Das dritte Lebensalter: Verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten für einen sinnerfüllten Lebensabschnitt


Diplomarbeit, 2004

107 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Alter
1.1 Was ist das: Altern
1.2 Ab wann ist man eigentlich alt?

2. Prozesse des Alters
2.1 Biologisches Altern
2.2 Gesundheit im Alter
2.3 Psychologisches Altern

3. Altern kann man lernen
3.1 Dem Alter Sinn geben
3.2 Pensionsschock
3.3 Vor- und Nachteile des Alters

4. Altern in unserer Gesellschaft

5. Soziales Altern

6. Demographische Veränderung

7. Geschlechtsspezifische Unterschiede
7.1 Frauen im Alter
7.2 Biologische Unterschiede im dritten Lebensalter
7.3 Unterschiedliche Lebensstile im dritten Lebensalter
7.4 Gesundheit im dritten Lebensalter
7.5 Sexualität im dritten Lebensalter
7.6 Einkommen im dritten Lebensalter
7.7 Freizeitaktivitäten und Freizeitverhalten im dritten Lebensalter

8. Verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten im Alter
8.1 Bildung
8.2 Seniorenakademie
8.3 Volkshochschule

9. Ehrenamtliches Engagement
9.1 Selbsthilfegruppen
9.2 Vereine

10. Interview
10. 1 Forschungsfeld und Methodenwahl
10. 2 Das narrative Interview
10. 3 Leitfadeninterview
10. 4 Paraphrase
10. 5 Interviewleitfaden für die Fallbeispiele

11. Fallbeispiele ( Datenschutz)

12. Zusammenfassende Darstellung der Forschungsergebnisse

13. Zusammenfassung

14. Resümee

Literaturnachweis

Das späte Leben ist in

unserer westlichen Gesellschaft

heute eine Phase auf der

Suche nach Sinn und Ziel.

( Thomas R. Cole)

Einleitung

Der vorangestellte Spruch war ausschlaggebend für die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich wollte in Erfahrung bringen, welche Möglichkeiten und Perspektiven es im dritten Lebensabschnitt gibt, um ein glückliches und sinnvolles Leben zu führen. Meine Frage war – ist der Mensch selbst verantwortlich oder von sozialen Institutionen abhängig? Welche Rolle spielen die Gesellschaft und die Umwelt? Welches Thema spielt das Geld im Alter, ist es ausschlaggebend für einen gesunden, glücklichen dritten Lebensabschnitt? Nicht nur die Gesellschaft oder die Politik beschäftigt sich mit den speziellen Altersfragen, besonderes für die ältere Generation - durch den Pensionseintritt - wird die Thematik des Alters zum vorrangigen Thema

Mein persönlicher Bezug zu diesem Thema resultiert aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit mit älteren Menschen. Mich beschäftigte die Frage - "Pension Anfang oder Ende". Welche Perspektiven und Möglichkeiten gibt es eigentlich für ältere Menschen - werden sie noch gebraucht - oder werden sie als belastend empfunden? Viele Fragen, die mir interessant erscheinen, werde ich versuchen in dieser Arbeit zu bearbeiten.

Das erste Kapitel behandelt "Das Alter“ - mit der konkreten Frage "Was ist das: Altern?“ Zu dieser Frage passend, gehe ich laut Laslett auf das "Dritte Lebensalter" ein. Es stellt sich für mich die Frage – warum werden in der Gesellschaft die älteren Personen meistens mit "die Alten“ bezeichnet und "Ab wann ist man eigentlich alt?"

Im zweiten Kapitel werde ich die Prozesse des Alters erklären – die biologischen und psychologischen Prozesse, wie auch die Gesundheit und Risiken des Alters. Ich werde auf die Frage eingehen, ob die Gesundheit im Alter ein vorrangige Rolle spielt oder wird sie als nebensächlich gesehen. Wirkt sich ein gesunder Lebensstil im dritten Lebensalter positiv oder negativ aus?

Im dritten Kapitel gehe ich auf das Thema "Altern kann man lernen“ ein. Welchen Sinn hat der dritte Lebensabschnitt - oder welchen Sinn hat das Älterwerden. Was ist der Sinn des Lebens? Diese Fragen werden auch bei den Punkten "Dem Alter Sinn geben“ und beim gefürchteten "Pensionsschock“ erarbeitet.

Der vierte Kapitel befasst sich mit einer meiner Fragestellungen zur Gesellschaft, "Altern in der Gesellschaft“ und welche Auswirkungen hat die Umwelt, um ein zufriedenes Leben im Alter zu führen. Jeder Mensch möchte im Alter selbstbestimmt leben und aktiv sein. Nach Baumann/Perrez werden das soziale Altern und die soziokulturellen Einflüsse im Kapitel fünf genau eruiert.

Eine Vielzahl von Faktoren - wie die rasanten Fortschritte der Medizin, veränderte Lebensstile usw. - sind ausschlaggebend, dass die Lebens-erwartung der Menschen immer höher wird. Der sechste Kapitel befasst sich ausführlich mit der demographischen Veränderung des letzten Jahrhunderts.

Dass die Lebenserwartung zwischen den Geschlechtern unterschiedlich ist, ist allgemein bekannt. Aber welche Unterschiede ergeben sich im Alter zwischen den Geschlechtern? Da das Älterwerden auch ein Frauenthema ist, gehe ich im Kapitel sieben genauer darauf ein. Dieses Kapitel umfasst weiters die unterschiedlichen Lebensstile zwischen den Geschlechtern - wie Gesundheit im dritten Lebensalter, Sexualität im dritten Lebensalter, Einkommen im dritten Lebensalter etc.

Kapitel acht wirft die Frage, nach den verschiedenen Möglichkeiten und Perspektiven im Alter, auf. Bildung und Lebenslanges Lernen sind heutzutage keine Schlagworte mehr. Welchen Stellenwert hat die Bildung heutzutage? Individuelle Bildungsangebote und die aktuellen Bildungsbedürfnisse älterer Menschen sind heute von großer Wichtigkeit.

