Konstruktion und Dekonstruktion von Körpern in Ferdinand Grautoffs Zukunftskriegsroman "1906. Der Zusammenbruch der alten Welt"

Körpermassen/Massenkörper


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
17 Seiten, Note: 2,0

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Inhalt

1. Einleitung/Zielsetzung

2. Individuelle Körper - Menschen in Funktionen
2.1 Amt und Würden - Stellvertreterkörper
2.2 Mensch-Maschinen - Symbiose von Soldat und Waffe

3. Massenkörper
3.1 In Reih' und Glied - Militärische Kollektive
3.2 Menschenfluten - Entgrenzte Körper

4. Körpermasse - Auflösung und Fragmentierung

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur

1. Einleitung/Zielsetzung

Das vom Leipziger Journalisten Ferdinand Grautoff 1905 unter dem Pseudonym Seestern veröffentlichte „1906. Der Zusammenbruch der alten Welt“ erzählt die Ereignisse eines Krieges zwischen den europäischen Staaten und fällt in die Gattung der Zukunftskriegsgeschichten. Als Vorbild für die Gattung gilt das 1871 von Sir George Tomkyns Chesney zunächst anonym veröffentlichte „The Battle of Dorking“.[1] Für meine Arbeit wesentliche Eigenschaften von Grautoffs Roman kommen in der Einordnung durch Friedrich zur Sprache:

„Die Wahl des Pseudonyms Seestern und der Erzählhaltung zielt auf eine Dokumentarfiktion, deren Autor sich als Historiker maskiert und sowohl auf Prophetie wie Faktizität Anspruch erhebt. [...] Die Sympathieverteilung zielt auf die Präsentation des Charakterprofils einer Nation oder Partei. Die Handlungsführungsmodelle sind aus der Trivialliteratur bestens bekannt: Duellsituationen, die Konstellation David gegen Goliath, Rettung in letzter Minute, Verteilung von Lohn und Strafe als Mittel poetischer Gerechtigkeit.“[2]

„1906“ verzichtet weitgehend auf menschliche Protagonisten, vielmehr erscheinen die Staaten oder Nationen als eigentlich handelnde Größen. Wesentliche Teile des Romans rücken Kriegsgeschehen in den Mittelpunkt. Im Folgenden werde ich verschiedenen Konzepten von Körpern und Körperlichkeit nachgehen, die in „1906“ erkennbar werden. Der in „1906“ imaginierte Krieg zwischen den europäischen Mächten ist ein mit konventionellen Mitteln geführter Krieg. Die Fiktion trägt jedoch dem damaligen Rüstungsstand der Kriegsparteien Rechnung und lässt mit Maschinengewehren bewaffnete Massenheere sowie die damalige moderne Artillerie und Kriegsschiffe gegeneinander antreten. Im Folgenden wird es mir um den Körper des Menschen im Krieg, seine Funktion und seine Fragmentierung, ebenso gehen wie sein Verhältnis zu übergeordneten „Kollektivkörpern“, mithin dem „Körper der Gesellschaft“.[3] Diesen werde ich im Verlauf dieser Arbeit auch als „Volkskörper“ bezeichnen, wohl wissend, dass es ein unter anderem durch Rassismus und Antisemitismus problematisch besetzter Begriff ist.[4] Gleichwohl sind die zugrundeliegenden Vorstellungen vor dem ersten

Weltkrieg verbreitet und, wie Philipp Sarasin gezeigt hat, auch heute noch beispielsweise in der Rethorik des US-amerikanischen „War on Terror“ aktiv.[5]

2. Individuelle Körper - Menschen in Funktionen

Obwohl in Grautoffs Roman keine menschlichen Protagonisten im eigentlichen Sinne auftreten, bedeutet dies keinesfalls, dass einzelne Menschen nicht in ihren Handlungen und Erscheinungen beschrieben werden. Sie fallen in der Hauptsache in zwei Kategorien: Amtspersonen und Soldaten. Diese Rollen bestimmen den Stellenwert ihrer Körperlichkeit.

2.1 Amt und Würden - Stellvertreterkörper

Der Weltkrieg in „1906“ beginnt mit einem Konflikt in der Kolonie Deutsch-Samoa. Als die Spannungen zunehmen und die öffentliche Sicherheit und Ruhe allmählich verloren gehen, kommt es zu folgender Szene:

„Draußen wurde ein Chinese mit Kolbenstoßen von eingeborenen Polizeisoldaten in den kleinen Vorhof geführt, welcher zum Gouvernement gehörte. Eine Ordonnanz trat ein und meldete, der Chinese habe nach kurzem Wortwechsel einen Polizeisoldaten auf offener Straße erschossen. Erschossen??! Hier ist das Gewehr; die Ordonnanz überreichte es. Ein Zucken ging über Dr. Soifs bartloses Gesicht. Er stieß den Kolben des Gewehres mit kraftvoller Hand schmetternd auf den Fußboden, trat, die Faust an dem Gewehrlauf, an den Beratungstisch, und den durchdringenden Blick auf Mr. Schumacher geheftet, sagte er: 'Es ist heute das zweite Mal, daß mir amerikanische Marinegewehre ins Haus getragen werden.

