Die folgende Hausarbeit befasst sich mit der früh-mittelhochdeutschen Literatur. Ich habe den Schwerpunkt auf den Fall Lucifers aus dem Himmelsreich und dessen Bedeutung für die Erschaffung des Menschen gelegt, da ich die Frage beantworten möchte, wie der Mensch erschaffen wurde.
Hierzu möchte ich zunächst auf die Entstehungsgeschichte der Wiener Genesis und ihre sprachlichen Besonderheiten eingehen. Im Anschluss folgt eine genauere Untersuchung der Darstellung Lucifers in der Wiener Genesis. Da die Entstehung des Menschen eigentlich das Thema der biblischen Genesis ist, möchte ich im Anschluss die Priesterschrift und den Sündenfall analysieren und so herausarbeiten, weshalb gerade Lucifer für die menschliche Erschaffung so essenziell ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Analyse der Wiener Handschrift
2.1 Die Wiener Genesis: Die Darstellung von Lucifers Fall aus dem Himmelsreich
3. Die Erschaffung des Menschen in der Priesterschrift
3.1 Das Paradies und der Sündenfall in Genesis 2,4b-3,24.
4. Schlusswort: Die Funktion Luzifers
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung des Falls von Lucifer aus dem Himmelsreich für die biblische Erzählung der Erschaffung des Menschen, indem sie die Wiener Genesis mit der Priesterschrift vergleicht und analysiert, wie diese Texte die Rolle und Funktion des Menschen definieren.
- Literarische und kulturelle Bedeutung der Wiener Genesis
- Analyse der Wiener Handschrift (äußere und innere Merkmale)
- Die Darstellung von Lucifers Hochmut und seinem Fall
- Vergleich der Schöpfungsgeschichte in der Priesterschrift und der Wiener Genesis
- Die Analogie zwischen dem Luciferfall und dem Sündenfall des Menschen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Wiener Genesis: Die Darstellung von Lucifers Fall aus dem Himmelsreich
Zu Beginn der Genesis, gibt es eine Beschreibung des Seins-Zustandes. „Gott ist alleine, Anfang.“ Dies impliziert bereits die christliche Vorstellung, dass Gott der Ursprung von allem ist. Zunächst erschuf er Engel 12. Insgesamt waren es zehn Chöre. Die bekanntesten sind Cherubim und Seraphim.
Ein Engel jedoch, „überstrahlte alle“, diesen Engel nannte Gott Lichtträger. An dieser Stelle wird bereits die besondere Funktion Lucifers impliziert. Es scheint, als ob dieser schon zu Beginn seiner Erschaffung über den anderen Erzengel steht. Lucifer ist sehr beliebt und hat viele Anhänger: „zu seinem Chore gehörte eine große Schar“. Gott wird als gütiger und barmherzig charakterisiert, er liebte ihn sehr.
Nun gibt es einen Einschnitt. Das Bild Lucifers ändert sich. Dieser wird nämlich anmaßend. Lucifer stellt sich mit Gott auf die gleiche Stufe. Er ist der Meinung, dass er ebenso „schön, ebenso, gewaltig“ wie Gott ist. Diese Anmaßung gipfelt in einer Klimax. Es wird deutlich, dass Lucifer sich nicht nur mit Gott gleichsetzt, er möchte einen eigenen Thron errichten, der sich weiter nördlich befindet. Auffallend an dieser Textstelle ist, dass Lucifer Gott nicht ersetzen möchte, vielmehr möchte er auf einer Ebene mit ihm sein. Die Motive für Luzifers Frevel sind hauptsächlich Hochmut und Neid. Er lehnt die bestehende Ordnung mit Gott als der Spitze der Schöpfung entschieden ab und ist sich seiner Anmaßung bewusst. Er sieht sich als Widersacher zum göttlichen Gesetz, welches als gültig anerkannt wird und in der Wiener Genesis auch nicht in Frage gestellt wird. Osterkamp sieht in Lucifers Handeln eine „metaphysiche Revolte- in der der Rebell im Kampf gegen die eigenen Lebensbedingungen seinen Widerstand gegen die Verhältnisse in ihrer Totalität leistet“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der altdeutschen Genesis ein und definiert das Forschungsziel, den Fall Lucifers als Ursprung für die Erschaffung des Menschen zu untersuchen.