Das neunte Kapitel beschäftigt sich mit dem "Ehrenamtlichen Engagement", das für viele Menschen unentbehrlich ist. Das sogenannte "freiwillige" Engagement hat heutzutage einen großen Stellenwert und kann auch zu einem sinnstiftenden Dasein beitragen. Auch verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten - wie die Selbsthilfegruppen, Vereine - werden im Kapitel neun bearbeitet.

Der zehnte Kapitel umfasst das Forschungsfeld und die Methodenwahl mit ihren Interviewführungen. Theorie und Praxis sind zwei Bereiche, die sich ergänzen sollten. Die Praxis braucht die Theorie, dass man auf verschiedene, erforschte Konzepte zurückzugreifen kann und die Theorie ist dazu da, dass sie in der Praxis durchgeführt wird. Aber meistens sind Theorie und Praxis sehr weit voneinander entfernt. Wie sieht es im wirklichen Leben aus? Ich habe fünf Interviews geführt, um die unterschiedlichen Lebenswelten der älteren Menschen praxisnah und lebensecht darstellen zu können.

Im elften Kapitel werden die fünf Fallbeispiele dargestellt, die sich mit dem Thema "Pension Anfang oder Ende" - Gibt es verschiedene Möglichkeiten und Perspektiven für einen sinnerfüllten Lebensabschnitt? auseinander setzen. Kapitel zwölf befasst sich mit den Forschungsergebnissen in ihrer Vielfalt und Originalität. Die Auswertung des Interviews basiert auf die im Leitfaden gestellten Fragen und den zentralen Aussagen der Interviewten.

1. Das Alter

1.1 Was ist das: Altern?

Die Menschen werden immer älter - und fühlen sich immer jünger dabei. Schon jetzt beschäftigen sich viele Forscher mit Problemen des Alters und damit, wie man diesen vorbeugen kann. Das Altern muss man individuell sehen - manche zählen sich mit 60 schon zum alten Eisen und für andere fängt nach der Pension das Leben nochmals neu an. Aber im Allgemeinen sind die heutigen Senioren viel offener und lebensbejahender, als in früheren Zeiten.

Rosenmayr sieht das Phänomen Älterwerden in einer naturhaften Veränderung des Lebendigen, die durch Verluste und Einschränkungen gekennzeichnet ist. Neben dem Altern ist auch ein aufbauendes und seelisches Gewinnen durch Entwickeln auf Ziele hin möglich. Weiteres betont er, dass die biologischen und psychischen Prozesse des Alters sozial und kulturell beeinflussbar sind. (vgl. Rosenmayr 1990, S. 21)

Auch Tews vertritt die Meinung, dass Altern biologisch, psychologisch, sozial bzw. soziologisch beeinflussbar ist und auch dementsprechend zu unterscheiden sei. Altersgrenzen lassen sich auch sozialwissenschaftlich schwer bestimmen. Nach Aussagen der psychologischen Gerontologie gäbe es die Alten nicht, weil die Prozesse des Alters individuell verlaufen und die Unterschiede zwischen den älteren Menschen mit zunehmenden Alter eher größer als kleiner werden. (vgl. Tews 1994, S. 50)

Die Lebenserwartung ist besonders in den hoch entwickelten Ländern aus sozialökonomischen und beruflichen Gründen verschieden. Durch gute Bildung und mehr Geld haben Menschen eine größere Chance auf ein längeres Leben, und auch bessere Voraussetzungen, für sich zu sorgen und auf die Gesundheit zu achten. (vgl. Rosenmayr 1990, S. 21)

Schon 1983 schrieb Rosenmayr, dass die Lebenserwartung von Lehrern, Pfarrern und Privatangestellten deutlich über der Lebenserwartung von weniger und gering qualifizierten Arbeitern liegt. (vgl.ebd. 1990, S. 351)

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird zwischen älteren Menschen (60- bis 75jährigen), den alten Menschen (75- bis 90jährigen), den sehr Alten oder Hochbetagten (den über 90jährigen) und den Langlebigen (den über 100jährigen) unterschieden . (vgl. Kolland/Rosenmayr[1], zit. in Seniorenbericht 2000 S. 26)

Nach Aussage der WHO zählt man ab dem 60. Lebensjahr zu den älteren Menschen? Diese Lebensphase wird von vielen Menschen als das Dritte Lebensalter beschrieben. Definiert man das Dritte Lebensalter, ab den 60. Lebensjahr oder mit dem Eintritt in den Ruhestand? Laslett beschäftigte sich intensiv mit dieser Thematik und wie er das Dritte Lebensalter definiert werde ich kurz erklären.

Laut Laslett gibt es vier unterschiedliche Lebensalter: Das Erste Alter der Sozialisation, das Zweite Alter der Verpflichtungen im Berufs- und Familienleben, das Dritte Alter der Selbsterfüllung und das Vierte Alter des endgültigen Verfalls.

Die vierteilige Abgrenzung wird nach Laslett folgend gerechtfertigt: "Am Anfang steht die Zeit der Unabhängigkeit, Sozialisation, Unreife und Erziehung; zweitens folgt die Zeit der Unabhängigkeit, Reife und Verantwortung, des Verdienens und Sparens, drittens die Zeit der persönlichen Erfüllung und viertens die Zeit der unabänderlichen Abhängigkeit, der Altersschwäche und des Todes." ( Laslett 1995, S. 35)

Nach Laslett (vgl. 1995, S. 35) hat der Lebenslauf seinen Höhepunkt im Dritten Alter, dem Alter der persönlichen Errungenschaften und Erfüllung. Man muss auch bedenken, dass das Dritte Alter gleichzeitig mit dem Zweiten Alter oder gar mit den Ersten Alter gelebt werden kann, z.B. derjenige lebt das Dritte Alter Seite an Seite mit dem Zweiten, der dieses Ziel zur selben Zeit erreicht, wie er Geld verdient, eine Familie gründet und eine erfolgreiche Karriere zum Punkt höchster Erfüllung bringt.

Weitere Beispiele sind besonders die Künstler und Sportler, wo die Sportler ihren Gipfel gewöhnlich im Ersten Alter erreichen und einen Teil ihres Dritten Alters leben. Gerade dies beweist, wie unzulänglich Zahl, Dauer oder Geburtstage für die Bestimmung des Dritten Alters sein können.

