagt wurden wie ein Echo. Ihr Bedürfnis nach Kommunikation ist also von ihrer Umwelt abhängig und daher bleibt sie stumm, bis Jemand etwas sagt. Sie ist also von sich aus nicht in der Lage ein Gespräch zu führen. So bleibt ihr nichts anderes übrig ihre Umwelt eher passiv durch ihre Augen zu betrachten und wird dann auf den wunderschönen Narziss aufmerksam. Fasziniert von seiner seltenen Schönheit, entbrennt sie in Liebe. Daraufhin verfolgt und beobachtet sie ihn auf Fuß und Schritt. Sie erhofft mit ihm kommunizieren zu können. Mittlerweile hatte Narziss ihre Anwesenheit bemerkt und fing an zu sprechen und auf seine Worte hin, erfolgte Echos Widerhall. Nun hat sie bereits seine Aufmerksamkeit bekommen. Sie bringt es trotz ihrer sprachlichen Einschränkung fertig ihm ihre Gefühle und Hingabe zu offenbaren und sogar eine Liebeserklärung zu machen. So wird Narziss klar, dass er wieder eine Liebesbewerberin hat, die sich ihm vollkommen hingeben möchte. Weitere Versuche einen engen Kontakt zu ihm herzustellen scheitern und verstärken ihr Gefühl der Einsamkeit. Narziss ist verschreckt von ihr und weist sie ab: „Lass die Hände weg von den Umarmungen, eher sterbe ich, als dass ich dir zur Verfügung gereiche (391/2). Narziss, arrogant und in Kenntnis über seine unglaublich äußerliche Schönheit, verletzt Echo mit diesen Worten. Die Ablehnung der Nymphe bestätigt die Unfähigkeit Narziss Gefühle und Zuneigung anderer zu erwidern. Trotz dieser schmerzlichen Abfuhr ist es nicht Echo, die die Götter um Rache anfleht, sondern ein anderer männlicher Liebesbewerber. Folglich wird Narziss mit dem Fluch der Selbstverliebtheit bestraft. Er hatte schon zu Echo gesagt, dass er eher sterben würde, als sich ihr und ihrer Liebe hinzugeben. Was zunächst nicht auffällt ist, dass Echo und Narziss beide einem tragischen Schicksal verfallen sind. Echo ist in ihrer Sprechfähigkeit eingeschränkt und ihre Liebe zu Narziss bleibt unerfüllt. Narziß lehntjede und jeden ab, wird mit Narzissmus bestraft und stirbt nachdem er sich selbst erkennt.

2.3 Eigenschaften eines Narzissten

Die vorherigen Kapitel haben bereits einen Einblick in die Merkmale eines Narzissten gezeigt: „Narzissten sind Nonkonformisten, die nach Unabhängigkeit streben“ (Bierhoff & Frey 2011). Demnach stellen sie ihre eigenen Ziele über die der Gruppenziele, denn Unabhängigkeit ist ihnen überaus wichtig. Narzissten sind nicht unbedingt Einzelgänger, im Gegenteil, sie sind sogar extrovertiert und möchten gerne von Personen umgeben sein, die ihnen das Gefühl geben etwas Besonderes zu sein. Ihre Mitmenschen dienen als Quelle positiver Rückmeldungen, denn ein Narzisst strebt nach sozialer Anerkennung. Eine narzisstische Persönlichkeit hat zwei Dimensionen: Zum einen offener Narzissmus (Selbstbewunderung) und zum anderen verdeckter Narzissmus (Selbstzweifel). Seine Selbstzweifel versteckt der Narzisst jedoch. Der offene Narzissmus fällt besonders schnell auf, da sie sich selbst mit Komplimenten überhäufen oder sich zu oft im Spiegel bewundern. Narzissten möchten sich selbst in andere spiegeln, sie lieben sich selbst in anderen Personen. So erging es auch dem jungen Narziß, der ungewiss sich in sich selbst verliebt hat. Außerdem sind Narzissten sozial unverträglich und deshalb schwierige Beziehungspartner. Wenn sie in einer Partnerschaft leben, dann sind sie eine schwere Last, da sie verlangen, das sich alles um ihre Bedürfnisse dreht. Durch Selbstvertrauen, Charme und Extraversion fällt es ihnen jedoch leicht, Beziehungen anzubahnen. In Partnerschaften schätzen sie ihre eigene Attraktivität höher ein, als die des Partners. Somit sind sie davon überzeugt injeder Hinsicht mehr zu verdienen. Sie gehen selten intime und tiefgründige Beziehungen ein, da sie Angst haben durchschaut zu werden. Hohe Intimität würde dem anderen einen weitgehenden Einblick in die inneren Vorgänge des Narzissten verschaffen. Ein Narzisst ist also ein Individuum mit einem gesteigerten Selbstwert, dass an Bodenhaftung verloren hat, eine Wahrnehmung der eigenen Großartigkeit verfügt, das Bedürfnis hat bewundert zu werden und ein geringes Einfühlungsvermögen in die Situation anderer besitzt. Darüber hinaus schätzt ein Narzisst seine eigenen Leistungen und Fähigkeiten höher und besser ein und vernachlässigen die Bedürfnisse anderer Menschen. Wichtig anzumerken ist, dass Narzissten einen positiven Eindruck hinterlassen, die erste Begegnung wird man nie vergessen, denn ihr Auftreten ist etwas ganz Besonderes. Zudem sind sie auch noch sehr beliebt, sie sind geschickt darin andere Menschen anzuziehen. Denn wie bereits gesagt, brauchen sie die um bewundert zu werden und damit sie gehört werden, wenn sie mit ihren materiellen Gütern angeben. Die Bestätigung und Anerkennung ihrer Umwelt ist die Nahrung ihrer Seele. Auf Kritik reagieren sie beleidigt und gekränkt. Sie empfinden Wut dabei und wollen sich dafür rächen, da alles, was ihr Selbstbild verletzt, bekämpft werden muss.

[...]


[1] Narcissus ist die lateinische Version von Narziß und daher werde ich im Laufe dieser Arbeit beide Begriffe verwenden. Der Begriff Narzissmus stammte aus der klinischen Deskription. S. Freud „Zur Einführung des Narzissmus“ (1914)

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Details

Titel
Die Bedeutung des Narzissmus am Beispiel des Werkes "Narcissus und Echo"
Hochschule
Universität Potsdam  (Hochschule)
Veranstaltung
Literaturwissenschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V358735
ISBN (eBook)
9783668433304
ISBN (Buch)
9783668433311
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ovid's Metamorphosen : Narzissmus Echo
Arbeit zitieren
Nilofar Nassiri (Autor), 2017, Die Bedeutung des Narzissmus am Beispiel des Werkes "Narcissus und Echo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358735

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