Dieser Text behandelt die unterschiedlichen Darstellungen der Kreuzigung Jesu über die Jahrhunderte hinweg. Vereinzelte Abbildungen werden hier dargestellt und analysisiert. Dabei wird auch kurz auf die Kreuzigung als Foltermethode an sich eingegangen.
Aus dem Inhalt:
- Die Kreuzigung;
- Ein Spottkruzifix;
- Klassische Moderne
Inhaltsverzeichnis
Die Kreuzigung
Ein Spottkruzifix
Christus der Triumphator
Leidender Christus
Klassische Moderne
Heutzutage
Verortung Kunstepochen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Dieses Essay verfolgt das Ziel, die ikonografische Entwicklung des gekreuzigten Jesus in der Kunstgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart nachzuzeichnen und die Veränderungen in der Deutung sowie Darstellung dieses zentralen christlichen Motivs zu analysieren.
- Historische Herleitung und Praxis der antiken Kreuzigungsmethode
- Die Entwicklung vom „Triumphator“ zum leidenden Christus im Mittelalter
- Die Bedeutung der Passionsfrömmigkeit und der Einfluss theologischer Strömungen auf die Kunst
- Der Wandel der Darstellung Jesu in der Klassischen Moderne und zeitgenössischen Kunst
- Die Säkularisierung und Entfremdung des religiösen Symbols in der modernen Bildsprache
Auszug aus dem Buch
Die Kreuzigung
Die Kreuzigung war und das muss uns allen klar sein, nicht nur eine Art der Hinrichtung, sondern sie bot in erster Linie eine große Bühne für ausgedehnte Folter. Erste Überlieferungen der Kreuzigung finden sich bei den Phöniziern, bei denen der Verurteilte an einen Baum gefesselt wurde und anschließend sich selbst überlassen wurde. Durch die Handelskontakte gelang die Methode zu den Assyrern nach Persien. Zwei bekannte Kreuzigungsszene bot und zum Beispiel Alexander der Große nach der Eroberung von Tyros etwa 332 v. Chr. Er ließ etwa 2000 Männer im wehrfähigen Alter kreuzigen und der Sklavenheerführer Spartakus und 6000 seiner Anhänger, die 71 v. Chr. entlang der Via Appia hingerichtet wurden. Die Römer übernahmen die Hinrichtungsmethode nunmehr, aber verhängte sie nicht an Römer. Es galt den Sklaven und Bürgern in außerordentlichen Fällen, wie zum Beispiel politisch motivierten Vergehen zur Abschreckung und Sicherung der „Pax Romana“.
Die Praxis fand an eigens dafür auserkorenen Richtstätten statt. Hier bildeten tief in den Boden versenkte Pfahle oder auch Ölbäume den Längsbalken. Das landwirtschaftliche Nutzgerät Forke wurde durch sein Balkendreieck in seinem Sinn zunächst als Querbalken (Furca) missbraucht. Der Verurteilte konnte an den Schenkeln fixiert werden. Später wurde sie von einem Querbalken (Patibulum) abgelöst. Dieser wurde am oberen Ende des oft groben Pfahls (Stipes) in einer Kerbe angebracht. Daraus ergaben sich die beiden bekanntesten Kreuzformen (crux commissa in T-Form, crux immissa in †-Form). Jesus wurde nach archäologischen Belege an ein T-Kreuz, auch Antonios Kreuz genannt, genagelt.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Kreuzigung: Beschreibt die historische Entstehung und die grausame Praxis der Kreuzigung als Hinrichtungsmethode in der Antike.
Ein Spottkruzifix: Analysiert das früheste bekannte Kruzifix-Fundstück in Rom und erklärt die anfängliche Distanz der Christen zu Kreuzesdarstellungen.
Christus der Triumphator: Beleuchtet die ikonografische Darstellung Jesu als siegreichen König und göttlichen Triumphator in der romanischen Kunst.
Leidender Christus: Erörtert den Wandel der Darstellung hin zum leidenden, menschlichen Messias im Mittelalter, beeinflusst durch die Passionsfrömmigkeit.
Klassische Moderne: Untersucht, wie Künstler des 20. Jahrhunderts das Motiv individuell verarbeiten und von der kirchlichen Tradition lösen.
Heutzutage: Reflektiert über die Säkularisierung des Kreuzesmotivs in der zeitgenössischen Kunst der letzten 15 Jahre.
Verortung Kunstepochen: Bietet eine chronologische Übersicht der im Essay behandelten kunstgeschichtlichen Epochen.
Schlüsselwörter
Kreuzigung, Kruzifix, Ikonografie, Kunstgeschichte, Passionsfrömmigkeit, Triumphator, Leidender Christus, Antike, Mittelalter, Renaissance, Moderne, Säkularisierung, Bildverbot, Symbolik, Märtyrium.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Essay befasst sich mit der Entwicklung der Darstellung Jesu als Gekreuzigter in der Kunst, angefangen bei antiken Hinrichtungspraktiken bis hin zu modernen künstlerischen Interpretationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Kreuzigung, die theologische Deutung des Kruzifixes im Wandel der Epochen sowie die Transformation religiöser Symbole in der säkularen Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Bedeutungswandel vom "Christus Triumphator" zum "leidenden Christus" und schließlich zur freien, teils abstrakten künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Motiv aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorisch-theologische Analyse, die auf Fachliteratur, historischen Quellen und der Betrachtung konkreter Kunstwerke basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die von den ersten Kreuzesdarstellungen über die Gotik und Renaissance bis hin zu modernen Werken von Künstlern wie Chagall, Picasso und Beuys reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreuzigung, Ikonografie, Leidensdarstellung, Kunstgeschichte, Säkularisierung und individuelle künstlerische Ausdrucksformen.
Warum gibt es kaum frühe Kreuzigungsdarstellungen?
In den ersten Jahrhunderten war die Kreuzigung als Sklaventod stigmatisiert; zudem wirkten jüdische Bildverbote und die Parusie-Erwartung der frühen Christen dem Anfertigen von Bildern entgegen.
Wie verändert sich die Darstellung durch die Reformation?
Die Reformation, insbesondere durch Luther, brachte neue Bildkonzepte wie "Gesetz und Gnade" hervor, die den Fokus auf die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben legten.
Welche Rolle spielt die Säkularisierung heute?
Heute rückt die Figur Jesu in der Kunst oft an den Rand; das Kreuz wird abstrahiert oder als allgemeines Symbol für menschliches Leid oder soziale Themen instrumentalisiert.
Was ist die Besonderheit der Arbeit bei Adriana Koska?
Ihr Werk "Kreuzigung eines Individuums" verzichtet auf das physische Kreuz, deutet aber durch die Darstellung des Sensenmanns und die Bezugnahme auf Menschenwürde eine existenzielle, säkulare Form der Kreuzigung an.
- Citation du texte
- Ines Rottammer (Auteur), 2017, Kunst und Religion. Darstellungen von Jesus am Kreuz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358779