Dem Bereich der latenten Steuern im deutschen Einzelabschluss kommt bis heute nur eine geringe Bedeutung zu. Aufgrund der abweichenden Regelungen des Bilanzsteuerrechts vom HGB entstehen meist aktive Steuerlatenzen, dessen Ansatzwahlrecht selten in Gebrauch genommen wird.
Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Globalisierung der Absatz-, Beschaffungs- und Kapitalmärkte immer weiter voran getrieben wird. Aufgrund dieser absehbaren Internationalisierung werden immer mehr Unternehmen dazu veranlasst, ihre externen Berichterstattungen an internationale Grundsätze anzupassen. Um auf internationalen Absatzmärkten konkurrenzfähig zu bleiben sowie auf weltweiten Finanzmärkten Kapital aufnehmen zu können, werden international vergleichbare Jahresabschlüsse vorausgesetzt.
In dieser Arbeit soll daher auf die Grundlagen und Entstehung latenter Steuern eingegangen werden. Wichtige Fragen, die in diesem Rahmen beantwortet werden, sind: Welche Konzeptionen stecken hinter dem Begriff der latenten Steuern? Welche Methoden müssen bzw. können angewandt werden? Wie sind die Bilanzierungsvoraussetzungen, der Ausweis und die Bewertung? Welche unterschiedlichen Fälle und Entstehungsursachen aktiver und passiver latenter Steuern gibt es?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definition und Entstehung latenter Steuern
2.2 Konzepte der Steuerabgrenzung
2.2.1 Differenzierung nach dem Zeitpunkt der Umkehr
2.2.2 Das Timing-Konzept
2.2.3 Das Temporary-Konzept
2.3 Methoden der Abgrenzung latenter Steuern
2.3.1 Die Liability-Methode (Verbindlichkeitsmethode)
2.3.2 Die Deferred-Methode (Abgrenzungsmethode)
2.4 Einzel- und Gesamtdifferenzbetrachtung
3. Latente Steuern nach HGB
3.1 Ansatz latenter Steuern
3.1.1 Grundlagen und Voraussetzungen
3.1.2 Passive latente Steuern
3.1.3 Aktive latente Steuern
3.2 Ausweis latenter Steuern
3.3 Bewertung latenter Steuern
4. Latente Steuern nach IFRS
4.1 Ansatz latenter Steuern
4.1.1 Grundlagen und Voraussetzungen
4.1.2 Passive latente Steuern (taxable temporary differences)
4.1.3 Aktive latente Steuern (deductible temporary differences)
4.2 Ausweis latenter Steuern
4.3 Bewertung latenter Steuern
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die Entstehung latenter Steuern und analysiert deren unterschiedliche bilanzielle Behandlung nach den Vorschriften des HGB und der IFRS.
- Grundlagen und Konzeptionen der Steuerabgrenzung
- Methoden zur Berechnung latenter Steuern (Liability- vs. Deferred-Methode)
- Bilanzierung latenter Steuern nach HGB unter Berücksichtigung des Maßgeblichkeitsprinzips
- IFRS-Rechnungslegung und die Anwendung des Temporary-Konzepts
- Ausweis und Bewertung aktiver und passiver Steuerlatenzen
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Die Liability-Methode (Verbindlichkeitsmethode)
Die Liability-Methode hat die richtige Darstellung von Forderungen und Verbindlichkeiten zum Ziel. Sie geht dabei bilanzorientiert vor.
Sind in der Zukunft Steuerzahlungen fällig, werden sie als Verbindlichkeiten betrachtet, während Steuervorauszahlungen wie Forderungen (als Vermögensgegenstände) behandelt werden. Hieraus wird deutlich, dass diese Methode auf den zutreffenden Vermögens- und Schuldenausweis abzielt. Deshalb müssen auch zukünftige Steuersätze, die bei der Umkehr der jeweiligen Differenz zu erwarten sind, berücksichtigt werden. Ändert sich der Steuersatz, müssen demzufolge die latenten Steuern angepasst werden, so dass die zukünftigen Verbindlichkeiten bzw. Forderungen gegenüber dem Fiskus in der richtigen Höhe ausgewiesen sind.
Diese Methode gewinnt aufgrund der Verwendung unterschiedlicher Steuersätze zunehmend an Bedeutung bei Steuerrechts- oder Steuersatzänderungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in die Thematik der latenten Steuern sowie Darlegung der Zielsetzung und Relevanz der Arbeit im Kontext der Internationalisierung der Rechnungslegung.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Entstehung latenter Steuern, der verschiedenen Steuerabgrenzungskonzepte (Timing- vs. Temporary-Konzept) und der dazugehörigen Methoden.
3. Latente Steuern nach HGB: Analyse der handelsrechtlichen Vorschriften für Ansatz, Ausweis und Bewertung aktiver und passiver latenter Steuern unter dem GuV-orientierten Timing-Konzept.
4. Latente Steuern nach IFRS: Untersuchung der Bilanzierung latenter Steuern nach IAS 12, wobei das bilanzorientierte Temporary-Konzept im Fokus steht.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der künftigen Entwicklung und Angleichung der Rechnungslegungsvorschriften bezüglich latenter Steuern.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, HGB, IFRS, Steuerabgrenzung, Timing-Konzept, Temporary-Konzept, Liability-Methode, Deferred-Methode, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Steuerlatenzen, Bilanzierungshilfe, Maßgeblichkeitsprinzip, IAS 12.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen und die Bilanzierung latenter Steuern, um Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz erklärbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf Konzepte der Steuerabgrenzung, Methoden der Berechnung sowie die spezifischen Regelungen nach HGB und IFRS.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Bilanzierungsvoraussetzungen sowie die Entstehung, den Ausweis und die Bewertung von aktiven und passiven latenten Steuern aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der Fachliteratur und der gesetzlichen Regelungen zum Vergleich der Bilanzierungsmethoden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die spezifische Behandlung nach HGB und die weiterführende Analyse nach IFRS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind latente Steuern, Timing-Konzept, Temporary-Konzept, HGB, IFRS und die Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Latenzen.
Warum spielt das Maßgeblichkeitsprinzip eine Rolle?
Das Maßgeblichkeitsprinzip führt im HGB dazu, dass Steuerergebnisse die Handelsbilanz prägen, was Auswirkungen auf die Entstehung latenter Steuern hat.
Was unterscheidet das Timing-Konzept vom Temporary-Konzept?
Während das Timing-Konzept GuV-orientiert ist und sich auf den Zeitpunkt der Umkehr bezieht, ist das Temporary-Konzept bilanzorientiert und erfasst sämtliche Differenzen zwischen Buch- und Steuerwerten.
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- Kathrin Wacker (Author), 2004, Latente Steuern nach HGB und IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35944