Forschungsprojekt Stadt. Soziologische Merkmale der Stadt Mainz und anderer Lebensräume


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziologie und die Stadt
2.1. Definitionen
2.1.1. Soziologie
2.1.2. Stadt
2.1.3. Stadtsoziologie
2.2. Stadtentstehung und -entwicklung

3. Die Stadt Mainz als Bezugspunkt zu anderen Siedlungsgebilden
3.1. Mainz
3.2. Im Vergleich zu Großstädten/Global Cities/Weltmetropolen
3.3. Im Vergleich zu ländlichen Gegenden

4. Unt oziale Ungleichheit im Vergleich

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Stadt gilt von jeher als besonders im Vergleich zu anderen Siedlungsgebilden. Gerade im Kontrast zum Land. Diese unterschiedlichen Räume sozialen Lebens werden meist als Gegensätze begriffen. Ländliche Regionen sind im Alltagsverständnis geprägt von einer zahlenmäßig geringen, homogenen Bevölkerung, Landwirtschaft, Natur und einer persönlichen Beziehung der Landbewohner untereinander. Die Stadt zeichnet sich demzufolge durch die gegenteiligen Attribute aus: hohe Bevölkerungsdichte, Heterogenität etc. Die zentrale Fragestellung dieses Beitrages ist nun, wie sich die Stadt tatsächlich von anderen Siedlungsgebilden, insbesondere dem Land, unterscheidet. Was macht die Stadt als soziologisches Forschungsobjekt so interessant? Gestaltet sich das soziale Leben dort wesentlich anders als auf dem Land? Neben der Entstehung und Entwicklung der Stadt und dem soziologischen Bezug zu ihr, interessieren hier ebenso die Zugangschancen zum gesellschaftlichen Leben der Städter und Landbewohner. Wo ist die soziale Ungleichheit größer? Kann in ländlichen Gegenden ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital in gleichem Maße ausgebildet werden wie in städtischen? Pierre Bourdieu schreibt den drei Kapitalsorten zu, sie sorgten dafür, dass „nicht alles gleich möglich oder gleich unmöglich“ (Bourdieu 1983: 183) sei. So habe eine Person mit geringem ökonomischen Kapital, also eingeschränkten finanziellen Mitteln, schlechtere Chancen am gesellschaftlichen Leben angemessen teilzunehmen, als eine mit einem hohen ökonomischen Kapital. Gleiches gelte für das kulturelle und soziale Kapital (vgl. ebd.: 185ff.). Um die jeweiligen Kapitalsorten ausbilden zu können, spielt der persönliche Standort und die Herkunft (Schicht, Milieu, aber auch Region) eine große Rolle. Es kommen also räumliche bzw. regionale Faktoren ins Spiel. Durch die verschiedenartigen Eigenschaften der Stadt und des Landes, wie die Infrastruktur im Bildungssystem, Arbeitsmarkt und kulturelles Angebote, können die Ausbildung des Kapitals und damit die Teilnahme am sozialen Leben stark beeinflusst werden. Ausgehend von einem allgemeinen Einstieg in das Thema Stadt, wird im Folgenden erst die Stadt selbst und in Bezug darauf, die Stadtsoziologie definiert. Nach einem kurzen Einblick in die Entstehung der Stadt und der Abgrenzung gegenüber dem Land im Wandel der Zeit, folgt ein Kurzportrait der Stadt Mainz, die als Bezugspunkt zu anderen Siedlungsgebilden, wie Großstadt und Land fungieren soll. Dies dient der Darstellung der Unterschiedlichkeit zwischen verschiedenen Siedlungstypen an ausgewählten Beispielregionen. Auf dieser Grundlage wird anschließend ein lebensweltlicher Vergleich zwischen Stadt und Land gezogen und dargestellt, wo und in welchen Bereichen es in den jeweiligen Regionen, Einschränkungen in der sozialen Chancengleichheit gibt oder geben kann.

