Auch vierzehn Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands haben sich die Lebensverhältnisse beider Landesteile noch nicht angeglichen. Besonders die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern und die damit verbundenen finanziellen Belastungen, lassen mittelfristig kein Ende der Abhängigkeit von Transferzahlungen erkennen.
Mit dem Strukturwandel in dem Gebiet der ehemaligen DDR stellt sich die Frage nach der Förderung von Wirtschaftszweigen, mit denen zukünftig Einkommen und Beschäftigung gesichert werden kann. Speziell Mecklenburg- Vorpommern und Brandenburg versuchen sich als Tourismusdestinationen im allgemeinen und als Wassersportregionen im besonderen zu positionieren. Diese Arbeit befaßt sich mit dem Thema der regionalen Entwicklungsmöglichkeiten durch endogene Faktoren, d.h. durch Einflüsse aus der Region selbst. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Teilbereich des Wassertourismus auf Binnengewässern, in der Region Mecklenburg- Vorpommern/Nord-Brandenburg.
Nach dieser Einleitung folgt im zweiten Kapitel ein Überblick über den deutschen Tourismusmarkt und seinen Einfluß auf die deutsche Volkswirtschaft.
Das dritte Kapitel stellt die Theorie der endogenen Entwicklungspotentiale vor. Entgegen den traditionellen Entwicklungstheorien haben hierbei nicht die exogenen Faktoren, und damit eine tendenziöse Exportorientierung, Priorität, sondern es wird sich auf die in der Region selbst vorhandenen Möglichkeiten und Ressourcen konzentriert.
Im vierten Kapitel wird ein Überblick über aktuelle und zukünftige Trends, auf den Wassertouristik- und Wassersportmärkten in Deutschland sowie die Eignung dieser für die Entwicklung endogener Potentiale, gegeben. Das fünfte Kapitel nimmt als konkretes Beispiel die Einführung der Charterscheinregelung für bestimmte Gewässer in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf und analysiert deren Einfluß auf die Entwicklung der endogenen Potentiale dieser Region.
Am Schluß der Arbeit folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse und eine Einschätzung, ob die Entwicklung der Region anhand endogener Strategien sinnvoll ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tourismus in Deutschland
2.1. Gästezahlen und Übernachtungen
2.2. Regionale Verteilung
2.3. Betriebe und Beschäftigung
2.4. Messung des Beitrages des Tourismus über die Ausgaben
2.5. Berücksichtigung von Tagesausflügen und Reisekosten
2.6. Zusammenfassung
3. Endogene Regionalentwicklung
3.1. Kritik an traditionellen Entwicklungskonzepten
3.2. Das Konzept der endogenen Entwicklungspotentiale
3.2.1. Definition des Begriffs „regionales Entwicklungspotential“
3.2.2. Arten von Entwicklungspotentialen
3.2.3. Strategien zur Aktivierung regionaler Entwicklungspotentiale
3.2.3.1. Begabungsförderung
3.2.3.2. Engpaßbeseitigung
3.2.3.3. Verflechtungsförderung
3.3. Tourismusförderung als endogene Strategie ?
4. Förderung der endogenen Regionalentwicklung durch touristische Nutzung von Binnengewässern
4.1. Wasserstraßennetz in Deutschland
4.2. Kommerzielle Nutzung von Binnengewässern
4.3. Touristische Nutzung und Freizeitnutzung
4.3.1. Definition Wassertourismus
4.3.2. Entwicklungstrends des Wassertourismus in Deutschland
4.3.2.1. Surfen
4.3.2.2. Tauchen
4.3.2.3. Segeln / Motorbootfahrten
4.3.2.4. Wasserwandern / Kanufahren
4.3.2.5. Wasserski
4.3.2.6. Angeln
4.3.3. Eignung des Wassertourismus zur endogenen Entwicklung
4.3.3.1. Arbeitskräftepotential
4.3.3.2. Kapitalpotential
4.3.3.3. Infrastrukturpotential
4.3.3.4. Markt- bzw. Nachfragepotential
4.3.3.5. Ökologisches Potential
4.3.3.6. Soziokulturelles Potential
4.3.3.7. Entscheidungspotential
5. Beispielregion Mecklenburg-Vorpommern und Nord-Brandenburg
5.1. Pilotprojekt Charterschein
5.2. Überblick über die Beispielregion
5.3. Die Potentiale der Region
5.3.1. Arbeitskräftepotential
5.3.2. Kapitalpotential
5.3.3. Infrastrukturpotential
5.3.4. Markt- bzw. Nachfragepotential
5.3.5. Ökologisches Potential
5.3.6. Soziokulturelles Potential
5.3.7. Entscheidungspotential
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht, inwieweit die touristische Nutzung von Binnengewässern in der Region Mecklenburg-Vorpommern und Nord-Brandenburg als Strategie der endogenen Regionalentwicklung zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, insbesondere zur Senkung der hohen Arbeitslosigkeit, beitragen kann.
