Franz von Papen und der Röhm-Putsch


Seminararbeit, 1999

26 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhalt

Das Leben Franz von Papens bis 1932
Militärattaché in Washington
Die Rückkehr ins politische Leben
Die „Germania“
Papen im Konflikt mit dem Zentrum
Papen als Wegbereiter Hindenburgs
Papen als Privatmann
Die Rückkehr in die Politik und die Ernennung zum Reichskanzler

Papen als Wegbereiter Hitlers
Der „Preußenschlag“
Schleichers „Querfront“ und das Scheitern des „Kabinetts der Barone“
Geheimverhandlungen mit Hitler

Papen als Vizekanzler Hitlers
Die „Marburger Rede“

Der Röhm-Putsch
Papen als Gesandter Hitlers in Österreich

Von Wien nach Ankara

Die Kriegsverbrecherprozesse und der Lebensabend

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Franz von Papen 1932

Das Leben Franz von Papens bis 1932

Am 29.10.1879 wurde Franz von Papen als Kind adliger Eltern in Westfalen geboren.

Er besuchte zunächst die örtliche Dorfschule, was als Adliger eher ungewöhnlich war, und wechselte 1890 im Alter von elf Jahren auf eine Kadettenschule, um später Offizier werden zu können. Die Familie von Papens war wie der preußische Adel überhaupt eng mit dem Militärwesen verbunden. Der Vater August Adolph hatte als Hauptmann bei einer Kavallerie-Eliteeinheit, dem 5.Ulanenregiment in Düsseldorf gedient, während die Mutter die Tochter eines ebenfalls in Düsseldorf lebenden Kavallerie-Hauptmannes im Ruhestand war.

Durch die Beziehungen des Vaters zu den Hohenzollern in Berlin wurde es Papen ermöglicht, zum Hauptkorps der Kadetten nach Groß-Lichterfelde bei Berlin versetzt zu werden, nachdem er bereits zum Unteroffizier befördert worden war. Dort wurde er ins Königliche Pagenkorps eingereiht und fand so seinen Weg in die Berliner Hofgesellschaft.

Nach der bestandenen Offiziersprüfung meldete der Vater Papen bei seinem alten Ulanenregiment in Düsseldorf an. Düsseldorf galt als vielversprechend für Verbindungen suchende junge Adlige. Durch die allgemeine Verarmung des Adels wurde es immer mehr üblich, daß junge Adlige nach einer „guten Partie“ Ausschau hielten. Dazu suchte man Kontakt zu Großindustriellen und Bankiers, die wiederum den Adelstitel als höchst erstrebenswert erachteten und nach mehr gesellschaftlichem Prestige drängten. Da eine Cousine Papens in die saarländische Industriellenfamilie Boch-Galhau eingeheiratet hatte, die sehr eng mit der namhaften Firma Villeroy & Boch verbunden war, pflegte Papens Familie willkommene Beziehungen zu dieser Familie. Daraus ergab sich dann auch Papens Beziehung zu Martha von Boch-Galhau, Tochter des Familienoberhauptes Privy Councillor René von Boch-Galhau, die er 1905 heiratete. Die Mitgift des reichen Schwiegervaters ermöglichte Papen ein viel standesgemäßeres und luxuriöseres Leben als zuvor. Beispielsweise konnte er seiner Leidenschaft des Reitsports nun unabhängig von vermögenden Rennstallbesitzern nachgehen.

Papens Schwiegervater, der 1908 starb, war vom preußischen Militärwesen fasziniert und drängte Papen, sich der Ausbildung zum Generalstabsoffizier in Berlin zu unterziehen. So diente Papen in seiner fünfjährigen Ausbildungszeit beim 1. Garderegiment der Ulanen in Potsdam und schloß seine Ausbildung 1913 mit Erfolg ab. Während dieser Zeit hatte er sich auf die Zusammenarbeit mit dem österreichisch-ungarischen Generalstab in der Sektion 10 ( die sog. Österreich-Abteilung) spezialisiert.

Militärattaché in Washington

Durch die Kontakte seines Vaters zum Kaiser Wilhelm II. wurde Papen schon bald dem diplomatischen Dienst zugeordnet und bekam bereits 1913, im Alter von nur 34 Jahren, die Stelle eines für die USA und Mexiko zuständigen Militärattachés in Washington. Da die USA zu dieser Zeit nur über eine sehr kleine Armee verfügten, handelte es sich bei dieser Anstellung eher um eine seinen speziellen Fähigkeiten entsprechende Anstellung und um eine Weiterführung der Ausbildung auf diplomatischem Parkett. Papen galt als kulturinteressierter Mann mit hervorragenden Manieren, der sich bei Hofe und in Salons und Clubs der Oberschicht zu bewegen vermochte, er besaß ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse und eine beachtliche Schreibgewandtheit. Insofern schien er für das Amt gut geeignet zu sein.

