Die Zeit der Wiener Klassik wird stets mit den drei großen Komponisten Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart sowie Ludwig van Beethoven und ihren Werken in Verbindung gebracht. Die Instrumentalmusik mit ihren führenden Gattungen Sinfonie, Klaviersonate und Streichquartett rückt während dieser Epoche besonders in den Mittelpunkt des kompositorischen Schaffens. Da sie sich vor allem durch ihre innermusikalischen Gesetzlichkeiten auszeichnet, erklärt sich die besondere Bedeutung, die der formalen Gestaltung zukommt.
Die Sonatenhauptsatzform ist das zentrale Gestaltungsmittel der Instrumentalmusik der Wiener Klassik. Ihre Wurzeln liegen in dem barocken Suitensatz, der sich durch seine zweiteilige Form sowie eine einfache Aufteilung der Tonarten auszeichnet. An der Ausformung des klassischen Sonatenhauptsatzes waren die drei großen Wiener Klassiker mit ihren Kompositionen maßgeblich beteiligt.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll sowohl die Entwicklung als auch der Aufbau des klassischen Sonatenhauptsatzes stehen. Dabei wird Beethovens 3. Sinfonie „Eroica" Es-Dur op. 55 als analytisches Beispiel herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Abgrenzung des Themas
2. Die Sonatenhauptsatzform
2.1. Zur Terminologie
2.2. Die Entwicklung der Sonatenhauptsatzform
2.3. Zum Aufbau des klassischen Sonatenhauptsatzes
2.4. Kritische Anmerkungen zum Formbegriff
3. Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie „Eroica” Es-Dur op. 55 als analytisches Beispiel
3.1. Zur Entstehungsgeschichte des Werkes
3.2. Der 1. Satz als analytisches Beispiel
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das formale Modell der Sonatenhauptsatzform und prüft dessen praktische Anwendung anhand des ersten Satzes von Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie, der „Eroica”. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der musikalischen Formlehre kritisch zu beleuchten und den formalen Aufbau des Werkes durch eine detaillierte Satzanalyse nachzuweisen.
- Historische Entwicklung und Terminologie der Sonatenhauptsatzform
- Struktureller Aufbau klassischer Sonatenhauptsätze
- Entstehungsgeschichte und Kontext der 3. Sinfonie von Beethoven
- Musikanalytische Untersuchung des ersten Satzes der „Eroica”
- Kritische Diskussion des Formbegriffs in der Musikwissenschaft
Auszug aus dem Buch
3.2. Der 1. Satz als analytisches Beispiel
Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie op. 55 steht in der Grundtonart Es-Dur und dauert etwa 52 Minuten. Das Orchester setzt sich aus zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, drei Hörnern, zwei Trompeten, ein Paar Pauken, ersten und zweiten Violinen, Bratschen, Violoncelli sowie Kontrabässen zusammen. Die Sinfonie ist in ihrer Anlage viersätzig. Unter Berücksichtigung der herausgearbeiteten Merkmale eines klassischen Sonatenhauptsatzes soll im folgenden Abschnitt der 1. Satz der 3. Sinfonie Gegenstand einer genaueren Analyse sein.
Der erste von insgesamt vier Sätzen steht in Es-Dur, der Grundtonart des Werkes und trägt die Tempobezeichnung Allegro con brio, wonach der Hörer einen schnellen, energischen Satz zu erwarten hat. Gleichzeitig lässt der 3/4-Takt einen etwas tänzerischen Charakter vermuten.
Beethoven verzichtet auf eine vorangestellte Einleitung und eröffnet die Exposition statt dessen mit zwei gewaltigen Es-Dur-Akkorden, die vom gesamten Orchester im forte gespielt werden und den heroischen Charakter des Satzes anzudeuten scheinen. Aus ihnen geht sogleich das Kernmotiv des ersten Themas hervor, dass von den Violoncelli in den Takten 3 bis 6 vorgestellt wird und sich durch die einfache Dreiklangsbrechung, bei der Terz und Quinte den Grundton umspielen, auszeichnet. In Takt 7 wird die bisher noch einfache Melodie vom Grundton ausgehend über zwei Halbtonschritte abwärts ins leiterfremde cis und damit harmonisch in einen verminderten Dreiklang geführt, was einen bevorstehenden musikalischen Konflikt andeutet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Wiener Klassik und Darlegung der Zielsetzung, die Entwicklung sowie den Aufbau der Sonatenhauptsatzform am Beispiel der „Eroica” zu untersuchen.
2. Die Sonatenhauptsatzform: Theoretische Abhandlung über die Terminologie, die historische Genese, den klassischen Aufbau der Form sowie eine wissenschaftliche Kritik am starren Formbegriff.
3. Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie „Eroica” Es-Dur op. 55 als analytisches Beispiel: Historische Kontextualisierung der Sinfonie und detaillierte musikalische Analyse des ersten Satzes unter Anwendung der zuvor definierten Formparameter.
4. Schlussbetrachtung: Synthese der Analyseergebnisse, die Beethovens individuelle Ausgestaltung und Erweiterung des klassischen Formschemas als Ergebnis musikalischer Ideen statt starrer Gussform bestätigt.
Schlüsselwörter
Sonatenhauptsatzform, Wiener Klassik, Ludwig van Beethoven, Sinfonia Eroica, Musikanalyse, Exposition, Durchführung, Reprise, Coda, Formlehre, Themenkomplex, Musikgeschichte, Instrumentalkomposition, Kontrastwirkung, Harmonik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der formalen Struktur des Sonatenhauptsatzes und deren Anwendung in einem der bedeutendsten Werke Ludwig van Beethovens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die musikalische Formenlehre, die historische Entwicklung der Sonatenform und die spezifische analytische Betrachtung der „Eroica”-Sinfonie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der erste Satz der „Eroica” den Prinzipien der Sonatenhauptsatzform folgt, wobei die Arbeit zugleich die kritische Diskussion über die Flexibilität dieses Formbegriffs einbezieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Theoriebildung zur Sonatenform, kombiniert mit einer strukturellen musikalischen Werk- und Satzanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt zur Formdefinition und einen praktischen Analyseteil, der die Entstehungsgeschichte und den formalen Aufbau des ersten Satzes der dritten Sinfonie untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sonatenhauptsatzform, Beethoven, Eroica, musikalische Analyse, Exposition, Durchführung und Reprise.
Warum spielt die Widmung an Napoleon eine Rolle für das Verständnis des Werkes?
Die Widmung verdeutlicht den zeitgeschichtlichen Anspruch Beethovens, Heldenideale in Musik zu fassen, und zeigt die dramatische Zäsur, als die Enttäuschung über Napoleons Selbstkrönung zur Umbenennung in „Sinfonia Eroica” führte.
Was bedeutet der „falsche” Einsatz des Horns kurz vor der Reprise?
Dieser Moment wird musikwissenschaftlich als humorvoller Einfall oder Parodie auf einen unaufmerksamen Orchestermusiker interpretiert, der die Spannung unmittelbar vor dem Eintritt der Reprise auflockert.
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- Janice Höber (Author), 2004, Die Sonatenhauptsatzform. Eine Analyse des 1. Satzes der 3. Sinfonie "Eroica" Es-Dur op. 55 von Ludwig van Beethoven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35977