Das Fremdwort in der deutschen Sprachgeschichte


Seminararbeit, 2004

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der sprachstrukturelle Fremdwortdiskurs
2.1 Die Ausdrucksseite
2.2 Die Inhaltsseite

3. Der sprachideologische Fremdwortdiskurs
3.1 Gemäßigter vs. radikaler Sprachpurismus
3.2 Kennzeichen des Sprachpurismus
3.3 Der Sprachpurismus in der Geschichte der deutschen Sprache

4. Der sprachpädagogische und -soziologische Fremdwortdiskurs

5. Der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs
5.1 Stilistische Urteile
5.2 Kommunikationsspezifische bzw. ethische Urteile

6. Zusammenfassung und Schlusswort

7. Literatur

1. Einführung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Bewertung von Fremdwörtern in der Sprachgeschichte des Deutschen. In Anlehnung an Gardt (2001) habe ich eine Vorgehensweise gewählt, die sich nicht chronologisch orientiert, sondern sich auf unterschiedliche „Diskurse“ (Gardt, 2001, 30), unterschiedliche Herangehensweisen bezieht. Schon seit der frühen Neuzeit können diese Diskurse in der Bewertung von Fremdwörtern angetroffen werden. Auch die Geschichte des Neuhochdeutschen wird durch die Diskussion über den Einfluss fremder Sprachen geprägt. So gibt es auch heute noch Vertreter für die verschiedensten Argumente, die innerhalb dieser Diskurse ausschlaggebend sind. Bevor ich auf die Diskurse im Einzelnen eingehe, möchte ich zunächst noch einige allgemeine Bemerkungen zum Thema voranstellen.

Die Geschichte einer Sprache wird stets maßgeblich durch die Einstellungen ihrer Sprecher beeinflusst (vgl. Gardt, 2001). Die Bewertung von Fremdwörtern wurde im Laufe der Geschichte „von Grammatikern, Rhetorikern, Sprachtheoretikern und auch Ideologen“ (ebd., 31) vorgenommen. Entsprechend der jeweiligen Überzeugung fiel die Definition des Begriffs „Fremdwort“ unterschiedlich aus. Bei der Bewertung von Fremdwörtern wurden nicht nur die Merkmale des Sprachsystems beschrieben, gleichzeitig wurde das System auch normierend beeinflusst.

Unter den Punkten zwei bis fünf werde ich mich mit verschiedenen Diskursen beschäftigen, die sich auf unterschiedliche Dimensionen des Fremdwortbegriffs beziehen. Dazu gehören der sprachstrukturelle, der sprachideologische, der sprachpädagogische und -soziologische und der sprachkritische bzw. sprachpflegerische Fremdwortdiskurs. Es ist nicht möglich, eine klare Abgrenzung unter ihnen vorzunehmen, da sie sich überlappen und jeweils eine Mischung verschiedener Aspekte darstellen. Wenn nicht anders vermerkt, beziehe ich mich auf die Ausführungen von Gardt (2001).

2. Der sprachstrukturelle Fremdwortdiskurs

In diesem Diskurs stehen grammatische und lexikalische Fragen des Fremdworts im Zentrum der Aufmerksamkeit. Definitionen werden hier nur vereinzelt angetroffen und sind meist allgemein gehalten. Ein Beispiel für eine solche Begriffserklärung wäre folgende: „Fremdwörter sind zunächst die aus einer anderen Einzelsprache übernommenen, dem Deutschen ausdrucksseitig wie inhaltsseitig nicht zugehörigen Wörter.“ (Gardt, 2001, 36). Auch die Begrifflichkeit gestaltet sich sehr unterschiedlich. Bevor im 19. Jahrhundert der Begriff des „Fremdwortes“ eingeführt wurde, gab es zahlreiche andere Ausdrücke, von denen ich an dieser Stelle einige kurz nennen möchte: „fremde[…] Wörter[…], […] Barbarismen, verba peregrina, […] Fremdlinge[…]“ (Gardt, 2001, 36). Es wurden auch Ausdrücke mit gleichzeitiger negativer Bewertung verwendet. So war die Rede von „undeutschen Wörtern, fehlgebildeten Wörtern, Bastardwörtern, fremdem Putz/Schmuck/Glitterwerk, fremden Brocken, erbettelten Lappen fremder Sprachen, fremdem Mischmasch etc.“ (ebd., 37).

