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Zur Verwirrung des Lesers durch die Erzählinstanz in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"

Titel: Zur Verwirrung des Lesers durch die Erzählinstanz in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"

Bachelorarbeit , 2014 , 42 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Sofia Gutjahr (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Bachelorarbeit fragt nach den Besonderheiten der Erzählung in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", welche eine Art der Unentschiedenheit der Deutung hervorrufen. Dafür wird zunächst die Erzählinstanz, die für die Verwirrung des Lesers verantwortlich ist, mithilfe von Gérard Genettes Erzähltheorie auf verschiedenen Ebenen untersucht.

Nachdem das Verhältnis zwischen dem Erzählen und Erleben mithilfe der Narrationstypen untersucht wurde, wird die Verschachtelung mehrerer Ereignisse mithilfe der Ebenen der Narration problematisiert. Anschließend wird der Wechsel der Erzählinstanz thematisiert, wobei hier der Held und der fiktive Erzähler gegenüber gestellt werden und so auf das Problem der Perspektivierung aufmerksam gemacht wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeit der Narration

a) Spätere und gleichzeitige Narration

b) Frühere und eingeschobene Narration

3. Narrative Ebenen

a) Zusammenwirken der Erzähltechniken Nathanaels

b) Zusammenwirken der Erzähltechniken des fiktiven Erzählers

4. Stellung der narrativen Instanz zum Geschehen

a) Wiedergabe der subjektiven Empfindung und Wahrnehmung Nathanaels

b) Sprachliche Markierung der perspektivischen Übergänge

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstruktur von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" mithilfe der Erzähltheorie von Gérard Genette, um zu ergründen, wie die erzähltechnischen Mittel der verschiedenen Erzählinstanzen zur systematischen Verwirrung des Lesers und zur Unentschiedenheit der Deutung beitragen.

  • Analyse der verschiedenen Narrationstypen (spätere, gleichzeitige, frühere und eingeschobene Narration)
  • Untersuchung der narrativen Ebenen und deren Ineinanderschachtelung
  • Charakterisierung der narrativen Instanzen (Nathanael, fiktiver Erzähler, Clara)
  • Deutung der Rolle von Wahnsinn und Einbildungskraft in der Erzählung
  • Erörterung der strategischen Verwirrung des Lesers durch den fiktiven Erzähler

Auszug aus dem Buch

a) Spätere und gleichzeitige Narration

Zumal der Vorfall mit dem Advokaten Coppelius chronologisch noch weiter in der Vergangenheit liegt, als das Auftauchen des Wetterglashändlers, ist es nur logisch, dass Nathanael bei dem Erzählen dieses Vorfalls auf die Vergangenheitsform zurückgreift. Viel interessanter und gleichzeitig verwirrender ist es aber, dass Nathanael, ohne jegliche Vorwarnung, den Typ der Narration, aus einem für den Leser zunächst unergründlichen Grund, wechselt. So wechselt Nathanael, als er zum ersten Mal den ‚Sandmann‘ begegnet von der späteren Narration plötzlich in die gleichzeitige Narration:

Näher – immer näher dröhnten die Tritte – es hustete und scharrte und brummte seltsam draußen. Das Herz bebte mir vor Angst und Erwartung. – Dicht, dicht vor der Türe ein scharfer Tritt – ein heftiger Schlag auf die Klinke, die Tür springt rasselnd auf! – Mit Gewalt mich ermannend gucke ich behutsam hervor. Der Sandmann steht mitten in der Stube vor meinem Vater, der helle Schein der Lichter brennt ihm ins Gesicht! – Der Sandmann, der fürchterliche Sandmann ist der alte Advokat Coppelius, der manchmal bei uns zu Mittag ist! (SM 7)

Ohne also, dass der Leser es bemerkt, saugt ihn die Erzählung plötzlich ein, sodass man das Gefühl hat mitten im Geschehen zu sein und das Gleiche wie Nathanael zu sehen und zu fühlen. Da aber Nathanael, genauso plötzlich wieder auf die spätere Narration wechselt, wirft die Erzählung den Leser erbarmungslos und wieder ohne jegliche Vorwarnung heraus. Dies hat zweierlei zur Folge: Einerseits ist der Leser unmittelbar am Geschehen beteiligt, sodass keine Distanzierung zum Geschehen möglich ist. Andererseits wird die Narration weiter, wie gewohnt fortgeführt, sodass der Leser auch da keine Distanzierungsmöglichkeit hat, um sich die Zeit zu nehmen über die Konsequenzen der zeitweiligen Beteiligung am Geschehen klar zu werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage, ob Nathanaels Begegnung mit dem "Sandmann" ein reales Ereignis oder eine Einbildung ist, und führt in die theoretische Methodik nach Gérard Genette ein.