Das Dritte Alter definiert sich, nach Laslett, nicht vollständig durch den Kalender oder durch die Geburtstage. Besser als einen bestimmten Stichtag - wie im biologischen, sozialen, kalendarischen Alter - wäre ein persönlich gewählter Zeitpunkt zum Anlass für den Beginn des Dritten Alters zu nehmen. Das Dritte Alter ist ebenso eine Errungenschaft einer Bevölkerung, wie einzelner Männer und Frauen.

Wie Laslett schon erklärte, dürfen wir das Erleben des Dritten Alters nicht nach den Geburtstagen rechnen. Aber gerade im Alltag wird den meisten Menschen das Erleben des Dritten Lebensalters erst im Ruhestand ermöglicht. Einige können selbst bestimmen, wann sie das Zweite Alter verlassen, d.h. zum Arbeiten aufhören, aber für die Mehrzahl der Menschen ist die Altersgrenze durch andere festgelegt: durch die Regierung oder die Arbeitgeber.

Weiters gibt es noch weitere Faktoren zur Entstehung des Dritten Lebensalters. Gesundheit, Energie und Einstellungen, erlauben es den Menschen, die "Krone des Lebens" in ihren fortgeschrittenen Jahren zu erreichen, zusammen mit den geeigneten kulturellen Möglichkeiten und Bildungseinrichtungen. (vgl. Laslett 1995, S. 129-130)

So gesehen verläuft das Dritte Lebensalter individuell und jeder ist für seine persönliche Erfüllung selbst verantwortlich. Einige erreichen das Zweite und das Dritte Alter Seite an Seite, und andere Menschen, z.B. die Sportler, können das Dritte Alter der persönlichen Erfüllung schon im Ersten Alter erleben. Auch die Gesundheit und eine positive Einstellung zum Älterwerden sind wichtige Faktoren im Dritten Lebensalter. Rosenmayr ist der selben Meinung, dass das Alter individuell zu sehen ist

Das Alter vollzieht sich sozial, kulturell und individuell ganz verschieden, denn menschliches Altern ist nicht nur biologisch bedingt, sondern von gesellschaftlichen Einflüssen und vom Handeln des Menschen bestimmt. Mit der Arbeitsteilung, dem Wertewandel und der gesellschaftlichen Einschätzung des Lebensalters ändern sich Altersbilder und die Altersrealität sehr stark. (vgl. Rosenmayr 1990, S. 36-37)

Statistisch gesehen (vgl. ebd. S.17-19) wächst die Lebenserwartung in Österreich - Männer mit 60 haben im Durchschnitt noch 17, Frauen noch 21 Jahre vor sich. Während man früher bald nach der Pensionierung starb, ist man heute halb so lang in der Rente wie im Beruf. Der nachberufliche Feierabend hat stark zugenommen, und die Lebensarbeitszeit ist dagegen geschrumpft.

Lehr beschrieb schon 1988 diese Generation als die "Neuen Alten", sie sind im Allgemeinen noch erwerbsfähig, aber nicht mehr erwerbstätig. Diese Generation lebt zwischen Lebensmitte und Lebensabend, sie zählt nach Lehr, weder zu den Jungen, noch zu den Alten. (vgl. Lehr 1988, S.14)

Um den nachberuflichen Feierabend zwischen Lebensmitte und Lebensabend sinnvoll zu gestalten, sind wichtige Errungenschaften wichtig: Die positive Gestaltung des Dritten Lebensalters, eine gesunde Ernährung und genug Bewegung sowie ein geistiges und seelisches Gleichgewicht. Das Weiterlernen, und das "Sich-Entfalten", wird niemanden leicht gemacht, es erfordert Kraft, menschliche Stütze und auch gesellschaftliche Hilfe und Angebote.

Altern ist beeinflussbar geworden, denn wir können jeden Augenblick am Veränderungsprozess - wenn auch in sehr verschiedener Weise - mitwirken. Noch nie wurde für die Individualität und subjektiven Zeitgestaltung so viel Raum gelassen. In der heutigen Zeit ist der dritte Lebensabschnitt nicht nur verlängert, sondern auch stärker individuell gestaltbar geworden. (vgl. Rosenmayr 1990, S. 17-19)

Clennel (1996) vertritt ebenfalls wie Rosenmayr die Meinung, dass Altern ein individueller Prozess ist. Denn der Begriff älter oder Alt ist heute eher von den sozialen und wirtschaftlichen Aspekten des Ruhestands, als vom chro-nologischen Alter abhängig. Trotzdem ist diese Phase eine neue Situation für die Gesellschaft - die Menschen leben länger, sind länger gesund und aktiver als je zuvor. Der Ruhestand kann aber auch einen abrupten Wendepunkt im dritten Lebensabschnitt darstellen, und zwar unter unterschiedlichen Gesichtspunkten:

- wirtschaftlich: Einigen geht es wirtschaftlich sehr gut, aber viele Menschen sind arm, hervorzuheben sind hier besonders die Frauen;
- sozial: Viele verlieren die sozialen Kontakte vom Arbeitsplatz, haben aber das Bedürfnis, gesellschaftlich aktiv zu sein;
- persönlich: Sie müssen ihr jetziges Leben neu überdenken, für sich befriedigende Aktivitäten und Ziele setzen und besonders ihr Selbstwertgefühl stärken. (vgl. Clennel 1996, S.117-118)