2. Soziologie und die Stadt

2.1. Definitionen

2.1.1. Soziologie

Der Begriff „Soziologie“ wurde erstmals von Auguste Comte im 19. Jahrhundert geprägt und lässt sich mithilfe des Lateinischen und Griechischen übersetzen (vgl. Schäfers 2010: 18 und Esser 1993: 10). Socius bedeutet im Lateinischen „Gefährte“ oder „Mitmensch“ und logos im Griechischen „Lehre“ (vgl. ebd.). Frei übersetzt ist es also die Lehre der Mitmenschen, sprich des sozialen Miteinanders. Gegenstand dieser Wissenschaft sind „Formen, […] Entwicklungsbedingungen und […] Probleme[…] des menschlichen Zusammenlebens“ (Nassehi 1998: 112) früherer und heutiger Gesellschaften. Soziologen entwickeln hierfür „disziplineigene Begriffe[…], Theorien und Methoden“ (ebd.: 120) und erforschen und analysieren damit eine Vielzahl lebensweltlicher Bereiche. Durch die Aufdeckung gesellschaftlicher Mechanismen können sie Zukunftsprognosen und Verbesserungsansätze liefern.

2.1.2. Stadt

Zwar ist Schäfers u.a. der Meinung, dass es für die Stadt keine „befriedigende und alles umfassende Definition“ (Schäfers 2010: 16) geben kann, dennoch kann sie anhand einiger spezifischer Merkmale klassifiziert werden. So ist für diesen Siedlungstyp charakteristisch, dass er eine hohe Bevölkerungsdichte aufweist, die durch eine dichtere und höhere Bebauung als in anderen besiedelten Gegenden zustande kommt (vgl. ebd.). Außerdem ist sie ein wirtschaftliches, infrastrukturelles und kulturelles Zentrum, das einen je eigenen Flair hat und sich durch diese einzigartigen Lebensbedingungen vom Umland abgrenzt. Schäfers nimmt den Ausdruck Marcel Mauss` zur Hilfe und bezeichnet die Stadt als ein „gesellschaftliches Totalphänomen“ (ebd.: 18). Da es in diesem Kapitel auch um die Darstellung des Unterschiedes zwischen Stadt und Land gehen soll, wäre an dieser Stelle eine Definition des Landes angebracht. Doch Hamm weist darauf hin, dass es derzeit keine fundierte Definition beider Begriffe gibt, sondern diese nur alltagssprachlich einen „polaren Gegensatz statischer Objekte“ (Hamm 1982: 21) beschreiben. Wie unter Punkt 2.2 deutlich wird, gibt es auch keinen strikten Gegensatz mehr zwischen Stadt und Land, so wie es früher einmal der Fall war.

2.1.3. Stadtsoziologie

Die Stadtsoziologie, als Facette der Siedlungssoziologie so Hamm (vgl. Hamm 1982: 24), ist nun einer der oben genannten Teilbereiche der Soziologie. Innerhalb der industriellen Großstädte, die sich Ende des 18. Jh. entwickelten, fand die Soziologie ein Forschungsterrain, in dem sie eine Vielfalt an Lebensformen, Sozialbeziehungen und Entwicklungsprozessen, inmitten eines großflächigen, aber zusammenhängenden Ortes, erforschen konnte. Oder um es in den Worten Friedrichs zu sagen, befasst sich die Siedlungssoziologie mit den „Zusammenhängen zwischen sozialer und räumlicher Organisation einer Bevölkerung“ (ebd.: 21). Die Stadt war damit praktisch eines ihrer „ersten konkreten Objekte“ (Schäfers 2006: 2).