In einer halben Stunde werden zwei Doppelposten vor dem Konsulatsgebäude der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika Stehen, damit keine Gegenstände aus dem Gebäude mehr - gestohlen werden können. Die Amerikaner grüßten eilig und empfahlen sich. Die Engländer folgten ihnen. Zu kurzer Beratung blieben Kptlt. Schröder und Dr. Soif noch zusammen, dann kehrte auch dieser an Bord zurück.“[6]

An dieser Beschreibung lässt sich vieles beobachten, was für die Körperlichkeit von Amtspersonen in „1906“ exemplarisch ist. Sie steht hier voll und ganz im Zeichen einer offiziellen Position. Das „Zucken“ über dem „bartlosen Gesicht“ bildet eine emotionale Regung ab, deren genaue Ursache jedoch Spekulation bleiben muss - Details zur Persönlichkeit von Dr. Soif finden sich keine und seine persönlichen Befindlichkeiten sind auch nicht von Belang. Der Mensch stellt sich in den Dienst eines Amtes, einer Funktion, die er im Wortsinne verkörpert. Die von „kraftvoller Hand“ geführte Geste mit dem Gewehr, die „Faust am Gewehrlauf“, der Schritt nach vorne und der „durchdringende Blick“ stellen eine fragmentarische Beschreibung von Körperlichkeit und körperlichen Handlungen dar, die nachgerade zu einem Klischee von Drohverhalten verdichtet sind. Dieses wird kurz vor der weiteren Eskalation abermals bemüht:

„5 Minuten vor 9 Uhr. Dr. Soif erscheint auf der Veranda der Gouvernementsgebäudes. [...]

Am Flaggenstock des englischen Konsulats fliegt eine Signalflagge empor bis dicht unter die Landesflagge. Die Entscheidung! Alle Augen suchen Dr. Soif, dessen eiserne Gesichtszüge keine Bewegung verraten. Jetzt nimmt er den Federhut ab, tritt an die Brüstung der Veranda und umklammert mit beiden Fländen das Geländer, festen Auges aufs Meer blickend.“[7]

Auch hier wird Körperlichkeit in Ausschnitten und Einzelgesten dargestellt. Sie beschränkt sich auf das Gesicht, insbesondere die Augenpartie, die Hände und eine vorwärtsgerichtete Bewegung. Die Schilderung des Zusammentreffens zwischen dem englischen Botschafter und dem italienischen Außenminister bei der Unterbreitung des englischen Ultimatums greift auf ähnliche Mittel zurück:

„[...] Ich bin daher beauftragt von meiner Regierung,' der Botschafter erhob sich und stützte die rechte Hand auf den Schreibtisch des Ministers, 'dem italienischen Ministerium des Auswärtigen folgendes zu unterbreiten:!...]. Tiefes Schweigen herrschte in dem dämmerigen Gemach. Auf den Zügen des italienischen Ministers malte sich eine schlecht verhohlene Bestürzung. Der Engländer Stand, die rechte Hand auf der Lehne des Stuhles, wie eine aus Erz gegossene Statue mitten im Zimmer.“[8]

Den Amtsinhabern sind hier keine Namen gegeben. Ihre ausschnittsweise beschriebene Körperlichkeit dient allein ihrer Funktion als Vertreter ihres jeweiligen Nationalstaates. Die „Bestürzung“ des italienischen Ministers zeigt sich zwar auf dessen Gesicht, ist aber nicht seine persönliche Bestürzung. Sie veranschaulicht die Überrumpelung des in ihm personifizierten Italien - ebenso, wie die rechte Hand des Botschafters auf dem Tisch den Übergriff Englands bedeutet und die zur herrschaftlichen Pose erstarrte, statuenhafte Körperhaltung des Engländers sich im Botschafter zwar manifestiert, aber mit der Haltung Englands gleichzusetzen ist.

2.2. Mensch-Maschinen - Symbiose von Soldat und Waffe

Ein Großteil der in „1906“ beschriebenen Handlungen sind Kampfhandlungen. Der von Grautoff imaginierte Weltkrieg ist geprägt durch massenhaften Einsatz von Menschen als Soldaten wie auch durch moderne Waffentechnik im Bereich von Artillerie und Kriegsschiffen. Kapitelüberschriften wie „Die Seeschlacht von Helgoland“[9], „Die Seeschlacht vor Neapel“[10], „Die Seeschlacht von Spezzia“[11] und „Die Millionenschlacht“[12] sprechen insofern für sich. Die körperlichen Handlungen der Soldaten sind bei den Schlachtbeschreibungen in aller Regel denen des Kollektivs untergeordnet. Im Falle der Seeschlachten erscheinen überwiegend die Schiffe selbst als Akteure.[13] Dort, wo menschliche Körper in ihren Handlungen in den Blick rücken, ist die Darstellung wie im Falle von Amtspersonen auf Ausschnitte und einzelne Handlungen reduziert:

„Stumm standen die Mannschaften im Torpedoraume an dem mattglänzenden Rohre. Da erschien in Flammenschrift vor ihnen an der Außenwand das Kommando: Achtung. Ein Seufzer der Erleichterung ringsum. Endlich also. Die Hand am Hebel, den zweiten Torpedo bereit, daß er sofort dem ersten in das Lanzierrohr nachgeschoben werden konnte [...].