Nickel (1994) geht davon aus, dass die ältere Generation sehr unterschiedliche Lebensansprüche, Lebensgewohnheiten und Wertorientierungen hat. Aus der großen Vielfalt der Alltagswelten dominieren gegenwärtig vier verschiedene Lebensstile.
- Die "resignierten Älteren" (15 Prozent): Der Alltag ist von sozialen und materiellen Benachteiligungen geprägt. Es ist auch die Gruppe mit den meisten Frauen, viele leben von Kleinstrenten oder Sozialhilfe. Gesundheitsprobleme und Einsamkeit prägen ihr Leben. Das Gefühl von Ohnmacht und Resignation prägen ihre Lebenseinstellungen. Viele leben von der ständigen Furcht, abgeschoben oder entmündigt zu werden. Der einzige Kontakt zur Außenwelt ist häufig nur mehr das Fernsehgerät.
- Die "sicherheits- und gemeinschaftsorientierten Älteren" (29 Prozent): Sie verbinden die Vorstellungen vom glücklichen Ruhestand mit Ruhe, Zurückgezogenheit und persönlichen Bedürfnissen. Hobbys, geselliges Beisammensein, Feiern und Kontakte mit Freunden stehen hoch im Kurs. Man möchte im Alter genießen, was man sich erarbeitet hat.
- Die "pflichtbewusst-häuslichen Älteren" (31 Prozent) Selbstbeschränkung, Harmoniestreben und Konfliktabwehr prägen ihren Lebensstil. Mittelpunkt des Lebens sind das Haus, die Wohnung, der Garten und die häuslichen Hobbys. Sie sind skeptisch gegenüber Neuerungen und ihre Grundüberzeugung sind keine Experimente. Man zieht sich gerne in seine private Welt zurück und ist dort glücklich.
- Die "aktiven neuen Älteren" (25 Prozent): Das Genießen der Pension, Selbstverwirklichung, Kreativität, Persönlichkeitswachstum und Auf-geschlossenheit für das Neue stehen im Zentrum ihrer Lebensansprüche. Sie wollen bewußt und positiv leben, jeden Tag neu genießen, sich Wünsche erfüllen usw. Sie leben mit Genuss, pflegen soziale Kontakte, bilden sich gerne weiter und nehmen auch kulturelle Angebote wahr. Ihr Lebensstil: "Am politischen und gesellschaftlichen Leben sind die "neuen Alten" ebenfalls stark interessiert". In dieser Gruppe findet sich ein hoher Bildungsstand und ein überdurchschnittliches Einkommen. Denn ohne diese materielle Basis könnte sich die Lebensphilosophie der "neuen Alten" wohl kaum entfalten. (vgl. Nickel 1994, S. 109 -111)

Nickel stellt resümierend fest: "Lebensqualität und Lebensstil im Alter, so die Einsicht, sind weniger vom chronologischen Lebensalter als von materiellen, sozialen, und kulturellen Bedingungen abhängig, vom Bildungsstand, Einkommen, von Wohn- und Lebenssituationen. Die soziale Komponente spielt nach wie vor eine bedeutende Rolle." (ebd. 1994, S. 111)

Eine weitere bedeutende Rolle für die Senioren spielt auch die freie Zeiteinteilung - sie ist für viele Menschen sehr schwierig, viele sind von einem gut funktionierenden sozialen Netz abhängig. (Kirche, Pensionistenvereine, Freunde usw.) Bei der Arbeit hatten sie einen vorgegebenen Tagesablauf und diesen müssen sie in der Pension nun selbst gestalten. Wenn kein gutes soziales Netz, (die resignierten Senioren) wenig Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl vorhanden ist, fühlt man sich nicht mehr gebraucht und alt. Durch die Betitelung der Bevölkerung - "die Alten" - fühlt man sich noch weniger wert.

Hoffmann-Gabel beschreibt es treffend, dass es nicht realitätsgerecht ist, alle Personen in der Pension als "die Alten" zu bezeichnen. Älterwerden und Altsein - und damit "die Alten" sind oft negativ besetzt. Diese negative Abwertung betrifft ungefähr ein Viertel der gegenwärtigen Bevölkerung. Ein hohes Lebensalter ist für sie eher mit Schreckensbilder verbunden und wird nicht als eine wünschenswerte Zukunft angestrebt. (vgl. Hoffmann-Gabel 2003, S.26-27)

Bei diesen Personen wäre ein soziales Netz wünschens- und erstrebenswert, ihnen Möglichkeiten und Chancen zu vermitteln, damit sie ihr Leben im sogenannten Ruhestand sinnvoll gestalten können. Die Betitelung "die Alten" ermutigt Menschen mit wenig Selbstbewusstsein nicht gerade, sich voll ins Leben zu stürzen.

Weiter vertritt Hoffmann-Gabel die Meinung, dass es "die Alten" gar nicht gibt. Eine unübersehbare große Gruppe in unserer Gesellschaft sind Menschen im Alter von mehr als 60 Jahren. Millionen von Menschen werden durch den Ruhestand mit dem Etikett "die Alten" versehen. Soziologisch betrachtet mag eine solche Etikettierung einen Sinn ergeben, wenn damit die Menschen gemeint sind, die über 60 Jahre alt und in Pension sind. Aber hier stellt sich die Frage - welchen Aussagewert hat ein einziges Merkmal wie der "Ruhestand"? Gerecht ist es nicht, alle Personen, die im Ruhestand sind, als "die Alten" zu bezeichnen, keiner ist wie der andere und somit vergleichbar - denn Individualität geht im Alter nicht verloren. (vgl. Hoffmann-Gabel 2003, S. 26)

Zur selben Überzeugung kommt auch Verheugen, er meint: "Allgemein wird das Alter bei uns mit dem Eintritt in den Ruhestand verbunden. Es handelt sich also um eine sozial definierte Lebensphase. Wann ein Mensch älter wird und wann er alt ist, läßt sich kaum exakt erfassen. Nicht in der Wissenschaft und nicht im Alltag. Es gibt nicht "die Alten". Schon gar nicht in der Selbsteinschätzung älterer Menschen". ( Verheugen 1994, S.11)

Dieses Zitat von Verheugen zeigt deutlich, dass das Thema - ab wann ist ein Mensch eigentlich alt - kaum exakt erfassbar ist. Man ist so alt, wie man sich man sich fühlt. Stimmt das wirklich oder sind auch andere Faktoren ausschlaggebend? Der nächste Punkt befasst sich genauer mit diesen Thema.

1.2 Ab wann ist man eigentlich alt?

Diese Frage kann man sehr unterschiedlich sehen: Wie schon erwähnt, gibt es laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) Altersrichtlinien. Jeder ältere Mensch empfindet sein Alter anders - agile, gesunde Menschen können mit ihrem Alter besser umgehen als kranke, gebrechliche. Auch die gesellschaftlichen Einflüsse spielen eine große Rolle, ab wann ein Mensch als „alt“ angesehen wird. Auf dieses Thema gehe ich später näher ein. Ab wann ist man alt? Für die junge Generation (z.B. 15-18jährige) sind die 30-40jährigen schon alt - dann erst die 60-70jährigen, sie werden als "die alten Greisen" betitelt.