Im Frühjahr 1914 siedelte Papen ohne seine Frau, die kurz vor der Geburt seines vierten Kindes stand, in die USA über. Dort traf Papen mit einigen Leuten

zusammen, die seiner Karriere später noch förderlich werden sollten, insbesondere Karl Freiherr von Lersner, der ihm in der zweiten Hälfte des ersten Weltkrieges als Vertreter des Auswärtigen Amtes bei der Obersten Heeresleitung für besondere Aufgaben vorschlug und ihm speziell zwischen 1932 und 1934 als Verbindungsmann hinter den Kulissen diente.

Als der 1.Weltkrieg ausbrach, sollten die amerikanischen Waffen- und Munitionslieferungen an die Entente unterbunden werden. Papen versuchte vergeblich, durch Zusammenarbeit mit höchst fragwürdigen Personen zwei nach Kanada führende Brücken sprengen zu lassen. Im Sommer 1915 bekam Papen nochmals den Auftrag des deutschen Generalstabes, eine Sabotageaktion zu organisieren und dieses Mal speziell die Canadian Pacific-Eisenbahn nach den neutralen Vereinigten Staaten zu unterbrechen. Jedoch gelang es dem kanadischen Geheimdienst schon vor dem Anschlag, die Agenten Papens zu verhaften. Auch der Versuch, die kleine amerikanische Rüstungsindustrie durch massiven Aufkauf von Rüstungsgütern und Abwerbung von Arbeitskräften lieferungsunfähig zu machen, scheiterte, da der Plan aufflog und regelrecht zu einer Pressesensation gemacht wurde. Zudem konnte man Papen noch Verbindungen zur terroristischen irischen Unabhängigkeitsarmee nachweisen, was ihn insgesamt derart bloßstellte, daß man ihn zur „Persona ingrata“ erklärte und aus dem Lande wies. Trotz der Mißerfolge bekam Papen keine Beschwerden seitens des Generalstabes oder des Kaisers zu hören. Seine Kritik an der Zweckmäßigkeit des uneingeschränkten U-Boot-Krieges führte jedoch dazu, daß Papen kurzfristig zum Militärdienst an der Westfront befohlen wurde, wo er vom Sommer 1916 bis zum Sommer 1917 blieb. Als die USA im April 1917 in den Weltkrieg eintraten, wurden jüngere deutsche Offiziere vielfach stärker in die höhere Generalstabsarbeit eingebunden. Papen gelangte im Juni 1917 über Lersner, der ihm als Fürsprecher im Großen Hauptquartier diente, an eine Kommandostelle als Stabsoffizier und Leiter der Operationsabteilung der Heeres-gruppe unter Falkenhayn in Mesopotamien. Der deutsche Generalstab hatte zwecks besserer Kontrolle die höheren Kommandostellen in der Türkei mit deutschen Offizieren besetzen lassen. In dieser Position konnte Papen seine diplomatischen Erfahrungen nutzen und ausweiten, sowie vielfältige Bekanntschaften schließen, die ihm später als deutscher Botschafter in der Türkei noch sehr nützlich werden sollten.

1918 ließ sich Papen angesichts der drohenden Niederlage der deutschen und türkischen Truppen an der Palästinafront rechtzeitig in seinem Amt ablösen und kehrte nach Deutschland zurück. Er quittierte den Militärdienst, weil er keine Chance sah, auf diplomatischem Gebiet wirken zu können, und wurde in Merfeld bei Dülmen Gutspächter. Dort wartete er auf eine Gelegenheit, wieder politisch tätig werden zu können.

