Entstehung von Prominenz durch Medien und Öffentlichkeit


Hausarbeit, 2004

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1 Prominenz
2.2 Elite
2.3 Publikum

3. Entstehung von Prominenz
3.1 Rolle der gesellschaftlichen Subsysteme
3.1.1 Politik
3.1.2 Sport
3.1.3 Kunst
3.1.4 Medien
3.2 Rolle des Publikums
3.3 Rolle der Massenmedien

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wir kennen sie, ohne ihnen jemals persönlich begegnet zu sein; wir verbinden mit ihren Namen ihre Gesichter, ohne sie jemals persönlich gesehen zu haben und wir kennen ihre Stimmen, ohne jemals mit ihnen persönlich gesprochen zu haben – Prominente sind uns bekannt, obwohl wir zu ihnen keinerlei persönlichen Kontakt pflegen. Prominenz ist heutzutage ein Normalphänomen der Alltagswelt, es ist durch die Medien allgegenwärtig und Teil unserer Gesellschaft. Trotz dessen ist dieses Phänomen in der Soziologie theoretisch und empirisch vernachlässigt worden; erste anerkennenswerte Ergebnisse lieferten Mitte der Neunziger Jahre Georg FRANCK, Joshua GAMSON und Birgit PETERS.[1] Doch wie wurden nun diese uns allbekannten Menschen »prominent« - wie entsteht »Prominenz«?

Bevor ich im Anschluss versuchen möchte, diese Frage näher zu erörtern, gilt es zu Beginn drei Begrifflichkeiten zu definieren, welche in der Fachliteratur bezüglich »Prominenz« verwendet werden: Der Begriff an sich, »Elite« und »Publikum«.

Was bedeutet »prominent«, wer gilt als »Prominenter«? Nur mittels einer klaren Definition kann die Frage nach den Ursachen beantwortet werden. Im Zusammenhang mit Prominenz wird in der soziologischen Literatur fast ausschließlich der Begriff »Elite« genannt, teilweise sogar gleichgesetzt.[2] Folglich möchte ich diesen Begriff kurz erläutern und zugleich von »Prominenz« abgrenzen. Im Verlauf der Hausarbeit wird zudem die enorme Bedeutung der Massenmedien für die Prominenzierung von Personen verdeutlicht, welche in Form von Fernsehen, Printmedien u.a. Prominente quasi vermitteln. Hierbei wird in einem Prozess auf die Öffentlichkeit eingewirkt; die Menschen konsumieren diese Informationen als »Publikum«, folglich ist auch dieser Begriff genauer zu erläutern. Bevor ich nach diesen Begriffsbestimmungen die Entstehung von Prominenz aufzeige, möchte ich kurz auf die Unterschiede von Prominenten in ihrem Erscheinungsbild eingehen sowie die Selektionsprozesse erläutern, welche vor dem Einfluss der Medien wirken. Erst dann erfolgt die genaue Hinterfragung der Rolle von Publikum und Massenmedien im Prominenzierungsprozess sowie ihrer engen Verknüpfung miteinander. Ferner soll jedoch auch mittels eines kurzen soziobiologischen Exkurses gezeigt werden, dass dies nicht die beiden einzigen Größen sind, welche in diesem Prozess von Bedeutung sind.

2. Begriffsdefinitionen

2.1 Prominenz

Der Ursprung des Wortes »prominent« liegt im lateinischen und bedeutet soviel wie »beruflich oder gesellschaftlich einen hervorragenden Platz einnehmend«. Im Jahre 1927 bemerkte Karl KRAUS erstmals eine Häufung dieses Begriffs und merkte dabei kritisch an:

"...wie auf einen Zauberschlag das Wort »prominent« da, nunmehr allem verliehen, was vordem keineswegs hervorgeragt hätte. Das ist sicherlich so zu erklären, dass in der deutschen Seele ein tiefes und nun obdachloses Kaiserbedürfnis wohnt, das nun Superioritäten herstellen muß. [...] Die Prominenten [...] haben dem Deutschen nach den Wirren des Umsturzes den Glauben an Ideale gerettet. Die Prominenten, das sind die Obertanen. [...] Komödianten, Filmfritzen, Kabarettfritzen, Boxer, Fußballer, Parlamentarier, Eintänzer, Damenfriseure, Literarhistoriker, Persönlichkeiten schlichtweg – alle können prominent sein."[3]

Anlass von KRAUS` Kritik war ein Zeitungsbericht über einen bekannten Modearzt beim Spazierengehen in Begleitung einer Prostituierten. KRAUS brüskierte sich in seiner Schrift darüber, dass seine Gesellschaft bei der Suche nach Orientierungsfiguren recht wahllos umgehen würde und nunmehr »jeder prominent (d.h. beruflich oder gesellschaftlich hervorragend) sein könne« auch Prostituierte.[4] Dies wurde durch Max Graf SOLMS` (1956) Aussage Jahre später bestätigt: "Prominenzen bilden sich de facto überall."[5]

Basierend auf KRAUS` Aussagen kann man die typische Erscheinungsform von »Prominenz« auf öffentliche Namensnennungen zurückführen, welche sich z.B. durch Berichterstattung in Presse und Fernsehen manifestieren oder einem Eintrag im seriösen »Who is Who?«. »Prominent« ist also, wer in Wort oder Bild in der Öffentlichkeit bekannt ist, der Grad der Bekanntheit ist dabei sekundär. Dies unterscheidet sich jedoch enorm von der auf der lateinischen Übersetzung basierenden Bedeutung – ein hervorragender Platz in Beruf oder Gesellschaft war also nicht mehr notwendig, um »prominent« zu sein. Hierbei wird zugleich deutlich, das die Namen Prominenter immer in einen Kontext eingebunden sind, welcher zugleich eine verborgene Rangordnung vermittelt: Wohingegen das »Who is Who?« mit einem 60%-igen Anteil von Wissenschaftlern einen Kontext aus Karrieren und Verdiensten bildet, welcher durch Länge der Eintragung eine soziale Rangfolge impliziert, erreichen Zeitungen und Magazine ihren Kontext durch Klatsch – hier erzeugt die optische Präsentation die unterschwellige soziale Rangordnung.[6] Der eigentliche Grund für KRAUS` »Schmähschrift« war jedoch die Transferierbarkeit von Prominenz: Sie überträgt sich auf alles, was sich im unmittelbaren Umkreis des Prominenten aufhält – eben auch auf die von ihm angesprochene Prostituierte des Modearztes.[7] Als aktuelles Beispiel kann hier der Vergleich zu Verona Feldbusch gezogen werden, welche nach einer Kurzehe mit dem erfolgreichen (und prominenten) Sänger und Produzenten Dieter Bohlen plötzlich selbst »prominent« wurde. Abschließend und vorgreifend auf die Definition des Begriffs »Elite« kann man Prominente folgendermaßen beschreiben:

"Prominente sind nicht unbedingt bedeutende, aber bekannte Persönlichkeiten."[8]

2.2 Elite

Der Begriff »Elite« entstammt dem lateinischen Wort »eligere«, was übersetzt »auslesen« bedeutet; folglich kann man bei einer Elite von einer Auslese (der Besten) sprechen. Sie bezeichnet generell immer eine Minderheit, welche Personen umfasst, die in einzelnen Bereichen (z.B. Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport) die Spitzen- oder Führungspositionen einer Gesellschaft einnehmen. Diese Minderheit versteht es auch meist, sich bei Konfliktlösungen innerhalb der Gesellschaft gegenüber der Allgemeinheit als überlegen zu erweisen. Doch wer gehört genau zu dieser Minderheit, wer bildet die »Elite«? Hierbei sind die Maßstäbe, nach denen sich die Zugehörigkeit zur Elite bestimmt, je nach Gesellschaftsordnung sehr verschieden und einem historisch-sozialem Wandel unterworfen, folglich kommt es zu unterschiedlichen Formen von »Elite«: Die Machtelite gründet sich auf hohe politische, ökonomische und militärische Herrschaftspositionen. Die Geburtselite wird durch ihre Standeszugehörigkeit und ihre Herkunft bestimmt. Die Wertelite zeichnet sich im Vergleich dazu durch Vermögen, Bildung oder andere allgemein anerkannte persönliche Qualitäten aus. Leistungsleiten heben sich durch ihre hervorragenden Leistungen von der Gesellschaft ab. Funktionseliten sind Inhaber hoher beruflich-fachlichen Fähigkeiten und sind im Besitz privilegierter bzw. sozial hoch angesehener gesellschaftlicher Positionen.[9] Die Bildung letzterer Eliten konnte noch keine Gesellschaft verhindern, zumal sie auch von unverzichtbarem Wert waren. Die verschiedenen Formen von Eliten treten jedoch nicht nur vereinzelt auf, sondern auch in Verknüpfung – der klassische Vertreter ist hier die Monarchie als Kombination aus Geburts- und Machtelite. Trotz dieser Unterscheidungen bildet die genaue Identifizierung bestimmter Personen als Eliten ein methodisches Problem, was mittels dreier Ansätze versucht wurde zu lösen: Der Positionsansatz identifiziert »die Elite« durch das Innehaben von Spitzenpositionen bezogen auf alle gesellschaftlichen Bereiche, der Reputationsansatz identifiziert Eliten mittels Befragung von Experten nach den für sie einflussreichsten Personen und der Entscheidungsansatz bestimmt sich anhand des Einflusses auf repräsentative Entscheidungsabläufe.[10]

Nach der Erläuterung des Elite-Begriffs mit seinen verschiedenen Formen stellt sich nunmehr die Frage, inwiefern sich »Prominenz« von »Elite« unterscheidet oder ob Prominente zugleich eine Elite sind. Eine »Elite« definiert sich hauptsächlich durch das Innehaben von Spitzen- oder Führungspositionen in einer Gesellschaft; »Prominente« müssen der Öffentlichkeit (nur) bekannt sein. Folglich ist »Prominenz« nicht gleichzusetzen mit »Elite«; nur weil eine Person z.B. öfters Gast in Fernsehsendungen ist, muss sie zu keiner Elite gehören.[11] FRANCK unterscheidet beide Begriffe folgendermaßen: "Prominent ist, wer reich an Beachtung und für diesen Reichtum allgemein bekannt ist. Prominenz ist eine soziologisch objektive, an empirischen Kriterien festzumachende Kategorie Die Elite ist kein so leicht festzumachender Begriff. Zur Elite darf sich zählen, wer in einem anspruchsvollen Metier Herausragendes leistet."[12]

DREITZEL trennt beide Begriffe noch deutlicher und wertet sie zugleich: Er spricht von einer "bloßen Prominenz" im Vergleich zu einer "sichtbaren Leistungsqualifikation"[13]. Die Ursache für diesen Unterschied liegt für DREITZEL in der Öffentlichkeit bzw. dem Publikum: "Wo im engen Umkreis Eliten noch unmittelbar als Leistungseliten sich manifestieren können, verfallen sie gegenüber einem größerem Umkreis dem Status der Prominenten."[14]

2.3 Publikum

Da der »Verfall« der Eliten laut DREITZEL mit dem Publikum zusammenhängt, welches auch direkt mit der Entstehung von »Prominenz« verbunden ist, möchte ich die Bedeutung dieses Begriffs kurz klären. Es bezeichnet die Gesamtheit aller Adressaten, die im sozialen und/ oder technischen Bereich von Massenkommunikationsmitteln die Möglichkeit haben, deren Mitteilungen aufzunehmen. Diese bilden meist eine Zuhörer-, Zuschauer-, Leser -und Besucherschaft, welche alle (auch zufällig) bei einem Geschehen anwesend sind. Die Soziologie unterscheidet dabei in mehrere Formen des Publikums: Das disperse Publikum bezeichnet eine Anzahl von Adressaten, welche räumlich und/ oder zeitlich untereinander getrennt dieselbe Mitteilung aufnehmen und folglich keine Verbindung untereinander haben. Ein mediatisiertes Publikum bekommt von den Massenmedien eine unentwirrbare Mischung aus Nachrichten, Unterhaltung und Werbung kontinuierlich angeboten, es konsumiert dies unkritisch und lässt sich somit weitgehend fremd bestimmen. Das tätige Publikum hingegen ist aktiv; es versucht durch Appelle an die gesamte Öffentlichkeit bestimmte Dinge durchsetzen und verweist dabei auf sich selbst.[15] Zu dieser Aktivität gehört auch, das im System »Publikum/ Öffentlichkeit« der Prominentenstatus selbst erzeugt wird. Ferner kann man »Öffentlichkeit« auch den beiden Idealtypen von Forum und Arena zuordnen, wobei sich der Prominenzbegriff lediglich auf den Typus der Arena bezieht. Dieser beschreibt folgende Erscheinungsformen von Öffentlichkeit[16]:

1. Darbietungen sportlicher oder künstlerischer Art, welche mittels eines Programms angekündigt werden und somit dem interessierten Publikum Ort und Zeit der Veranstaltung mitteilen.
2. Ansprachen von Politikern etc. vor Publikum, wobei Redner und Thema bekannt gemacht wurden.
3. Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen, welche sich mit bestimmten Inhalten an ein Publikum wenden, welches räumlich nicht anwesend ist. Dabei ist die Zusammensetzung des Publikums nur teilweise kontrollierbar.

Punkt (3) zeigt hierbei die Verknüpfung von »Publikum« und »(Massen)Medien« im Zusammenhang mit der Prominenzierung, welches im folgenden Kapitel genauer erläutert werden soll.

[...]


[1] Vgl. Wenzel (2000), S. 453

[2] Fuchs-Heinritz (1995), S. 524

[3] Kraus (1927), zit. nach: Wenzel (2000), S. 452

[4] Vgl. Wenzel (2000), S. 452

[5] Solms (1956), zit. nach Peters (1995), S. 8

[6] Eine Ausführung über das Erscheinungsbild von Prominenten heutzutage erfolgt unter 3.1 dieser Hausarbeit.

[7] Vgl. Wenzel (2000), S. 453

[8] Plake (1999), S. 58

[9] Vgl. Reinhold (2000), S. 127ff.

[10] Vgl. Endruweit/ Trommsdorff (1989), S. 140

[11] Vgl. Plake (1999), S. 63

[12] Franck (2000), S. 19

[13] Dreitzel (1962), S. 106

[14] Dreitzel (1962), S. 107

[15] Fuchs-Heinritz et el (1995), S. 530f

[16] Vgl. Plake / Jansen/ Schuhmacher (2001), S. 33f

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Entstehung von Prominenz durch Medien und Öffentlichkeit
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V35983
ISBN (eBook)
9783638357395
ISBN (Buch)
9783638831376
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Prominenz, Medien
Arbeit zitieren
Christian Kunze (Autor), 2004, Entstehung von Prominenz durch Medien und Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35983

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