Strebenitzer erörtert die Frage "Ab wann ist man alt" in ihrer Doktorarbeit. Wenn es nach dem Arbeitsmarkt ginge, hätte man allen Grund, sich bereits mit vierzig zu den Alten zu zählen. Die Unternehmen trennen sich immer früher von älteren Mitarbeitern. In den Stellenausschreibungen wird ausdrücklich nur für die 25 bis 35jährigen geworben, dadurch ist es für die über 40jährigen besonders schwer, eine neue Stelle zu finden. (vgl. Strebenitzer 2000, S. 8)

Wie fühlt man sich, wenn man ab dem vierzigsten Lebensjahr schon ausgegrenzt wird? Obwohl unsere Lebensdauer immer höher wird, wird vielfach auf erfahrenes Wissen der über 40jährigen verzichtet. Dabei kann die Erfahrung der älteren Menschen für die jüngeren sehr oft von großem Nutzen sein. (z.B. bei einer Lehrstelle profitierten die Lehrlinge vom Wissen der Älteren)

Auch im Seniorenbericht wurde in letzter Zeit immer häufiger beobachtet, dass die Menschen um die Vierzig am Arbeitsmarkt praktisch abgeschrieben werden. Hier ergibt sich in der Wirtschafts- und Sozialpolitik ein enormer Handlungsbedarf, um den Jugendlichkeitswahn zu relativieren und die Fähigkeiten und Bedürfnisse "älterer", arbeitswilliger Menschen zu berücksichtigen. (Seniorenbericht 1994, S.19)

Lehr bringt diese Thematik auf den Punkt , "Können wir es uns als Gesellschaft leisten, ihre Erfahrungen, ihr Können, ihr Wissen brach liegen zu lassen" ? Die Senioren sind eine lebens- und berufserfahrene Generation und können noch sehr viel leisten - werden sie wirklich nicht mehr gebraucht? Die Senioren sind zur Zeit die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Es liegt an uns selbst, an der Gesellschaft, ob wir das Altenpotential nützen und erkennen? (vgl. Lehr 1988, S. 14)

Die Gesellschaft (vgl. Strebenitzer 2000 S. 8-9) sagt ihren Mitgliedern, bis zu welchem Alter sie Jugendliche oder ab wann sie Alte sind. "Warum sollte jemand von einem Tag auf den anderen alt sein, nur weil er in den Ruhestand getreten ist?"

Das gesellschaftliche oder soziologische Alter der Senioren beginnt, nach Lehr, mit dem Übergang von der Zeit der aktiven Berufstätigkeit in den sogenannten "Ruhestand". Schon 1988 lag dieser Zeitpunkt bereits vor dem 60. Lebensjahr. (vgl. Lehr 1988, S.10)

Auch Hoffmann-Gabel (2003, S. 26) stellt sich in ihrem Buch die Frage – welchen Aussagewert ein einziges Merkmal, wie der Ruhestand, hat. "Ruhestand" - schon allein dieses Wort ist negativ besetzt - was könnte es aussagen? Sollen die Menschen in Ruhe gelassen werden, weil sie alt sind? Wollen sie das - oder kann man sich in der Gesellschaft nicht vorstellen, dass ältere Menschen noch sehr agil und aktiv sind. Diese Frage ist berechtigt und zeigt, dass gesellschaftliche Normen noch sehr präsent sind.

Ab wann zählt man zu den älteren Menschen? Statistisch gesehen-

- 40% der Antwortenden zählen die Menschen ab max. 55jährigen in Österreich zu den "Älteren"
- Knapp zwei Drittel der Befragten zählen Menschen ab 60 zu den Älteren

Bemerkenswert ist aber die Tendenz, dass die Bezeichnung "älter" mit dem eigenen Lebensalter hinaufwandert - z.B. die Jüngeren verwenden den Begriff schon für Menschen ab 50, wobei die 20-40jährigen das Älter-Sein erst mit 70 beginnen lassen. Je älter die Menschen werden, desto höher rückt die Grenze des Älterwerden mit dem eigenen Alter hinauf. (vgl. Rosenmayr 1990, S. 51)

Auch Lehr ist dieser Überzeugung, denn verschiedene Untersuchungen zeigen, dass mit zunehmenden Alter das "Altsein" mit einem späteren Zeitpunkt beginnt, die Altersgrenze verschiebt sich nach oben. Für Jugendliche und Kinder sind 50jährige sehr alt; hingegen für die 70jährigen sind dieselben 50jährigen noch sehr jung. (vgl. Lehr 1988, S. 9)

Strebenitzer sieht das Altern wiederum als einen Vorgang, in den das subjektive Erleben der Menschen einfließt. Dazu gehört unser Eindruck, dass die Zeit immer schneller vergeht - das kann Mitte 20 oder Anfang 40 sein, irgendwann sind wir alle einmal betroffen. Weitere Erfahrungen, wie etwa Ereignisse in der sozialen Umgebung - wie Hochzeit eines Kindes, Tod eines Elternteils usw. können im Ablauf des Lebens uns dem Alter näher bringen. (vgl. Strebenitzer 2000, S.10-11)

Wenn man krank und hilflos ist - egal welchen Alters- fühlt man sich alt und ausgelaugt. Jeder Geburtstag des eigenen Kindes zeigt, dass das Alter unaufhaltsam ist. Man kann sich mit 40 wie 60 fühlen oder umgekehrt - das liegt in der Natur des Einzelnen und was er daraus macht.

