Das Kunstmärchen „Die kleine Meerjungfrau“ ist eine der bekanntesten Geschichten über die Welt der Wasserwesen. In meiner Ausarbeitung möchte ich mich mit diesem Märchen und ganz besonders mit dem Weiblichkeitsideal, welches darin vermittelt wird, beschäftigen.
Zunächst gehe ich kurz auf das vorherrschende Frauenbild in der Entstehungszeit des Märchens ein und zeige auf, wie sich dieses Ideal im Märchen und besonders in der Hauptfigur der kleinen Meerjungfrau widerspiegelt. Anschießend vergleiche ich die ARD-Verfilmung aus dem Jahr 2013 im Hinblick auf die Darstellung der Hauptfigur und ihre Vorbildfunktion mit der Märchenvorlage, bevor ich zum Schluss ein Fazit ziehe, in dem es auch um didaktische Möglichkeiten des Märchens und des Films gehen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Andersens Kunstmärchen „Die kleine Seejungfrau“
2.1 Das Frauenbild im frühen 19. Jahrhundert
2.2 Die kleine Meerjungfrau als Weiblichkeitsideal
3. Die Verfilmung von 2013
3.2 Die Figur Undine als moderne Variante der kleinen Seejungfrau
4. Fazit und didaktischer Ausblick
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Darstellung von Weiblichkeitsidealen in Hans Christian Andersens Märchen „Die kleine Seejungfrau“ und dessen ARD-Verfilmung aus dem Jahr 2013. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das ursprüngliche, auf Unterordnung basierende Ideal im modernen Film in ein Plädoyer für Individualität und Selbstbestimmung transformiert wird.
- Analyse des bürgerlichen Frauenbildes im frühen 19. Jahrhundert.
- Untersuchung der Selbstaufgabe als zentrales Element in Andersens Märchen.
- Kontrastierung der Märchenvorlage mit der modernen Filmfigur Undine.
- Diskussion didaktischer Möglichkeiten für den Einsatz im Grundschulunterricht.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die kleine Meerjungfrau als Weiblichkeitsideal
Die Figur der kleinen Meerjungfrau wird von Andersen in vollkommener Übereinstimmung mit dem Weiblichkeitsideal seiner Zeit konstruiert.
Sie gibt sich ihrer Liebe zu dem jungen Prinzen uneingeschränkt hin und gibt alles für ein Leben an seiner Seite auf und stellt damit ihre Emotionen an allererste Stelle. Schon ganz am Anfang wird die äußerliche Schönheit der Meerjungfrau detailliert beschrieben: Sie hat „Haut [...] so fein und klar wie ein Rosenblatt, [...] Augen so blau die tiefste See“ und ist die schönste der sechs Töchter des Meerkönigs. Diese Betonung ihrer äußerlichen Merkmale entspricht dem oben beschriebenen Frauenbild. Die kleine Meerjungfrau wird als „sonderbares Kind, still und nachdenklich“ beschrieben. Bereits als Kind ist in ihr die Liebe zu den Menschen bzw. zu einem ganz konkreten Menschenmann angelegt: Sie verehrt das Mamorbild eines Jungen, der dem Prinzen ähnlich ist. Ihre ganze Kindheit ist geprägt von der unstillbaren Sehnsucht nach der Menschenwelt und nach diesem unbekannten Mann. Diese Darstellung passt zu der Argumentation, die Emotionalität von Frauen entspräche einem Naturgesetz, sind ihre Vorläufer doch schon bei der kindlichen Meerjungfrau deutlich zu erkennen.
Bei der Rettung des Prinzen, der nach einem Schiffsunglück zu ertrinken droht, begibt sich die Meerjungfrau selbstlos in Gefahr, um sein Leben zu retten. Sie schwimmt „zwischen Balken und die Planken, die auf der See tr[eiben], und verg[isst] völlig, daß diese sie [...] zerquetschen könn[ten]“. Sie stellt das Leben des Prinzen über ihres und entspricht damit dem Bild der sich unterordnenden Frau. Um die Chance auf ein menschliches Leben an der Seite des Prinzen zu haben, gibt sie nicht nur ihre Familie und ihre Heimat sondern auch ihre Stimme auf. Dieses schmerzhafte Opfer könnte man als Verzicht auf ihr Recht auf Meinungsäußerung interpretieren. Sie tut, interessanterweise ohne von irgendjemandem dazu gezwungen zu werden, genau das, was die gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit von ihr erwarten: Sie gibt die oben erwähnte Denk und Sprecherlaubnis freiwillig auf und nimmt sich selbst jede Möglichkeit zur Äußerung von Kritik, welche ihr ja nach Rousseau als Frau ohnehin nicht zusteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Faszination für das Wasser und die mythische Figur der Meerjungfrau dar und skizziert das Ziel, das Weiblichkeitsideal im Märchen und in der Verfilmung von 2013 kritisch zu vergleichen.
