Romantische Motive bei Eichendorff und Heine

"Die zwei Gesellen" und "Im Mai". Ein Gedichtvergleich


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gedicht Die zwei Gesellen
Analyse und Interpretation Die zwei Gesellen

Gedicht Im Mai
Analyse und Interpretation Im Mai

Vergleich der beiden Gedichte

Fazit

Quellen

EINLEITUNG

Nachfahre der Aufklärung, Endzeitverkünder der Klassik, ungezogener Sohn der Romantik, Haupt des jungen Deutschland, Stachel im Fleisch der Biedermeier Zeit (Kruse 1997: 15), die Liste der Namensgebungen und Einordnungen Heinrich Heines ist lang und seine Rolle immer wieder kontrovers diskutiert. Tatsächlich erstreckt sich Heines Schaffensphase über einen längeren Zeitraum, der gemeinhin unterschiedlichen Epochen zugeordnet wird: Angefangen bei der Klassik über die Romantik bis hinein in die Biedermeierzeit und die Zeit des jungen Deutschlands und Vormärz’ (Kruse 1983: 301ff). Somit liegt die Kontroverse, die einem bei der Beschäftigung mit Sekundärliteratur immer wieder begegnet, bereits in dem epochalen Umbruch begründet, der den Übergang zur Moderne kennzeichnet. Oder hat nicht die Epoche ihn beeinflusst sondern Heine die Epoche? Ist er selbst der Überwinder der Romantik und Verkünder der Moderne? Fest steht, er ist eine besondere Figur der Lyrik des 19. Jh.

Doch auf welche Art und Weise lässt sich dieser Hintergrund in der Lyrik Heines lesen? Wo ist er Romantiker und wo ist der Einfluss der Klassik, wo die Anzeichen der Moderne?

Wie kommt die Ü berwindung der Epochen, in Heinrich Heines Gedichten zur Geltung?

Diese Fragen sind Ausgangspunkt für diese Arbeit und sollen anhand einer Analyse und Interpretation aufgegriffen werden. Es erscheint dabei sinnvoll, neben dem Gedicht von Heinrich Heine selbst, ein weiteres für einen Vergleich heranzuziehen. Joseph von Eichendorff gilt im Bezug auf seine Einordnung als ein weniger umstrittener Vertreter romantischer Lyrik und kann im Zuge eines Vergleichs hilfreiche Anhaltspunkte liefern. Um zwei Gedichte sinnvoll vergleichen zu können, ist bei der Wahl auf Parallelen in Bezug auf Motive, Aufbau und Inhalt geachtet worden. Ziel sollte es sein, jeweils alle drei genannten Aspekte im Rahmen einer Gedichtsinterpretation zu analysieren und in einem Vergleich derselben Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.

Die Wahl fiel schließlich auf das eichendorffsche Gedicht „Die zwei Gesellen.“ aus dem Jahre 1818 (Eichendorff: 41) und das Gedicht „Im Mai“ 1853/1854 von Heinrich Heine verfasst (Heine 1992: 599f).

Bei der Analyse soll neben Form und Inhalt vor allem auf die Verwendung von romantischen Motiven geachtet werden. Motivwahl- und Verwendung spielen in der romantischen Dichtung eine wichtige Rolle (Mehlis 2011: 289) und werden in ihrer Art als charakteristische Merkmale ebendieser Dichtung betrachtet. Deshalb wird in der Interpretation an entsprechenden Stellen auf die Motive hingewiesen und es wird auf die Art der Einbindung und Anwendung eingegangen.

Der Interpretation der einzelnen Gedichte schließt sich der Vergleich wichtiger Aspekte an. Auch hier werden Form, Inhalt und Motive berücksichtigt werden.

Der Schlussteil soll mithilfe des Resümees des Vergleichs, auf die anfangs gestellte Frage zurückkommen, auf Welche Art die Überwindung der Epochen in dem Gedicht zur Geltung kommt.

Gedicht von Joseph von Eichendorff: Die zwei Gesellen.

Die zwei Gesellen.

Es zogen zwei rüst’ge Gesellen Zum erstenmal von Haus, So jubelnd recht in die hellen Klingenden, singenden Wellen Des vollen Frühlings hinaus.