" Es gibt also typische Erfahrungen, an denen Menschen ihr Alter festmachen. Diese Erfahrungen werden aber weder von allen Menschen in der gleichen Weise gemacht, noch sind sie an ein bestimmtes chronologisches Alter gebunden. Verdichtet sich bei dem einen dieses Fühlen mit 55 Jahren, so kann das gleiche Fühlen bei einem anderen erst mit 65 der Fall sein. Demzufolge wird sich der eine zehn Jahre früher als der andere zu denAlten" rechnen." (Braun 1992, S. 22; zit. in Strebenitzer 2000, S. 11)

Dieses Zitat unterstreicht meine These - man ist so alt, wie man sich fühlt - und nicht so alt, wie es auf den Geburtsschein steht, oder wie man aussieht. Tews geht davon aus, dass man so jung ist, wie man sich fühlt und dass die Älteren sich im Durchschnitt heute jünger fühlen als früher. (vgl. Tews 1994, S. 52)

In einer Studie (Seniorenbericht 1994) wurde die Frage gestellt: Wie alt fühlt man sich? Und welche Konsequenzen zieht man daraus? Das Sich-jünger- Fühlen, als man eigentlich ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Allgemeine Zufriedenheit, körperliche Fitness und Gesundheit, sinnvolles Tätigkeitsfeld. Man fühlt sich jünger, desto höher die soziale Schicht, je höher das Einkommen und je qualifizierter der Beruf ist, den man ausübt.

Der Seniorenbericht kommt aber zur Schlussfolgerung, dass der Großteil der Bevölkerung - wie auch die Hochbetagten - dem Alter positiv gegenüber stehen, ganz unabhängig von der Schichtzugehörigkeit. Das Sich-jünger-Fühlen der älteren Generation entspringe vor allem aus einem positiven Lebensgefühl. (Seniorenbericht 1994, S. 79)

Die Möglichkeit, das Alter zu genießen, hängt sehr stark vom Gesundheitszustand jedes Einzelnen ab. Heutzutage sieht man mit 60 - wenn man für sich was tut - aus wie 50 oder jünger. Nur der biologische Prozess ist nicht aufhaltbar, aber sicher verzögerbar.

2. Prozesse des Alters

2.1 Biologisches Altern

Rosenmayr geht davon aus, dass fast alle Alternsprozesse entsprechend einem genetischen Programm ablaufen, aber niemals nur biologisch gesteuert sind. Er meint weiters: "Der Mensch ist den biologischen Gesetzen, dem Austausch mit der natürlichen und selbstgeschaffenen Umwelt unterworfen. Er lebt in der Wechselwirkung von Organismus, Seele und geistigen Fähigkeiten zur natürlichen und sozialen Umwelt. Und diese wieder wird von der Kultur bestimmt und vom Stand der Zivilisation. Altern erfolgt nicht als ein einziger Prozeß, sondern vielschichtig, in einer Mehrzahl von Prozessen. Sie laufen nebeneinander oder greifen in verschiedenen Formen ineinander". (vgl. Rosenmayr, 1988, S.16)

Heuft (2000) erklärt biologisches Altern folgend: Aus biologisch-genetischer Sicht kann man "Altern" als eine zunehmende Schädigung des genetischen Materials erklären, wobei die Altersprozesse in verschiedenen Organsystemen unterschiedlich genetisch kontrolliert werden. Durch die Schädigung des genetischen Materials werden die Organsysteme in ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit behindert, dadurch entstehen häufigere Erkrankungen und auch eine geringere Heilungschance der Erkrankungen. Die DNA hat Fähigkeiten zur Reparatur und Korrektur von Schädigungen des genetischen Materials, dadurch kann man das genetische Material durchaus als ein Potenzial bezeichnen.

Heuft ist weiters der Meinung, dass Menschen sich trotz ähnlichen genetischen Material sehr unterschiedlich entwickeln. Die Umweltfaktoren spielen hier eine große Rolle, in welchen Umfang das genetische Potential entwickelt werden kann. Eine Umwelt, die anregend, positiv, motivierend und fordernd ist, stärkt und fördert das genetische Potential. Ein positiver Lebensstil - wie eine körperliche, seelisch-geistige und soziale Aktivität kann fördernd und anregend auf die Umwelt wirken. Umgekehrt kann die Umwelt unseren Lebensstil beeinflussen und die positiven Aktivitäten auch behindern oder erschweren.

Viele gesundheitsschädigende Einflüsse im Lebenslauf - wie frühere Erkrankungen, schädliche Umwelteinflüsse etc. - zeigen sich erst im Alter. Wenn Menschen sich im Leben mehreren Risikofaktoren ausgesetzt haben, bekommt ein gesunder Lebensstil große Bedeutung. Alter kann man nicht gleich mit Krankheit betiteln, es ist auch im Alter ein freies und zufriedenes Leben möglich. Der Mensch trägt durch positive Lebenseinstellung, gesunde Ernährung und Aktivitäten im Lebenslauf sehr viel zu einer positiven Entwicklung bei. Günstige Entwicklungsbedingungen im Lebenslauf - wie Hygiene, Ernährung, medizinische Versorgung, Bildung, Wohnen, soziale Aspekte - fördern weiter einen positiven Lebensabschnitt. (vgl. Heuft 2000, S. 59-63)

In der klinischen Psychologie (Baumann/Perrez) versteht man unter Altern die Veränderungen der Vitalkapazität der einzelnen Organe und sensorischen Funktionen. Auch die Anpassungsfähigkeit an bestimmte Situationen und das Streben nach Ersatzbefriedigung verändern sich. Die Charakteristika der sogenannten Merkmale sind individuell sehr verschieden, da sich ältere Menschen erheblich voneinander unterscheiden.

Dies lässt sich auf drei Faktoren zurückführen:

- Unterschiedliche genetische Organisation,
- Anzahl, Art und Dauer von Risikofaktoren und Erkrankungen in früheren Lebensphasen und im Alter,
- Art und Ausmaß körperlicher Aktivität in jüngeren Jahren und im Alter.

Besonders durch die letzten zwei Faktoren kann man sehen, wie wichtig der Lebensstil in früheren Lebensjahren für die Gesundheit im Alter ist. (vgl. Baumann/Perrez 1998, S. 988-990)

Heuft und Baumann/Perrez vertreten hinsichtlich dieser Prozesse die gleiche Meinung. Ein gesunder, positiver Lebensstil ist ausschlaggebend für einen gesunden dritten Lebensabschnitt (abgesehen von einer schweren Krankheit). Heuft betont weiteres, dass günstige Entwicklungsbedingungen im Lebenslauf eine große Bedeutung haben. Hat man ohne günstige Entwicklungs-bedingungen keine Chance auf ein gesundes, zufriedenes Leben im Alter? Es stellt sich die Frage, liegt es an jedem einzelnen Menschen, ob er einen gesunden Lebensstil führt, oder ist er nur Menschen vorenthalten mit einem höheren Lebensstandard?

