Pragmatik untersucht die Sprache als Form sozialen Handelns, als Interaktion zwischen Kommunikationspartnern in konkreten Situationen und die entsprechend dazugehörenden Regeln dieses Sprachgebrauchs. „Thema der Pragmatik ist das, was im Sprachgebrauch die Form und/oder die Interpretation sprachlicher Äußerungen regelhaft beeinflusst kraft der Tatsache, dass Sprache in einer Situation und zur Kommunikation, zum sprachlichen Handeln mit andern, gebraucht wird.“ Die verbale Kommunikation ist eine besondere Form menschlichen Verhaltens, welche in kleinen pragmatischen Einheiten, den Sprechakten, analysiert wird. Die Sprechakttheorie beschäftigt sich mit der Handlungsfähigkeit der Sprache, die über grammatikalische und lexikalische Kompetenz von Produzent und Rezipienten hinausgeht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Sprechakttheorie
2. Genese der Sprechakttheorie
2.1. Friedrich Ludwig Gottlob Frege
2.2. Adolf Reinach
2.3. Karl Bühler
2.4. John Langshaw Austin
2.5. John Rogers Searle
2.6. Herbert Paul Grice
3. Wann ist ein Sprechakt ein Sprechakt?
4. Sprechakttheorie nach Austin
4.1. Performative und konstatierende Äußerungen
4.2. Lokutionärer, illokutionärer und perlokutionärer Akt
5. Sprechakttheorie nach Searle
5.1. Kritik an Austin
5.2. Einteilung des Sprechaktes in Teilakte
5.3. Das Versprechen
5.4. Sprechaktklassifikation nach Searle
5.5. Kritik an Searle
6. Sprechakttheorie nach Grice
7. Sprechakttheorie nach Strawson, Schiffer, Bach-Harnish
8. Der indirekte Sprechakt
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit bietet eine theoretische Untersuchung der Sprechakttheorie, um deren Grundlagen, historische Entwicklung und die maßgeblichen Ansätze führender Sprachphilosophen systematisch darzustellen und kritisch zu hinterfragen.
- Historische Genese der Sprechakttheorie (Frege, Bühler, Reinach, Austin, Searle, Grice).
- Differenzierung und Klassifizierung von Sprechakten nach Austin und Searle.
- Kritische Auseinandersetzung mit den Modellen zur Lokution, Illokution und Perlokution.
- Untersuchung von Bedingungen für das Gelingen sprachlicher Handlungen (z.B. Glückensbedingungen).
- Überblick über weiterführende Ansätze und Phänomene wie indirekte Sprechakte.
Auszug aus dem Buch
4.2. Lokutionärer, illokutionärer und perlokutionärer Akt – die drei Ebenen des Sprechaktes
Jemand, der etwas sagt tut dreierlei, immer angenommen das Gesagte hat einen Sinn. Wer den Satz „ Hast du 20 Euro dabei?“ äußert, der tut erstens zunächst einmal nur dies: er äußert den Satz. Was er mit der Äußerung zweitens tut, hängt ganz von den Umständen ab, die immer verschieden sind. Richtet sich der Satz an einen Hörer, der dem Sprecher Geld schuldet, wird die Äußerung eine Aufforderung zur Rückzahlung sein. Drittens ist es möglich, dass der Sprecher, wieder je nach den Umständen, mit seiner Äußerung bewirkt, dass der Schuldner gleich zahlt.
Unter einem lokutionären Akt versteht Austin den gesamten Ablauf des Etwas-Sagens. Innerhalb dieses lokutionären Aktes werden verschiedene Teilaspekte unterschieden; diese Teilaspekte bezeichnet Austin als (a) den phonetischen Akt, (b) den phatischen Akt und (c) den rhetischen Akt.
Der phonetische Akt beschreibt den Akt der Artikulation von Geräuschen und Sprachgebilden, während der phatische Akt die Äußerung von Wörtern (Vokabeln) gemäß den grammatischen Konstruktionsregeln einer jeweiligen Sprache umschreibt. Bei einer Aneinanderreihung werden die unterschiedlichen Wörter mit einer bestimmten Intonation ausgesprochen bzw. geäußert.
Vervollständigt wird der lokutionäre Akt durch einen weiteren Teilaspekt: den rhetischen Akt. Hier wird durch das Endergebnis des phatischen Aktes bezug auf die Sachverhalte der Welt genommen. Beim rhetischen Akt wird festgelegt, über was der Sprecher spricht (reference) und was er darüber sagt (sense).Wenn reference und sense genau festgelegt werden können, so lässt sich auch die Bedeutung (meaning) des Gesagten genau erschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Sprechakttheorie: Definiert die Pragmatik als Untersuchung von Sprache als soziales Handeln und führt den Sprechakt als kleinste pragmatische Einheit ein.
2. Genese der Sprechakttheorie: Gibt einen historischen Überblick über die Vorläufer der Theorie, darunter Frege, Bühler und Reinach, sowie den Einfluss von Austin und Searle.
3. Wann ist ein Sprechakt ein Sprechakt?: Diskutiert die Bedingungen, unter denen eine sprachliche Äußerung als Sprechakt gilt, insbesondere mit Blick auf die Intention des Sprechers.
4. Sprechakttheorie nach Austin: Erläutert die grundlegende Unterscheidung zwischen konstativen und performativen Äußerungen sowie die drei Ebenen des Sprechaktes.
5. Sprechakttheorie nach Searle: Analysiert Searles Weiterentwicklung der Theorie, seine Kritik an Austin sowie die Klassifikation von Sprechakten und Bedingungen für Versprechen.
6. Sprechakttheorie nach Grice: Behandelt das Kooperationsprinzip und die Bedeutung von Intentionalität für den Erfolg von Kommunikationsabläufen.
7. Sprechakttheorie nach Strawson, Schiffer, Bach-Harnish: Bietet einen Überblick über Alternativen zur Searleschen Klassifikation und deren Bezug zum Griceschen Programm.
8. Der indirekte Sprechakt: Beschreibt Fälle, in denen die Interpretation einer Äußerung von der konventionellen Bedeutung abweicht und der Hörer die Absicht erschließen muss.
9. Zusammenfassung: Resümiert den Stellenwert der Sprechakttheorie in der Pragmatik und benennt ihre Stärken sowie Grenzen bei der Analyse komplexer Kommunikation.
Schlüsselwörter
Sprechakttheorie, Pragmatik, Austin, Searle, Illokution, Lokution, Perlokution, Sprechakt, Performativität, Kooperationsprinzip, Intention, Sprachhandeln, Konversation, Glückensbedingungen, Indirekte Sprechakte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen und die historische Entwicklung der Sprechakttheorie, die untersucht, wie Sprache als Form des sozialen Handelns funktioniert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen verschiedenen Akt-Ebenen (Lokution, Illokution, Perlokution), die Klassifikation von Sprechakten und die Bedingungen für erfolgreiche Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine systematische und kritische Darstellung der wichtigsten sprechakttheoretischen Ansätze, um die Handlungsfähigkeit von Sprache verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit sprachphilosophischen Texten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Modelle von Austin und Searle im Detail, vergleicht diese mit anderen Ansätzen wie denen von Grice oder Strawson und betrachtet Phänomene wie den indirekten Sprechakt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sprechakttheorie, Pragmatik, Illokution, Performativität und Intention.
Wie definiert Austin die drei Ebenen des Sprechaktes?
Austin unterteilt das Sprechen in den lokutionären Akt (das Sagen an sich), den illokutionären Akt (das Handeln im Sagen) und den perlokutionären Akt (die durch das Sagen hervorgerufene Wirkung beim Hörer).
Was unterscheidet den Ansatz von Searle von dem Austins?
Searle kritisiert an Austin das Fehlen eines durchgängigen Klassifikationsprinzips und führt eine systematischere Strukturierung ein, indem er den lokutionären Akt durch Äußerungs- und propositionale Akte ersetzt.
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- Stephanie Meyer (Author), 2003, Sprechakttheorie. Ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36230