Unterrichtsmethoden. Von entdeckendem Lernen und Rollenspielpädagogik bis Frontalunterricht

11 Methoden von offen bis geschlossen


Seminararbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Unterrichtsmethoden - Inhalt

1) Projektmethode

2) Entdeckendes Lernen

3) Lernen an Stationen

4) Wochenplanarbeit

5) Werkstattarbeit

6) Lernen in Inszenierungen
Szenisch- dialogische Bildung
Entwicklung der Rollenspielpädagogik
Inszenierungsformen der Rollensielpädagogik

7) Gruppenpuzzle

8) Fallstudie

9) Lehrstückunterricht: Exemplarisch-genetisch-dramaturgisch

10) Frontalunterricht

11) Direct Instruction („Direktes Unterrichten“)

Literatur

1) Projektmethode

Bei einem Unterrichtsprojekt nehmen sich die Schülerinnen und Schüler eine Idee oder ein Problem vor. Ein vollständiges Projekt besteht aus sieben Komponenten:

1. Projektinitiative: Lehrer oder Lernende äußern eine Idee, eine Anregung, eine Aufgabe oder ein Problem. Vorschläge werden gesammelt. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen ein Gebiet selber zu strukturieren, die Beschaffung von Informationen selber organisieren und Bearbeitungswege eigenständig suchen.
2. Auseinandersetzung mit der Projektinitiative: Nun wählen die Lernenden eine Initiative, die ihnen sinnvoll und machbar erscheint. Sie präzisieren, grenzen ein, formulieren genauer und setzen Schwerpunkte. Das Ergebnis ist die Projektskizze, die an einer Wandtafel oder in einem Protokoll festgehalten wird.
3. Entwicklung des Betätigungsgebietes: Indem die Schülerinnen und Schüler geeignete Verfahren und Lösungsstrategien entwerfen, wird der Projektplan entwickelt.
4. Verstärkte Aktivitäten im Betätigungsgebiet: Der Projektplan wir ausgeführt und realisiert.
5. Abschluss des Projektes: Das Projekt endet mit einem fertigen Produkt.
6. Fixpunkte: Diese Komponente hat ihre Bedeutung vor allem in länger dauernden Projekten. Der Fixpunkt dient als organisatorische Schaltstelle und kann im Verlauf des Projektes bei Bedarf eingeschoben werden, um Orientierung zu schaffen.
7. Zwischengespräch / Metainteraktion: Die Lernenden unterhalten sich über das, was im Projekt geschieht, indem sie sich z.B. besinnen, ob die Projektskizze aus der zweiten Komponente eingehalten wurde. Einzelne Stränge werden noch einmal durchgegangen, zutage getretene Konflikte und Beziehungsprobleme werden aufgearbeitet.

Die Projektmethode gilt als sehr produktiv, denn wer entdeckend lernt, behält das Gelernte schneller und schafft leichter den Transfer. Wenn die Lehrperson zurücktritt, sollen vor allem auch die schwächeren Schülerinnen und Schüler profitieren. Für den schnellen Erwerb vorgegebener Objekte (Formeln, Daten, Namen) ist die Projektmethode allerdings ungeeignet.

2) Entdeckendes Lernen

Lernen durch Rekonstruktion und die Erweiterung des Wissens über einen bestimmten Gegenstand.

Ein wichtiger Aspekt des entdeckenden Lernens ist die Selbsttätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Dieser wurde auch schon von der Reformpädagogik als Leitidee angesehen und wird von vielen Institutionen gefordert.

Weiterhin spielt die Reflektion der Arbeit eine entscheidende Rolle.

Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, verschiedene Lernstrategien anzuwenden und diese zu verbessern. Ein Problembewusstsein muss geschaffen werden, damit die Schülerinnen und Schüler motiviert und möglicht eigenständig ein Problem zu hinterfragen und durch gezieltes Untersuchen einen Lösungsweg finden.

Entdeckende Lernformen erfordern meistens flexible didaktische Strukturen.

Für das entdeckende Lernen eignen sich Analogien aus der Lebenswelt der Lernende besonders gut, weil diese sowohl für einen motivierenden Einstieg (Problemstellung) als auch bei Schwierigkeiten im Denkprozess hilfreich sein können.