[...]. Den Hebel herumgerissen; ein leises Gurgeln und Schluchzen von Wasser, das in die leere Kammerschleuse des Lanzierrohres hineinflutete. Das Geschoß war fort. ... Traf es?...Kräftige Arme ergriffen den zweiten Torpedo [...]. [...]von hinten her dröhnte das Stöhnen und Stampfen der rastlos arbeitenden Maschinen, von außen krachten wuchtige Schläge gegen die Schiffswand.[14]

Menschliche Körper und Handlungen sind vor allem insoweit von Belang, als sie für die Bedienung von Kriegsgerät wichtig sind, vor allem für die Versorgung mit Munition und die Auslösung von Schüssen. Das Bild von den nachladenden „sehnigen Armen“ wird denn auch mehrfach im Zusammenhang mit der Bedienung großer Geschütze verwendet.[15] Mehr noch: an diesem Abschnitt zeigt sich eine Verschränkung von Mensch und (Kriegs)maschine, die charakteristisch für „1906“ ist. Der Maschine kommt in dieser und anderen Schilderungen eine eigene, anthropomorphisierte Körperlichkeit zu, zu welcher der Verweis auf menschliche - nicht aber sprachliche -

Körperlaute wie „Schluchzen“ und „Stöhnen“ entscheidend beiträgt. Ähnlich gestaltete Symbiosen liegen vielen Beschreibungen zugrunde und ihre Zerstörung bedeutet nicht zwangsläufig ihre Aufhebung:

„Neben mir Stand noch das englische Geschütz, über der Lafette lagen zwei tote Kanoniere, den Kopf in der Todesstarre krampfhaft nach oben gebogen. [...]. Mitten auf der Chaussee stand ein zweites englisches Geschütz. Auch verlassen, auch von einer stummen Totenwache umlagert; jener Leutnant, der am Mittag das [...] Geschütz ins Feuer geführt hatte, lehnte am Rade der Lafette. Die rechte Hand hielt noch den Krimstecher, den Kopf hatte eine Granate fortgerissen. Die Protze dahinter auf der Chaussee war in den Graben geschleudert, ihre Deichsel starrte wie ein Galgen in die Luft, den Kopf des einen Pferdes wie mit dem Strick eines Henkers in die Luft zerrend.“[16]

Verwundung und Verstümmelung menschlicher und in diesem Fall auch tierischer Körper stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Zerstörung von Kriegsgerät. Sowohl die Körper der Soldaten als auch derjenige des Geschützes werden in ihrer Auflösung, in ihren fragmentierten und funktionaler Zusammenhänge beraubten Einzelteilen gezeigt. Der dem Individuum übergeordnete Körper der Mensch-Maschine hat seine Funktion somit verloren, aus der er zuvor seine Legitimation bezog. Solange die Funktion, das „Zufügen von Schaden“[17], aufrecht erhalten werden kann, sind einzelne Teilkörper ersetzbar. Besonders deutlich wird dies gerade an den Stellen, in denen der Text die Auswirkung schwerer Artillerie auf menschliche Körper detailliert zu beschreiben sucht:

„Während das Fort Kugelbaake weniger zu leiden hatte, fiel die erste auf Fort Grimmerhörn gerichtete feindliche Granate mitten in die Batterie, und mit mathematischer Genauigkeit gezielt, folgten mehr als ein Dutzend weiterer Geschosse. Reihenweise sanken die Kanoniere dahin, und zwischen den nur durch Erdtraversen, aber durch keine Panzerung geschützten Kanonen räumten die feindlichen Granatsplitter in grauenvoller Weise auf. Immer neue Mannschaften ersetzten die Gefallenen, die zu blutigen Fleischklumpen zerhackt, ein entsetzliches Ende gefunden hatten. Die Podeste hinter den Geschützen waren von Blut und Fleischfetzen schlüpfrig, auf ihnen handhabten die dem Verderben schutzlos preisgegebenen Artilleristen maschinenmäßig mit sehnigen Armen die Ladevorrichtungen[...].[...]. Um 2 Uhr war die Hälfte der Geschütze in Grimmerhörn außer Gefecht gesetzt. Bei zwei Rohren waren die Liderungen durch hineinspritzenden Sand und Steinstücke undicht geworden. Ein anderes Geschütz war durch einen seitlichen Volltreffer auf die Lafette aus seiner Stellung geworfen worden, und hatte einige Artilleristen mit seiner schweren Masse unter sich zerquetscht. Das Innere der Batterie bot ein scheußliches Bild der Verwüstung. Blutige Fleischmassen in verbrannte und zerrissene Uniformfetzen gehüllt und rauchende Blutlachen da, wo eben noch lebende Menschen gestanden. Eine Sanitätsabteilung schleppte unter dem feindlichen Feuer von Granatsplittern umsaust, einige Schwerverwundete in die bombensicher eingedeckten Räume. Aber ohne Zaudern traten neue Ersatzmannschaften aus dem Innern des Forts auf die Ladepodeste, unablässig brüllten und donnerten die Geschütze zwischen den Erdtraversen hervor, die allmählich, von krepierenden Geschossen zerwühlt, ihre regelmäßigen Formen verloren und zu grauen Erdhaufen wurden.“[18]

Die individuelle Körperlichkeit der die „Ersatzmannschaften“ ausmachenden Menschen bleibt verborgen. Analog den Schäden am menschlichen Körper werden die Schäden an Waffen und Befestigungsanlagen detailliert beschrieben. Die zu „blutigen Fleischmassen“ aufgelösten Körper ihrer Vorgänger sind hier, bei aller Drastik der Darstellung, als „Materialschaden“ zu sehen. Mensch wie Waffentechnik erfüllen erst in der Verschmelzung ihrer Körper ihre Funktion, auf die sie beschränkt bleiben und die durch die Waffe vorgegeben ist[19] Die Hierarchie wird bestimmt von der Haltbarkeit. . „Männer von Stahl [mit] Herzen von Eisen“[20] bestehen letzten Endes eben doch aus Fleisch und Blut, die unter Granatenbeschuss sehr schnell Form wie Funktion einbüßen.

