Die Bedeutung des Hörverstehen. Unterrichtsstunde für eine 8. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2015

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Schulsituation - institutionelle Bedingungen
Zusammensetzung der Klasse 8

Sachanalyse
Hören
Einordnung in den Bildungsplan
Kompetenzen

Didaktische Analyse
Didaktische Reduktion
Ausgangslage des Unterrichts

Methodische Erörterung

Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Voraussetzung aller Interaktion, ist das gegenseitige Verständnis. Dieses Verständnis kann auf zahlreiche Arten geschaffen werden. Eine der üblichsten und am meisten verwendeten Interaktionsformen ist die Sprache. Auf ihr basiert i.d.R. aller schulischer Unterricht. Auch Sprache weist viele Aspekte auf, welche für ein ganzheitlichen Verständnis wichtig sind, nur verlernen wir im Alltag oftmals das genaue bewusste Zuhören.

„Hast du verstanden? Verstehst du was ich meine? Was war daran nicht zu verstehen?“ Diese und vergleichbare Floskeln, begegnen uns im Alltag immer wieder. Denn Verstehen bedeutet nicht immer auch wirklich Verstanden zu haben. Sprache als solche zu verstehen, heißt zu begreifen, wann es sich um einen grammatisch und syntaktisch korrekten Aufbau handelt. Den Inhalt aber, muss unser Gehirn mit Hilfe von vorhergehenden Erfahrungen und vergleichbaren Aussagen abgleichen, um das Gesagte auch interpretieren und deuten zu können. Erst dann können wir verstehen.

Bei Betrachtung wissenschaftlicher Kommunikationsstudien, zeigt sich, dass lediglich ca. 20% des gesprochenen Inhalts zu uns durchdringt. Den Rest bildet zu geringem Anteil unsere Stimmlage/Betonung sowie größtenteils unsere Körpersprache (Haltung, Gestik, Mimik).

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich, ausgehend von einer selbst gehaltenen Stunde zur Lerneinheit Hörverstehen, deren Bedeutung genauer erläutern. Vorab aber alle Rahmenbedingen unterwelchen das dieses Lernen statt fand.

Schulsituation - institutionelle Bedingungen

Die Katholisch Freie Grund- und Werkrealschule ist mit rund 50 Lehrpersonen, nahezu 900 Schülerinnen und Schüler in 33 Klassen die größte, der fünf eigenständigen ebenso der Schulpsychologe und die Schulsozialarbeiterin zum Kollegium. Es sind an der Schule einige Bräuche etabliert. Montagmorgen in der ersten Schulstunde, findet stets ein Morgenkreis statt, welcher zur Besinnung und Einstimmung auf die Woche dienen soll.

Leiter der Grund- und Werkrealschule ist Rektor und dem Konrektor .

Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, die Schule nach der 9. Klasse, mit einem qualifizierten Hauptschulabschluss zu verlassen, oder mit der 10. Klasse einen Mittleren Bildungsabschluss zu erwerben, um sich weitere schulische Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Die schulische Erziehung und Bildung orientiert sich am Marchtaler Plan, welcher 1984 von der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Katholisch Freien Grund- und Hauptschulen eingeführt wurde.

Intentionen des Marchtaler Plans sind:

- „Vermittlung von Bildung und Wissen, die den Anforderungen genügen, die heute an eine gute Schule zu stellen sind.
- Ganzheitliche personale und soziale Erziehung, die die harmonische Entfaltung und Förderung der körperlichen und geistigen Anlagen, soziales Engagement und Mitarbeit in der Gesellschaft anstrebt
- Religiöse und weltorientierte Bildung, die vertraut macht mit der Botschaft Jesu Christi, zu personal vollzogenem Glauben hinführt und die erfahren lässt, dass Menschsein auf Hoffnung hin angelegt ist.“1

Zusammensetzung der Klasse 8

Die Klasse 8a besteht aus 26 SuS, davon sind 20 Jungen und sechs Mädchen. Die Klasse zeigt sich stets am Unterricht interessiert und die Unterrichtsbeteiligung ist hoch. Das Arbeitstempo variiert gering. Es gibt nur wenige auffällige SuS in der Klasse, welche aber i.d.R. mit Ermahnungen gut in den Griff zu bekommen sind. In dieser Klasse herrscht ein angenehmes Arbeitsklima, mit kaum inneren Konflikten und die SuS sind bereit einander zu helfen. Es findet nur gering differenzierter Unterricht statt. Die Sitzordnung der SuS verteilt sich in vier Reihen, von denen jeweils zwei Tische links und zwei rechts außen, nebeneinander stehen, damit in der Mitte ein Gang frei bleibt. Diese Anordnung ermöglicht einen guten Überblick über die Klasse.

Medial ist das Klassenzimmer mit zwei Schiebetafeln, die sich hintereinander befinden ausgestattet. Außerdem ist ein Tageslichtprojektor und CD-Player vorhanden.

