Augustus Octavian. Sakralisierung des Principats


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
11 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ehrungen durch den Senat
2.1. Die Lorbeerbäume
2.2. Die Corona Civica

3. Tempelbauten
3.1. Der Tempel des Mars Ultor und das Augustusforum
3.2. Der Apollotempel und die Residenz des Augustus

4. Fazit

5. Literatur und Quellenverzeichnis
5.1. Literarische Quellen
5.2. Numismatische Quellen
5.3. Literatur

6. Anhang

1. Einleitung

Als Octavian im Jahr 27 v. Chr. sämtliche Sondervollmachten an den Senat zurückgab, geschah dies unter dem Motto der Res Publica restituta. Tatsächlich sah sich die römische Gesellschaft jedoch mit grundlegenden Veränderungen konfrontiert. So war die agonal geprägte Aristokratie einer Ordnung gewichen, die auf die zentrale Figur des Princeps ausgerichtet war. Die Schwierigkeit bestand nun darin diesen Umstand innerhalb der traditionellen Parameter und Werteordnung der Republik zu legitimieren und abzusichern.

So trat zur materiellen Machtsicherung durch Militär und finanzielle Mittel ein Geflecht an Ehrungen sowie religiösen Ämtern und Weihen, welches Octavian mit einer sakralen Aura umgab und ihn innerhalb des römischen Wertekanons über die alten Eliten erhob. Diese Überhöhung des Herrschers macht nach Jochen Bleicken den eigentlichen monarchischen Charakter des Principats aus.

In dieser Arbeit möchte ich einige der wichtigsten Faktoren der sakralen Überhöhung beschreiben, wobei ich mich auf die Ehrungen die Augustus vom Senat zukamen und seine Annäherung an verschiedene Götter beschränken werde, da sich hier zahlreiche Aspekte der Sakralisierung verdeutlichen lassen, um so zu einer Einschätzung zu gelangen, welche Bedeutung die Sakralisierung für die Legitimierung und Stabilisierung des Principats hatte. Um dies in einem dem Umfang der Arbeit angemessenen Rahmen zu tun, werde ich dabei exemplarisch vorgehen und auf andere wichtige Aspekte der enthobenen Stellung des Princeps, wie dem beginnenden Kaiserkult und den messianischen Erwartungen der Zeitgenossen nicht oder nur verkürzt eingehen.

Dabei werde ich mich vor allem auf die Res Gestae sowie numismatische Quellen stützen, da beide ein treffliches Bild von Octavians Selbstverständnis und Programmatik geben. Als weiter Quelle dient mir Suetons De vita Caesarum, die aufgrund des zeitlichen Abstands zu den Geschehnissen einen gewissen Eindruck der Wirkungsgeschichte der Bilder einer sakralen Überhöhung gibt.

2. Ehrungen durch den Senat

2.1. Die Lorbeerbäume

Zu den herausragenden Ehrungen die Octavian im Jahr 27 v. Chr. vom Senat verliehen wurden zählen die beiden Lorbeerbäume, die vor dem Eingang seiner Residenz aufgestellt wurden. Denn diese hatten eine in vorrepublikanische Zeit zurückreichende religiös-kultische Konnotation und standen traditionell an den Pforten der wichtigsten Kultbauten, wie dem Sitz des Pontifex Maximus und des Vestatempels.1 So wurde der priesterliche Sakralschutz auch für das Haus des Princeps in Anspruch genommen. Die Bäume waren jedoch auch auf breiter Basis in der Kultpraxis der Bevölkerung verankert. So war es üblich an Hochzeiten, am Neujahrstag oder zu Triumphfeiern die Hauseingänge mit Lorbeerzweigen zu schmücken. Octavian konnte also an eine Tradition anknüpfen in deren magischen Denken übernatürliche Kräfte vor allem an den Hauseingängen ruhten und somit seinem eigenen Haus eine besondere Weihe verleihen.2