3. Massenkörper

Kollektiven Körpern, in denen Individuen gleichermaßen wirksam wie unsichtbar werden, kommt in „1906“ große Bedeutung zu. Diese ist keineswegs einheitlich. Bei näherer Betrachtung zeigen sich Ambivalenzen in der Beschreibung und Bewertung von Kollektiven. Entscheidend sind hier Aspekte von Abgrenzung und Kontrolle.

3.1 In Reih' und Glied - Militärische Kollektive

Kleinere Kollektivkörper wie militärische Einheiten lassen sich ohne Probleme in den wiederum übergeordneten Körper der Armee einordnen:

„Vier Tage lag das dritte Bataillon bereits auf diesem Acker eingegraben. [...]. Ein Bataillon, ein Sternchen nur in der riesigen Frontmauer von beinahe einer halben Million Menschen, die bis jetzt vergebens versuchten, dem fast um die Hälfte stärkeren Feinde Schritt für Schritt Boden abzugewinnen. Den etwa 400000 Streitern der ersten und zweiten deutschen Armee standen in den Stellungen, die sich von Arras bis Thälons hinzogen, über 600000 Franzosen gegenüber.“[21]

Das hier als Einheit auftretende und handelnde „dritte Bataillon“ ist als Ausschnitt des ihm wiederum übergeordneten Armeekörpers zu verstehen. Zu Zeiten des ersten Weltkrieges bestand ein Bataillon aus 650 Soldaten.[22] Im Fachbegriff Bataillon werden also 650 Körper zu einem zusammengefasst. Der Text liefert diese Information nicht mit, sodass die Zusammensetzung des Kollektivkörpers aus dem Blick gerät und mit ihr die körperlichen Folgen des Kriegs für den menschlichen Körper.[23] Auch hier steht die Funktion im Vordergrund, nämlich diejenige, dem Feind Boden abzugewinnen, und der Verlust von hundert Soldaten[24] ist für den Kollektivkörper weniger von Belang, als es derjenige eines Offiziers ist. In beiden Fällen besticht indessen die Austauschbarkeit: „Mittags 12 Uhr fiel der Major Brandstetter und Hauptmann von Unruh übernahm die Führung des Bataillons.“[25] Die Steuerung des Armeekörpers und seiner Handlungen geht, so legt es die Schilderung der Kommandozentrale nahe, vom Willen eines Kommandanten aus, der sich über ein „Nervengeflecht“ aus Informationstechnologie und Befehlsketten in alle einzelnen Bestandteile übertragen lässt:

„Neben dem Gartensaal hatte sich die Feldtelegraphie eingerichtet, die überallhin ihre Drähte abgerollt und teilweise unter Benutzung der französischen Telegraphen an der Landstraße sie nach allen Truppenabteilungen, bis in die Schützenlinien hinein, verzweigt hatte. [...] ganze Drahtbündel zogen sich nach dem Gutshof hin. An ihnen lenkte, wie an den Drähten eines Marionettentheaters, der Höchstkommandierende die Bewegungen jedes einzelnen Bataillons.“[26]

Dass in kurzer Abfolge von „Marionettentheater“ (hier durchaus nicht negativ besetzt), „Heeresmaschine“[27] und „[...jneuen Befehlen für die Truppenkörperf...]“[28] die Rede ist, scheint zunächst widersprüchlich. Es verweist jedoch anschaulich auf den Charakter und die Bedingungen des Heeres. Dieses ist ein aus nicht individualisierten Menschen zusammengesetzter Kollektivkörper, der seine Handlungsfähigkeit und mithin seinen Status als „Körper“ scharfer Abgrenzung nach außen sowie strenger Organisation nach innen verdankt. Wie entscheidend Begrenzung und Kontrolle gerade für einen aus einer halben Million Menschen bestehenden Kollektivkörper sind, zeigt sich dann, wenn große Mengen Menschen außerhalb solcher Strukturen zur Sprache kommen.

3.2 Menschenfluten - Entgrenzte Körper

Gegenüber dem als Kollektivkörper klar umrissenen Heer steht die Masse. Auch sie besteht aus nicht individualisierten Menschen, ist aber im Gegensatz zum durch seine straffe Organisation handlungsfähigen Armeekörper vor allem durch das Fehlen klarer Umrisse und Mangel an Kontrollmöglichkeiten gekennzeichnet. Wenn die militärische Ordnung verloren geht, ist das Heer kein funktionsfähiger Körper und in der Funktionslogik des Militärs überhaupt kein Körper mehr:

„Es gab kein Halten mehr und vor allem fehlte jede Disposition des Rückzuges auf feindlicher Seite. Die französischen Korpsführer verloren die Leitung über ihre Truppen. Vergebens, daß sich die Offiziere mit dem Revolver in der Hand den Fliehenden in den Weg warfen; vergebens, daß sie diesen oder jenen niederschossen, die zurückflutende Woge riß auch sie mit sich fort, und wollten sie nicht unter den Stiefeln ihrer Leute enden, so mußten sie mit dem Strome schwimmen.“[29]

Wenn die Grenzen von Disziplin und Drill aufgelöst werden, verliert der Kollektivkörper „Armee“ seine Steuerbarkeit, die ihm erst seinen Status verleiht. Grautoff verwendet für diesen Kontrollverlust Bilder von Naturereignissen, vor allem des Wassers. Ähnlich strukturierte Szenen ziehen sich durch den gesamten Roman.[30] Die „wogenden und flutenden“ Menschenmassen erweisen sich dabei als ambivalent. Die Auflösung jeglicher Ordnung im Fall der fliehenden französischen Armee ist deutlich negativ besetzt. Ebenso sind die Menschenmassen auf den kolonialen Kampfschauplätzen als bloße amorphe Bedrohung dargestellt:

„Wie Heuschreckenschwärme ergossen sich die ungezählten Massen fanatischer Glaubenskämpfer über die von Europäern einer Halbkultur geöffneten Länder Afrikas, aus ihrem dunklen Schoße im Innern immer neue Kräfte gebärend und gewaltige Menschenwogen nach den Küstenländern zutreibend. Vergebens mähten die englischen Maschinengewehre in einer Schlacht bei Chartum Tausende von Derwischen nieder. Die Zahl der Feinde minderte sich zwar, ergänzte sich aber stets[...].“[31]

Im Kontrast dazu Stehen andere Massen, obwohl sie mit den gleichen Natur- und Flutmetaphern beschrieben werden. Deutlich wird dies anhand der Menschenmassen, die sich im Vorfeld und unmittelbar nach Ausbruch des Krieges durch Berlin bewegen:

,,[...]das war der Krieg, überall stockte der Pulsschlag auf einer Sekunde Dauer. [...]Man stand wieder, die Flinte im Arm, als Volk in Waffen an des Reiches Grenzen. Und immer weiter schäumte der Gießbach, Wirbel und Strudel ziehend in den dunklen Wogen der Menge. Dann flössen die Wasser wieder zusammen, breit und majestätisch, und dahin brauste ein breiter Strom, aus allen Seitenstraßen weiteren Zufluß an sich ziehend und wogte kaum sich einengen lassend von den Häusermauern, zu einem See sich erweiternd vor des alten Kaisers schlichtem Hause[...]. Und jetzt lohte sie auf, die nationale Begeisterung des Volkes [...], jetzt brach der Sturm los unwiderstehlich, alles mit sich fortreißend und treibend, auch die behelmten Diener der öffentlichen Ordnung, die vergebens versucht hatten, die erregten Volksmassen in Reihen längs der Bürgersteige zu ordnen[...]. Wie Sturmgebrüll, wie des Orkans Gewalt klang es, Zehntausende jubelten hier des Reiches Kaiser entgegen [,..].“[32]

Wie im Fall der fliehenden, in Auflösung befindlichen Armee und der ungeordnet und unaufhaltsam angreifenden „Heuschreckenschwärme“ in den Kolonien werden für die deutschen Menschenmassen Vergleiche mit Naturgewalten bemüht, die scheinbar nicht zu kontrollieren sind. Scheinbar, denn obgleich die „behelmten Diener der öffentlichen Ordnung“ diese Ordnung nicht künstlich herzustellen in der Lage sind, ist die Kontrolle eben nicht verloren gegangen. Die vordergründig amorphe, brandende und fließende Masse ist, bei allem ihr innewohnenden chaotischen Potenzial, fest integriert in einen klar umrissenen, übergeordneten Kollektivkörper - den „Völkskörper“. Schon am beschworenen gleichmäßig stockenden Pulsschlag wird die Integration der Menschenmasse in ein als organisch gedachtes und von sich aus organisiertes und abgegrenztes Ganzes deutlich: das „Volk in Waffen an des Reiches Grenzen“, an dessen Spitze der Kaiser steht. Wie sehr diese Vorstellungen „1906“ prägen zeigt sich auch daran, dass vergleichbare Muster auch dort erkennbar sind, wo feindliche Massen porträtiert werden:

„Ein Wille, ein Gedanke, ein Gott beseelte diese wimmelnden Massen, die die Wüste geboren und die in endlosen Zügen jetzt herbeieilten, um der Stimme des neuen Propheten zu folgen und ihre Leiber in leidenschaftlichem Fanatismus den Maschinengeschützen und dem Kleinkaliber der Ungläubigen entgegenzuwerfen. [...]. Es war die Riesenorgel des Meeres, das alle Dämme zersprengte, das die Arbeit eines Jahrhunderts, das mühsame Werk einer fremden Kultur niederriß, es war der Erlösungsruf eines Volkes, das sich aus einem Zeitalter trostloser Knechtung aufzuraffen versuchte, das die Hand wieder ausstreckte nach der Herrschaft über den Orient.“[33]

Große Menschenmengen bleiben in „1906“ somit einerseits mit ähnlichen Vorstellungen biologistischer Organisationsprinzipien verbunden. Ein ähnlich legitimierter „Volkskörper“ wäre in der Logik des Romans auch für die als rückständig dargestellten Bevölkerungen der kolonisierten Länder möglich. Was dem auf Ebene des Textes entgegensteht sind fehlende greifbare und „feste“ Umrisse. Wo der vom Verfasser konstruierte deutsche „Volkskörper“ (und auch diejenigen der anderen europäischen Kriegsparteien) ihre klar umrissenen Grenzen geltend machen und im Krieg neu verhandeln, sind die Massen der „aufständischen Kolonialvölker“ nur „[...] entfesselte Flutenf...]“[34] und „[...JWogen, die unablässig nag[en] und bröckfeln]“[35], die „[...jalles Leben vor sich vernichten, [...] die Städte niederbrechen und zerstören, was der Fleiß eines Jahrhunderts gebaut.“[36] Erst verlässliche Umrisse machen den Unterschied zwischen formloser Masse und Kollektivkörper - und erst die westlichen Kulturvorstellungen und Organisationsprinzipien, so darf man es verstehen, schaffen einen solchen Rahmen.