2. Die Analyse der Wiener Handschrift: Dieses Kapitel widmet sich den materiellen und formalen Aspekten der Wiener Genesis, einschließlich ihrer Überlieferung, Ausstattung und sprachlichen Merkmale.
2.1 Die Wiener Genesis: Die Darstellung von Lucifers Fall aus dem Himmelsreich: Dieser Abschnitt analysiert den Hochmut Lucifers, seinen Sturz aus dem Himmel und seine Rolle als zum Vasall degradiertes Wesen.
3. Die Erschaffung des Menschen in der Priesterschrift: Hier wird die biblische Schöpfungsgeschichte kontextualisiert und der Mensch als Abbild Gottes innerhalb der Weltordnung betrachtet.
3.1 Das Paradies und der Sündenfall in Genesis 2,4b-3,24.: Dieses Kapitel untersucht den Sündenfall und stellt eine Analogie zwischen der Vertreibung des Menschen und dem Sturz Luzifers her.
4. Schlusswort: Die Funktion Luzifers: Das Fazit fasst zusammen, dass Lucifer eine zentrale Rolle für die Existenz des Menschen spielt, da seine Rebellion Gott erst zur Erschaffung des Menschen als Ersatzchor veranlasste.
Schlüsselwörter
Wiener Genesis, Priesterschrift, Lucifer, Sündenfall, Schöpfungsgeschichte, Mittelalter, Mediävistik, Hochmut, Gott, Mensch, Handschrift, Paradies, Engel, Erlösung, Bildbibel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die früh-mittelhochdeutsche Wiener Genesis mit einem Fokus auf die Rolle Luzifers und dessen Einfluss auf die biblische Schöpfungsgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Hochmut und Fall Luzifers, die Beschaffenheit der Wiener Handschrift sowie die Analogie zwischen dem Sündenfall des Menschen und dem Sturz des Lichtträgers.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, weshalb Lucifer für die Erschaffung des Menschen so essenziell ist und ob seine Sünde als Auslöser für die Erschaffung des Menschen als "Ersatz" im Himmelschor verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin kombiniert eine textimmanente Analyse der Wiener Genesis mit einem vergleichenden Ansatz zur biblischen Priesterschrift sowie einer mediävistischen Betrachtung der Handschriftenmerkmale.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der physischen Handschrift, eine inhaltliche Exegese des Lucifer-Sturzes und einen Vergleich der verschiedenen biblischen Schöpfungsberichte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben den zentralen Begriffen wie Wiener Genesis und Lucifer spielen Begriffe wie "Ersatzchor", "Göttliche Ordnung", "Hochmut" und "Mediävistik" eine entscheidende Rolle für das Verständnis.
Warum wird Luzifer in der Wiener Genesis als "Lichtträger" eingeführt?
Er wird so eingeführt, um seinen hohen Status vor dem Fall zu betonen, was seine spätere Anmaßung und den Kontrast zu seinem teuflischen Dasein nach dem Sturz drastisch hervorhebt.
Welche Rolle spielt der "Vasallen-Begriff" in der Interpretation des Lucifer-Falls?
Der Begriff unterstreicht die ewige Unterordnung Luzifers unter Gott. Selbst in seinem Aufbegehren bleibt er ein Geschöpf, das niemals echte Gleichheit mit dem Schöpfer erlangen kann.
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- Jennifer Stano (Author), 2016, Wiener Genesis. Die Bedeutung Lucifers für die Erschaffung des Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359210