Die Rückkehr ins politische Leben

In Westfalen konnte Papen keine politische Karriere in der zu seiner katholischen Erziehung und bisherigen Tätigkeit passenden konservativ-monachistischen DNVP

beginnen, da diese eher im evangelischen Osten Deutschlands verankert war und im katholischen Westfalen nicht so recht Fuß fassen konnte. Um als Interessenvertreter der westfälischen Grundbesitzer in den preußischen Landtag gewählt zu werden, mußte Papen sich also mit einer Mitgliedschaft in der katholischen Zentrumspartei zurechtfinden. Zudem war das Zentrum an ihm aufgrund seiner vielfältigen Verbindungen, seinen Fähigkeiten und seiner konservativen Gesinnung interessiert, da vor allem die Mitglieder der Bauernvereine sowie der katholische Adel in Preußen der zunehmende Linksentwicklung des Zentrums und dessen parlamentarischen Bündnis mit den Sozial- und Liberaldemokraten abweisend gegenüber standen und sich einen konservativen Interessenvertreter mit guten Kontakten zu den Deutsch-nationalen wünschten. Von Beginn an stand Papen in Opposition zum linken, sich zum parlamentarisch-demokratischen System bekennenden Flügel der Partei. Er war überzeugter Monarchist und machte auch keinen Hehl daraus.

Bei den preußischen Landtagswahlen im Februar 1921 wurde Papen auf Anhieb in das Abgeordnetenhaus gewählt. In der ersten Legislaturperiode von 1921 bis 1924 trat Papen als Finanzexperte seiner Partei in Erscheinung und ließ sich in den für Etatfragen zuständigen Ausschuß des Abgeordnetenhauses und in den Aufsichtsrat zweier Banken wählen. Zwar setzte sich Papen für die Erfüllung des Versailler Vertrages und gegen die sogenannte Katastrophenpolitik ein ( was ihm nach dem Scheitern derselben den Ruf eines weitsichtigen Politikers einbrachte), ansonsten nutzte er aber jede Gelegenheit, um Reden im Abgeordnetenhaus zu halten, die den Beifall der Rechten finden konnten. Beispielsweise bekämpfte er jegliche Pläne für eine Bodenreform und trat für die Beibehaltung patriarchalischer Verhältnisse in der Landwirtschaft ein, obwohl er viele kleinbäuerliche Anhänger des Zentrums, die sich von den Großgrundbesitzern ausgebeutet fühlten, vor den Kopf stieß. Die Interessen von Industrie und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen war indes nicht einfach. Papen suchte nach Möglichkeiten, Interessengemeinschaften mit der Industrie zu bilden.

Die „Germania“

Der rechte Flügel des Zentrums war zwar klein, aber vermögend, und die Mitglieder suchten ständig nach Wegen, ihre Machtbasis auszuweiten. Als die beste Möglichkeit dazu wurde Aktienbesitz am Verlag der Parteizeitung „Germania“ angesehen. Im Mai 1924 erwarb Papen in verdeckter Zusammenarbeit mit einigen Großindustriellen das Aktienpaket des Direktors der Handels- und Diskontobank Franz Semer und erlangte so die Majorität, was ihm die Gelegenheit bot, auf das Zentralorgan des Zentrums nach seinem Gusto Einfluß zu nehmen. Nach dieser Aktion, bei der ihm das Geld einiger seiner politischen Freunde, insbesondere des Großindustriellen Hugo Stinnes jr., sehr geholfen hatte, wurde Papen immer mehr vorrangiger Interessenvertreter der Industrie. Er spielte eine brückenschlagende Doppelrolle, bei der er versuchte, Interessen von Industrie und Großagrariern so gut wie möglich mit seiner Politik vereinbar zu machen. Im Sommer 1924 mußte sich Papen aufgrund des unlösbaren Gegensatzes der Interessen von Landwirtschaft und Industrie den Dawesplan betreffend für eine Basis entscheiden, wonach er die stärkere Basis der Großindustrie wählte. Er sprach sich für den Dawesplan aus, der Deutschlands Wiedereingliederung in die Weltwirtschaft ermöglichte, was der Industrie, die im Gegensatz zur Landwirtschaft am Exportgeschäft verdienen konnte, Vorteile brachte. Damit brachte er sich bei vielen Großagrariern starke Kritik ein.

