Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das patientenorientierte Pflegesystem Primary Nursing auf seine Anwendbarkeit mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen, auf die mögliche Umsetzung in der Ambulanten Pflege und die damit verbundenen Veränderungen zu untersuchen.
„Für ambulante Pflegedienste ist es meiner Meinung nach sehr einfach, mit Primary Nursing zu arbeiten, denn es ist das Pflegesystem, das sich logischerweise anbietet. Im Krankenhaus ist dies wesentlich schwieriger, weil sie eine eigene, sehr spezifische Kultur haben. […]“
Diese Antwort gibt Marie Manthey, die Pionierin des Primary Nursing, in einem Interview auf die Frage, ob dieses Pflegesystem auch für die Ambulante Pflege geeignet sei.
Zunächst werden der geschichtliche Hintergrund („Entprofessionalisierung der Pflege“), das Konzept und die Kernelemente des Primary Nursing vorgestellt und seine besondere Stellung im Vergleich zu anderen Pflegeorganisationen herausgearbeitet.
Des Weiteren werden die gängigen Pflegeformen und die damit verbundenen personellen und administrativen Strukturen der Ambulanten Pflege dargestellt und der direkte Vergleich zu Primary Nursing gezogen. Auch wird die durch dieses Pflegesystem erfüllte Qualitätssicherung im ambulanten Dienst nach § 80 SGB XI erläutert. Anhand von Praxisbeispielen wird die dortige Umsetzung von Primary Nursing gezeigt. Den Abschluss bilden die kritische Würdigung und mögliche Ausblicke zum Thema.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergrund von Primary Nursing
2.1 Entwicklungen der Pflege in den USA
2.2 Funktionspflege
2.3 Gruppenpflege
3. Die Kernelemente des Primary Nursing
3.1 Definition von Primary Nursing
3.1.1 Verantwortung
3.1.2 Die tägliche Arbeitszuweisung nach der Fallmethode
3.1.3 Direkte Wege der Kommunikation
3.1.4 Care giver as care planner
3.2 Die Rolle der Stationsleitung
4. Primary Nursing in der Ambulanten Pflege
4.1 Pflegesysteme in der Ambulanten Pflege
4.1.1 Bezirkssystem
4.1.2 Tourensystem
4.1.3 Funktionsbezogenes arbeitsteiliges System
4.1.4 Zuordnung der Kunden zu den speziellen Qualifikationen bzw. Stärken der Pflegekräfte
4.2 Vergleich von Primary Nursing mit Pflegesystemen der Ambulanten Pflege und daraus resultierende Vorteile
4.3 Qualitätssicherung durch Primary Nursing
4.3.1 Strukturqualität
4.3.2 Prozessqualität
4.3.3 Ergebnisqualität
4.4 Umsetzung von Primary Nursing
4.4.1 Die Rolle der Stations- bzw. Pflegedienstleitung
4.4.2 Die Rolle der Primary Nurse
4.4.3 Die Rolle der Associate Nurse
4.4.4 Die Rolle der Care Assistants
4.5 Praktische Beispiele für die Umsetzung von Primary Nursing
5. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das patientenorientierte Pflegesystem „Primary Nursing“ hinsichtlich seiner Anwendbarkeit, der Vor- und Nachteile sowie der praktischen Umsetzungsmöglichkeiten im Kontext der ambulanten Pflege.
- Historische Entwicklung des Pflegeverständnisses und Entstehung von Primary Nursing
- Analyse und Vergleich bestehender Pflegeorganisationsformen in der ambulanten Pflege
- Definition der Kernelemente und des Rollenverständnisses im Primary Nursing
- Qualitätssicherung und strukturelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Entwicklungen der Pflege in den USA
Um die Motivation der Theoriebildung von Primary Nursing nachvollziehen zu können, zeigt Manthey die dafür relevanten Entwicklungen der Krankenpflege in den USA auf. Diesen stattfindenden Prozess bezeichnet sie als „Entprofessionalisierung der Pflege“.