Die strebten nach hohen Dingen, Die wollten, trotz Lust und Schmerz, Was recht’s in der Welt vollbringen, Und wem sie vorübergingen, Dem lachten Sinnen und Herz. -

Der erste, der fand ein Liebchen, Die Schwieger kauft’ Hof und Haus, Der wiegte gar bald ein Bübchen Und sah aus heimlichem Stübchen Behaglich ins Feld hinaus.

Dem zweiten sangen und logen Die tausend Stimmen im Grund, Verlockend’ Sirenen, und zogen Ihn in der buhlenden Wogen Farbig klingenden Schlund.

Und wie er auftaucht’ vom Schlunde, Da war er müde und alt, Sein Schifflein, das lag im Grunde, So still war’s rings in die Runde Und über die Wasser weht’s kalt.

Es singen und klingen die Wellen Des Frühlings wohl über mir; Und seh’ ich so kecke Gesellen, Die Thränen im Auge mir schwellen - Ach Gott, führ’ uns liebreich zu dir!

Analyse und Interpretation Die zwei Gesellen.

Der Titel des Gedichts „Die zwei Gesellen.“ assoziiert ein Bild welches auf unterschiedliche Arten verstanden werden kann. Zum einen sind Gesellen junge Menschen, welche am Ende ihrer in der Regel handwerklichen Ausbildung stehen. Man kann aber auch von Gesellen sprechen, wenn man zwei Menschen meint, die befreundet sind oder etwas gemeinsam unternehmen.

Der Aufbau des Gedichts ist ganz im klassischen Sinne harmonisch. 6 Strophen mit jeweils 5 Versen und einem durchgängigen Reimschema abaab. Der teilweise umschließende Reim ist in der Tat noch das Untypischste bei dem sonst sehr harmonischen Aufbau des Gedichts. Jambus und Daktylus wechseln sich ab, mit ein paar Ausnahmen beginnt jeder Vers mit einem Auftakt und die Kadenzen korellieren mit dem Reimschema wobei die a-Reime mit weiblicher und die b-Reime mit männlicher Kadenz enden. So konsequent gleichmäßig die Struktur des Gedichts daherkommt, ist an den abweichenden Stellen umso genauer hinzuschauen, was zum entsprechenden Zeitpunkt auch geschehen soll. Doch zunächst ein Blick auf den Einstieg in das Gedicht:

Es ziehen „zwei rüst’ge Gesellen“ (V1) das erste Mal weg vom Haus, es ist anzunehmen, dass es sich um das elterliche Haus handelt, in welchem sie bis dahin aufgewachsen sind. Die beiden scheinen guter Dinge zu sein, zumindest sind sie rüstig, was sich auf ihre jugendlich körperliche Verfassung beziehen kann oder auch darauf, dass sie gut gerüstet sind, was im Falle von ausgebildeten Handwerken durchaus gemeint sein könnte. Der Zeitpunkt ihrer Abreise ist der „volle Frühling“ (V5), welcher auf positive Art und Weise mit „hellen / Klingenden, singenden Wellen“ beschrieben wird. Das Enjambement an dieser Stelle verstärkt den positiven Ausdruck, außerdem wird durch das Metrum ein Akzent gesetzt, welches im Vers 4 abweichend von allen anderen Versen ein Daktylus ohne Auftakt ist. Die Wellen in dem durch das Metrum markierten Vers 4 rufen das Bild von etwas gleichmäßigem, tragenden hervor. In harmonischer Bewegung ohne Hast und ohne Trägheit. Die Stimmung der beiden Gesellen bei der Abreise ist gut, sie ziehen „jubelnd“ (V3) los.

