Sex und Gender in Gesellschaft, Kultur und Ökonomie


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. GENDER IM SOZIODEMOGRAFISCHEN WANDEL
2.1. STEREOTYPISIERUNG DURCH DAS SOZIALE UMFELD
2.2. FAMILIEN IM WANDEL
2.3. LEBENSERWARTUNG UND GESUNDHEIT

3. GENDER, KULTUR UND RELIGION
3.1. PATRIARCHALISCHE SYSTEME UND RELIGÖSER FUNDAMENTALISMUS
3.2. ÖFFENTLICHER RAUM UND POLITIK

4. GENDER UND ÖKONOMIE
4.1. VERÄNDERUNG DES ERWERBSVERHALTENS
4.2. GENDER IM KONSUM
4.3. WORKING POOR

5. MÄNNLICHKEIT, STATUS UND ERFOLG
5.1. HEGEMONIALE MÄNNLICHKEIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

Zunächst muss zwischen den Begriffen Sex, dem biologischen Geschlecht und Gender, dem sozialen Geschlecht eines Menschen unterschieden werden. Das biologische Geschlecht kann man relativ einfach der Frau, dem Mann und Hermaphroditen (intersexuellen Menschen) zuweisen, bei den Genderidentitäten ist eine solch klare Differenzierung nicht möglich. Neben Weiblichkeit und Männlichkeit gibt es, unabhängig vom biologischen Geschlecht, eine Vielzahl unterschiedlichster Genderidentitäten, die mit den Überbegriffen Transgender bzw. Transsexuelle (lat. trans „jenseits“, „über“) bezeichnet werden. (vgl. Ritzer 2013, S. 368) War die Zeit während und nach der Industrialisierung noch durch klare Rollenvorstellungen und Rollenverteilungen geprägt, hat man heute in den erfolgs- und leistungsbezogenen Industriegesellschaften die Chance auf individuelle Entwicklung abseits starrer Rollenbilder. Das Klischee, „die Frau gehört hinter den Herd und der Mann bringt das Geld nach Hause“, besaß lange Zeit Gültigkeit. „Die rigide Trennung von Weiblichkeit und Männlichkeit ist erst ein Produkt der Neuzeit.“ (Hollstein 2004, S. 82) Um eine geschlechterspezifische Diskriminierung zu verhindern, sollten auf sämtlichen gesellschaftlichen und privaten Ebenen die Perspektiven, Möglichkeiten aber auch Pflichten gerecht verteilt werden. Die feministischen Bewegungen verfolgten das Ziel, die Gleichstellung der Frau auf politisch rechtlichen, sozialen, ökonomischen und religiösen Ebenen durchzusetzen. Der Zugang zu Bildung, die Teilnahme am Arbeitsmarkt, das Frauenwahlrecht und die Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zählen zu den entscheidendsten Errungenschaften im Kampf der Frauen um Selbstbestimmung.

2. GENDER IM SOZIODEMOGRAFISCHEN WANDEL

Der Geburtenrückgang und die höhere Lebenserwartung führten zu einer demographischen Alterung in den Industrieländern und haben das private und öffentliche Zusammenleben der Generationen aber auch Geschlechter stark verändert. In jüngster Vergangenheit kam es durch die Veränderung der Gesellschaftsverhältnisse zu Transformationsprozessen auf sämtlichen sozio-kulturellen Ebenen. Die zunehmende Individualisierung und Globalisierung der Gesellschaft erfordern eine Überprüfung und mögliche Erneuerung der geltenden sozialen, gesellschaftlichen, ökonomischen und demokratischen Strukturen durch die Verantwortlichen. (vgl. Marburger Gender-Kolleg 2008, S. 7) Es ist Aufgabe der Familienpolitik, durch Rahmenbedingungen für bessere Kinderbetreuung und finanzielle Unterstützung, die Geburtenrate wieder nachhaltig zu steigern. Die staatlich vorgeschriebene Familienplanung der Ein-Kind-Politik in China, gedacht zur Eindämmung des überproportionalen Bevölkerungswachstums, zeigt mittlerweile drastische soziale und wirtschaftliche Folgen für das Land. Männerüberschuss und Geschlechterungleichgewicht durch gezielte Abtreibung weiblicher Embryonen, die Überalterung der Bevölkerung, der Mangel an zukünftigen Arbeitskräften und die Urbanisierung haben die politische Führung 2015 zu einem Kurswechsel zur Zwei-Kind-Politik bewogen.