Ein Entdecker beobachtet zunächst einen Gegenstand, an dem etwas auffällig ist. So kommt er zu einer Fragestellung, stellt eventuell eine Hypothese auf. Als nächstes muss er Wissen, wie er verfahren soll, um an sein Ziel zu kommen, d.h. er benötigt eine geeignete Methode.

Im Mittelpunkt des Entdeckens können die unterschiedlichsten Thematiken stehen: Naturwissenschaften, Kunst, Musik etc.

Man unterscheidet vier Formen des entdeckenden Lernens:

- Entdecken- eine explorative Tätigkeit
- Entdecken- eine reflexive Tätigkeit
- Entdecken- eine konstruktive Tätigkeit
- Entdecken- eine formative Tätigkeit

Beim explorativen Entdecken geht es um Gegenstände, die für den Entdecker subjektiv neu oder unbekannt sind. Innerhalb des Entdeckungsprozesses eignet er sich neues Wissen an und nutzt vorhandenes Wissen. Er setzt sich, entweder selbstständig oder auch angeleitet, in einer Realbegegnung mit dem Gegenstand auseinander und deckt etwas, zumindest für ihn Neues heraus. Die Erkenntnis des Entdeckers muss nicht grundsätzlich neu sein. Das gewonnene Wissen muss durch eine weitere Erfahrung widerlegt oder bestätigt werden.

Entdeckungsanlässe können zum Beispiel durch ein Brainstorming geschaffen werden.

Die reflexive Tätigkeit innerhalb eines Entdeckungsprozesses dient dem Verinnerlichen und dem Begreifen des Wissens.

Als Reflexion ist hier der Umgang mit dem neuen Wissen gemeint. So setzen sich Schülerinnen und Schüler nicht nur handelnd sondern zusätzlich auch geistig mit dem Lerngegenstand auseinander.

Die dritte Form des entdeckenden Lernens ist die konstruktive Tätigkeit. Wenn Schülerinnen und Schüler etwas gestalten können, sind die Lerneffekte deutlich höher. Sie können sich Dinge veranschaulichen und so besser verinnerlichen. Es ist also notwendig, Lernende aktiv am Geschehen zu beteiligen.

Entdecken als formative Tätigkeit meint Entdecken als erfahrungsgestütztes Lernen im Gegensatz zum bloßen Wiedererkennen von Sachverhalten. Aufgedeckte, neue Erkenntnisse sollen den Lernenden dazu bringen seine vorhandenen Kenntnisse umzuwälzen, Unwichtiges auszusortieren, sein Wissen und können so neu zu formen.

Die Ergebnisse des entdeckenden Lernens können nur so gut sein, wie die didaktische Gestaltung der Rahmenbedingungen durch den Lehrenden. Es ist also notwendig, dass sich Lehrerinnen und Lehrer mit den Grundregeln des Entdeckens vertraut machen.

3) Lernen an Stationen

Bei der Stationenarbeit erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler ein in verschiedene Teilaspekte differenziertes Thema weitgehend selbstständig. Der gesamte Unterrichtsinhalt wird gleichzeitig angeboten, sodass die Lernenden über Reihenfolge und Verweildauer an jeder Lernstation selber entscheiden können. Ursprünglich stammt die Idee dieser Unterrichtsmethode aus dem Bereich des Sports und wurde in den 80er Jahren zunächst auf andere Fächer in der Grundschule übertragen. Die Förderung individuellen Lernens, Selbsttätigkeit, Selbstständigkeit und auch das gemeinsame Lernen der Schülerinnen und Schüler stehen dabei im Vordergrund. Eine große Variabilität und Vielseitigkeit der Materialien wird der Tatsache gerecht, dass Menschen sehr unterschiedlich denken, lernen und handeln. Je nach Lerntyp kann der Lernende nach eigener Wahl verstärkt auditiv, optisch oder kinästhetisch lernen. Außerdem können unentdeckte Begabungen und Talente geweckt und gefördert werden.

Die Zahl der Stationen und ihre Aufteilung in Pflichtstationen und frei wählbaren Stationen ist von der Komplexität des Themas, den Lernzielen, der Größe der Klasse und ihrem Leistungsniveau abhängig. Mit Symbolen können Inhalt und Schwierigkeitsgrad der einzelnen Stationen gekennzeichnet werden. Auf einem Laufzettel, auf dem sämtliche Stationen vermerkt sind, können die Schülerinnen und Schüler den Stand ihrer Arbeit dokumentieren. Dieser gibt auch dem Lehrer Aufschluss über den Stand der Dinge. Dieser muss die Lernenden zudem kontinuierlich beobachten und, wenn nötig, auch beraten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Stationen 1 und 2 sind Pflichtstationen. Von den vier Wahlstationen (3-6) solltest Du mindestens zwei bearbeiten!