In den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war es üblich, dass die examinierte Pflegekraft hauptsächlich als private Pflegekraft („Private Duty Nurse“) im Haus des jeweiligen Patienten bzw. als Gemeindeschwester („Public Health Nurse“) tätig war. Im Krankenhaushaus arbeiteten „bis weit ins 20. Jahrhundert“ stattdessen meist Auszubildende und nicht examiniertes Pflegepersonal. „Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden examinierte Pflegekräfte verstärkt von Krankenhäusern eingestellt.“ Während die examinierten privaten Pflegekräfte zuvor keine Anordnungen, Beschränkungen oder Vorgesetzten hatten, sie ihre individuelle Pflege ganzheitlich und unabhängig durchführen konnten, war diese Autonomie mit der Arbeit im Krankenhaus nicht mehr gegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Primary Nursing ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Anwendbarkeit dieses Konzepts in der ambulanten Pflege zu prüfen.
2. Hintergrund von Primary Nursing: Das Kapitel beleuchtet den geschichtlichen Werdegang der Krankenpflege in den USA und die Entstehung der Funktionspflege als Antwort auf personelle und ökonomische Herausforderungen.
3. Die Kernelemente des Primary Nursing: Hier werden die vier Grundelemente des Konzepts sowie die neu definierte Rolle der Stationsleitung im Primary Nursing erläutert.
4. Primary Nursing in der Ambulanten Pflege: Der Hauptteil vergleicht verschiedene ambulante Pflegesysteme und zeigt auf, wie Primary Nursing in der Praxis durch spezifische Rollenverteilungen umgesetzt werden kann.
5. Kritische Würdigung: Das Fazit fasst die Herausforderungen und Chancen der Implementierung zusammen und plädiert für die Förderung von Primary Nursing als Beitrag zur Professionalisierung der Pflege.
Schlüsselwörter
Primary Nursing, Ambulante Pflege, Pflegesysteme, Pflegeorganisation, Patientenorientierung, Primary Nurse, Associate Nurse, Qualitätssicherung, Pflegeprozess, Entprofessionalisierung, Fallmethode, Personalführung, Pflegedienstleitung, Pflegequalität, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung und Anwendung des pflegewissenschaftlichen Organisationsmodells „Primary Nursing“ innerhalb des Sektors der ambulanten Pflege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den geschichtlichen Hintergrund, den Vergleich mit klassischen ambulanten Pflegesystemen wie dem Touren- oder Bezirkssystem sowie die spezifischen Rollenprofile innerhalb eines Primary-Nursing-Teams.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen und die Herausforderungen von Primary Nursing in der ambulanten Pflege darzustellen und zu bewerten, ob das Konzept eine sinnvolle Alternative zu bestehenden Strukturen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und ergänzt diese durch eigene empirische Befragungen von ambulanten Pflegediensten im Raum Karlsruhe/Baden-Württemberg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Kernelemente des Systems, die unterschiedlichen Rollen (Primary Nurse, Associate Nurse, Care Assistant) sowie die Qualitätssicherung nach § 80 SGB XI detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie „personenbezogenes Pflegesystem“, „Kontinuität“, „Verantwortlichkeit“ und „patientenzentrierte Pflege“.
Warum wird Primary Nursing in der ambulanten Praxis oft noch selten eingesetzt?
Als Hauptgründe werden in der Arbeit oft hohe Kosten, mangelndes Wissen über das System sowie organisatorische Widerstände oder fehlende qualifizierte Mitarbeiter genannt.
Welche Rolle spielt die „Primary Nurse“ im ambulanten Dienst?
Sie ist die zentrale Bezugsperson, die die Pflegeplanung übernimmt, die Qualität der Versorgung sicherstellt und die direkte Kommunikation zwischen Patienten, Angehörigen und anderen Berufsgruppen koordiniert.
- Quote paper
- Diplom-Pflegepädagogin (FH) Andrea-Eva Schwarz (Author), 2005, Primary Nursing in der Ambulanten Pflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36218