- Analyse theoretischer Konzepte der endogenen Regionalentwicklung
- Untersuchung des Wassertourismus als Instrument der Regionalförderung
- Evaluierung der Auswirkungen der "Charterschein"-Regelung
- Betrachtung spezifischer Potentialfaktoren (Arbeitsmarkt, Kapital, Infrastruktur, Ökologie, Soziokultur)
- Empirische Einordnung der Beispielregion Mecklenburg-Vorpommern und Nord-Brandenburg
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Definition des Begriffs „regionales Entwicklungspotential“
„Eine Region ist ein sozialökonomisches Interaktions- und Kooperationsfeld.“ (Hahne/Stackelberg 1994, S. 85)
Die traditionellen Entwicklungstheorien, mit ihrer Fixierung auf exogene und ökonomische Faktoren, haben nicht die gewünschten langfristigen Erfolge erbracht. Eine Ausweitung der Betrachtung auf die endogenen Potentiale einer Region sowie deren Einbettung in das soziale und ökologische Umfeld, sollen für bessere Entwicklungschancen sorgen.
Die operative Bestimmung des regionalen Entwicklungspotentials kann sowohl über das potentiell erreichbare Outputniveau, als auch anhand der in der Region zu aktivierenden Inputfaktoren erfolgen (Schätzl 2003, S. 156). Giersch (1963, S. 393) definiert das regionale Entwicklungspotential, in Anlehnung an die Investitionstheorie, als: "...jene maximale zusätzliche Nettoausbringung, die dieses Unternehmen mit Hilfe von kapazitätserweiternden Investitionen erzeugen könnte, ohne daß die Grenzproduktivität des eingesetzten Kapitals dadurch unter das herrschende Zinsniveau sinkt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Problems der wirtschaftlichen Disparitäten in den neuen Bundesländern und Definition der Zielsetzung, den Wassertourismus als endogene Entwicklungsstrategie zu analysieren.
2. Tourismus in Deutschland: Analyse volkswirtschaftlicher Kennzahlen des Tourismussektors, um dessen Bedeutung und Saisonalität zu verdeutlichen.
3. Endogene Regionalentwicklung: Theoretische Herleitung des Konzepts der endogenen Regionalentwicklung im Kontrast zu traditionellen, exogenen Ansätzen.
4. Förderung der endogenen Regionalentwicklung durch touristische Nutzung von Binnengewässern: Darstellung der Wassertourismusmärkte und methodische Prüfung, wie diese zur Aktivierung regionaler Potentiale beitragen können.
5. Beispielregion Mecklenburg-Vorpommern und Nord-Brandenburg: Konkrete Anwendung der Theorie auf das Pilotprojekt "Charterschein" und Analyse der regionalen Potentialfaktoren.
6. Zusammenfassung: Resümee der Arbeit, das die Eignung des Wassertourismus als endogene Strategie zur Beschäftigungsförderung in der Zielregion bestätigt.
Schlüsselwörter
Endogene Regionalentwicklung, Wassertourismus, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Charterschein, Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarkt, Tourismusmanagement, Infrastruktur, Entwicklungspotentiale, Binnengewässer, Strukturwandel, Beschäftigung, Regionalwirtschaft, Förderstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die touristische Nutzung von Binnengewässern dazu beitragen kann, die wirtschaftliche Lage in strukturschwachen Regionen durch den Einsatz regionaler Ressourcen zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Theorien der endogenen Regionalentwicklung mit der Praxis des Wassertourismus, insbesondere in den neuen Bundesländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob die touristische Nutzung von Binnengewässern als endogene Strategie geeignet ist, Einkommen und Beschäftigung in Mecklenburg-Vorpommern und Nord-Brandenburg nachhaltig zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse zum Thema endogene Regionalentwicklung sowie eine fallstudienbasierte Untersuchung des Wassertourismusmarktes und des Charterschein-Pilotprojekts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene "Potentialfaktoren" (Arbeit, Kapital, Infrastruktur, Markt, Ökologie, Soziokultur) und deren Beeinflussbarkeit durch wassertouristische Aktivitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Endogene Regionalentwicklung, Wassertourismus, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Charterschein und Beschäftigungsförderung sind die prägenden Begriffe.
Was ist der Zweck des Pilotprojekts "Charterschein"?
Der Charterschein dient dem Bürokratieabbau, indem er es Touristen ermöglicht, bestimmte Sportboote ohne den sonst erforderlichen amtlichen Führerschein zu mieten, um so die Nachfrage nach Wassertourismusangeboten zu steigern.
Warum ist die Einbeziehung Berlins in die Beispielregion wichtig?
Berlin fungiert aufgrund seiner Bevölkerungsdichte als bedeutender Nachfragemarkt und bietet Synergieeffekte durch die Verknüpfung von städtischem Tourismus mit dem naturnahen Angebot des Umlands.
- Quote paper
- Knut Heykena (Author), 2004, Endogene Regionalentwicklung - Dargestellt am Beispiel der touristischen Nutzung von Binnengewässern der Region Mecklenburg-Vorpommern / Nord-Brandenburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36094