Sprechakttheorie. Ein Überblick


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung in die Sprechakttheorie

2. Genese der Sprechakttheorie
2.1. Friedrich Ludwig Gottlob Frege
2.2. Adolf Reinach
2.3. Karl Bühler
2.4. John Langshaw Austin
2.5. John Rogers Searle
2.6. Herbert Paul Grice

3. Wann ist ein Sprechakt ein Sprechakt?

4. Sprechakttheorie nach Austin
4.1. Performative und konstatierende Äußerungen
4.2. Lokutionärer, illokutionärer und perlokutionärer Akt

5. Sprechakttheorie nach Searle
5.1. Kritik an Austin
5.2. Einteilung des Sprechaktes in Teilakte
5.3. Das Versprechen
5.4. Sprechaktklassifikation nach Searle
5.5. Kritik an Searle

6. Sprechakttheorie nach Grice

7. Sprechakttheorie nach Strawson, Schiffer, Bach-Harnish

8. Der indirekte Sprechakt

9. Zusammenfassung

10. Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Sprechakttheorie

Pragmatik untersucht die Sprache als Form sozialen Handelns, als Interaktion zwischen Kommunikationspartnern in konkreten Situationen und die entsprechend dazugehörenden Regeln dieses Sprachgebrauchs. „Thema der Pragmatik ist das, was im Sprachgebrauch die Form und/oder die Interpretation sprachlicher Äußerungen regelhaft beeinflusst kraft der Tatsache, dass Sprache in einer Situation und zur Kommunikation, zum sprachlichen Handeln mit andern, gebraucht wird.“[1] Die verbale Kommunikation ist eine besondere Form menschlichen Verhaltens, welche in kleinen pragmatischen Einheiten, den Sprechakten, analysiert wird. Die Sprechakttheorie beschäftigt sich mit der Handlungsfähigkeit der Sprache, die über grammatikalische und lexikalische Kompetenz von Produzent und Rezipienten hinausgeht.

2. Genese der Sprechakttheorie

Der Beginn der Sprechakttheorie wird in der Regel auf die von John L. Austin ab 1952 in Oxford und 1955 in Harvard gehaltene Vorlesung festgelegt, deren Skript unter dem Titel How to do things with words ab 1962 herausgegeben wurde. Häufig wird Austin zugeschrieben, dass er der Entdecker war, mit Hilfe sprachlicher Äußerungen Handlungen anzustoßen. Dies trifft nicht ganz zu, denn bereits der Logiker und Sprachphilosoph Gottlob Frege kann als Wegbereiter der Sprechakttheorie bezeichnet werden. Des Weiteren haben auch der Sprachpsychologe Karl Bühler und der Rechtsphilosoph Adolf Reinach eigene Sprechaktideen konzipiert, die aber von späteren Theorien nicht rezipiert wurden.

2.1. Friedrich Ludwig Gottlob Frege (1848-1925)

Als Begründer der logischen Semantik und aufgrund erster Ansätze zur pragmatischen Semantik ist er für die Sprechakttheorie eindeutig von Bedeutung. Austin entwickelte seine Sprechakttheorie an einer Kritik der logischen Semantik nach Frege indem er daran erinnerte, dass es in der natürlichen Sprache mehr als nur Aussagesätze gibt.

2.2 Adolf Reinach (1883-1914)

Reinach ging ähnlich wie Austin von einer semantischen Analyse der Sprechaktverben aus. Er verwendete als erster den Begriff „primär performative Äußerung“ und machte auf das Phänomen des indirekten Sprechaktes aufmerksam. Reinachs Werk, welches nach dessen Tod von seinen Schülern herausgegeben wurde, ist bis zu dessen Wiederentdeckung in Burkhard (1986) kaum rezipiert worden und somit für die spätere Entwicklung der Sprechakttheorie praktisch bedeutungslos.

2.3. Karl Bühler (1879-1963)

Bühler entwarf im Rahmen seiner Sprachtheorie ein Vierfeldschema, in welchem er erstmals die Begriffe „Sprechhandlung“ und „Sprechakt“ verwendete. Die Unterscheidung zwischen diesen Begriffen ist sehr sinnvoll, denn die Sprechhandlung wird von konkreten Sprechern und Hörern in einer realen Äußerungssituation vollzogen, der Sprechakt ist eine linguistische Abstraktion und als solche ein Konstrukt. Austin berücksichtigt diese Unterscheidung nicht. Er spricht in beiden Fällen von speech act.

2.4. John Langshaw Austin (1911-1960)

Austin entwickelte die Unterscheidung von konstativen und performativen Äußerungen. Ihm ist es mit seinen Ideen und seiner Terminologie gelungen, sich von einigen Idealisierungen der logischen Semantik zu lösen und die Grundlage einer neuen Theorie der Bedeutung von Sprechakten zu schaffen. Das Äußern von Sätzen wird dabei als Vollzug sprachlicher Handlung betrachtet. Aussagen haben dabei keine Sonderstellung, es handelt sich um ganz „normale“ Sprechakte, wenn auch mit einer besonderen Relation zu Fakten. Austin war zwar nicht der Erfinder der Sprechakttheorie, hat aber mit seinen Vorlesungen den Anstoß zur Entwicklung der Theorie im engeren Sinne gegeben. Sein Werk ist somit als grundlegend zu bezeichnen, da es weit mehr Ideen enthält, als die von späteren Theoretikern übernommenen Grundbegriffe.

2.5. John Rogers Searle (*1932)

Searle war ein Schüler Austins, der dessen Konzept der Sprechakttheorie systematisch weiter entwickelte und dieses mit Konzepten von Frege zu einem eigenen Ansatz verband. Sein grundlegendes Werk zur Sprechakttheorie speech acts (1969) entstand aus seiner Dissertation sense and reference (1959). Er diskutiert darin u.a. Freges Unterscheidung von Sinn und Bedeutung und vertritt explizit dessen Referenztheorie. Seine Terminologie übernimmt er weitgehend von Austin, führt jedoch eine andere Strukturierung des Sprechaktes ein: anstelle des lokutionären Aktes setzt er den Äußerungsakt und den propositionalen Akt. Obwohl Searle keinen grundlegend neuen Ansatz hervorbrachte, hat er einen großen Einfluss auf die Sprechakttheorie, da sich seine Fassung der Grundbegriffe weitgehend durchsetzte.

2.6. Herbert Paul Grice (1913-1988)

Grice unterrichtete bis 1967 in Oxford und anschließend in Berkley Philosophie. Sein Schwerpunkt war die Sprachphilosophie, insbesondere die Bedeutungstheorie. Seine Aufgabe sah er darin, die allgemeinen Bedingungen von Konversation an und für sich (Grice 1975/89, S.43) zu untersuchen. Grice sucht nicht wie Austin nach sprachlichen Indikatoren für Performativität, sondern fasst Sprechen als prinzipiell performativen Akt auf und widmet sich der Untersuchung der Bedingungen des Sprechens und des Verstandenwerdens.

3. Wann ist ein Sprechakt ein Sprechakt?

Austin geht beispielsweise davon aus, dass „etwas sagen etwas tun heißen kann“, falls bestimmte Bedingungen erfüllt sind, die er „felicity conditions“ nennt. Diese beinhalten u.a. die Bedingung, dass der Kontext, in dem der Sprechakt stattfindet, stimmen muss und dass der Sprecher seine Äußerung ernst und aufrichtig äußert. Für Austin ist also klar, dass das Verstehen der Intention des Sprechers durch die Hörer für das Gelingen eines Sprechaktes kaum ausreicht.

Für Searle ist es unabdingbar, dass der Sprecher eine bestimmte Intention mit seiner Äußerung verfolgt. Vollzogen ist der Sprechakt nur dann, wenn der Hörer diese Intention erkennt.

Austin und Searle betrachten Sprecher und Hörer nur als Rollen in einem abstrakten „setting“. Für Searle ist die Äußerungssituation vollkommen überflüssig, da der Sprecher und der Hörer allwissende Figuren sind, die nicht auf Teilung ihres Wissens angewiesen sind. Austin sieht die Äußerungssituation nur als konventionalisiertes Handlungsschema und auch er betrachtet die Akteure als allwissend.

4. Sprechakttheorie nach Austin

4.1. performative und konstatierende Äußerungen

Einerseits gibt es beschreibende Sätze, die wahrheitsfähig sind, sich folglich als wahr oder unwahr herausstellen können. Sie werden als konstativ bezeichnet.

Bsp.

(1) Die Erde ist rund.
(2) Heute ist Montag

Andererseits gibt es Sätze, mit denen man Handlungen vollzieht, diese werden als performativ bezeichnet. Die sogenannten performativen Verben beschreiben nicht nur einen außersprachlichen Vorgang durch sprachliche Mittel, sondern in diesen Verben treffen Benennen und der Vollzug des Benannten zusammen. Diese Deklarativsätze werden nicht mehr dazu gebraucht um festzustellen, ob eine Aussage wahr oder falsch ist.

Bsp.

(3) Ich erkläre Dir den Krieg.

(4) Ich erhebe Einspruch.

Es ist nicht möglich den Wahrheitsgehalt dieser Sätze festzustellen.

Als Beispiele für performative Äußerungen nennt Austin eine Schiffstaufe, die Bitte um Entschuldigung oder jemandem einen Rat erteilen; Handlungen, deren Vollzug anders als verbal ausgeführt nicht möglich wären oder nicht denselben eindeutigen Effekt hätten. So würde es etwa keinen Sinn ergeben, wenn irgendjemand zur Schiffstaufe lediglich eine Flasche Sekt an das Schiff werfen würde, denn dieses gelingt nur in Verbindung mit dem passenden Ausspruch, z.B. „Ich taufe dieses Schiff auf den Namen ...“. Hier wird deutlich, dass das Gelingen einer performativen Äußerung von gewissen Bedingungen abhängt. Ist beispielsweise der Redner nicht in der Lage, einen derartigen Akt zu vollziehen, oder wird auf einen ungeeigneten Gegenstand bezug genommen, dann gelingt es ihm nicht, einfach durch Aussprache der Wendung den geplanten Akt zu vollziehen.

[...]


[1] Linke/Nussbauer/Portmann: Studienbuch Linguistik, S. 177

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sprechakttheorie. Ein Überblick
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V36230
ISBN (eBook)
9783638359061
ISBN (Buch)
9783638854993
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprechakttheorie
Arbeit zitieren
Stephanie Meyer (Autor), 2003, Sprechakttheorie. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36230

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