4) Wochenplanarbeit

Bei der Wochenplanarbeit können die Schülerinnen und Schüler über die Reihenfolge der Aufgabenbearbeitung, das Lerntempo und teilweise auch über die Sozialform entscheiden. Langfristig sollten Wochenpläne zusammen mit den Schülerinnen und Schülern weiterentwickelt werden, um den Unterricht weiter zu öffnen. Aus den vom Lehrer aufgestellten Plänen sollen schließlich Pläne werden, die gemeinsam mit den Lernenden oder sogar von ihnen allein aufgestellt werden. Diese sollten frühzeitig in die Planungsprozesse einbezogen werden.

Die Formulierung der Aufgaben muss gut bedacht werden. Es sollten auch offene Aufgabestellungen formuliert werden, die möglichst viele Sinne ansprechen.

Sinnvoll ist es mit Wochenplänen zu arbeiten, die sich auf mehrere Fächer beziehen, um bei den Aufgaben eine gewisse Vielfalt bieten zu können. Die Wochenplanarbeit kann Rücksicht auf die individuellen Ausgangslagen der Lernenden nehmen und die Effektivität des Lernens erhöhen. Weitere Vorteile sind:

- Das Lernen wird in die Hände der Schüler gelegt.
- Jeder kann sein Arbeitstempo weitgehend selbst bestimmen. („Schnelle“ Schüler müssen nicht auf „langsame“ Schüler warten.)
- Die Lernenden können eigene inhaltliche Schwerpunkte setzen.
- Das Lernen wird individualisiert, es wird von den Lernenden geplant, repräsentiert, reflektiert und kontrolliert.
- Lernwege und –umwege werden bei der Wochenplanarbeit sichtbar. Lernfortschritte können ermittelt werden.

Die Wochenplanarbeit fördert die Fähigkeit und Bereitschaft, Probleme und Aufgabenstellungen selbstständig und zielorientiert zu bearbeiten und das Ergebnis zu beurteilen. Als vom Unterricht im traditionellen Sinne entbundener Lehrer hat man mehr Zeit für Beratung und Beobachtungen und kann gezielt auf Probleme und Fragen eingehen. Viele Lehrer erleben Unterrichtsvormittage während der Wochenplanstunden als weniger anstrengend. Als Lehrer entwickelt man sich vom Alleinunterhalter zum Organisator, Moderator und Berater.

Von den Schülerinnen und Schülern wird insgesamt mehr verlangt, als im Frontalunterricht, in dem sie viel mehr Möglichkeiten haben, sich zu verstecken oder zu maskieren.

5) Werkstattarbeit

Diese relativ neue, noch wenig bekannte Methode wird überwiegend in der Erwachsenenbildung praktiziert. Sie hat in den schulischen Alltag noch keinen rechten Zugang gefunden, vermutlich auch deshalb, weil in ihrer Durchführung ein diszipliniertes und methodisch strenges Vorgehen verlangt wird, das natürlich erst einmal erlernt und geübt werden muss. Außerdem macht diese Methode als prozessorientiertes Lernen dem ergebnisorientierten Lernen gegenüber den Anschein als mangele es an Übersicht und Kontrolle.

Die pädagogische Werkstattarbeit entwickelte sich aus der gesellschaftspolitischen Zukunftswerkstatt und der aus dem wirtschaftlich- industriellen Bereich stammenden Lernstatt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsmethoden. Von entdeckendem Lernen und Rollenspielpädagogik bis Frontalunterricht
Untertitel
11 Methoden von offen bis geschlossen
Hochschule
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
Veranstaltung
Pädagogik
Note
1
Autoren
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V359340
ISBN (eBook)
9783668442726
ISBN (Buch)
9783668442733
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Methoden Unterrichtsmethoden Didaktik Pädagogik
Arbeit zitieren
Stephan Holm (Autor:in)M. Bendixen (Autor:in), 2014, Unterrichtsmethoden. Von entdeckendem Lernen und Rollenspielpädagogik bis Frontalunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359340

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