In ihrer Verbindung zu Augustus traten die Lorbeerbäume jedoch den unteren Gesellschaftsschichten gerade in den Kompitalkulten gegenüber. Diese im Rahmen der stadtrömischen vici organisierten Opferfeste und Spiele wurden immer wieder verboten und schließlich von Augustus in den Rahmen der reorganisierten vici integriert, was Alföldi als „die Entgiftung einer gefährlichen Massenbewegung“ bezeichnet.3 An die Stelle der Kompitalkollegien traten nun die zur Klientel des Princeps zählenden vico magistri. Die enge Bindung an den Princeps wurde dabei auch auf den Kompitalaltären sichtbar.4

Darüber hinaus war der Lorbeer Apoll zugeordnet. Diese „zivile“ Senatsehrung ermöglichte es Octavian somit auch seine besondere Verbindung zu diesem Gott öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen.5 Denn schon vor dem Jahr 27 v. Chr. sah er sich als dessen Günstling und schrieb u.a. den Sieg bei Actium und Naulochoi seinem Wirken zu.6 Doch auch seine Moralgesetzgebung und die „Wiederherstellung“ der Republik standen im Zeichen eines goldenen, apollinischen Zeitalters das nun sichtbar mit der Person des Augustus verknüpft war.7

2.2. Die Corona Civica

Zu den vom Senat verliehenen Ehrungen gehörte auch die Eichenlaubkrone, die üblicherweise Soldaten für die Rettung von Bürgern in der Schlacht verliehen wurde. Augustus wurde diese nun „ ob cives servatos “, also für die Rettung aller Bürger bzw. des Staates überreicht. Andreas Alföldi weist darauf hin, dass mit dieser Ehrung bereits zu republikanischer Zeit eine Unterordnung unter die Geehrten verbunden war, welche man als parens akzeptieren musste, was sich einfügt in die spätere Verleihung des pater patrieae Titels.8 In den Res Gestae wird die corona civica wie folgt erwähnt:

„ Quo pro merito meo senatus consulto Augustus appellatus sum et laureis postes aedium mearum vestiti publice coronaque civica super ianuam meam fixa est et clupeus aureus in curia lulia positus,[...] “ 9

Octavian wollte die Verleihung der corona civica, der Lorbeerbäume sowie des clupeus virtutis und des Augustusnamens also als zusammengehörige Ehrungen für die Rückgabe des Staates an Senat und Volk verstanden wissen. In ihrer Zusammenstellung gewannen diese Ehrungen zunehmend die Bedeutung von Herrschaftssymbolen, die auch auf dessen programmatischen Münzserien so dargestellt wurden.10 Das Zusammenwirken dieser Auszeichnungen fasst Jochen Bleicken wie folgt zusammen: „Alle drei Ehrungen, Name, Eichenkrone, und Lorbeerbaum stellten seine Person über die anderen Bürger, hoben ihn aus deren Kreis heraus und rückten ihn gleichsam in die Welt der Götter.“11

Da die Eiche als der Baum Jupiters galt, konnte sich der Princeps nun auch zu diesem Gott einer besonderen Beziehung rühmen. Ersichtlich wird dies unter anderem in verschiedenen Münzbildern. So zeigt der Aureus in Darstellung I im Avers die Eichenkrone, die vom Adler Jupiters überreicht wird.12 Andreas Alföldi sieht darin sogar eine Angleichung an diesen Gott.13 In diesem Licht lässt sich auch Suetons Erzählung verstehen, wonach auf Capri die erschlafften Äste einer alten Eiche wiedererstarkten als Oktavian die Insel betrat.14

Die schlichte militärische Ehrung der corona civica wurde so zu einem Zeichen göttlicher Gunst des Geehrten und im Zusammenspiel mit den übrigen Senatsehrungen bzw. deren gemeinsamer Darstellung zunehmend zu einer Herrscherinsignie, die Augustus mit einer religiösen Weihe umgab.

3. Tempelbauten

Ausgehend von einem Bild des sittlichen Verfalls, das die Zeitgenossen des Augustus von der eigenen Epoche, v.a. im Zuge der Bürgerkriege entwickelt hatten, begriff dieser sein Wirken als ein umfassendes Restaurationsprogramm, welches Rom zu den mos majorum zurückführen sollte.15 In diesem Sinne lässt sich die Wiederherstellung bzw. Aufwertung von Priesterkollegien begreifen, die an Prestige und Bedeutung verloren hatten. Zu den wichtigsten Kollegien, denen Augustus teils auch selbst angehörte, zählten u.a. die Quindecemviri und die Brüderschaft der Arvalen.

Dadurch war nicht nur eine erhebliche Einflussnahme auf die Gestaltung der kultischen Praxis möglich, sondern auch eine weitere religiöse Überhöhung des Princeps.16 Diese fand ihren nachhaltigen Ausdruck in seiner regen Bautätigkeit. So nennt Augustus in den Res Gestae neben den Tempeln für Apollo, Mars Ultor und Jupiter Tonans zweiundachtzig Heiligtümer die er restaurieren lies.17 Zu letzteren zählten unter anderem die in Kapitel 2.1. erwähnten Larenaltäre die, nun mit Lorbeerzweigen und Eichenlaub geschmückt, eine enge Verbindung zwischen Princeps und diesem vor allem für die niederen Bevölkerungsschichten bedeutsamen Kult markierten.

Auch bei den neu errichteten Tempeln wurde die zentrale Ausrichtung auf den Herrscher sichtbar. Der von Sueton beschriebene Wandel von einer Stadt aus Ziegeln zu einer aus Marmor, den Rom unter Augustus durchlief, bezieht sich nicht zuletzt auf die repräsentativen Gebäude die in Beziehung zu diesem standen.18 Denn diese Heiligtümer wurden nicht im altrömischen Stil, der durch Holzdächer und Terrakotta Zierrat geprägt war erbaut. sondern im griechischen bzw. hellenistischen Stil, der nun mit seinen Marmorfassaden und Goldverzierungen das Stadtbild prägte.19 So ergab sich schon rein äußerlich eine Neuakzentuierung der römischen Kulte, da die Tempel der alten Staatsgötter und der den niederen Schichten zugeordneten Kulte im traditionellen Stil belassen wurden, während die auf den Princeps ausgerichteten Kultgebäude nun erkennbar hervortraten.

3.1. Der Tempel des Mars Ultor und das Augustusforum

Deutlich wird diese Neuausrichtung unter anderem am Mars Ultor Tempel auf dem neu errichteten Forum Augustum, welcher der Rache an den Caesarmördern sowie an den Parthern gewidmet war. Sueton berichtet zur Nutzung der Anlage:

[...]


1 Vgl. Alföldi, Lorbeerbäume, S. 3.

2 Ebd., S. 5 f.

3 Ebd., S. 22 f.

4 Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, S.100.

5 Ebd., S. 98.

6 Vgl. Miller, Apollo, Augustus, and the Poets, S. 54 ff.

7 Ebd., S. 56 ff.

8 RIC I (second edition) Aug.ustus 36A.

9 Res gestae 33.

10 RIC I (second edition) Augustus 36A.

11 Bleicken, Augustus, S. 331.

12 RIC I (second edition) Augustus 277.

13 Vgl., Alföldi, der vater des Vaterlandes im römischen Denken, S 132.

14 Vgl. Suet 92.2.

15 Vgl. Maschikn, Zwischen Republik und Kaiserreich S. 542 f.

16 Vgl. Kienast, Augustus - Princeps und Monarch, S.222.

17 Vgl. Res gestae 19-20.

18 Vgl. Sueton Augustus 28,3-29,5.

19 Vgl. Zanker die Macht der Bilder S.110-111.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Augustus Octavian. Sakralisierung des Principats
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für alte Geschichte und Epigraphik)
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V358771
ISBN (eBook)
9783668435391
ISBN (Buch)
9783668435407
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Octavian, Principat, römische Republik, Kaiserreich, divus julius, Sakralisierung
Arbeit zitieren
Johannes Konrad (Autor), 2015, Augustus Octavian. Sakralisierung des Principats, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358771

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