Papen im Konflikt mit dem Zentrum

Mit seiner Zustimmung zum Dawesplan hatte Papen die politische Linie des Zentrums vertreten und wurde deswegen bei den vorgezogenen Neuwahlen zum preußischen Landtag im Herbst 1924 auf einen sicheren Listenplatz gesetzt. Im auslaufenden Jahr 1924 und besonders im Frühjahr 1925 verschlechterte sich Papens Verhältnis zur Partei jedoch zunehmend, vor allem, weil er sich für eine Abkehr des Zentrums von einer Koalition mit der SPD und für eine Annäherung an die DNVP einsetzte. Die Parteiführung befürchtete aber in diesem Falle eine Verbindung aus SPD und Kommunisten und war nicht bereit, die Beziehungen zu den Sozialdemokraten abzubrechen. Papen unterstützte daraufhin die deutschnationalen Mißtrauensanträge gegen die preußische Regierung der Weimarer Koalition (Zentrum, SPD und Deutsche Demokratische Partei) durch seine Abwesenheit bei den Abstimmungen. Obwohl diese scheiterten, wurde Papen wegen seines Bruchs der Fraktionsdisziplin stark angegriffen, sogar durch die „Germania“, deren Hauptaktionär er immer noch war. Konsequenzen zog die Parteiführung jedoch keine, da Papen schließlich für die Wiederwahl des zurückgetretenen Ministerpräsidenten von Preußen Otto Braun (SPD) stimmte. Ein Wechsel zur DNVP, wo er mit offenen Armen aufgenommen worden wäre, kam für Papen nicht in Frage, weil er dann seinen Einfluß auf die „Germania“ verloren hätte. Dies stieß wiederum bei seinen konservativen und monarchistischen Freunden, vor allem beim Kronprinzen Wilhelm selbst, auf Unverständnis.

Papen als Wegbereiter Hindenburgs

Als Papen 1925 aus Protest gegen die Aufstellung des Sozialdemokraten Carl Severing als preußischen Innenminister einer Abstimmung fernblieb und damit den eigenen Parteivorsitzenden Marx an dem Versuch hinderte, eine preußische Staatsregierung unter seiner Führung zu bilden, wurde er zur Niederlegung seines Mandates aufgefordert. Dies blieb aber wegen seines starken Rückhaltes vor allem in seinem Wahlbezirk folgenlos. Papen setzte seinen Konfrontationskurs zur Parteimitte weiterhin fort. Als am 28. 2. 1925 Friedrich Ebert starb und die Nachfolge des Reichspräsidenten festgelegt werden mußte, entschied sich das Zentrum für die Kandidatur von Marx, der auch die Unterstützung der SPD besaß.

Die Rechtsparteien stellten den Generalfeldmarschall a.D. Paul von Hindenburg als Sammelkandidaten auf. Papen stellte sich ganz offen gegen seinen eigenen Parteivorsitzenden und unterstützte Hindenburg durch Reden in seinem Wahlbezirk. Die katholische Bauernschaft folgte Papens Empfehlungen mehrheitlich, und Hindenburg wurde mit einer knappen Mehrheit von 900 000 Stimmen zum neuen Reichspräsidenten gewählt. Er sprach Papen in einem Brief seinen Dank aus, und das Zentrum wagte es nicht mehr, diesen für seine offene Opposition gegen die eigene Partei zur Rechenschaft zu ziehen.

Papen orientierte sich bei seinem Versuch, seine antiparlamentarische und gegen die Weimarer Republik als Demokratie gerichtete Politik auch ideologisch zu begründen, am sogenannten Jungkonservatismus, der den Adel als Elite des Volkes ansah. Ähnlich wie Edgar Julius Jung bezeichnete Papen die Demokratie 1925 als „Geschwür am deutschen Körper“1, der in Deutschland kein Platz eingeräumt werden dürfe. Auch versuchte er, das parlamentarische System und die vom Zentrum größtenteils akzeptierte und in der Weimarer Verfassung verankerte Volkssouveränität durch vordergründig christliche Behauptungen zu bekämpfen, da es „in diametralen Gegensatz zur Lehre der römisch-katholischen Kirche“ stehe.

Aufgrund seines starken Rückhaltes in der katholischen Bauernschaft, beim Reichspräsidenten, den Großagrariern und der Schwerindustrie konnte er sich solche Eskapaden und Eigenmächtigkeiten durchaus leisten. Die Unzufriedenheit des Kronprinzen Wilhelm fiel weit weniger ins Gewicht, da selbst für den Monarchisten Papen eine Wiederherstellung der Hohenzollernmonarchie in absehbarer Zeit nicht denkbar erschien. Die Sympathien, die ihm seitens Hindenburg entgegengebracht wurden, waren da weit bedeutungsvoller.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Franz von Papen und der Röhm-Putsch
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachbereich Geschichte)
Veranstaltung
Einführungsseminar : Der sog. Röhm-Putsch vom 30. Juni 1934
Note
gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
26
Katalognummer
V3595
ISBN (eBook)
9783638122177
Dateigröße
1856 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz, Papen, Röhm-Putsch, Einführungsseminar, Röhm-Putsch, Juni
Arbeit zitieren
Oliver Borgwardt (Autor), 1999, Franz von Papen und der Röhm-Putsch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3595

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