4. Körpermasse - Auflösung und Fragmentierung

Die in „1906“ teilweise sehr detaillierten Schilderungen von Gewaltauswirkung auf menschliche Körper dürften in einigen zitierten Passagen bereits anschaulich geworden sein. Ihre Drastik mag zum Teil in der Faszination begründet sein, die Gewaltdarstellungen ausüben können.[37] Wenn Menschen unter dem massiven Beschuss zu [...jblutigen Fleischmassenf...]“[38] werden und von ihnen nur „[...jrauchende Blutlachenf...]“[39] bleiben, zeigt sich daran nicht nur, dass die modernen Waffensysteme Grautoffs Fantasie anregen, sondern es rückt auch das Innere des Körpers in den Blick, dessen Eindämmung und Kontrolle nach Theweleit eines der hervorstechendsten Merkmale soldatischer männlicher Körperlichkeit ist.[40] Die Befreiung dieses Inneren wird Theweleit zufolge zugleich gefürchtet wie ersehnt.[41] In „1906“ sind unter dem „Inneren“ weniger unterdrückte Triebe und Emotionen zu verstehen, als vielmehr die bloße Materie des Körpers, die „Körpermasse“. Wo sie innerhalb ihrer festen Grenzen einen funktionsfähigen menschlichen Körper bildet bleibt sie unsichtbar. Sichtbar wird sie erst mit der Auflösung der Körpergrenzen, und zwar vor allem als Fremdes und Ekelerregendes. Deutlich wird dies vor allem dort, wo sie im Rahmen einer der seltenen Individualisierungen Erwähnung findet:

„'Zu Be...'; mehr hörte Busch nicht, er spürte neben sich einen klatschenden Schlag und fühlte eine widerlich warme Masse sich auf die Wange spritzen. Meyer stürzte seitwärts vom Pferde und blieb liegen. Eine feindliche Kugel hatte ihn mitten in die Stirn getroffen.“[42]

An anderer Stelle zitiert der Text einen fiktiven Brief. In einer der Schlachtszenen heißt es:

„Der Krach des explodierenden Geschosses machte mich fast taub. Ich lag hilflos unter dem Pferd und griff mit der rechten Hand in eine ekelhafte, schmierige, warme Masse. Ein Stück der Granate hatte meinem Pferd den Bauch auf gerissen. [...] Ich blickte zurück [...] und sah [...] mitten auf der blutigen Masse einen Stiefel liegen.“[43]

Der Stiefel stellt sich als sein eigener Stiefel inklusive Bein heraus, ein Fragment seines Körpers, dessen Auflösung unter der Einwirkung des Bombardements begonnen hat. Der Schock lässt den Soldaten die Verbindung nicht gleich herstellen - was überwiegt, ist der Ekel angesichts der Konfrontation mit der entgrenzten, aus ihrem sinnvollen Zusammenhang gelösten Körpermasse. Sie wird auch lediglich als formlose Masse empfunden. Ekel als Abwehrreaktion ruft sie hervor, da sie Körpergrenzen in Frage stellt und die eigene körperliche Integrität bedroht. Diese Abwehrreaktion ist als eine des Individuums zu sehen. Daher leuchtet es ein, dass sie nur dort greifbar wird, wo sich der Text Figuren nähert, was aufgrund der Anlage als Dokumentarfiktion selten vorkommt. Wenn sonst von den verheerenden Auswirkungen des Krieges auf menschliche Körper die Rede ist, wo diese zu undefinierbarer toter Masse werden, wird dies vor allem in Beziehung zur Funktionsfähigkeit des Kollektivkörpers der Armee gesetzt. Bestenfalls indirekt wird eine Abwehrreaktion noch angedeutet:

„Es erforderte starke Nerven für die italienischen Kanoniere sich erst durch förmliche Leichenhügel und die auseinander gerissenen Körper ihrer Kameraden einen Weg an die Ladevorrichtungen bahnen zu müssen. In dem enge Raume der ungedeckten Barbettetürme, wo die riesigen 43 cm-Kanonen standen, watete man tatsächlich in Blut, Stand auf zermalmten Leichen und fand in dem Brei menschlicher Gliedmaßen oft nur mit Mühe noch einen festen Standpunkt. Die Geschoßaufzüge waren durch Blut und verspritzte Körperteile verschmiert, und oft fanden die rastlos laufenden Ketten der Munitionsaufzüge einen Widerstand an Knochenstücken, die in sie hineingesprengt waren.“[44]

Solange Soldaten auftreten, um die Gefallenen zu ersetzen und sie die „Nervenstarke“ dazu aufbringen, in der Unordnung aus fragmentierten Körpern und undefinierbarem Sumpf aus Körperflüssigkeiten eine funktionierende Gefechtsordnung zu erhalten, solange ist die Fragmentierung und Auflösung menschlicher Körper durch den übergeordneten Kollektivkörper aufgefangen und dessen Integrität vielleicht nicht unangefochten, aber nichtsdestotrotz behauptet. Erst dann, wenn die im Kollektivkörper unsichtbaren Einzelnen, beispielsweise unter dem Eindruck von ,,[...]vier [...] Schützengräben bis an den Rand mit zerstampften Menschenleibern gefülltf...]“[45], ihre Funktion innerhalb des Gefüges nicht mehr erfüllen, ist das Kollektiv selbst von Fragmentierung und Entgrenzung betroffen.

5. Schlussbetrachtung

Körper spielen in „1906“ auf verschiedenen Ebenen eine wichtige Rolle. An erster Stelle stehen dabei Aspekte der Funktionalität - unabhängig davon, ob es um einzelne Menschen oder um aus vielen Körpern zusammengesetzte Kollektive geht. Im Fall der einzelnen Körper kommen fragmentarische Beschreibungen von Körperlichkeit zum Einsatz, die jeweils die wichtigen Ausschnitte hervorheben. Für das politische Personal sind das vor allem Gesicht, Hände und Augenpartie, für die Soldaten vor allem Arme und Hände. Jeweils gilt, dass die Beschreibung den Anforderungen an die Funktion des Individuums folgt. Politiker und Beamte reden und geben Anweisungen, sie leihen ihren Körper offiziellen Positionen, die nicht ihre eigenen sein müssen, sondern dem übergeordneten Kollektiv der Nation zugehören. Soldaten hingegen Stehen in ihrer Körperlichkeit, die oft den verletzlicheren, ersetzbaren Teil einer Symbiose mit der von ihnen bedienten Waffe darstellt, im Dienst des Kollektivkörpers der Armee. Dieser ist seinerseits als ein Handlungsorgan des implizierten Körpers der Nation zu sehen.

Für die Armee sind Strukturierung der Masse an (hier zumeist ungenannten) Einzelkörpern durch Disziplin und Hierarchie von zentraler Wichtigkeit, da erst die solchermaßen gezogenen Grenzen den handlungsfähigen Kollektivkörper von einer amorphen Masse abheben. Amorphe Massen können in „1906“ aus lebenden Menschen bestehen, deren Körperlichkeit in dieser Masse auf geht.[46] Sie können aber auch aus im Kampf bis hin zur Auflösung erkennbarer Körperformen fragmentierten Menschenkörpern bestehen.[47] In beiden Fällen stellen sie vornehmlich eine Bedrohung für die mit ihr konfrontierten Körper und Kollektivkörper dar, indem sie bestehende Grenzen in Zweifel ziehen. Sowohl individuelle Körper als auch Kollektivkörper streben in „1906“ danach, ihre Grenzen zu wahren. Am deutlichsten tritt dies, wie beschrieben, für die Armee zutage.

Im Fall des „Volkskörpers“ ist die Lage weniger eindeutig, obwohl die Einheit des Volkes und seine Einigkeit mit dem Kaiser mehrfach betont wird.[48] Die Konstruktion des „Volkskörpers“ bleibt vage, die Grenze zwischen einem solchen Kollektiv und einer mehr oder weniger zufällig agierenden, chaotischen Masse wird willkürlich gezogen: Wenn die Bevölkerung des „Orients“ zwar „ein Wille“ beseelt[49], ihre Masse aber kein anerkanntes Kollektiv zu bilden scheint, spricht zunächst das für die Abgrenzung des Eigenen, als natürlich empfundenen Kollektivs gegenüber dem Fremden. Auf der Ebene des „Völkskörpers“ schließlich greift auch das Kriterium der Funktionalität nicht mehr, welches für den Stellenwert des Körpers des Einzelnen[50] wie für die Armee in „1906“ bedeutsam ist. Vielmehr steht dahinter die Vorstellung von einem natürlichen biologischen Körper des Sozialen.[51] Literarisch gestaltet wird diese Vorstellung indessen kaum; sie ist eher indirekt aus dem Umgang mit Massen zu erschließen, vor allem der des Fremden, das als geringer eingeschätzt wird[52]. Angesichts dieses Fremden findet auch eine Einigung der europäischen Kriegsparteien statt, vom deutschen Kaiser mit der ,,[...]Sorge um das Schicksal deutscher Landeskinderf...]“[53] eingeleitet und begründet. Die Solidarität gilt also vornehmlich dem eigenen Kollektiv. Eine darüber hinausweisende, rassistisch motivierte Solidarität wird in der Situation konkreter Bedrohung angedeutet[54], wird jedoch nicht weiter ausgestaltet. Eher spielen gemeinsame Interessen der voneinander abgegrenzt bleibenden Kolonialmächte, eine Rolle.

Was die teilweise extremen Gewaltdarstellungen des Romans mit ihren detaillierten Beschreibungen zerstörter menschlicher Körper anbelangt, so bleiben diese hinsichtlich ihrer Bewertung ambivalent. „1906“ bezieht in dieser Hinsicht keine eindeutige Position.[55] Einerseits werden massenhafte Verletzungen und Tod von Menschen als notwendige Opfer für die Gemeinschaft mit Sinn versehen, es wird Kameradschaft und Heldentum propagiert.[56] Demgegenüber Stehen geradezu zynische Schilderungen wie die des Brandes mehrerer Lazaretthäuser:

„Während aus jenen Unglückshäusern, mitten aus der Flammenglut der herzzerreißende Todesschrei hilfloser Menschen in die Finsternis hinausdrang, während das Dort langsam wie eine lodernde Fackel niederbrannte, tönten draußen von allen Seiten des Schlachtfeldes herüber die Militärkapellen der vorrückenden Truppen, den zwischen brennenden, stürzenden Bretterwänden dem Tode rettungslos Geweihten die Siegeskunde zutragend, der Choral von Leuthen: 'Nun danket alle Gott'.“[57]

Überwiegend wird jedoch individuelles Leid ausgeblendet und die Frage nach dem Sinn des Krieges, in der Fiktion des Romans ein Verteidigungskrieg[58], nicht gestellt: „Doch kein Raum zu solchen Gedanken. [..jAlle Mann aus den Torpedoräumen an die Geschütze.“[59]

6. Literatur

Primärliteratur:

Seestern [Ferdinand Grautoff]: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt. Volksausgabe 1.-5. Tausend. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Theodor Weicher, Leipzig 1905