Fakt ist, dass eine positive Einstellung zum Leben, gesunde Ernährung, Aktivitäten wie Laufen, spazieren gehen usw. sehr viel zu einem gesunden Älterwerden beiträgt. Diesen Lebensstil kann jeder Mensch führen, egal welchen Alters, welchen sozialen Status oder finanziellen Einkommens.

Borchert beschreibt es treffend - "Altsein ist keine Frage des Alters". Seiner Meinung nach hat es weniger mit biologischen als mit sozialen Ursachen zu tun. Jeder Mensch kann an sich arbeiten und sein Leben individuell gestalten. Es hängt ab von der eigenen Lebensgeschichte, den materiellen Lebens-bedingungen, vor allem aber der Einstellung zum Älterwerden. (vgl. Borchert 1980; zit. in Hoffmann-Gabel 2003, S. 22)

Diese Aussage bestätigt wiederum meine These, die ich oben erläutert habe. Es liegt entscheidend mit an jedem Einzelnen, ob er ein zufriedenes und gesundes Leben führt. Verschiedene Faktoren, wie z.B. materielle Absicherung sind sicher von Bedeutung, aber am wichtigsten ist eine positive Einstellung zum Älterwerden. Auch der Faktor Gesundheit spielt im Leben eine große Rolle - ohne Gesundheit hilft das ganze Geld nichts. Wenn man alt und krank ist, bekommt die Gesundheit einen besonders hohen Stellenwert.

2.2 Gesundheit im Alter

Nach WHO lautet die Definition der Gesundheit folgendermaßen: "(Entscheidend ist) der Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können." (vgl. Seniorenbericht 2000, S. 371)

Die Rahmenbedingungen - in denen die Menschen leben - spielen bei dieser Definition eine wesentliche Rolle, sie haben ebenso Einfluss wie die Verfügbarkeit und Qualität der medizinischen Versorgung. Alter ist ein sehr individueller Prozess und auch der gesamte Lebenslauf jeden einzelnem Menschen ist von Bedeutung. Jeder Mensch kann etwas tun, um gesund zu altern - nämlich in jüngeren Jahren gesund leben und auch im Alter auf die Gesundheitsvorsorge achten.

Viele Menschen leben laut Seniorenbericht 2000 (S.308) länger und gesündere Leben als je zuvor. Der Schlüsselfaktor für ein gesundes Altern ist, solange als möglich unabhängig zu bleiben. Der Seniorenbericht 2000 fordert ebenfalls bestimmte Rahmenbedingungen, um ein gesundes Altern zu ermöglichen. "Gesundheits- und Sozialprogramme sind gefordert, ein gesünderes Älterwerden zu ermöglichen und die Lebensqualität des Alters zu verbessern. Dies schließt gesunden Lebensstil, eine gesundheitsfördernde Umwelt und Gesundheitserziehung auch für ältere Menschen mit ein." (ebd. 2000, S. 312).

Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation im Alter werden an Bedeutung gewinnen und sind damit sehr wichtige Themen für die Zukunft. Es sollte durch zahlreiche Informationsangebote Wissen über gesunden Lebensstil, aktive Freizeitgestaltung und soziale Netzwerke vermittelt werden. Wichtig ist für jeden Einzelnen, die persönlichen Bedürfnisse und Ansprüche zu definieren. Besonders wichtig sind Kontaktmöglichkeiten zu Menschen mit gleichen Interessen, geistige Betätigung und ausreichende körperliche Bewegung. Wer sich körperlich in Schwung hält, den treffen manche Beschwerden nicht oder zumindest in geringerem Ausmaß. Gerade Vorsorge und Krankheitsprävention spielen laut Seniorenbericht 2000 eine große Rolle.

Dabei sind drei Aspekte wichtig:

- Entscheidend für den Gesundheitszustand im Alter ist auch der Lebensstil in früheren Lebensabschnitten. Ein gesunder Lebensstil - damit sind gesunde Ernährung, Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung gemeint - hat enormen Einfluss auf ein gesünderes Älterwerden.
- Vorsorge und Prävention sollten sich nicht nur auf das dritte Lebensalter beschränken, denn Gesundheitsvorsorge sollte in jedem Alter betrieben werden.
- Die Rehabilitation sollte nicht nur darauf abzielen, eingeschränkte oder benachteiligte Personen zu befähigen, sich ihrer Umwelt anzupassen, sondern sie soll auch in ihrer unmittelbaren Umgebung und in die Gesellschaft als Ganzes eingreifen, um die soziale Integration zu erleichtern. (vgl. Seniorenbericht 2000, S. 319-321)

Im Gesundheitsratgeber (1998) wird die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils auf folgende Weise beschrieben.

Im Alter beschäftigen sich die Menschen stärker mit der körperlichen Verfassung, da die früheren Anforderungen - wie Beruf, Stress usw. wegfallen. Mit der körperlichen Veränderung kann jeder Einzelne besser fertig werden, wenn er es versteht, sich und seine Lebensweise darauf einzustellen. Durch günstige Umwelteinflüsse und gesunde Lebensführung - wie Ernährung, Bewegung und positive Einstellung zum Körper und zum Leben - kann man Krankheiten und chronische Leiden vermindern. Zu fette Ernährung, starkes Rauchen, zu viel Alkohol, Stress und keine Bewegung sind Faktoren, die den Alterungsprozess beschleunigen. (vgl. Gesundheit-Ratgeber 1998, S. 82)

Die Gesundheit spielt eine große Rolle - wer früher schon auf ein gesundes Leben achtet, hat im Pensionsalter weniger Schwierigkeiten. Auf die Gesundheit sollte präventiv geachtet werden, um im späteren Leben - falls eine Krankheit kommt- psychisch gestärkt zu sein. Um gesund zu werden und zu bleiben, ist manchmal eine Änderung in der Lebensweise nötig - besonders im älteren Lebensalter. Wie oben schon erwähnt, sollte Stress und Bewegungs-armut vermieden werden, besonders wer das Rauchen aufgibt und sich gesund ernährt, ist mit Sicherheit auf dem richtigen Weg.

