Einleitung
„Die Leiden des jungen Werther” von Johann Wolfgang Goethe 1774 verfasst, ist ein vielseitig interpretiertes, facettenreiches Werk. Im Mittelpunkt steht die Geschichte eines jungen Mannes namens Werther, der sich in eine Frau verliebt, ohne jede Hoffnung auf eine Erfüllung dieser Liebe. Er leidet sehr darunter, wie auch unter gesellschaftlichen Zwängen und flüchtet sich in eine eigene scheinbar heile Welt, dort erschafft er sich in seinen Tagträumen ein eigenes Utopia. Nach und nach bemerkt er, dass diese Welt nicht real ist, dass seine Liebe nicht erfüllt werden kann und sieht seinen einzigen Ausweg im Freitod. Das Werk - ein Briefroman - ist in zwei Bücher aufgeteilt, wobei das erste Buch Werther in Hochstimmung zeigt1. Er geniest die Natur, er liest leidenschaftlich gern, er verliebt sich in Lotte. Dieses Buch enthält seine Briefe vom 4. Mai bis zum 10. September 1771 an einen Freund namens Wilhelm, dessen Antworten jedoch nur als Reaktion in Werthers Briefen zu erkennen sind.
Der zweite Teil umfasst die Briefe vom 20. Oktober 1771 bis zum Dezember 1772 und eine Schilderung der letzten Ereignisse durch den Herausgeber. Somit ist das Werk in zwei etwa gleich lange Teile zerlegt, und in diesen beiden Büchern spiegelt sich die auf - und absteigende Linie der Liebesbeziehung zwischen Werther und Lotte.2 Genau wie Werthers Laune, so ändert sich auch seine Umgebung.
Parallelgeschichten von anderen Personen mit ähnlichem Geschick unterstreichen Werthers eigenes Leiden und weisen auf dessen Ende hin. Auch Werthers veränderte Naturwahrnehmung und sein wechselnder Literaturgeschmack sind Fäden des komplexen Spinnennetzes, mit der sich die Struktur des Werkes am besten beschreiben lässt. Während die Fäden aus den glücklichen Tagen zum Zentrum des Netzes - der Liebe zu Lotte - hindeuten, so wie es auch die Geschicke der Menschen aus den Parallelgeschichten zu tun scheinen, scheinen die Fäden, die für die Verdunkelung von Werthers Welt und seiner Liebe stehen, jedoch davon wegzulaufen.
Diese Parallelgeschichten, Spiegelungen und Kontraste werden in dieser Arbeit näher untersucht und durchleuchtet.
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1 Die Briefe stehen auch zueinander in spiegelnden Kontrasten. Vgl. hierzu Siepmann S. 83 – 87 die Struktur des Romans.
2 Vgl. Blessin S. 27 ; s. auch: Rumpf S. 24/25
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Hauptteil
1. Das 2. Buch ist ein Negativ des ersten Buches
1) Bauernbursche
2) Schulmeistertochter
3) Heinrich der Blumenpflücker
4) Selbstmörderin
5) Nussbäume
2. Werther spiegelt seine Umwelt wider
1) Werthers Laune ist von positiver Bestärkung durch andere Personen abhängig
2) Literatur spiegelt Werthers Seelenzustand
3) Natur beeinflusst Werther
3. Kontraste im Werther
III. Schlusswort - Spiegelungen zwischen Werther und Goethe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Struktur von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ durch eine Analyse zentraler Spiegelungen, Parallelgeschichten und Kontraste. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese literarischen Techniken Werthers inneren Zustand sowie dessen Entwicklung und Schicksal widerspiegeln und den Roman als kunstvolles Geflecht aus psychologischer Projektion und narrativer Symmetrie charakterisieren.
- Die Funktion von Spiegelbildern in Nebenhandlungen und Episoden (z.B. Bauernbursche, Schulmeisterstochter).
- Die Rolle der Naturwahrnehmung als „Messgerät“ für Werthers psychische Verfassung.
- Der Einfluss von Literatur (Homer vs. Ossian) auf Werthers Gemütszustand.
- Die Bedeutung von Kontrastfiguren, insbesondere Albert, für die Charakterisierung Werthers.
- Biographische Bezüge und die Spiegelung zwischen Werther und Goethe.
Auszug aus dem Buch
1) Bauernbursche
Die Geschichte des Bauernburschen ist meisterlich von Goethe in drei Schüben die Hauptgeschichte eingeflochten worden. Werther sieht in dem Bauernburschen einen Gleichgesinnten, da dieser wie er in eine verheiratete Frau verliebt ist und - da diese Liebe unerfüllt bleibt - zum Mörder des Rivalen wird.
Zum ersten Mal begegnet Werther dem Bauernburschen kurz vor seinem ersten Treffen mit Lotte. Er unterhält sich mit ihm, und als der Bauernbursche ihm von seiner Liebe zu seiner Herrin, einer Witwe, berichtet, ist Werther aufs Tiefste von der “Reinheit” dieser Liebe berührt .“Ich hab in meinem Leben die dringende Begierde und das heiße, sehnliche Verlangen nicht in dieser Reinheit gesehen, ja wohl kann ich sagen, in dieser Reinheit nicht gedacht und geträumt.” Werther, der immer nach der Idylle strebt, fühlt sich durch die Liebe des einfachen Mannes in seinem Element.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Vorstellung von Goethes Briefroman und Erläuterung der zentralen methodischen Thesen zur Struktur des Werkes.
II Hauptteil: Analyse der spiegelnden Nebenhandlungen und der Projektion von Werthers Innenleben auf Natur, Literatur und soziale Umwelt.
III. Schlusswort - Spiegelungen zwischen Werther und Goethe: Betrachtung der autobiographischen Parallelen zwischen dem Autor und seiner Romanfigur sowie der Entstehungsgeschichte des Werkes.
Schlüsselwörter
Werther, Johann Wolfgang von Goethe, Briefroman, Spiegelung, Kontraste, Identifikation, Naturwahrnehmung, Literaturgeschmack, Wahnsinn, Liebeskummer, soziale Zwänge, Projektion, Ossian, Homer, Selbstmord.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Struktur von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ anhand von Spiegelungen, Kontrasten und Parallelgeschichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Werthers verzweifelte Liebe, seine Projektion auf Natur und Literatur sowie sein schwieriges Verhältnis zur Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Ziel ist es, die narrative Technik des „Spiegelns“ aufzuzeigen, mit der Goethe Werthers inneren Abstieg und den Zerfall seiner Welt darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text durch den Vergleich von Schlüsselszenen und Nebenepisoden interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des zweiten Buches als Negativ zum ersten, Werthers wechselseitige Projektion auf seine Umwelt und die zentralen Kontraste im Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Spiegelung, Kontrast, Identifikation, Natur, Literatur und die psychologische Pathologie der Figur Werther.
Wie beeinflusst die Figur des Bauernburschen das Verständnis von Werther?
Der Bauernbursche dient Werther als Spiegelbild für seine eigene unerfüllte Liebe und rechtfertigt für ihn moralisch seine eigene Verzweiflung.
Inwiefern spielt der Literaturgeschmack eine Rolle für Werthers Entwicklung?
Werthers Vorliebe für den „idyllischen“ Homer zu Beginn und den „düsteren“ Ossian am Ende spiegelt den Wandel seiner psychischen Verfassung wider.
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- Eva Oltmann (Author), 2004, Dopplungen im Werther, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36242