Simmel und seine Welt - Eine Zusammenfassung von "Grundfragen der Soziologie" und "Das individuelle Gesetz"


Hausarbeit, 2005
8 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Es gibt das Klischee, dass deutschsprachige Soziologen, anders als ihre angloamerikanischen Kollegen, manchmal sehr schwer verständlich sind. Dies liegt vermutlich auch daran, dass diese Länder früher demokratisiert wurden und damit die Idee das Wissen der Masse zugänglich zu machen, früher eingezogen ist. Außerdem ist die deutsche Sprache sehr kompliziert und oft nicht auf den ersten Blick zugänglich. Georg Simmel kann sich dieser Tendenz nicht entziehen, da seine formale Sichtweise der Soziologie eben eine sehr allgemeine ist. Sie kann überall angewendet werden und ist daher in ihrer Formulierung nur wenig konkret.

Was ist eigentlich Soziologie? Was ist ihr Forschungsgegenstand? Ist sie als solches überhaupt existent?

Diese Fragen beantwortet Simmel in „Grundfragen der Soziologie“ und thematisiert ihren Gegenstand als das Grundproblem. Die Gesellschaft besteht bekanntlich aus Individuen, aber Simmel wehrt sich dagegen nur von den Individuen auszugehen. Dieser „methodologische Individualismus“ wird von ihm strikt abgelehnt. „Es ist zunächst ein Irrtum über das Wesen der Wissenschaft, aus der angeblich allein realen Existenz der Individuen zu folgern, daß jedes, auf deren Zusammenfassungen gehende Erkennen sich spekulative Abstraktionen und Irrealitäten zum Objekt mache.“ Er belegt dies mit einem klaren wie logischen Beispiel. Bei der wissenschaftlichen Analyse der Schlacht von Marathon wird uns die Untersuchung jedes einzelnen Griechen und Persers nicht viel weiterhelfen. Also, es gibt sie doch, die Soziologie.

Was hilft uns jetzt nun weiter? Man muss sich bewusst sein, dass die Distanz vom Forschungsobjekt zum Forscher eine ähnliche Funktion hat, wie die Distanz vom Bild zum Betrachter. So wie jede Distanz seine Berechtigung hat und Möglichkeiten, Realitäten freigibt, so ist dies auch in den Humanwissenschaften der Fall.

Simmel aber führt die Begriffe „Individuum und Gesellschaft“ zusammen und redet von Wechselwirkung. Wenn er davon spricht, meint er eigentlich nicht das flüchtige Drängen an einem Kinoeingang, denn hier kann man nicht von einer stark ausgeprägten Vergesellschaftung sprechen. „Fortwährend knüpft sich und löst sich und knüpft sich von neuem die Vergesellschaftung unter den Menschen, ein ewiges Fließen und Pulsieren, das die Individuen verkettet, auch wo es nicht zu eigentlichen Organisationen aufsteigt.“ Dies ist also eine dynamische Sichtweise der sozialen Welt, denn wir leben in einer Welt von Kommen und Gehen. Aber wenn wir uns treffen und verharren, dann stellt dies nicht nur eine Gesellschaft dar, sondern auch eine Vergesellschaftung.

Die Aufgabe der Soziologie ist es nun die Grammatik der Vergesellschaftung zu entschlüsseln. Diese Grammatik besteht aus den bereits beschriebenen Wechselwirkungen. Dies ist der Unterschied zu der bereits existenten bzw. nicht existenten Soziologie. „So wenig aber daraufhin Induktion eine besondere Wissenschaft ist oder gar eine allbefassende, so wenig ist es auf diese Momente hin die Soziologie“. Denn bis dahin war die Soziologie nur eine Methode ohne konkreten Forschungsgegenstand, der es einer Wissenschaft erlauben würde, sich als solches zu bezeichnen.

Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass man Regelmäßigkeiten aufdeckt und Gesetze aufstellt. Dementsprechend versucht dies Simmel auch bei den Prozessen der Vergesellschaftung. Diese werden im Besonderen am Anfang des dritten Kapitels „Die Geselligkeit“ beschrieben.

Doch vorher, zurück zum Gegenstand und Wesen der Soziologie. Die Formen der Wechselwirkungen zu beschreiben ist der zentrale Punkt. “Reine Soziologie“ meint Simmel „... zieht aus den Erscheinungen das Moment der Vergesellschaftung, induktiv und psychologisch von der Mannigfaltigkeit ihrer Inhalte und Zwecke, die für sich noch nicht gesellschaftlich sind, gelöst, wie die Grammatik die reinen Formen der Sprache von den Inhalten sondert, an denen diese Formen lebendig sind.“

Der Gedanke ist klar. Man nimmt eine augenscheinlich soziale Situation, subtrahiert alles sich auf die jeweilige Situation beziehende und übrig bleibt ein Verlauf des menschlichen Interagierens, der mit anderen vergleichbar ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Simmel und seine Welt - Eine Zusammenfassung von "Grundfragen der Soziologie" und "Das individuelle Gesetz"
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziologische Theorien
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
8
Katalognummer
V36056
ISBN (eBook)
9783638358002
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inhalt: "Individuum und Gesellschaft" lautet der Untertitel von Georg Simmels "Grundfragen der Soziologie". Für Simmel (1858-1918), der als einer der Begründer und als ein Klassiker der Soziologie gilt und im aktuellen sozialwissenschaftlichen Diskurs als Wegbereiter zeitgenössischer Geistesströmungen angesehen wird, war dies eine Leit-Fragestellung, die sich durch das Gesamtwerk zieht. Er hat dabei eine Auffassung vertreten, die eine Überwindung der gängigen dichotomen Positionen vorwegnimmt.
Schlagworte
Simmel, Welt, Eine, Zusammenfassung, Grundfragen, Soziologie, Gesetz, Soziologische, Theorien
Arbeit zitieren
Marian Berginz (Autor), 2005, Simmel und seine Welt - Eine Zusammenfassung von "Grundfragen der Soziologie" und "Das individuelle Gesetz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36056

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