2.1. STEREOTYPISIERUNG DURCH DAS SOZIALE UMFELD

„The emotional, sexual, and psychological stereotyping of females begins when the doctor say, „It’s a girl.”” Sherly Chisholm

Das biologische Geschlecht wird Neugeborenen bereits bei der Geburt zugeordnet und sofort assoziiert man die Farbe rosa mit einem Mädchen, hellblau mit einem Jungen. Gender steht für die, durch Kultur, Religion und Gesellschaft geprägten Geschlechtereigenschaften einer Person und dient zur Stereotypisierung. Der Begriff „doing gender“ wurde 1987 von West/Zimmermann erstmals in der Literatur verwendet. Sie gehen davon aus, dass Geschlechteridentitäten und Geschlechterdifferenzen nicht als natürlich gegeben anzusehen sind sondern durch soziale Interaktionen konstruiert werden. Die Geschlechterzugehörigkeit ist als ein Ergebnis komplexer sozialer Prozesse zu sehen. (vgl. Buchen 2004, S. 12) In der frühkindlichen Sozialisation wird durch die Puppen- und Bauecke bereits im Kindergarten die Identitätsbildung der Kleinkinder vorgegeben und lässt kaum Freiraum für Individualisierung, auch bleiben geschlechterunspezifische Fähigkeiten und Interessen für die weitere Entwicklung oft unentdeckt und werden nicht gefördert. Für Frauen gelten als erwartete, genderspezifische Handlungs- und Verhaltensweisen Eigenschaften wie Sensibilität, Harmoniebedürfnis und Familiensinn während Rationalität, Stärke und Dominanz als männliche Merkmale anzusehen sind. Täglich stellen wir an unser Gegenüber Erwartungen aufgrund des, von uns, wahrgenommen Geschlechts. Wie Frauen und Männer ihr Geschlecht im Alltag und in der Arbeitswelt verkörpern ist abhängig von den gesellschaftlichen Vorstellungen, Werten und Normen des jeweiligen Kulturkreises und deren möglichen Wandel.

2.2. FAMILIEN IM WANDEL

„Die brutale Abspaltung der Lebenssphären in die Erwerbstätigkeit für den Mann und die Hausarbeit für die Frau ist die Erfindung des industriellen Zeitalters und damit so alt noch nicht.“ (Hollstein 2004, S. 82)

Der zunehmende Wandel der traditionellen Rollenverteilung veränderte auch die Lebensformen und es kam zu einem massiven Bedeutungsverlust von Ehe und Familie. „Die traditionelle Familie … befindet sich nicht einfach in einem Prozeß des Wandels, sondern ist dabei sich aufzulösen.“ (Hoffmann-Nowotny 1988, S.11, zit. n. Salzmann 1994 S.30) War, wie die Grafik zeigt, bis vor ca. 30 Jahren die bürgerliche Familie mit Vater, Mutter und einem oder mehreren Kindern noch die vorherrschende Lebensform, so sind es mittlerweile die Single-Haushalte, die diesen Rang eingenommen haben. Auch erlangte die nichteheliche Form des Zusammenlebens eine immer größere Bedeutung und setzte sich gegen die typische Familie durch. Als die wichtigsten zukünftigen Trends für Familien in der EG nennt Salzmann „Spätere Mutterschaft, mehr außerehelich geborene Kinder, Zunahme freiwilliger Kinderlosigkeit, weiterer Rückgang der Familiengröße […]“ (Salzmann 1994, S. 39). Homosexualität galt lange Zeit nicht als angeborene sexuelle Neigung und wurde sogar strafrechtlich verfolgt. Die Akzeptanz gegenüber homosexuellen Menschen hat sich zwar verbessert und in vielen Staaten sind Eheschließungen oder eingetragene Lebenspartnerschaften rechtlich zugelassen, die Diskriminierung ist aber noch längst nicht überwunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Lebensformen in Tendenzen (nach Hollstein 2004, S. 106)

2.3. LEBENSERWARTUNG UND GESUNDHEIT

Die höhere Lebenserwartung von Frauen ist nicht nur ein biologisches Phänomen sondern lässt sich durch verschiedene Einflussfaktoren erklären. Wesentlichster Aspekt ist die gemäßigtere Lebensführung, so leben Frauen tendenziell gesünder, trinken weniger Alkohol und gehen häufiger zum Arzt, arbeiten meist in weniger riskanten Branchen und sind weniger Stress ausgesetzt. Durch den Rückgang der Müttersterblichkeit hat sich die Lücke zusätzlich vergrößert. (vgl. Ritzer 2013, S. 388ff) Lag die Lebenserwartung der Männer in den Jahren 1868/71 in Österreich noch bei nur 32,7 Jahren und die der Frauen bei 36,2 Jahren, so beträgt sie heute für Frauen rund 83,3 Jahre und für Männer 78 Jahre. Die Differenz von 3,5 Jahren hat sich auf 5,3 Jahre ausgeweitet. (vgl. Statistik Austria 2016b) Geschlechterspezifische und biologisch bedingte Unterschiede werden auch in den Krankheitsbildern deutlich. So leiden Frauen häufiger an Depressionen und einem erhöhtem Schlaganfallrisiko, während Männer vermehrt mit Herzproblemen und HIV/Aids zu kämpfen haben. (vgl. Ritzer 2013, S. 389)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Lebenserwartung Österreich (Statistik Austria 2016b)

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sex und Gender in Gesellschaft, Kultur und Ökonomie
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V359471
ISBN (eBook)
9783668442207
ISBN (Buch)
9783668442214
Dateigröße
821 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sex, Gender, Gleichberechtigung, Gleichstellung, Mann, Frau, Geschlecht, Gesellschaft, Minderheiten, Zusammenleben, Toleranz, Working Poor, Erziehung
Arbeit zitieren
Felix Jungmann (Autor), 2016, Sex und Gender in Gesellschaft, Kultur und Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359471

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