Sekundärliteratur ะ

Bublitz, Hannelore: Zur Konstitution von Kultur und Geschlecht um 1900. In: Bublitz, Hannelore; Hanke, Christine; Seier, Andrea [Hsg.]: Der Gesellschaftskörper. Zur Neuordnung von Kultur und Geschlecht um 1900, S. 19-87. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2000

Douglas, Mary: Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozialanthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1986

Friedrich, Hans-Edwin: Science-Fiction in der deutschsprachigen Literatur. Ein Referat zur Forschung bis 1993. May Niemeyer Verlag, Tübingen 1995 Gugutzer, Robert: Soziologie des Körpers, 5., vollständig überarbeitete Auflage. Transcript Verlag, Bielefeld 2015

Maß, Sandra: Weiße Helden, schwarze Krieger. Zur Geschichte kolonialer Männlichkeit in Deutschland 1914-1964. Böhlau Verlag, Köln 2006

Sarasin, Phillipp: Abu Ghraib, Terrorist Vermin und der utopische Körper der Nation.

In: Hasselmann, Kristiane; Schmidt, Sandra; Zumbusch, Cornelia (Hrsg.): Utopische Körper. Visionen künftiger Körper in Geschichte, Kunst und Gesellschaft, S. 167-182. Wilhelm Fink Verlag, München 2004

Scarry, Elaine: Der Körper im Schmerz. Die Chiffren der Verletzlichkeit und die Erfindung der Kultur. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1992 Theweleit, Klaus: Männerphantasien Bd. 2. Männerkörper - zur Psychoanalyse des weißen Terrors. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1980

Online-Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bataillon (zuletzt abgegerufen am 29.09.2015) https://de.wikipedia.org/wiki/Volksk%C3%B6rper (zuletzt abgegerufen am 29.09.2015)

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[1] Friedrich, Hans-Edwin: Science-Fiction in der deutschsprachigen Literatur. Ein Referat zur Forschung bis 1993, S. 207

[2] Friedrich, Hans-Edwin: Science-Fiction in der deutschsprachigen Literatur. Ein Referat zur Forschung bis 1993, S. 208

[3] Vgl. Douglas, Mary: Ritual, Tabu und Körpersymbolik, S. 109 f.

[4] Vgl. https://de.wikipedia.org/wikL·Volksk%CЗ%B6rper

[5] Vgl. Sarasin, Phillipp: Abu Ghraib, Terrorist Vermin und der Utopische Körper der Nation, S. 171 ff.

[6] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 8

[7] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 12

[8] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 75 f.

[9] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 125

[10] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 80

[11] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 87

[12] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 147

[13] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 125 ff

[14] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 132

[15] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 52, S. 81

[16] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 105 f.

[17] Scarry, Elaine: Der Körper im Schmerz, S. 96

[18] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 52

[19] Vgl. Scarry, Elaine: Der Körper im Schmerz, S. 101, vgl. Musner, Lutz: Der Isonzo-Krieg 1915­1917, S. 224

[20] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 121

[21] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 147

[22] Vgl: https://de.wikipedia.org/wiki/Bataillon

[23] Vgl. Scarry, Elaine: Der Körper im Schmerz, S. 104

[24] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 148

[25] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 148 f.

[26] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 151

[27] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S.151

[28] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 151

[29] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 156

[30] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 102, S. 104

[31] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 174

[32] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 28 f.

[33] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 175 f.

[34] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 178

[35] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 178

[36] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 181

[37] Vgl. Gugutzer, Robert: Soziologie des Körpers, S. 41

[38] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 52

[39] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 52

[40] Vgl. Theweleit, Klaus: Männerphantasien Bd. 2, S. 161 f., S. 178

[41] Vgl. Theweleit, Klaus: Männerphantasien Bd. 2, S. 178

[42] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 67

[43] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 103

[44] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 83

[45] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 155

[46] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 156 f„ S. 174 f„ S. 181 ff.

[47] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 52, S. 83, S. 133

[48] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 29, S. 41

[49] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 175 f

[50] Vgl. Maß, Sandra: Weiße Helden, schwarze Krieger, S. 156

[51] Vgl. Bublitz, Hannelore: Zur Konstitution von Kultur und Geschlecht um 1900, S 81

[52] Vgl. Bublitz, Hannelore: Zur Konstitution von Kultur und Geschlecht um 1900, S 83

[53] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 171

[54] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 191

[55] Friedrich, Hans-Edwin: Science-Fiction in der deutschsprachigen Literatur. Ein Referat zur Forschung bis 1993, S. 208

[56] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 124, S. 136, S. 146

[57] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt S. 160

[58] Vgl. Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 79

[59] Seestern: 1906. Der Zusammenbruch der alten Welt, S. 134

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Konstruktion und Dekonstruktion von Körpern in Ferdinand Grautoffs Zukunftskriegsroman "1906. Der Zusammenbruch der alten Welt"
Untertitel
Körpermassen/Massenkörper
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Der Zukunftsroman um 1900
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V359235
ISBN (Buch)
9783668441293
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zukunftsroman, wilhelminisch, kriegsroman, zukunftskriegsroman, seestern 1906, volkskörper, artillerie, seeschlacht, splatter, Massenschlacht, 1. weltkrieg, kaiserreich, nationalismus
Arbeit zitieren
Lennart Riepenhusen (Autor), 2015, Konstruktion und Dekonstruktion von Körpern in Ferdinand Grautoffs Zukunftskriegsroman "1906. Der Zusammenbruch der alten Welt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359235

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