Sachanalyse

Hören

Das Hörverstehen gehört zu der Basis allen Verstehens und ist somit ein unumgänglicher Bestandteil eines jeden Unterrichts. Das bietet schon Grund genug, um diesen Lerngegenstand analytisch zu untersuchen.

Interaktion und Kommunikation, und somit das Verstehen sprachlicher Äußerungen wird hauptsächlich durch Sprache erlangt. Nach dem Krieg war das Zuhören in den Lehrplänen als ein Teil der Sprecherziehung fest verankert.2 Aber auch heute noch, gehört das Zuhören neben der instrumentellen Funktion und Aufgabe beim Spracherwerb und der Sprecherziehung, zu den Bildungsstandards und ist ein eigener Kompetenzbereich.

Zuhören bildet das Gegenstück zum Sprechen, weshalb diese eine untrennbare Einheit bilden. Das Zuhören ist daher auch Voraussetzung und Thema bei den Sprechwissenschaften und in der Sprecherziehung. Hierbei werden vor allem die Zusammenhänge von Denken und Sprechen, Denken und Zuhören dargestellt und untersucht.3 Während Kinder im Vor- und Grundschulalter noch oft im Rahmen einer ästhetischen Erziehung, die ausgeprägte Kultur des Vorlesens, oder Anhörens von Hörspielen in verschiedener medialer Form erleben, lässt dies mit dem Eintritt in die Sekundarstufe I oft nach.4 Von hieran wird das Zuhören eher zu einem natürlichen, eigentlich schon selbstverständlichen Akt, welcher nur in wenigen Situationen bewusst wahrgenommen wird. Durch den veränderten Medienkonsum kann zudem die Schwierigkeit auftreten, dass einseitige Wahrnehmungs- und Bewegungsmuster zu einer fehlenden Konzentrationsfähigkeit führen und den SuS somit in seiner kognitiven Fähigkeit einschränken.5

Das Hören kann nach Definitionen von Hans-Peter Reineck und Justin Winkler zusammengefasst und in drei große Bereiche aufgeteilt werden: „Hören als natürlicher Orientierungsakt, als Zuhören oder Horchen und als hörendes Verstehen. In Anlehnung an das >adaptive Hören< könnten hier auch die Kategorien Hörfähigkeit, Hörfertigkeit und Hörkompetenz zugeordnet werden.“6 Alle drei Kategorien spielen in den Hörkonzepten eine Rolle.

Eine Begriffsunterscheidung zwischen Hören und Zuhören ist sinnvoll, da diese in der Umgangssprache oft fälschlicherweise als Synonyme verwendet werden. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn es darum geht, Formen des Hörens zu schulen, aber auch um Lernziele für das Hörversehenstraining zu bestimmen und zu entwickeln.7 Hören bedeutet ausschließlich die Reizaufnahme als ein Wahrnehmungsereignis im Gehörgang. Zuhören hingegen ist das bewusste Verarbeiten bzw. Interpretieren des Gehörten. Zuhören kann somit als Reflexionsprozess verstanden werden. Das Zuhören-wollen bildet die Grundlage um etwas zu vernehmen und in Erfahrung zu bringen. Der Wunsch und Wille sind die Voraussetzung für das Zuhören-Können.8

Da das Hören in der Muttersprache meist als selbstverständlich vorausgesetzt wird, hat das Hörverständnis im Deutschunterricht keinen eigenständigen Stellenwert mehr.9 Deutsch ist für viele SuS auf Grund der multikulturellen Klassenzusammensetzung inzwischen eine Fremd- oder Zweitsprache. Das muss bei den deutschdidaktischen Konzeptionen sehr berücksichtigt werden. Nach Fritzsche können die Aufgaben des Deutschunterrichts als Förderung und Beherrschung der deutschen Sprach- und Kommunikationsfähigkeit zusammengefasst werden. Des weiteren unterscheidet Fritzsche zwischen strukturellem und inhaltlichem Lernen und schreibt dem Deutschunterricht die Entwicklung von Grundkompetenzen zu.

Zu einer Weiterentwicklung der Zuhörfähigkeit sind individuelle Disziplin, die persönliche Leistungsbereitschaft und kognitive Anstrengung notwendig.10

Problematisch kann das Hörtraining werden, wenn es sich um ein Gebot >Aufpassen<, >Zuhören-Müssen< handelt. Außerdem sollten die für den Deutschunterricht verwendete Texte möglichst aus der Lebenswelt der SuS stammen, damit eine Auseinandersetzung bzw. ein Bezug zum Alltag geschaffen werden kann und sich somit ein >Zuhören-Wollen< ergibt.

Der Prozessablauf des Zuhörens kann schematisiert werden: Ein akustischer Reiz (Input) wird wahrgenommen, gespeichert und mit dem vorhandenen Hör- und Erfahrungswissen interpretiert. Ob dieser Input zu einem Output führt, unterliegt einer subjektive Entscheidung.