Rosenmayr sieht in der Gesundheit ein hohes Potential, Gesundheit wird bewusst zu einer zentralen Lebensaufgabe, man strahlt innere Zufriedenheit und Lebensfreude aus. Früher wurde die Gesundheit von der jungen Generation nicht so wertvoll genommen, da sie meist selbstverständlich vorhanden war. Aber mit dem Zuwachs der älteren Bevölkerung gehört sie zum größeren Verantwortungsbereich in der Gesellschaft. (vgl. Rosenmayr 1990, S. 39)

Auch die seelische Verfassung ist ein wichtiger Faktor, ob sich ein Mensch krank fühlt oder nicht. Ein stabiles seelisches Gleichgewicht und das positive Auseinandersetzen mit dem Älterwerden kann viele Beschwerden lindern - falls keine ernsthafte Krankheit vorliegt. Wir können sehr viel selbst dazu beitragen, damit wir uns im Alter gesund und fit fühlen. (vgl. Gesundheit-Ratgeber 1998, S. 765)

Schon 1988 vertritt Ursula Lehr dieselbe Meinung: "Erfolgreiches Altern ist nicht primär eine Frage bestimmter Medikamente, bestimmter Geriatrika, sondern eine Frage der Lebensführung und Lebensgestaltung ". Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches, zufriedenes Altern verlangt die Aussage "carpe-diem, nutze den Tag". (vgl. Lehr 1988, S. 105-106)

2.3 Psychologisches Altern

Wie viel Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein hat ein Pensionist, wenn man sich nicht mehr gebraucht und alt fühlt? Es ist wichtig, dass die psychische Verfassung stabil und gestärkt ist, um mit den Veränderungen des Älterwerden besser fertig zu werden. In der Literatur der klinischen Psychologie wird das psychologische Altern von den Autoren Baumann/Perrez (1998) folgend beschrieben:

Unter psychologischem Alter versteht man die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen im kognitiven, alltagspraktischen und sozialen Bereich. Das psychologische Altern umfasst besonders spezifische Entwicklungsaufgaben des Alters, und zu diesen Aufgaben gehören vor allem:

- Die Wahrnehmung neuer Rollen nach dem Berufsaustritt und
- vermehrte außerberufliche Beschäftigung
Um für eine positive Lebenseinstellung im Alter zu sorgen, sind folgende Faktoren verantwortlich:
- Verwirklichung persönlicher Interessen
- Ausübung einer wichtigen und sinnerfüllten Aufgabe
- Von anderen Menschen gebraucht zu werden

Diese Alternsform ist nicht nur an die soziokulturellen Bedingungen (soziale Netzwerke, soziale und kulturelle Angebote) gebunden, sondern besonders an die Fähigkeit und Bereitschaft, sich im Alter von bestimmten Aufgaben zu lösen. Es macht deutlich, dass das psychologische Alter einerseits biologischen und sozialen Einflüssen unterliegt, anderseits aber von den Werten des einzelnen Menschen abhängig ist.

Eine große Bedeutung weisen medizinische und psychologische Forschungen der Entwicklungsprozesse in jüngeren Lebensjahren hin. Im Alter ist man davon abhängig, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sich früher schon gebildet haben. Die biographische Entwicklung beeinflusst die Lebenseinstellung sowie die Bereitschaft, sich mit den Alter auseinander zu setzen. Heute wird das Alter mit einer lebenslauforientierten und mit einer situationsorientierten Perspektive verbunden. (vgl. ebd. 1998, S. 989-991)

Risiken des Alters

Zu den Risiken und Belastungen des Alltags zählen eingeschränkte Beweglichkeit, chronische Schmerzen und Einbußen in den sensorischen Funktionen. Weiteres kommen Verluste wie schwere Erkrankungen, oder der Tod eines nahestehenden Menschen hinzu, die das Lebensgefühl beeinflussen können. Gerade solche Belastungen stellen hohe Anforderungen an die psychischen Ressourcen eines Menschen. Durch eine Anhäufung von diesen Belastungen besteht die Gefahr, dass man sich schnell überfordert fühlt. Wenn die Verarbeitung dieser Belastungen von alleine nicht gelingt, soll man die Möglichkeit psychotherapeutischer Intervention nützen, um die psychischen Ressourcen zu stärken. (vgl. ebd. 1998, S. 992-993)

Viele Menschen befürchten, wenn sie im Alter überfordert sind - als alt und verwirrt abgestempelt zu werden. Um die Möglichkeiten psycho-therapeutischer Intervention zu nützen, muss älteren Menschen die Angst vor diesen Einrichtungen genommen werden. Flächendeckende Aufklärung wäre hier von Vorteil.

3. Altern kann man lernen

"Es gibt ältere Menschen, die von vielen wegen ihrer Art zu leben beneidet werden, aber auch solche, mit denen niemand gerne tauschen möchte." (Stieger 1995, S.17)

Stieger (1995) beschreibt in seinem Artikel, dass es drei große Perioden im Leben eines Menschen gibt.

[...]


[1] Autoren der wissenschaftlichen Kurzfassung - Bericht zur Lebenssituation älterer Menschen 1999 Seniorenbericht 2000: Franz Kolland, Leopold Rosenmayr

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten

Details

Titel
Das dritte Lebensalter: Verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten für einen sinnerfüllten Lebensabschnitt
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
107
Katalognummer
V36173
ISBN (eBook)
9783638358668
Dateigröße
860 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Interviews sind geschütztes Datenmaterial und werden nicht veröffentlicht. Diese Seiten wurden aus der Diplomarbeit gelöscht.
Schlagworte
Lebensalter, Verschiedene, Perspektiven, Möglichkeiten, Lebensabschnitt
Arbeit zitieren
Gabriele Pluch (Autor), 2004, Das dritte Lebensalter: Verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten für einen sinnerfüllten Lebensabschnitt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36173

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