2.2. Stadtentstehung und -entwicklung

Die Entstehung der Stadt reicht etwa sechstausend Jahre zurück und tritt annähernd zur gleichen Zeit in „zumindest drei Kultur- und Weltregionen“ (Schäfers 2010: 16) auf. Ihre Entwicklung vollzieht sich, grob eingeteilt, in drei Phasen. Sie beginnt mit der „Neolithischen Revolution“ (ebd.: 26); während der „Doppelrevolution“ (ebd.: 52) verändert sich die Stadt zusehends und ist auch heute noch ein sich wandelndes und immer wieder neuerfindendes Phänomen, bedingt durch die zunehmende Globalisierung seit den 1980er Jahren. Als Anfang der Stadtentstehung kann der Übergang zur Sesshaftigkeit der Menschen von vor ca. 12000-3500 v.Chr. gesehen werden (vgl. ebd.: 26, sowie Hamm 1982: 20). Zu dieser Zeit gab es allerdings noch keine Abgrenzung zwischen Siedlungstypen (Bsp. Stadt und Land), sondern einen „Gegensatz […] zwischen Sesshaften und Nomaden“ (ebd.). Das Bedürfnis sich an einem Ort niederzulassen, entstand aus dem Willen, Kulturgüter zu bewahren, einen Ort für gemeinschaftliche Aktivitäten sowie den Tauschhandel zu haben und sich vor der Außenwelt zu schützen. Erste städtische Siedlungen entstanden an „fruchtbaren Flussniederungen und Schwemmlandregionen [sowie] Bergregionen“ (Schäfers 2010: 26, 27). Schon damals gab es, ähnlich wie heute, räumliche Segregation (vgl. ebd.: 28). Die gravierendste Entwicklung der Stadt zu einem bedeutenden sozialen Gebilde vollzieht sich im feudalistischen Mittelalter. Dadurch, dass die Stadt ein „Gebilde eigenen Rechts“ (Hamm 1982: 20) wird, kommt es erstmals zu einem „Stadt-LandGegensatz“ (ebd.), denn sie unterliegt seit dem Ende des 12. Jh.s, im Gegensatz zu ländlichen Regionen, keiner feudalen Herrschaft mehr (vgl. Schäfers 2010: 37). Mittelalterliche Städte entstehen durch ein großes Bevölkerungswachstum und bilden sich zum Zwecke der Handwerks- und Handelsplatzierung „am Fuße der zahlreichen Burgen (daher der Name Bürger)“ (ebd.). Bis zur Doppelrevolution, die Bezeichnung für die Zeit der Französischen Revolution und der beginnenden Industriellen Revolution Ende des 18. Jh., bleibt die Stadt im Wesentlichen so, wie sie sich im Mittelalter entwickelt hat. Erst durch die rasche Zunahme der Bevölkerung und der Entwicklung wichtiger technischer Mittel, wie bspw. der Elektrizität oder der Eisenbahn, kommt es zum „Typus der industriellen Großstadt“ (ebd.: 54). Die Industriestadt wurde zum Zentrum für Fabriken, die zum Transport der Arbeiter eine Neustrukturierung mit Eisenbahnen und Bahnhöfen benötigte und damit zur ausschlaggebenden „Vereinheitlichung der Grundlagen und Formen der Städtebildung“ (ebd.: 59) beitrug. Durch diesen Verstädterungsprozess kommt es zum ersten Mal in der Geschichte zu einem größeren Anteil an in Städten lebenden Menschen als in Dörfern. In Deutschland war dieser Zeitpunkt um 1910 erreicht, als die Anzahl der Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern größer war als die mit weniger Einwohnern (vgl. ebd.: 61). Hamm führt den Gedanken der Verstädterung weiter, indem er prognostiziert, dass in Zukunft annähernd alle Menschen in Städten leben oder zumindest unter städtischem Einfluss stehen und sich das Stadt-Land-Verhältnis vollständig auflöst, da es keine Unterschiede mehr gibt (vgl. Hamm 1982: 20).

3. Die Stadt Mainz als Bezugspunkt zu anderen Siedlungsgebilden

3.1. Mainz

Per Definition ist Mainz mit seinen knapp über 200.000 Einwohnern (Stand Ende 2004; s. Sozialraumanalyse Mainz 2005: 21) schon eine Großstadt. Denn unabhängig von ihrer rechtlichen Stellung und der wirtschaftlichen Struktur gilt jede Siedlung mit mehr als 100.000 Einwohnern als Großstadt (vgl. Schäfers 2006: 116)[1]. Diese Definition, die Ende des 19. Jh. erstellt wurde, ist heute wohl etwas veraltet, denn Mainz geht im Vergleich zu anderen Städten, auch innerhalb Deutschlands, eher als „mittelgroße Stadt“ durch.

Die Landeshauptstadt Mainz umfasst 65 Stadtbezirke und 15 Stadtteile, mit der Altstadt als historischem Ortskern (vgl. Sozialraumanalyse Mainz 2005: 17f., 214). Mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 1950 Einwohnern/km² im gesamten Stadtbereich, ist die Innenstadt überdurchschnittlich hoch besiedelt (vgl. ebd.: 20). Die Bevölkerung teilt sich auf in 16,2% Kinder, 23,5% 60-Jährige und Ältere und 17% Ausländer an allen Einwohnern mit Hauptwohnsitz (vgl. ebd.: 22, 23). Junge Stadtbezirke befinden sich nicht direkt im Zentrum, denn „Familien mit Kindern im Haushalt leben verstärkt in den Außenbezirken der Stadt Mainz“ (ebd.: 24). Der Arbeitslosenanteil an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt bei 11,2% und mit 32,2 Tatverdächtigen pro 1000 Einwohnern hat Mainz eine vergleichsweise niedrige Kriminalitätsrate (vgl. ebd.: 25, 199).

3.2. Im Vergleich zu Großstädten/Global Cities/Weltmetropolen

Im Kontrast dazu soll nun das Profil von Weltmetropolen dargestellt werden. Zur Entstehung von Global Cities hat der „Weltverstädterungsprozess“ (Schäfers 2010: 114) geführt. Durch das enorme Bevölkerungswachstum und dem Trend zum Leben in der Stadt kommt es immer häufiger zu Städten mit einer Millionenbevölkerung. Schäfers nennt das Jahr 2007 als „Schlüsseljahr“, da seit diesem Zeitpunkt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt (vgl. ebd.). Städte mit einer Bevölkerung von über 5 Mio. Einwohnern werden Megastädte genannt (vgl. ebd.: 115). Mit dem Weltverstädterungsprozess ging ein Funktionswandel der bedeutenden Weltmetropolen einher. So wird die Volkswirtschaft nicht mehr von den jeweiligen Nationen gesteuert, sondern von „ansässigen Finanz- und Börsenzentren, […] weltumspannenden Medienzentren und Werbeagenturen“ (ebd.: 118). Es gibt also eine neue Verknüpfung innerhalb und zwischen Städten auf der ganzen Welt, die durch ihr Wirken Einfluss auf den Rest der Bevölkerung nehmen. Es scheint, als wirke die Großstadt in immer größerem Maße, mehr noch als in früheren Zeiten, auch auf das Leben und Handeln von Nichtstädtern ein. Häufig ist allerdings nicht die Größe einer Stadt (respektive Nationalität) über ihren Einfluss auf die Weltgesellschaft entscheidend, sondern ihre Funktion. Damit seien nun die sogenannten „Global Player“ (ebd.: 120) angesprochen. Solch ein Global Player ganz in der Nähe von Mainz ist Frankfurt am Main. Mit seinen rund 696.000 Einwohnern (Stand 2011) überschreitet FFM nicht einmal die Millionengrenzen, hat aber durch diverse Banken (u.a. Deutsche Bundesbank und Europäische Zentralbank), die Börse und den zweitgrößten Flughafen in Europa eine große Bedeutung im weltlichen Geschehen (vgl. ebd.: 121). Durch ihre kosmopolitische Art, sind Großstädte im Gegensatz zu kleineren Städten wesentlich heterogener. So auch FFM im Vergleich zu Mainz. So hat Frankfurt mit einem Anteil von 24,3% Ausländern an allen Einwohnern (s. Statistisches Portrait Frankfurt am Main 2011) eine deutlich höhere Vermischung unterschiedlicher Nationalitäten. Beim Vergleich der Bevölkerungsstruktur fällt auf, dass es zwar mit 15,4% (s. ebd.) annähernd gleich viele Kinder gibt wie in Mainz, allerdings mit 16,5% wesentlich weniger 65-Jährige und Ältere (s. ebd.). Dies könnte, ebenso wie die niedrigere Arbeitslosenquote von 5,47% (eigene Berechnung anhand der Daten von ebd.), ein erster Hinweis darauf sein, dass Metropolen für junge Menschen attraktiver sind als für ältere, vielleicht gerade aufgrund der scheinbar besseren Beschäftigungsverhältnisse.

3.3. Im Vergleich zu ländlichen Gegenden

Das „Land“ definiert Stephan Beetz als „Gegensatz zu industriellen, dicht besiedelten Agglomerationen“ (Beetz 2008: 9). Im Prinzip gibt es in den hochentwickelten Industrieländern jedoch keinen krassen Stadt-Land-Gegensatz mehr, wie dies in Zeiten von autonomen und rechtlich anders gestellten Städten war (vgl. Hamm 1982: 15, 16). Denn es entwickelte sich eine „Einheits-Gesellschaft“ (Schäfers 2006: 158), in der einstig unabhängige Städte zu Residenz- und Landeshauptstädten werden und sich zwischen den gegensätzlichen Gegenden der „suburbane Raum“ (ebd.: 163) ausdehnt (vgl. ebd.: 158). Heute hat der Begriff einer strikten Trennung nur noch einen alltagssprachlichen Bestand. Wissenschaftlich ist es allenfalls angebracht, eine Unterscheidung zwischen ländlichen und städtischen Regionen zu machen oder im Bezug auf „das Land“ in einigen Gegenden von „Peripherie“ zu sprechen (Barlösius & Neu 2008: 5). Unter der Bezeichnung Land kann heute also keine rückständige oder primitive Gegend mehr verstanden werden, die von Hinterwäldlern bewohnt wird. Dennoch bestehen trotz der einheitlichen Verteilung technischer Mittel und von Konsumgütern „vorhandene bzw. neu geschaffene Gegensätze“ (Schäfers 2006: 248) zwischen Stadt und Land. Oder heute noch in manchen Ländern der Fall ist, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern oder solchen, in denen sich die Bevölkerung über einen sehr großen Raum verteilt, z.B. USA und Australien.

Die tatsächlichen Unterschiede werden unter Punkt 4 behandelt. Hier soll, um einen kurzen Einblick in die Begebenheiten ländlicher Regionen zu bekommen, kurz der Landkreis Alzey-Worms, als Beispiel, im Vergleich zu Mainz vorgestellt werden. Gefühls- und erfahrungsmäßig könnte man die Stadt Mainz schon fast als ländliche Gegend bezeichnen, vor allem wenn man sie vor dem Hintergrund von Weltmetropolen betrachtet. Noch ländlicher wird es allerdings, wenn man sich, nicht allzu weit von Mainz entfernt, den Landkreis Alzey-Worms anschaut. Dieser besteht aus zwei Städten und 67 Ortsgemeinden, die sich zu 6 Verbandsgemeinden zusammenschließen[2]. Insgesamt leben 125.695 Einwohner dort und die Bevölkerungsdichte beläuft sich auf 214 Einwohner pro km² (s. Bürgerbroschüre 2011: 6). Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,67% (eigene Berechnung anhand der Daten von ebd.). An dem Beispielort Bornheim aus dem vorgestellten Landkreis lässt sich erkennen, dass kleinere Orte (in diesem Fall mit 886 Einwohnern (s. ebd.: 27)) institutionell den umliegenden Städten zugeordnet werden. So erfährt man auf der Internetseite von Bornheim, dass dieses in den jeweiligen Bereichen, wie bspw. Polizei und Arbeitsagentur, insgesamt fünf Städten zugeordnet wird[3]. Damit zeigt sich, dass ländliche Gegenden doch recht beeinflusst werden von umliegenden Städten und in gewissen Bereichen auf sie angewiesen sind.

4. Unterschiede zwischen den Lebensräumen

Wie oben angeklungen gibt es den Stadt-Land-Unterschied, im früheren Sinne von Land = bäuerliches Leben, weit entfernt von einer modernen Gesellschaft, und Stadt = urbane Lebensweise, aufgrund ihrer Modernität durch schnelle Veränderungen (vgl. Häussermann/Siebel 2004: 33) nicht mehr. Heute gibt es keine autarken Städte mit eigenem Stadtrecht mehr, jede Region unterliegt derselben nationalen Verfassung. Vor allem durch die zunehmende Entwicklung des suburbanen Raumes seit Ende der 50er Jahre des 20. Jh.s (vgl. Schäfers 2006: 251) hat sich der Gegensatz immer mehr eingeebnet. Trotz alledem bleiben gewisse mit „Stadt und Land verknüpften Unterschiede des Verhaltens,

[...]


[1] Landstadt 2.000-5.000 Einwohner; Kleinstadt 5.000-20.000 Einwohner; Mittel-Stadt 20.000-50.000 Einwohner (Schäfers 2006: 116)

[2] http://www.kreis-alzey-worms.eu/verwaltung/kommunen/kommunale_gliederung.php?navid=124 (26.02.2012)

[3] http://www.bornheim-rheinhessen.de/index.php?option=com_content&task=view&id=13&Itemid=27 (17.03.2012)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Forschungsprojekt Stadt. Soziologische Merkmale der Stadt Mainz und anderer Lebensräume
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V358787
ISBN (eBook)
9783668436312
ISBN (Buch)
9783668436329
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtforschung, Mainz, Stadtsoziologie, Lebensraum
Arbeit zitieren
Aron Kraft (Autor), 2012, Forschungsprojekt Stadt. Soziologische Merkmale der Stadt Mainz und anderer Lebensräume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358787

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