Eine etwas ausführlichere Untersuchung des Zuhörens nahm Truax in einem Versuch vor, wodurch er zu drei Kategorien gelangt: Erstens ein bewusstes Anhören der Umgebung auf bestimmte Stichwörter hin. Aus den gehörten Klängen und Geräuschen werden daraufhin bestimmte Schlüssel für die eigene Interpretation gezogen. Zweitens das Zuhören als Bereitschaft, signifikante Informationen aus der Umwelt, die von der eigenen Hörbiographie geprägt ist, aufzunehmen und zu deuten. Die letzte Form des Hörens, beschreibt Truax als ein im Hintergrund unbewusstes Wahrnehmen, das erst beim Fehlen oderVerändern von Informationen registriert und gedeutet wird.

Im Kompetenzbereich Zuhören geht es auch weitestgehend um die aktive Aufmerksamkeit. Oft als Synonym zum Begriff Konzentration verwendet, ist die Aufmerksamkeit ein in der Umgangssprache häufig benutztes Konstrukt. Deshalb ist der Aufmerksamkeit ein weiteres zentrales Merkmal zuzuschreiben, welches eine Abgrenzung ermöglichen soll, nämlich die Selektion. Selektion bedeutet, aus einer Fülle an sprachlichen Äußerungen und Informationen, gezielt welche herauszufiltern und weiterzuverarbeiten und andere unberücksichtigt zu lassen.11 Im Hinblick auf den Kernbereich Zuhören können (nach Eisert) vier Aspekte bezüglich der Aufmerksamkeit unterschieden werden, welche auch beim Hörverstehenstraining eine besonders wichtige Rolle spielen.

„(1) Die selektive Aufmerksamkeit, d.h. nur bestimmte ausgewählte Informationen und sprachliche Äußerungen im Unterricht werden von den Schülern wahrgenommen und analysiert.
(2) Die Daueraufmerksamkeit, d.h. die Aufmerksamkeitsfähigkeit für bestimmte sprachlich-akustische Reize wird über einen längeren Zeitraum im Unterricht aufrechterhalten; dies kostet allerdings gegen Ende des Schulvormittags viel Kraft und Energie.
(3) Die Intensität der Aufmerksamkeit, d.h. das Ausmaß der Aufmerksamkeit bei der Aufnahme sprachlicher Äußerungen kann von leichtester Ablenkbarkeit bis hin zur völligen Inanspruchnahme variieren.
(4) Die Aufmerksamkeitsleistung, d.h. in vielen Unterrichtssituationen ist es notwendig, dass man sich gleichzeitig zwei Dinge oderTätigkeiten zuwenden kann, wenn z. B. Ein Schüler im Diktat gleichzeitig zuhören und schreiben soll.“12

Bezogen auf das Hörverstehenstraining sind alle vier Punkte sehr bedeutsam.

Es ist die selektive Aufmerksamkeit der SuS gefordert, denn sie sollen aus den Hörtexten die wichtigsten und für das Verstehen wesentlichsten Informationen herausfiltern und sich merken bzw. notieren. Somit schon angesprochen, das Notieren während dem Anhören des Hörtextes fordert, ist eine besondere Aufmerksamkeitsleistung, weil zwei Aktivitäten gleichzeitig gefordert sind. Was die Daueraufmerksamkeit betrifft, variieren die Hörtexte in ihrer Länge und gehen bis maximal sieben Minuten, von wirklich zehrender Daueraufmerksamkeit kann jedoch nicht die Rede sein. Die Intensität der Aufmerksamkeit ist stets gegeben, weil die das Zuhören in einer kurzen Hörphase zur Hauptaktivität gemacht wird und i.d.R. keine störenden bzw. ablenkenden Faktoren hinzukommen.

[...]


1 Vgl. Stiftung Katholische Freie Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart 2015

2 Vgl. http://www.ifak-kindermedien.de/ifak/publikationen/downloads/erziehungImDUStuttgart.pdf (03.07.2015)

3 Vgl. Günther (2012

4 Vgl. hppt://www.lehrer-online.de/hoerprojekt.php (03.06.2015)

5 Vgl. Bergmann 2006

6 Bergmann 2006, S.36

7 Vgl. Bergmann 2006

8 Vgl. Bergmann 2006

9 Vgl. Bergmann 2006

10 Vgl. Günther 2012

11 Günther 2006, S. 122

12 Günther 2006 , S. 122

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Hörverstehen. Unterrichtsstunde für eine 8. Klasse
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V358951
ISBN (eBook)
9783668433656
ISBN (Buch)
9783668433663
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, hörverstehen, unterrichtsstunde, klasse
Arbeit zitieren
Ilona Goedel (Autor:in), 2015, Die Bedeutung des Hörverstehen. Unterrichtsstunde für eine 8. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358951

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung des Hörverstehen. Unterrichtsstunde für eine 8. Klasse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden