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Die Charakteristika von Vulgärlatein in definitorischem, sprachtheoretischem und historischem Kontext

Title: Die Charakteristika von Vulgärlatein in definitorischem, sprachtheoretischem und historischem Kontext

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Silke Nufer (Author)

Romance Studies - Comparative Studies
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Wenn die in heutiger Form existierenden romanischen Sprachen miteinander verglichen werden, bemerkt man viele Ähnlichkeiten. Hierbei wirft sich die Frage auf, worauf diese Ähnlichkeiten zurückzuführen sind. Bekanntlich liegen die Wurzeln der heutigen romanischen Sprachen im Lateinische n. Die uns heute noch erhaltenen lateinischen Quellen von bekannten Autoren belegen jedoch, dass das klassische Latein, in welchem die Intellektuellen der Antike ihre Schriften verfassten, stark von den oben genannten modernen romanischen Sprachen abweicht. Auch erklärt das klassische Latein in keiner Weise die heutigen bestehenden Unterschiede zwischen den romanischen Sprachen. Es wurden aber neben den klassischen Schriften weitere Quellen gefunden, welche ein anderes Latein dokumentieren – ein Latein, in welchem mündliche, d.h. der Umgangssprache entnommene Elemente festgehalten wurden. Diese Form des Lateins wird als Vulgärlatein bezeichnet, welches als die Grundlage der Entwicklung hin zu allen romanischen Sprachen angesehen wird. Viele Romanisten heben hervor, dass die Bezeichnung „Vulgärlatein“ kein glücklich gewählter Terminus sei. Trotzdem hat sich diese Bezeichnung in der romanischen Sprachwissenschaft durchgesetzt. Dass man Anstoß an diesem Terminus nimmt, liegt im Element „Vulgär-“, welcher fälschlicherweise mit einer soziokulturellen oder stilistischen Zuordnung dieser bestimmten Varietät des Lateins in Verbindung gebracht wurde. Vulgärlatein wurde als das Latein der unteren Volksschichten, als die Sprache des Pöbels verstanden. Linguisten, die s olche terminologischen Schwierigkeiten vermeiden wollen, verwenden Termini wie „sogenanntes Vulgärlatein“ (Coseriu), „Verkehrslatein“, „Umgangslatein“ (Reichenkron), „Sprechlatein“ oder „Spontansprache“ (Lüdtke).l Der Einfachheit halber wird in dieser Arbeit jedoch der Begriff „Vulgärlatein“ verwendet, jedoch nicht ohne das Bewusstsein, wie vielschichtig sich dieser Terminus gestaltet.

Zunächst soll ein Überblick über die verschiedenen Definitionen und Theorien bezüglich des Charakters des Vulgärlatein gegeben werden. Hierzu werden die Konzepte bedeutender Romanisten kurz angerissen. Detaillierter wird auf den Ansatz des Strukturalisten Coseriu bezüglich regionaler, soziokultureller, stilistischer und chronologischer Differenzierungen des Vulgärlatein eingegangen. Eine weitere [...]

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Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ZUR BEGRIFFLICHKEIT DES „VULGÄRLATEIN“

2.1. Ausgangspunkt: Abweichungen vom klassischen Latein

2.2. Sich ändernde Auffassungen in linguistischer Theorie und Methodologie

2.2.1. Vulgärlatein als „verderbte“ Form des klassischen Lateins

2.2.2. Klassisches vs. zeitlich und sozial unterschiedenes Vulgärlatein

2.2.3. Latein als System von Isoglossen

3. MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT IN SPRACHTHEORETISCHER SICHT

3.1. Konzeption und Medium

3.2. Parameter konzeptioneller Schriftlichkeit/Mündlichkeit

3.3. Sprache der Distanz und Sprache der Nähe

3.4. Konzeptionelle Mündlichkeit in schriftlichen Quellen

3.4.1. Texte mit konzeptueller Mündlichkeit

3.4.2. Texte von wenig gebildeten Autoren in einer Diglossie-Situation

3.4.3. Bewusst informelle, umgangssprachlich gehaltene Texte

3.4.4. An die linguistische Kompetenz der Rezipienten angepasste Texte

3.4.5. Eklektizistische Mündlichkeit als Stilmittel

4. DIE FRAGE NACH DER EINHEITLICHKEIT DES VULGÄRLATEINS

4.1. Chronologische Faktoren

4.1.1. Die chronologischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Kolonisierungen

4.1.2. Das zeitlose System der rekonstruierten Formen

4.1.3. Konservation und Innovation von Sprache

4.2. Diatopische Faktoren: die dialektalen und regionalen Unterschiede in Italien

4.3. diastratisch-soziokulturelle Faktoren: Die besondere Form des sich außerhalb Italiens durchsetzenden Lateins

4.4. Diaphasische Faktoren: Die Uneinheitlichkeit des literarischen Lateins

4.5. Die Subsysteme des Vulgärlateins

5. DIE HISTORISCH/POLITISCH BEDINGTE BILDUNG VON SPRACHGRENZEN

5.1. Die Dezentralisierung des Römischen Reiches

5.2. Gebietsverluste und Druck auf die Grenzen

5.3. Der Einfluss der Germanen

6. DIE ENTWICKLUNG DES VULGÄRLATEINS ZU DEN ROMANISCHEN SCHRIFTSPRACHEN

6.1. Die Situation der Diglossie

6.2. Die Aufhebung der Diglossie als Entstehungsgrund der romanischen Schriftsprachen

6.2.1. Äußere Faktoren

6.2.2. Innere Faktoren

6.2.3. Das Bedürfnis der schriftlichen Fixierung von Gesprochenem

7. ENDBEMERKUNG

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Vulgärlatein als Grundlage der romanischen Sprachen unter Berücksichtigung definitorischer, sprachtheoretischer und historischer Aspekte. Das Ziel ist es, den vielschichtigen Charakter dieses Begriffs zu klären, die Rolle der konzeptionellen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu analysieren sowie die historisch-politischen Faktoren aufzuzeigen, die zur Entstehung der romanischen Schriftsprachen führten.

  • Charakterisierung des Vulgärlateins in der linguistischen Forschung.
  • Analyse der konzeptionellen Mündlichkeit und Schriftlichkeit anhand sprachtheoretischer Modelle.
  • Untersuchung der Einheitlichkeit bzw. Variabilität des Vulgärlateins durch chronologische, regionale und soziale Faktoren.
  • Historisch-politische Einflüsse auf die Sprachbildung, insbesondere der Untergang des Römischen Reiches.
  • Die Aufhebung der Diglossie als zentraler Entstehungsgrund für romanische Schriftsprachen.

Auszug aus dem Buch

3.4.5. Eklektizistische Mündlichkeit als Stilmittel

Bestimmte Autoren wie z. B. Plautus oder Therenz imitierten in ihren Werken gezielt das Volkssprachliche. Es handelt sich hier um ein ziemlich subtiles Spiel von phonischen, morphosyntaktischen, lexikalischen und auch diskursiv-textuellen Anspielungen. Es besteht keine Authentizität der Mündlichkeit, der Autor eines Theaterstücks wählt bestimmte charakteristische Elemente der Umgangssprache gezielt aus und benutzt diese als Stilmittel, u.a. zur Darstellung einer Theaterfigur von unterem gesellschaftlichem Range.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema, Erläuterung der Relevanz des Vulgärlateins für die Entstehung der romanischen Sprachen und Vorstellung der methodischen Herangehensweise.

2. ZUR BEGRIFFLICHKEIT DES „VULGÄRLATEIN“: Auseinandersetzung mit verschiedenen Definitionen und Theorien, sowie der Kritik an der Vorstellung eines homogenen Vulgärlateins als „verderbte“ Form des klassischen Lateins.

3. MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT IN SPRACHTHEORETISCHER SICHT: Erörterung der Differenzierung zwischen Medium (phonisch/graphisch) und Konzeption (Nähe/Distanz) sowie Untersuchung der Mündlichkeit in schriftlichen Quellen.

4. DIE FRAGE NACH DER EINHEITLICHKEIT DES VULGÄRLATEINS: Analyse der Faktoren, die gegen eine Einheitlichkeit des Vulgärlateins sprechen, wie zeitliche Abgrenzung, regionale Varianten, soziokulturelle Unterschiede und Subsysteme.

5. DIE HISTORISCH/POLITISCH BEDINGTE BILDUNG VON SPRACHGRENZEN: Betrachtung des Zerfalls des Römischen Reiches, der Gebietsverluste und des Einflusses externer Völker auf die Aufspaltung des einheitlichen Sprachsystems.

6. DIE ENTWICKLUNG DES VULGÄRLATEINS ZU DEN ROMANISCHEN SCHRIFTSPRACHEN: Untersuchung der Diglossie-Situation und der Faktoren, die zu deren Aufhebung und der schriftlichen Fixierung der romanischen Sprachen führten.

7. ENDBEMERKUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Schwierigkeiten bei der linguistischen Rekonstruktion und Fazit zum Vulgärlatein als „Sprache der Nähe“.

Schlüsselwörter

Vulgärlatein, Romanische Sprachen, Klassisches Latein, Diglossie, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Konzeption, Isoglossen, Sprachwandel, Romanistik, Sprachgeschichte, Sprachvarietät, Soziolinguistik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Definition und Charakterisierung des Vulgärlateins sowie dessen zentraler Rolle bei der Entwicklung der modernen romanischen Sprachen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Begriffsbestimmung des Vulgärlateins, die sprachtheoretische Differenzierung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, sowie die historisch-politischen Faktoren des Reichszerfalls, die Sprachgrenzen schufen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den vielschichtigen Charakter des Vulgärlateins zu beleuchten und zu verstehen, warum und wie sich aus verschiedenen romanischen Dialekten eigenständige Schriftsprachen entwickelt haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer linguistischen Analyse und Literaturrecherche, wobei Konzepte bedeutender Romanisten wie Eugenio Coseriu und Ansätze zur konzeptionellen Mündlichkeit von Koch und Oesterreicher herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung des Vulgärlateins, die Analyse von Kommunikationsbedingungen (Nähe vs. Distanz), die Faktoren für die Uneinheitlichkeit des Lateins und den Prozess der Diglossie-Aufhebung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind Vulgärlatein, Diglossie, romanische Sprachen, konzeptionelle Mündlichkeit, Sprache der Nähe und Sprachwandel.

Welche Rolle spielte das Christentum bei der Diglossie?

Der vollständige Sieg des Christentums und die Auflösung der römischen Rhetorschulen werden als mögliche kulturelle Faktoren genannt, die zur Aufhebung der Diglossie beigetragen haben könnten.

Warum wird Vulgärlatein als „Sprache der Nähe“ bezeichnet?

Es wird als solche bezeichnet, da es den informellen, volkstümlichen und mündlichen Charakter widerspiegelt, der sich vom standardisierten, schriftlich fixierten klassischen Latein unterscheidet.

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Details

Title
Die Charakteristika von Vulgärlatein in definitorischem, sprachtheoretischem und historischem Kontext
College
University of Cologne  (Romanisches Seminar Köln)
Course
Vom Vulgärlatein zum Romanischen
Grade
2,3
Author
Silke Nufer (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V35993
ISBN (eBook)
9783638357487
Language
German
Tags
Charakteristika Vulgärlatein Kontext Vulgärlatein Romanischen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silke Nufer (Author), 2003, Die Charakteristika von Vulgärlatein in definitorischem, sprachtheoretischem und historischem Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35993
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