Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Social Work

Ethische Grundpositionen in der deutschen Sozialpolitik

Title: Ethische Grundpositionen in der deutschen Sozialpolitik

Seminar Paper , 2001 , 12 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Katinka Teetz (Author)

Social Work
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In Artikel 20 Abs. 1 unseres Grundgesetzes ist konstatiert: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Eine allgemeingültige Definition des Begriffes Sozialstaat existiert allerdings nicht. Darüber hinaus fehlt auch eine grundlegende Bestimmung dessen, was er sein sollte oder müßte. Somit ist fraglich, ob der Sozialstaat als Status quo festgeschrieben werden kann, oder ob es sich bei dem genannten Artikel des Grundgesetzes um einen Anspruch handelt, den es noch zu erfüllen gilt. 1
Wolf Reiner Leenen spricht in diesem Zusammenhang gar von einer „Endlosdiskussion“. 2
Frank Nullmeier interpretiert den Terminus „Sozialstaat“ folgendermaßen: „Sozialstaat bedeutet die Ausrichtung staatlichen Handelns auf die Herstellung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit, auf die Sicherung eines sozialen Existenzminimums für alle sowie die Milderung der ökonomischen Ungleichverteilung und der sozialen (Klassen-, Schichten-, Gruppen-) Gegensätze.“ 3
[...]
_____
1 Vgl. BELLERMANN, Martin, Sozialpolitik. Eine Einführung für soziale Berufe, 3., aktualisierte und
überarb. Aufl., Freiburg im Breisgau: Lambertus, 1998, S. 9.
2 Vgl. BUTTERWEGGE, Christoph, Wohlfahrtsstaat im Wandel. Probleme und Perspektiven der
Sozialpolitik, 3., überarb. Aufl., Opladen: Leske und Budrich, 2001, S. 12 (mit einem Zitat von
Leenen, Wolf Reiner: Tausendundeine Definition: Was ist Sozialpolitik? In: Sozialer Fortschritt
1/1978, S.1.).
3 NULLMEIER, Frank, Stichwort Sozialstaat, in: ANDERSEN, Uwe / WOYKE, Wichard (Hrsg.),
Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 4., überarb. Aufl.,
Opladen: Leske und Budrich, 2000, S. 540.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung als Beginn staatlicher Sozialpolitik in Deutschland

3. Freiheit versus Gleichheit als sozialpolitische Leitideen

3.1. Unterschiedliche Interpretationen des Sozialen

3.2. Kausalität und Finalität

3.3. Einfluß des Subsidiaritätsprinzips

3.4. Umverteilungsmechanismen

3.5. Parteipolitische Zuordnungen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ethischen Grundlagen der deutschen Sozialpolitik und analysiert das Spannungsfeld zwischen den Leitideen von Freiheit und Gleichheit als Basis moderner sozialstaatlicher Strukturen.

  • Historischer Ursprung der Sozialpolitik durch Bismarck
  • Gegenüberstellung der Paradigmen Freiheit und Gleichheit
  • Bedeutung von Kausalität und Finalität für Sozialleistungen
  • Einfluss des Subsidiaritätsprinzips auf die staatliche Zuständigkeit
  • Umverteilungsstrategien und parteipolitische Verortung

Auszug aus dem Buch

3.1. Unterschiedliche Interpretationen des Sozialen

Für Bellermann ergeben sich aus der Doppeldeutigkeit des Sozialen zwei verschiedene Paradigmen, aus denen sich wiederum verschiedene Ziele und Gestaltungsprinzipien der Sozialpolitik in Deutschland ableiten.

Sozial kann zum einen als helfend oder beistehend verstanden werden. Daraus ergibt sich eine Handlung, die auf die Veränderung ungünstiger Lebensbedingungen gerichtet ist. Als Grundstein dieser Auffassung gelten die „Ideen der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, der bürgerlichen Revolutionen und des Sozialismus des 19. und 20. Jahrhunderts.“ Dieses Gedankengut führte zu einem grundsätzlichen Wandel in bezug auf das Verständnis des Sozialen: Dem einzelnen wurde ein Recht auf moralische Entwicklung und Entfaltung zugestanden; soziale Ungerechtigkeiten begriff man als zu verbessernde Mängel und gesellschaftliche Veränderungen als eine Möglichkeit, Mißstände zu beheben. Dieses Sozialsein ist an den Leitideen „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ orientiert.

Wird sozial hingegen als „gesellschaftlich“ interpretiert, so liegt der Fokus hier weniger auf dem einzelnen und dessen Ausgleich sozialer Benachteiligungen, sondern vielmehr auf der Gesellschaft als ganzes bzw. deren Zusammenhalt. Sozialpolitische Maßnahmen werden hier nur dann als notwendig angesehen, wenn das Gesellschaftsganze gefährdet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die fehlende allgemeingültige Definition des Begriffs Sozialstaat und führt in die ethischen Grundlagen der Sozialpolitik ein.

2. Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung als Beginn staatlicher Sozialpolitik in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt die Ursprünge des staatlichen Sozialsystems als Instrument zur Kontrolle der Arbeiterklasse unter Bismarck.

3. Freiheit versus Gleichheit als sozialpolitische Leitideen: Hier werden die zwei grundlegenden Paradigmen analysiert, die die Ziele der deutschen Sozialpolitik bestimmen.

3.1. Unterschiedliche Interpretationen des Sozialen: Es wird erörtert, wie das „Soziale“ entweder als helfende individuelle Unterstützung oder als gesellschaftserhaltende Maßnahme interpretiert wird.

3.2. Kausalität und Finalität: Dieses Kapitel kontrastiert die reaktive kausale Sozialpolitik mit der präventiven finalen Sozialpolitik.

3.3. Einfluß des Subsidiaritätsprinzips: Die Bedeutung der Subsidiarität für die Zuständigkeit von Sozialleistungen in der deutschen Sozialordnung wird erläutert.

3.4. Umverteilungsmechanismen: Es wird analysiert, wie unterschiedliche Paradigmen verschiedene Handlungsstrategien bei der Umverteilung von Einkommen nach sich ziehen.

3.5. Parteipolitische Zuordnungen: Dieses Kapitel zeigt die Schwierigkeit auf, die deutschen Parteien eindeutig einem der beiden Paradigmen zuzuordnen.

4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass moderne Sozialpolitik in der Bundesrepublik als Kompromiss aus verschiedenen Paradigmen zu begreifen ist.

Schlüsselwörter

Sozialpolitik, Sozialstaat, Freiheit, Gleichheit, Bismarck, Sozialgesetzgebung, Subsidiaritätsprinzip, Kausalität, Finalität, Umverteilung, soziale Gerechtigkeit, Paradigmen, Sozialversicherungsprinzip, Solidarität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ethischen Grundpositionen, die der deutschen Sozialpolitik zugrunde liegen, und untersucht das Spannungsverhältnis zwischen freiheits- und gleichheitsorientierten Leitideen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung unter Bismarck, die Interpretation des Sozialen, das Subsidiaritätsprinzip, Umverteilungsmechanismen und die Einordnung der Parteien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, nach welchen ethischen Paradigmen Sozialpolitik in Deutschland betrieben wird und wie diese in der politischen Praxis aufeinandertreffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Gegenüberstellung sozialpolitischer Leitideen basierend auf einschlägiger Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entstehung der Sozialgesetzgebung sowie die ideologische Auseinandersetzung zwischen dem Freiheits- und dem Gleichheitsparadigma.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Sozialstaat, Freiheitsparadigma, Gleichheitsparadigma, Subsidiaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip und soziale Sicherheit.

Was unterscheidet die kausale von der finalen Sozialpolitik?

Die kausale Sozialpolitik reagiert auf bereits eingetretene Schadensursachen (z.B. Renten), während die finale Sozialpolitik präventiv agiert, um Schäden durch vorbeugende Maßnahmen zu verhindern.

Warum lässt sich das Subsidiaritätsprinzip schwer eindeutig auslegen?

Die Auslegung divergiert je nach Paradigma: Während Freiheit-Orientierte darin eine Grenze für staatliche Eingriffe sehen, betrachten Gleichheits-Orientierte es als staatliche Vorleistungspflicht, wenn das Individuum sich nicht selbst helfen kann.

Excerpt out of 12 pages  - scroll top

Details

Title
Ethische Grundpositionen in der deutschen Sozialpolitik
College
Catholic University for Applied Sciences Berlin  (Sozialarbeit /Sozialpädagogik)
Course
Seminar: Einführung in die Sozialethik im Hinblick auf GWA / GWÖ
Grade
2,0
Author
Katinka Teetz (Author)
Publication Year
2001
Pages
12
Catalog Number
V3611
ISBN (eBook)
9783638122290
Language
German
Tags
GWA GWÖ Ethik Sozialstaat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katinka Teetz (Author), 2001, Ethische Grundpositionen in der deutschen Sozialpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3611
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  12  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint