Wolfgang Klafki gilt als einer der großen Didaktiker des 20. Jahrhunderts. Seine Studien zur Bildungstheorie und Didaktik sind als wertvolle Beiträge zur Didaktik bzw. als große didaktische Modelle zu bewerten, weshalb sich folgende Arbeit mit der Fragestellung auseinandersetzt, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten Klafkis Studien zur Bildungstheorie und Didaktik und seine neuen Studien zur Bildungstheorie und Didaktik besitzen. 1 Die Zentralkategorie beider Studien ist der Begriff der Bildung, der in einer unauflösbaren Beziehung zu jeder Didaktik steht, ja als deren Ziel betrachtet werden muß. Ziel dieser Arbeit ist daher, anhand einer vergle ichenden Analyse der Frage nachzugehen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten die jeweiligen Didaktik- und Bildungsbegriffe bzw. die didaktischen Felder besitzen. Um solch eine ve rgleichende Untersuchung systematisch durchführen zu können, bedarf es unter Punkt zwei zunächst einiger terminologischer Vorerörterungen, die in einer vergleichenden Analyse bereits die bildungstheoretischen Grundlagen liefern, die für die Gegenüberstellung der didaktischen Felder in Kapitel drei unerläßlich sind.
Als Grundlage für die Erarbeitung der Fragestellung dienen zum einen Klafkis Studien zur Bil-dungstheorie und Didaktik, erschienen in 10. Auflage 1975 sowie seine neuen Studien zur Bil-dungstheorie und Didaktik, erschienen in 3. Auflage 1993. Die Verwendung weiterer Literatur ist für die Beantwortung der Fragestellung wenig hilfreich, da lediglich die Perspektiven der beiden Klafkischen Studien Gegenstand dieser Arbeit sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Terminologische Vorbemerkungen
2.1 Klafkis Didaktikbegriff
2.1.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Didaktikbegriff
2.1.2 Klafkis kritisch-konstruktiver Didaktikbegriff
2.2 Klafkis Bildungsbegriff
2.2.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Bildungsbegriff
2.2.2 Klafkis kritisch-konstruktiver Bildungsbegriff
III. Die Struktur des didaktischen Feldes
3.1 Die Struktur des didaktischen Feldes in Klafkis älteren Studien zur Bildungstheorie und Didaktik
3.2 Die Struktur des didaktischen (Problem-)Feldes in Klafkis neuen Studien zur Bildungstheorie und Didaktik
IV. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Entwicklung von Wolfgang Klafkis didaktischem Denken durch einen systematischen Vergleich seiner älteren Studien zur Bildungstheorie und Didaktik mit seinen neueren Publikationen zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie sich zentrale Begriffe wie Bildung und Didaktik gewandelt haben und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Strukturierung des didaktischen Feldes bestehen.
- Vergleichende Analyse des geisteswissenschaftlichen und kritisch-konstruktiven Didaktikverständnisses.
- Untersuchung der Terminologie zu Didaktik und Bildung bei Klafki.
- Struktureller Vergleich des didaktischen Feldes in den verschiedenen Schaffensphasen.
- Diskussion der Bedeutung von Unterrichtsinhalten, Zielen und Methoden.
- Evaluation der Rolle von Leistungsbeurteilung und sozialer Interaktion.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Didaktikbegriff
Was versteht man unter Didaktik? Geht es nach Dolch, Hausmann und Hamelsbeck, dann ist unter Didaktik die „Wissenschaft vom Lehren und Lernen“ zu verstehen, während Sperber dagegen Didaktik als die „Theorie der bildenden Begegnung von Person und Sache bzw. von Sache und Person“ bezeichnet. Didaktik im Sinne der Bildungslehre wird durch Siewerth als „Wissenschaft vom Wesen bildender Lehre“ ausgelegt, während Schulz, Schwerdt, Fiege, u.a. Didaktik als „Theorie der Bildungsinhalte und des Lehrplans“ definieren. All diese Sinngebungen des didaktischen Begriffs sind legitim und begrifflich korrekt.
Betrachtet man das Wort Didaktik vom seinen griechischen Ursprung didaskein her, so läßt sich jene Vielzahl von Bedeutungsmöglichkeiten durch die Vielzahl von Übersetzungsmöglichkeiten erklären. Betrachtet man die Schnittmenge der skizzierten Definitionsmöglichkeiten, so läßt sich folgende terminologische Eingrenzung herausarbeiten: „Didaktik meint die Theorie der Bildungsaufgaben und Bildungsinhalte bzw. der Bildungskategorien.“ Klafki stellt mit dieser Definition die Forderung auf, inhaltlichen Fragen der Bildung und Erziehung in den Mittelpunkt zu stellen. Was bedeutete solch ein Didaktikverständnis für die Methodik des Unterrichts? Methoden beschreiben zunächst einen bestimmten Weg zu einem konkreten Ziel.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Klafkis älteren und neueren Studien zur Bildungstheorie und Didaktik vor.
II. Terminologische Vorbemerkungen: Dieses Kapitel klärt die grundlegenden Definitionen von Didaktik und Bildung in Klafkis geisteswissenschaftlichem und kritisch-konstruktivem Ansatz.
III. Die Struktur des didaktischen Feldes: Hier wird analysiert, wie Klafki didaktische Zusammenhänge in Form von Denkmodellen und Thesen sowohl in seinen frühen als auch in seinen späteren Arbeiten strukturiert.
IV. Schlußbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und zeigt auf, wie Klafki seine Konzepte über die Zeit hinweg ausdifferenziert und weiterentwickelt hat.
Schlüsselwörter
Wolfgang Klafki, Bildungstheorie, Didaktik, Allgemeinbildung, kritisch-konstruktive Didaktik, geisteswissenschaftliche Pädagogik, Bildungsbegriff, Didaktisches Feld, Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Solidaritätsfähigkeit, Unterrichtsplanung, Lehrendes Lernen, Bildungsinhalte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Einordnung und dem Vergleich der didaktischen Modelle von Wolfgang Klafki.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Begriffe Bildung und Didaktik sowie deren strukturelle Ausgestaltung in der Theorie Klafkis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifikation von Kontinuitäten und Brüchen zwischen den älteren Studien von 1975 und den neuen Studien von 1993.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse der entsprechenden Fachliteratur von Klafki.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden terminologische Grundlagen geklärt und das sogenannte didaktische Feld in seiner historischen und aktuellen Struktur untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit als Bildungsziele.
Inwiefern unterscheidet sich Klafkis späterer Ansatz von seinem früheren?
Der spätere Ansatz betont stärker den Praxisbezug und gliedert sich in zwölf Thesen, die komplexere Aspekte wie Leistungsbeurteilung und soziale Prozesse expliziter einbeziehen.
Welche Bedeutung hat das Leistungsprinzip für Klafki?
Klafki kritisiert das klassische Leistungsprinzip als bloßes Selektionsinstrument, erkennt ihm aber in seinem neuen Modell eine unterstützende Funktion zur Selbsteinschätzung der Lernenden zu.
- Quote paper
- Marc Philipp (Author), 2003, Wolfgang Klafki - Von der geisteswissenschaftlichen zur kritisch-konstruktiven Didaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36015