Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Motivation Jugendliche in der DDR hatten, um Mitglied der Punkszene zu werden. Um diese Frage zu beantworten, geht die Arbeit zunächst auf die Entstehung der Punkszene in der DDR ein und beschreibt das Erscheinungsbild, die Ideologie und die politische Ausrichtung der Szene, um anschließend darzulegen, wie der Staat auf die Punkszene reagierte.
Inhaltsverzeichnis
1. Rebellion im Arbeiter- und Bauernstaat
2. Eine neue Jugendkultur im Osten
2.1 Entstehung der Szene
2.2 Erscheinungsbild
2.3 Punkrock
2.4 Ideologien
3. Politik
3.1 politische Ausrichtung der Punks
3.2 Opposition Staat?
3.2.1 "Härte gegen Punks"
3.2.2 "Klärung eines Sachverhalts"
3.2.3 Zufluchtsort: Kirche
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Beweggründe von Jugendlichen in der ehemaligen DDR, sich der Punkszene anzuschließen, und analysiert, wie diese Subkultur als Form des Widerstands gegen die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten des sozialistischen Staates fungierte.
- Entstehung und ästhetische Ausdrucksformen der DDR-Punkszene
- Die Rolle von Musik als Sprachrohr der Rebellion
- Ideologische Positionierungen und Abgrenzung gegenüber dem DDR-System
- Repression, Überwachung und staatliche Gegenmaßnahmen durch das MfS
- Die Bedeutung der Kirche als Rückzugsort für oppositionelle Jugendgruppen
Auszug aus dem Buch
2.2 Erscheinungsbild
"Geralf: Ich hab damals een in der Straßenbahn jesehn, [...] der hatte Jesuslatschn, hatte so helle Strümpfe un hatte Punk droffjeschriebn off den. Un da dacht ich: ´Ach das is n Punk´." (Westhusen 2005, 17, zit. n. Pochop). Anfangs war es recht schwierig einen Kleidungsstil zu finden, da die Szene noch sehr neu und unbekannt war, bzw. fehlten den Jugendlichen viele Informationen. "´Wir wollten Einzelwesen sein´, sagte die ehemalige Punkerin [...] Cornelia Schleime" (Thurm 2013, 5, zit. n. Boehlke 2006). Einzigartig sein war das Ziel, vor allem, was die Mode anging. Die DDR-Punker wollten auffallen und für Furore sorgen und orientierten sich an den Punks im Westen.
So wurden T-Shirts und Hosen zerschnitten, zerrissen, mit Parolen (z.B. "Haut die Bullen platt wie Stullen") oder dem Anarchiezeichen beschriftet und mit Nieten und Buttons versehen (vgl. ebd., 6). Oder man klaute im nächsten Krankenhaus OP-Klamotten und machte diese zu Punker-Outfits, denn zu kaufen gab es diese nirgendwo. Als Fußbekleidung dienten häufig Sicherheitsschuhe oder ´Dr. Martens´- Stiefel (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.2008).
Auch die Frisur musste bald auffallend und provokant sein. Statt der bisher beliebten langen Hippie-Haare, schnitt man sich diese ab, rasierte sich die Seiten kurz und stylte sich einen Irokesenschnitt. Dies konnte aber nur unter Freunden geschehen und nicht beim Friseur, weil dieser mit Konsequenzen vom Staat rechnen musste. Da es im Handel genauso wenig Utensilien für den Frisurbedarf gab, suchte man sich Hilfsmittel. Die Haare wurden mit Batikfarben, Stempelfarbe, manchmal auch mit Fußpilzmittel, gefärbt, um einen intensiven Lila-Ton zu erreichen, und mit Zuckerwasser und Haarlack zum Stehen gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rebellion im Arbeiter- und Bauernstaat: Einleitung in das Lebensgefühl der DDR-Jugend und deren wachsenden Widerstand gegen die staatliche Gängelung in den 70er Jahren.
2. Eine neue Jugendkultur im Osten: Beschreibung der Entstehung, des Erscheinungsbildes, der Bedeutung der Musik und der Ideologien innerhalb der Punkszene.
3. Politik: Analyse der politischen Ausrichtung der Punks und der daraus resultierenden Konflikte mit dem Staat, inklusive staatlicher Repression und der Rolle kirchlicher Schutzräume.
4. Resümee: Fazit über die Motivation der Jugendlichen und die langfristige Bedeutung der Bewegung als Herausforderung für das DDR-System.
Schlüsselwörter
DDR, Punk, Jugendkultur, Widerstand, MfS, Staatssicherheit, Rebellion, Musik, Ideologie, Repression, Subkultur, Kirche, Individualität, Freiheit, DDR-Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Punkszene in der DDR und untersucht die Motive der Jugendlichen, Teil dieser Subkultur zu werden.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die Arbeit beleuchtet die Entstehung der Szene, den Kleidungsstil, die Bedeutung des Punkrocks, die ideologische Ausrichtung sowie die staatliche Unterdrückung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Beweggründe der Jugendlichen für ihren Eintritt in die Punkszene und deren oppositionelle Haltung gegenüber dem DDR-Staat zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine Belegarbeit, die auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse basiert, um die historischen Zusammenhänge aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der kulturellen Identität (Mode, Musik) sowie die politische Analyse der Auseinandersetzung zwischen Punks und Staatsorganen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe umfassen DDR, Punk, Jugendkultur, Widerstand, Staatssicherheit, Repression und individuelle Freiheit.
Inwiefern diente die Kirche als Zufluchtsort für Punks?
Die Kirche bot einen Raum, der dem direkten staatlichen Zugriff teilweise entzogen war, und ermöglichte es den Jugendlichen, Proben abzuhalten und Konzerte zu veranstalten.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff der "Klärung eines Sachverhalts"?
Dies war eine gängige Taktik des MfS bei Verhören, um Druck auf die Punks auszuüben und Namen anderer Szenemitglieder zu erpressen.
- Arbeit zitieren
- Lisa Bartschat (Autor:in), 2014, Punk im Osten. Die Punkszene in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359171