2. Andersens Kunstmärchen „Die kleine Seejungfrau“: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Märchens und analysiert die Verknüpfung der Hauptfigur mit den bürgerlichen Frauenbildern und Rollenerwartungen des 19. Jahrhunderts.
2.1 Das Frauenbild im frühen 19. Jahrhundert: Hier werden die historischen Hintergründe beleuchtet, insbesondere die Rollenzuweisungen von Aktivität/Rationalität beim Mann und Passivität/Emotionalität bei der Frau.
2.2 Die kleine Meerjungfrau als Weiblichkeitsideal: Dieser Abschnitt zeigt auf, wie die Meerjungfrau als Vorbild der freiwilligen Selbstaufgabe und Unterordnung für ihre Liebe konstruiert ist.
3. Die Verfilmung von 2013: Es wird die ARD-Adaption vorgestellt, die sich zwar nah an der Vorlage orientiert, jedoch durch inhaltliche Änderungen eine völlig neue Aussage trifft.
3.2 Die Figur Undine als moderne Variante der kleinen Seejungfrau: Die Analyse verdeutlicht, warum Undine ein modernes Vorbild für Anders-Sein und Selbstfindung darstellt, im Gegensatz zur traditionellen Aufopferung.
4. Fazit und didaktischer Ausblick: Das Fazit bewertet das Märchen aufgrund seiner problematischen Botschaft kritisch und empfiehlt den Film als pädagogisch wertvolles Instrument für den Unterricht.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Weiblichkeitsideal, Andersens Märchen, Die kleine Meerjungfrau, 2013 Verfilmung, Rollenbilder, Geschlechterrollen, Selbstaufgabe, Emanzipation, Undine, Identitätsfindung, Didaktik, Grundschulunterricht, Patriachat, Literaturanalyse, Medienkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Wandel des Weiblichkeitsideals, das in der klassischen Märchenvorlage von Hans Christian Andersen vermittelt wird, im Vergleich zu der modernen ARD-Verfilmung aus dem Jahr 2013.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf historischen Frauenbildern, der literaturwissenschaftlichen Analyse von Opferbereitschaft und Unterordnung sowie der medienpädagogischen Betrachtung von modernen Märchenadaptionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie sich die Darstellung der weiblichen Hauptfigur verändert hat und welche neuen Botschaften der Film im Vergleich zur Vorlage an ein heutiges Publikum, insbesondere Kinder, vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse, die soziologische und historische Hintergründe des 19. Jahrhunderts mit modernen filmischen Narrativen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Märchenvorlage hinsichtlich ihrer historischen Einbettung und die kontrastierende Untersuchung der Filmfigur Undine, die als emanzipierte, individuelle Persönlichkeit dargestellt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Schlüsselbegriffe sind Weiblichkeitsideal, Geschlechterrollen, Selbstaufgabe, Emanzipation, Identitätsfindung und didaktische Vermittlung.
Warum hält die Autorin die Märchenvorlage für problematisch im Unterricht?
Die Autorin argumentiert, dass das Märchen unreflektiert ein Ideal der vollkommenen Unterordnung und des schmerzhaften Ertragens von Demütigungen vermittelt, was für Kinder ohne pädagogische Aufarbeitung problematisch sein kann.
Wie unterscheidet sich die Filmfigur Undine von der klassischen Meerjungfrau?
Im Gegensatz zur stillen, leidenden Meerjungfrau ist Undine neugierig, abenteuerlustig und eigensinnig; sie kommuniziert auf Augenhöhe mit dem Prinzen und ihr Handeln entspringt nicht blinder Aufopferung, sondern dem Mut, ihren eigenen Weg zu finden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Wie unterscheiden sich die vermittelten Weiblichkeitsideale in Andersens Märchen "Die kleine Meerjungfrau" und der Verfilmung aus dem Jahr 2013?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359071