2. Zeit der Narration: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen zeitlichen Ebenen des Erzählens und zeigt auf, wie der plötzliche Wechsel der Narrationstypen den Leser verunsichert.

3. Narrative Ebenen: Hier wird die Verschachtelung verschiedener Erzählebenen untersucht und dargelegt, wie die Rahmenerzählung des fiktiven Erzählers zur Ineinanderschachtelung der Geschichte beiträgt.

4. Stellung der narrativen Instanz zum Geschehen: Dieses Kapitel befasst sich mit der Charakterisierung von Nathanael, Clara und dem fiktiven Erzähler als narrative Instanzen und deren jeweiliger Rolle innerhalb der Erzählstruktur.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Unentschiedenheit der Deutung beabsichtigt ist und der fiktive Erzähler das Interesse des Lesers durch gezielte Verwirrung aufrechterhält.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Gérard Genette, Narrationstypen, narrative Ebenen, Erzählinstanz, Ineinanderschachtelung, Unentschiedenheit der Deutung, Wahnsinn, fiktiver Erzähler, Perspektivierung, Literaturwissenschaft, Erzähltheorie, Verwirrung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzählstruktur von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", um zu verstehen, durch welche narratologischen Mechanismen eine bewusste Verwirrung des Lesers erzeugt wird.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Im Zentrum stehen die Kategorien der Stimme nach Gérard Genette, die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Wahn sowie die Rolle des Erzählers beim Ineinanderschachteln verschiedener Bedeutungsebenen.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?

Die zentrale Frage lautet, ob Nathanael sich den "Sandmann" und den damit verbundenen unheimlichen Spuk nur eingebildet hat und inwiefern diese Frage durch die gewählte Erzähltechnik gezielt unentscheidbar bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt die Erzähltheorie von Gérard Genette, insbesondere die Kategorie der Stimme, um das Verhältnis von Geschichte, Erzählung und Narration zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Zeitgestaltung, der narrativen Ebenen und der Stellung der Erzählinstanzen zum Geschehen, wobei Nathanaels Briefe und die Rahmenerzählung im Mittelpunkt stehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Erzähltheorie, Unentschiedenheit der Deutung, narrative Ebenen, fiktiver Erzähler und die Ineinanderschachtelung verschiedener Geschichten.

Warum ist der Wechsel zwischen späterer und gleichzeitiger Narration für den Leser so verwirrend?

Dieser Wechsel erzeugt eine unmittelbare Identifikation mit dem Erlebten, die abrupt unterbrochen wird, wodurch der Leser keine Distanz zum Geschehen gewinnen kann und in einem Zustand der emotionalen und interpretatorischen Unsicherheit verbleibt.

Welche Rolle spielt der fiktive Erzähler für die Deutung der Geschichte?

Der fiktive Erzähler agiert nicht als objektive Instanz zur Klärung, sondern übernimmt Techniken Nathanaels und verweigert klare Kommentare, um die Spannung und die Zweideutigkeit der Erzählung bis zum Ende zu bewahren.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Verwirrung des Lesers durch die Erzählinstanz in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Note
2,3
Autor
Sofia Gutjahr (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
42
Katalognummer
V359067
ISBN (eBook)
9783668437302
ISBN (Buch)
9783668437319
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sandmann E.T.A. Hoffmann Gérard Genette Zeit der Narration Erzähltheorie narrative Ebenen Stellung der narrativen Instanz zum Geschehen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sofia Gutjahr (Autor:in), 2014, Zur Verwirrung des Lesers durch die Erzählinstanz in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359067
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Leseprobe aus  42  Seiten
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