Ich möchte nun auf die in der oben genannten Definition erwähnten Merkmale des Fremdworts eingehen, die innerhalb dieses Diskurses im Vordergrund stehen. Gleichzeitig werde ich versuchen, diese Aspekte anhand bestimmter Stationen in der deutschen Sprachgeschichte zu verdeutlichen.

2.1 Die Ausdrucksseite

Die Ausdrucksseite äußert sich in Aussprache, Schreibung, Wortbildung und Beugung. Schwierigkeiten in diesem und anderen Bereichen traten zu jeder Zeit hauptsächlich bei den Sprechern auf, die keine oder nur wenige Fremdsprachenkenntnisse besaßen und besitzen (vgl. Zabel, 1987).

Bis zum 15. Jahrhundert, zur Zeit der Völkerwanderung, also zu den Anfängen der deutschen Sprachgeschichte, war die Sprache geprägt durch eine fast ausschließlich mündliche Verwendung (Munske, 2001). In dieser Zeit gab es hauptsächlich direkte Entlehnungen, die heute als integriert[1] gelten und „in keiner Weise mehr als ‚fremd’ empfunden“ werden (ebd., 12), da sie an den Lautwandelprozessen des Deutschen teilgenommen haben. Der Grad der Integration auf Seiten von Aussprache, Schreibweise und Flexion kennzeichnet die Unterscheidung von Fremdwörtern und Lehnwörtern.

Das 17. Jahrhundert war geprägt durch die Forderung nach deutscher Aussprache, Schreibung und Flexion. Im Gegensatz dazu stand die Auffassung, Schreibung und Lautung sollten beibehalten werden, die sich im 18. Jahrhundert etablierte. Die jeweiligen Kriterien bezogen sich unter anderem auf die Art der Ausgangssprache[2] oder den Wohlklang des entsprechenden Wortes.

Bereits im 19. Jahrhundert gab es Vertreter der historischen und der phonetischen Schreibweise (Zabel, 1987). Die Erstgenannten setzten sich für eine Schreibung entsprechend der Abstammung des Wortes ein und verfolgten damit gleichzeitig ein bildungspolitisches Anliegen. Dagegen forderten die Vertreter der phonetischen Schreibweise die Anpassung der Fremdwörter an die deutsche Sprache (Zabel, 1987) und die systematische Ersetzung fremder Grapheme (vgl. Munske, 2001). Die Beweggründe lagen hier laut Zabel (1987) weniger in der Vereinfachung als vielmehr in der Vereinheitlichung der Sprache. Munske (2001) weist darauf hin, dass bis heute einer Umgestaltung der orthografischen Normen in Bezug auf Fremdwörter entgegengewirkt wird. Das liegt einerseits an einer grundsätzlichen Abneigung gegen jegliche Rechtschreibreform und zum Zweiten an einer „Bindung an die humanistische Tradition“ (ebd., 25). Auch nach der neuesten Rechtschreibreform gibt es noch viele griechische Wörter, die charakteristische Lautverbindungen beibehalten haben. Charakteristisch für die Unsicherheiten im Umgang mit der Schreibung von Fremdwörtern ist auch die Realisierung der Orthografie in Doppelformen, die entsprechend verschiedene Schreibungen zulassen (siehe auch Zabel, 1987).

[...]


[1] Integration bezeichnet die „Eingliederung von anderssprachlichen Elementen in das System oder Lexikon einer Sprache“ (Glück, 2000, 4271)

[2] Bei Fremdwörtern aus so genannten „lebenden“ Sprachen sollte die ursprüngliche Schreibung beibehalten werden, wohingegen Wörter aus „toten“ Sprachen angepasst werden sollten.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Fremdwort in der deutschen Sprachgeschichte
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Das Fremdwort in der deutschen Sprache
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V36265
ISBN (eBook)
9783638359337
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fremdwort, Sprachgeschichte, Sprache
Arbeit zitieren
Anna Badstübner (Autor), 2004, Das Fremdwort in der deutschen Sprachgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36265

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