Bereits in dieser ersten Strophe tauchen gleich mehrere romantische Motive auf. Da sind die zwei Gesellen, die sich, beruflich verbunden oder nicht, auf eine freundschaftliche Art einander begegnen, sonst würden sie sich wohl kaum gemeinsam auf diese Reise begeben. Freundschaft hat in der Romantik eine wichtige Rolle und ist ein häufiges Motiv (Mehlis 2011: 289). Außerdem wird das Bild der Wanderschaft eingeführt, welches für einen Neubeginn steht, den Entschluss das vertraute Heim zu verlassen und sich neuen Erfahrungen und Abenteuern hinzugeben (Mehlis 2011: 288). Es könnte auch als Flucht vor gesellschaftlichen Konventionen, politischem Zugriff oder anderweitig motivierter Unzufriedenheit verstanden werden. Dafür gibt es jedoch keine Anzeichen; vielmehr legt der Kontext des Gedichts nahe, dass es sich um die Lust nach Abenteuer und die Suche nach anderen Zielen handelt: Sie „strebten nach hohen Dingen“ (V6) und wollen „was rechts vollbringen“ (V8). Hier kommt auch das Motiv der Sehnsucht hervor. Ob es eine religiöse Sehnsucht ist oder die Sehnsucht nach Harmonie und Erfüllung im Leben oder etwa die Suche nach der Liebe, bleibt zunächst offen. Zum Ausdruck kommt die Sehnsucht nach der Ferne und der Freiheit, die man typischerweise erfährt, wenn man sich mit ungewissem Ziel in die bis dahin unbekannte Ferne aufmacht.

Die Natur und die Gesellen bilden in der ersten Strophe eine Bedeutungseinheit. Der Frühling zum Zeitpunkt des Aufbruchs bezieht sich neben der Natur auch auf den Lebensabschnitt der beiden Gesellen. Frühling als Zeitpunkt des Neubeginns und des Wiedererwachens der Energie, werden in der guten und heiteren Stimmung der beiden zum Ausdruck gebracht, die jedem das Herz und die Sinnen (V10) beim Vorübergehen lachen lassen. Diese Projektion der Emotionen auf die Natur und die metaphorische Beschreibung der Gefühlslage anhand naturlyrischer Bilder ist typisch für romantische Dichtung (Mehlis 2011: 289).

Zu Beginn harmonieren Inhalt und Form in einer für die Romantik typischen Weise. Mit dem zehnten Vers endet dieser Abschnitt, was außerdem mit einem Gedankenstrich markiert ist. In der dritten Strophe wird nun beschrieben, wie es dem einen der beiden Gesellen ergangen ist. Er fand ein „Liebchen“ (V11), mit welcher er sich in einem Haus auf einem Hof niederlässt. Ganz nebenbei erfährt man, dass es die Schwiegermutter oder die Schwiegereltern sind, die Haus und Hof kaufen. Ein Umstand der in Anbetracht der hohen Ziele der beiden Gesellen stutzig macht und die Frage aufkommen lässt, ob der Geselle wohl nicht in der Lage war, selbst das Haus zu kaufen. Man erfährt außerdem, dass der erste Geselle einen Sohn bekommt und alles in allem zufrieden mit seinem Leben zu sein scheint: „Und sah aus heimlichem Stübchen / Behaglich ins Feld hinaus“ (V14/15). Was auf semantischer Ebene zunächst eindeutig erscheint, wirft bei genauerer Betrachtung die Frage auf, wie ernst es das lyrische Ich mit der Beschreibung des ersten Gesellen meint. Dinge, die im Zeitalter der Romantik gesellschaftlich durchaus als Errungenschaften galten (Frau, Haus und Sohn (Mehlis 2011: 31)), werden durch Diminutive verniedlicht und dadurch nicht ganz ernst genommen: „Liebchen“ (V11), „Bübchen“ (V13), „Stübchen“ (V14). Überhaupt bleibt es fraglich ob das behagliche ins Feld hinaus schauen (V15), nur ein Ausdruck für häusliche Geborgenheit und Sicherheit ist oder ob nicht auch eine unbefriedigte Sehnsucht zum Vorschein kommt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Romantische Motive bei Eichendorff und Heine
Untertitel
"Die zwei Gesellen" und "Im Mai". Ein Gedichtvergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V358902
ISBN (eBook)
9783668435933
ISBN (Buch)
9783668435940
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
romantische, motive, eichendorff, heine, gesellen, gedichtsvergleich
Arbeit zitieren
Karl Kleinke (Autor), 2016, Romantische Motive bei Eichendorff und Heine, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358902

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